Servus werte Leserinnen und Leser, nach einiger Ciao Abstinenz habe ich mich nun entschlossen den dritten Teil meiner Serie „Abi 2003“ zu verfassen. Das Thema ist diesmal der Geschichts-/Gemeinschaftskunde GK, den ich 3 Jahre lang in der gymnasialen Oberstufe besuchte und auch in der mündlichen Prüfung als Wahlfach nahm.
Nun ist Geschichte und Gemeinschaftskunde eines dieser Fächer, die eigentlich sehr relevant für das Allgemeinwissen, aber vollkommen unrelevant für den beruflichen Aufstieg sind. Gerade in unser heutigen Zeit wo Politikverdrossenheit mehrheitsfähig wird und laut einer Studie mehr als die Hälfte der 14-19 jährigen mit dem Begriff „Auschwitz“ nichts anfangen können, wird dieses Fach jedoch zunehmend auch zu einem Kernfach der sogenannten gesellschaftlichen Qualifikationen.
Je nach Bundesland werden die Fächer Geschichte und Gemeinschaftskunde getrennt oder zusammen und teils auch unter ganz anderen Namen wie Sozialkunde unterrichtet. De facto kommt eigentlich kein Schüler zur mittleren Reife oder zum Abitur ohne zumindest ein Grundpensum an diesem Wissen lernen zu müssen.
Einen gewissen Bereich des Geschichts-/Gemeinschaftskundestoffs wird bereits im Kindergarten und/oder Grundschule in Verknüpfung mit anderen Stoff gelernt. In manchen Ländern – wie auch bei mir in BW- ist es ein Teil des Heimatkunde Stoffes. So sollte eigentlich jedes Kund zumindest die deutsche Nationalhymne, die geographische Position Deutschlands und einen generellen geschichtlichen Überblick über die einzelnen Epochen vor der eigentlichen Weiterführung in Haupt-, Real-, Gesamtschulen oder Gymnasien besitzen. Dies ist allerdings nur der Idealfall und kommt wohl eher selten vor. Ich kann mich genau erinnern wie wir einem Klassenkameraden- wohlgemerkt in der gymnasialen Oberstufe- ohne große Probleme von den Einmarsch der Römischen Legionen nach der Weimarer Republik überzeugen konnten (Argumente: Hier lebende Italiener sind Nachfahren der Römer, der NS war eine germanische Befreiungsideologie)….
Ich selbst war von dem im Geschichtsunterricht behandelten Stoff schon immer fasziniert und liebte dieses Fach. Meine erste Begegnung mit diesem Fach hatte ich in der siebten Klasse meiner Realschulzeit, wo ein schon etwas älterer Lehrer uns zum ersten Mal detailliert über die Frühgeschichte der Griechen und Römer erzählte. Es waren sehr gute Stunden und ich fand es persönlich sehr schade, als er nach einem Herzinfarkt die Schule verlassen musste. Seit 3 Monaten lebt Herr K. leider nicht mehr. Der passionierte Jäger und Imker hat sich in seinem Waldhaus mit seiner Jagdwaffe erschossen. Dadurch wird auch diese an sich schöne Schulzeit mit meinem damaligen Klassenlehrer im Nachhinein doch etwas traurig.
Seine Nachfolgerin war Frau S., eine Frau mit stahlharten Nerven und einem Blick mir noch heute manchmal in Albträumen begegnet. Dennoch war das Fach nach wie vor sehr amüsant. Nach einem Jahr musste uns auch Frau S. verlassen, da sie eine Schwangerschaftspause einlegte. Die Erinnerung an sie ist jedoch immer noch sehr – nennen wir es einmal – „lebendig“.
