Click me if you can
13.03.2012
Pro:
(sic ! )
Kontra:
(sic ! )
 Post_scriptum
Über sich:
☺ "In 3 Wochen gewöhnt man sich an alles, sogar an dich!" (Lea, 19jährige Wegbeglei...
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Es war einer dieser Morgen, an denen man verkatert aus den Laken kriecht, ins Bad geht, in den Spiegel schaut und sagt: Irgendwo hab' ich die Fratze schon mal gesehen! Kaum, dass ich mich in die Küche geschleppt hatte, musste ich zu meinem Entsetzen feststellen, dass der Kaffee aufgebraucht war – ein böses Omen. In Ermangelung einer besseren Alternative würgte ich ein Glas Leitungswasser hinunter. Das scheintote Handy empfahl mir, nachdem ich es der nächsten Steckdose zur Reanimation anvertraut hatte, meine Mailbox abzuhören. Gleichgültig gab ich die Order und führte des modernen Mannes drittbesten Freund ans Ohr. Was ich dann hörte, wirkte wie ein dreifacher Espresso: Meine Augenlider wechselten aus ihrer erbärmlichen Schieflage in den Unsichtbarkeitsmodus, mein Oberkörper richtete sich ruckartig auf, wodurch das Handy den Kontakt zum überlebensnotwendigen Kabel verlor, mein Gehirn signalisierte volle Funktionstüchtigkeit – meine Verlobte hatte sich für den Abend angemeldet.Mir blieben somit gerade mal fünf Stunden, da der Morgen für mich etwas später begonnen hatte. Meine Wohnung machte selbst auf mich einen unappetitlichen Eindruck, also kippte ich mir noch ein Gläschen aus dem tropfenden Wasserhahn hinter und begann wie ein Irrer Müll und Schmutz zu beseitigen. Als alle Räume nur noch nach Putzmitteln rochen, fuhr ich in die City, um das Allernötigste einzukaufen. Mein erstes Ziel war ein Dessous-Geschäft. Der Verkäuferin zeigte ich mit dem Finger, welches Négligé aus dem Schaufenster ich haben wollte. Da sie mich um eine Konfektionsgröße bat, ich jedoch keine Lust auf weibische Zahlenspielchen hatte, verlangte ich die drittkleinste. Sie verschwand in einem Hinterraum, sodass ich Gelegenheit hatte, die reizende Atmosphäre des Ladeninterieurs auf mich wirken zu lassen. Nachdem sie mit einer Verpackung unter dem Arm zurückkam und mich fragte, ob sie es als Geschenk einwickeln solle, tat ich so, als bemerkte ich ihren spöttischen Gesichtsausdruck nicht und antwortete mit einem Nicken in Begleitung eines geschmacklosen Grinsens. Sowie ich das Geschäft verlassen hatte, besorgte ich einige Fläschchen Prosecco sowie diverse Aphrodisiaka. Anschließend eilte ich heim, um das Liebesnest zu perfektionieren und um mich in Schale zu schmeißen. Kurz vor der angekündigten Uhrzeit waren die letzten Vorbereitungen getroffen, sodass ich in wolllüstiger Erwartung Moschusduft versprühend durch die Zimmer tänzelte. Endlich klingelte es. Allerdings nicht an der Tür, sondern in meiner Hose – natürlich hatte ich mein Handy in der Zwischenzeit aufgeladen. Die SMS lautete folgendermaßen: „Hi Schatz, warte nicht auf mich. Schulfreundin getroffen, ewig nicht gesehen! Küsse!!!“ Handy und Eau de Toilette landeten gleichzeitig auf der Auslegeware. Ich griff nach dem Geschenk, trat auf den Balkon hinaus, riss erst das Papier, dann die Verpackung auf und kramte mein Feuerzeug aus der Hosentasche hervor. Wie ich so dastand, mit dem Négligé in der Linken, dem Zippo in der Rechten, dem Wahnsinn in den Augen, hörte ich plötzlich jemanden sagen: „Verschone mich – ich bitte dich!“ Was für eine Stimme! Mir war, als sähe ich die Welt von einem Moment auf den andern durch eine rosafarbene Brille. Nie und nimmer konnte das eines Menschen Stimme sein, weshalb ich gar nicht erst nach einem solchen Ausschau hielt. Und ich sollte recht behalten: „Die zu dir spricht, ist eine Muse – verwünscht in diese weiße Bluse!“ Jetzt erst bemerkte ich, dass mir die Dessous-Verkäuferin gar nicht das Objekt meiner Begierde verkauft hatte; doch ich hegte ihr deshalb keinerlei Groll – angesichts dieser Stimme! Mit einem Gefühl ungekannter Zufriedenheit verließ ich den Balkon mit meiner neuen Bekanntschaft, um einen anständigen Bügel für sie zu finden. Wieder erklang diese Stimme: „Auf Wolken wurde das Gewand gewebt – sein Träger stets in Dichtersphären schwebt!“ Ich hielt inne, musterte das Kleidungsstück eine Weile und ließ die Jalousie herunter. Manchmal muss ein Mann tun, was ein Mann tun muss, also entledigte ich mich meiner Oberteile mit Ausnahme des Unterhemdes, knöpfte die Bluse auf und probierte sie an. Sogleich spielte sich vor meinem geistigen Auge der folgende Film ab. · · ·Stimme aus dem Off An einem Ort jenseits aller Vorstellungskraft befindet sich Click City. Niemand lebt dort, denn die Stadt ist in Privathand, und sämtliche Gebäude sind entweder Bürotürme oder Vortragssäle, von einem kleinen Café einmal abgesehen. Die Eigentümer finanzieren die zu 100 Prozent elektronisch funktionierende und daher rund um die Uhr betretbare Stadt über Werbeeinnahmen, sodass man keine drei Schritte gehen kann, ohne von einer Werbetafel, einem Werbeposter, einem Werbeplakat, einem Werbebanner oder dergleichen überrascht zu werden. Obgleich dies den meisten regelmäßigen Besuchern ein Dorn im Auge ist, können sich die Eigentümer über mangelndes Interesse nicht beklagen, denn in ihrer Stadt lässt sich Geld verdienen. Alles was man dafür tun muss, ist, über Unternehmen, Reisen oder Produkte zu reden. Für jeden, der sich einmal dazu entschieden hat in der Stadt einen Vortrag zu halten, wird automatisch ein Büro in der ersten Etage eines dreizehnstöckigen Turmes eingerichtet. Je aktiver ein Redner ist, desto höher befindet sich sein Büro in einem Turm. Jedes Jahr wird ein neuer hochgezogen, weshalb die Türme Jahreszahlen als Namen haben. · · ·APRIL 2011 T-2008, 2. Stock, Büro von July Seven Eine junge Frau lässt vom Computer ihren neuesten Vortrag aufnehmen.JULY. … und nachdem meine Dissertation über den amerikanischen Untertanengeist im Spiegel der Zeitgeschichte von der Harvard University angenommen worden war, ich jedoch nicht von dem Sujet lassen wollte, entschloss ich mich zu einer virtuellen Feldforschung, von der im Folgenden die Rede sein soll. Meine Fragestellung lautete: wie konform verhalten sich amerikanische Internetnutzer auf einer Meinungsplattform? Aufgrund seines hohen Bekanntheitsgrades wählte ich das Verbraucherportal „click!“ und richtete ein Mitgliedskonto ein. Es war ein Schauerroman, der mich erwarten sollte, aber immer der Reihe nach mit den Enthüllungen. Ein älterer Mann erscheint. BILL (applaudiert grinsend). Bravo, Miss Seven, ich bin wirklich beeindruckt! JULY (unterbricht die digitale Aufnahme). Tut mir leid, aber ich habe bereits einer Kollegin von Ihnen gesagt, dass ich nicht Mitglied der Gegenklicker-Vereinigung werden will. BILL. Was für eine Geradlinigkeit! Ganz genau, wie ich Sie mir vorgestellt habe. Mein Name ist Doors, Bill Doors. JULY (zuckt mit den Schultern). Das macht Ihre Vereinigung auch nicht interessanter für mich. BILL (höhnisch grinsend). Ich bin meine eigene „Vereinigung“, Miss Seven. Wenn ich Sie nun bitten dürfte, mir in mein Büro zu folgen. JULY (empört). Ich werde Ihnen nirgendwohin folgen! BILL (pfeift zwei Schergen herein). Ich muss darauf bestehen, Miss Seven! Sie versucht zu fliehen, einer der Schergen bekommt sie zu fassen, der andere tränkt ein Tuch mit Chloroform und hält es der in der Umklammerung verzweifelt zappelnden July unter die Nase, die kurz darauf das Bewusstsein verliert. BILL. Tragt sie zum Wagen und legt sie auf die Rückbank, aber behutsam! Ich komme gleich nach. Die Schergen nehmen July hoch und entfernen sich; Bill tritt ans Fenster. BILL (schaut aus dem Fenster). Diese niedrige Etage stand ohnehin in keinem Verhältnis zu Ihren Fähigkeiten. Er löscht Julys Aufnahme und verlässt das Büro. · · ·T-1999, 10. bis 12. Stock, “MICROCLICK“ Mit allerlei High-Tech ausgestattetes Laboratorium. July liegt mit Elektroden an den Schläfen sowie mit metallenen Fesseln an Hand- und Fußgelenken auf einer erhöhten Liege. Bill sitzt hinter ihr vor einem Computer. JULY (dreht den Kopf in alle Richtungen, ruft). Hallo? Ist irgendjemand hier? BILL (geht an die Liege). Willkommen in meinem bescheidenen Büro! Wie fühlen Sie sich? JULY (starrt ihn entsetzt an). Warum haben Sie mich hierher gebracht, was um alles in der Welt habe ich Ihnen getan? BILL (grinst). Die Frage sollte eher lauten, was Sie für mich tun können. Sehen Sie, Miss Seven, Ihre kritische Einstellung ist es, die mich hat auf Sie aufmerksam werden lassen. Seit bald drei Jahren sind Sie eine Click-Rednerin, und in all dieser Zeit haben Sie kein einziges Mal einen Fuß in einen unserer attraktiven Vortragssäle gesetzt; Sie reden und agieren ausschließlich im schmutzigen Café. JULY. Worauf wollen Sie hinaus? BILL. Click City lebt von den Konformisten. Handelte die Mehrheit wie Sie, gingen hier die Lichter aus. JULY. Das ist wohl kaum realistisch. BILL. Sie machen auch kaum Gebrauch von den Knöpfen. JULY. Ist das in irgendeiner Weise verwerflich? Was soll das alles, wieso liege ich hier gefesselt? BILL. Das Klicken ist ein menschliches Grundbedürfnis – oder mit Francis Bacon: Klicken ist Macht. JULY. Was reden Sie da für einen Unsinn? BILL. René Descartes konstatierte: Ich klicke, also bin ich. JULY. Hören Sie auf, das ist ein Affront gegen die europäische Geistesgeschichte! BILL. Und wie lautete Göbbels' berühmte Frage an die Deutschen: Wollt ihr den totalen Klick? JULY. Sie sind ja wahnsinnig! BILL. Oh nein, Miss Seven, ich bin klicksinnig – und schon bald werden auch Sie es sein! JULY. Was haben Sie mit mir vor? BILL. Wussten Sie, dass ein modernes Wörterbuch für das Wort „click“ neun Bedeutungen aufzählt? Und das ist erst der Anfang, denn ich werde Dutzende, ja Hunderte von Wörtern durch dieses eine ersetzen. JULY. Wie wollen Sie das anstellen? BILL. Sie haben nun die große Ehre, Bekanntschaft mit dem Prototyp unserer neuesten Software zu machen, der Clickware: diese Maschine, an die Ihr Gehirn angeschlossen ist, wird sich an Ihrem Vokabular gütlich tun. JULY. Aber warum? Was versprechen Sie sich davon? BILL (lacht). Sind Sie tatsächlich so blind, Miss Seven? Sehen Sie nicht, wie ich auf diese Weise das Denken und Handeln unzähliger Menschen steuern kann? Im Dezember werden wir die Clickware als Produkt der Woche präsentieren, um vom Weihnachtsgeschäft zu profitieren. Heute Sie, morgen Click City und übermorgen – na das sehen wir dann schon. Macht es nun Klick bei Ihnen? JULY. Was macht Sie so sicher, dass jemand diese Clickware haben will? BILL. Die Leute kaufen alles, was als modern und attraktiv beworben wird. Unser Werbe-Etat ist beträchtlich, was wir nicht zuletzt all den fleißigen Klickern zu verdanken haben, um die Sie, Miss Seven, bis jetzt einen großen Bogen gemacht haben. Aber jeder verdient eine zweite Chance, und deshalb liegen Sie hier: um unseren Siegeszug über die Grenzen von Click City hinaus vorzubereiten. JULY. Das können Sie nicht tun! Sie haben eine moralische Verantwortung! BILL (höhnisch). Die Moral, Miss Seven, ist so beständig wie ein flüchtiger Klick. Aber lassen Sie mich erläutern, was Ihnen in Kürze widerfahren wird. Die Software ist so programmiert, dass sämtliche vom Gedächtnis gespeicherten Filmtitel dahingehend manipuliert werden, dass jeweils mindestens ein Verb oder Substantiv durch ein Klicken ersetzt wird, das Sie sowohl auditiv als auch visuell wahrnehmen werden. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gute – Unterklickung! Er setzt sich große Kopfhörer auf und geht zum Computer zurück. JULY (ruft). Warten Sie! · · · ZWEI JAHRE SPÄTERT-2000, 8. Stock, Büro von Lord Pancakes Ein feiner Herr Mitte-Ende 50 sitzt an seinem Schreibtisch in seiner Privatbibliothek. LORD (liest ein Buch, schüttelt den Kopf): Was sind das nur für Zeiten, in denen wir leben! Ein maskierter Mann stürmt herein. THECATS (richtet eine Infrarot-Maus auf den Lord). Ich bin der Graf von Monte Clicko! Hände hoch oder ich klicke! LORD (unbeeindruckt). Ach lass doch diese Scherze, lieber TheCats! THECATS (nimmt die Maske ab). Alter Spielverderber! LORD. Was führt dich zu mir, Geschätzter? THECATS. Blöde Frage, dir zu deinem Umzug zu gratulieren natürlich! Man munkelte bereits, du würdest in der siebten Etage alt und grau werden. LORD. Nun ja, man munkelt so manches. Zum Beispiel über das dreizehnte Stockwerk. THECATS. Da oben müssen sich düstere Szenen abspielen! LORD. So kann man sagen, ja. THECATS. Das klingt, als wüsstest du mehr als der gemeine Klicker. LORD. Gewiss. Ich habe mir das mal aus der Nähe angeschaut. THECATS. Du willst mich auf den Arm nehmen. LORD. Mitnichten. Du weißt doch, wie schlecht ich meine Neugier im Zaum halten kann. THECATS. Das ist wahr. Aber nun erzähl schon! LORD. Eine Handvoll Ex-Redner spielt „Klick und Frieden“: einer gibt den Kaiser, die anderen versuchen ihm das Szepter streitig zu machen, indem sie mit allen Sinnen klicken, was das Zeug hält. Wenn sie sich auf die Art lange genug beklickt haben, herrscht Frieden für eine Weile. Dann lecken sie gegenseitig ihre Wunden. THECATS. Schauerlich! LORD. Nun ja, jeder nach seinen Möglichkeiten. THECATS. Und was tut Lord Pancakes fünf Etagen tiefer zur Zeit? LORD (gibt ihm ein Buch). Der Debütroman von July Seven. THECATS (liest den Titel). „To Click a Cloud Cuckoo“.· · · Grüne Idylle July und ein junger Brillenträger schauen sich in die Augen.BOB. Wie bitte? JULY. Küss mich! BOB. Du sagtest gerade: „Klick mich, wenn du's kannst!“ JULY. Ach Liebling, da hat dir dein Unterbewusstsein einen Streich gespielt. BOB. Unsinn! Ich weiß doch, was ich gehört ha- Sie küsst ihn; seine Brillengläser färben sich rosa. JULY (fasst seine Hand). Komm, ich habe eine Überraschung für dich! Sie gehen Hand in Hand einer Stadt entgegen, deren Hochhäuser bedrohlich wirken; July dreht den Kopf zurück und zwinkert in die Kamera. · · ·Fortklickung folgt (phil leicht) Niemand ist ein unbeschrieb'nes Blatt, Hört er auch nicht auf zu nicken, In der schauerlichen Stadt, Deren Menschen zu den Wolken (bl-) klicken. }}} Beware of MC Clickware {{{
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14.04.2012 01:50
Immer auf die armen Klicker ...! Pfui!
07.04.2012 15:29
Ist Klick Bill aktuell nicht vom Winde verklickt? Gerüchten zu Folge soll Doors, also der Klicker, der zu viel wusste, aus dem Windows gesprungen sein und somit das Chaos, vergleichbar mit den letzten Stunden beim Unterklick der Titanclick, verursacht haben. Gut, er klickte am helllichten Tag nur aus dem Klickfenster zum Hof, nahm auf seiner Klickerflucht aber wie der Klicking Man sein gesamtes Klickwerk 700 Klicke westwärts nach El Klickerado mit. Tja, klickis vadis, Click City? Da hilft es wohl auch nix, dass am Klick after Tomorrow der unsichtbare Klicker kam. Ausgerechnet 'ne French ConKlicktion soll nun Herr der Klicke werden und die Passion Clicki am Leben erhalten, pfft. Die reinste Apoklicklypse now! Wer nun erhofft, zurück in die Zukunft klicken zu können, hat die noch nie einparken sehen. Das erfahren ja jetzt die klickenden Zehntausend über den Dächern von Click City am eigenen Leib. Die hocken nun seit 9½ Klickerwochen wie die Klicker von der Tankstelle tatenlos vor ihrer Glotze, weil das Layout darniederliegt. Tja, insofern bringen les Clickérables im klicken nichts Neues ... außer vielleicht einen Knackfrosch fürs Klickertraining. Eben typisch Froschfresser. Aber wenn's hilft, die Gemeinde wieder auf den richtigen Path klicken zu lassen, damit sie sich zur Black Beauty klickt, soll's mir auch recht sein. Das ist das Klicken der Anderen. *knack* ... *klick*
18.03.2012 10:14
Eine gruselig-geniale Geschichte ist kein guter Einstieg in einen locker-entspannten Sonntag. Jetzt muss ich erst einmal das Unbehagen wieder abschütteln ;-)