In der neunten Klasse kam das Fach Gemeinschaftskunde hinzu und Herr G. wurde unser Lehrer in beiden Fächern. Herr G. ist nebenbei Vorsitzender der SPD im Nachbarort und war schon mehrmals bei eventuellen Landtags-/Bundestagskandidaturen im Gespräch, auch wenn die SPD in meinem Kreis hier sowieso sehr, sehr geringe (CDU Anteil 55+x%) Chancen auf einen Erfolg hat. Nun gut, wer mich kennt, weiß dass dies nicht allzu gut gehen konnte. Und ich finde es im Nachhinein erstaunlich, was ich alles für Diskussionen mit meinem Lehrer führen konnte. Dennoch muss ich etwas hier ganz deutlich sagen: Bei allem Respekt vor dem fachlichen Wissen von Herrn G., aber wer so stark seine persönliche politische Meinung in den Unterricht einbringt verstößt meiner Ansicht nach ganz klar gegen die Grundprinzipien des Lehrerberufs. Aber damit scheinen anscheinend viele Lehrer ihre Probleme, egal ob SPD, CDU oder FDP, zu haben. In einer pluralistisch-demokratischen Ordnung habe ich aus meiner Sicht eine solche Rolle als politisch neutral zu gestalten und das habe ich bei Herrn G. leider oft vermisst. Er war kein schlechter Lehrer, er besprach den verlangten Stoff souverän und hat auch immer faire Noten gegeben, aber es fehlte ihm oft der Abstand vom Thema. (Es sei übrigens angemerkt, dass er trotz all seiner Anstrengung niemanden zur SPD bekehren konnte und einige alte Klassenkameraden –wohl aus Trotz- sich der DVU und NPD zuwandten)
Dann kam der Schulwechsel und ich hatte das absolute Glück Herr M. als neuen Lehrer zu erhalten. Herr M. kommt ähnlich wie Herr Z. – aus meinen DV Bericht- bei internen Schülerumfragen bezüglich Beliebtheit und bester Unterricht weit nach vorne. Dies hat seine Gründe.
1. Herr M. war immer für seine Schüler da, auch wenn er sie nur in einem an sich nebensächlichen Fach wie Geschichte/Gemeinschaftskunde hatte.
2. Herr M. bewerte immer extrem fair und bevorzugte und benachteiligte nie jemanden.
3. Herr M. führte seinen Unterricht absolut politisch neutral. Wir rätseln bis heute, was er für eine politische Einstellung hat. Einerseits erzählte er oft Anekdoten aus seiner wilden achtundsechziger Vergangenheit, anderseits überraschte er uns immer wieder mit politisch gar nicht korrekten Ansichten. Der einzige wirkliche Hinweis auf seine RL Einstellung war eine Sympathiebekundung mit der DDP aus der Weimarer Republik. Also ist er wahrscheinlich ein bürgerlicher Linksliberaler oder doch nicht ? ;-)
4. Herr M. gestaltete den Unterricht sehr lebendig und nahe am Lernplan. Ein anderer Lehrer, den ich hier bewusst nicht nennen möchte, verwendete hingegen einen 20 Jahre alten Lernplan (dies ist kein Witz!). Weiterhin fügte Herr M. auch oft Passagen zu aktuellen Themen ein und versuchte bei seinen armen Schüler/innen für diverse politische Themen Interesse zu wecken.
Was bespricht man eigentlich in Geschichte/Gemeinschaftskunde? Nun ja der Lehrplan ist relativ uneinheitlich bezüglich Bundesland und Art des Gymnasiums. Dennoch gibt es gewisse universelle Themenbereiche:
Geschichte:
1.Die Weimarer Republik
Ein Großthema und mein Lieblingsthema in der Oberstufe.
2. Die NS Zeit
Ehrlich gesagt etwas langweilig, weil schon x Mal vorher durchgekaut. Auch wenn unser Lehrer das Thema gut gestaltete und mit Auszügen aus diversen Büchern (Mein Kampf etc.) uns die NS Ideologie gut darstellen konnte, für mich persönlich eher ein ausgelutschtes Thema.
3. Die Nachkriegszeit
Dieses Themengebiet war zumindest bei uns sehr eingeschränkt. Von Adenauer bis Brandt, aber nicht viel weiter und nicht allzu genau. Kann sein, dass es in anderen Ländern anders gehandhabt wird.
4.Die Wiedervereinigung
Leichtes und relativ kurzes Themengebiet. Sehr gut zum Punkte sammeln.
Gemeinschaftskunde:
1.Demokratie und Pluralismus
Tja ein extrem aufwendiges und doch spaßiges Thema für alle Politik Interessierten. Demokratie/Staatsmodelle und Merkmale werden besprochen.
2. Das politische System der BRD
Parteienlandschaft, Organe der Demokratie und ihre Aufgaben sind das Hauptthema.
3. Föderalismus
Langweilig, einfach und relativ kurz.
4.Rechtssystem der BRD
Bin ich froh über dieses Thema nie eine Arbeit geschrieben zu haben. Grauenvoll kompliziert und Gott seis gedankt nur für die schriftliche und/oder mündliche Prüfung relevant.
Tja und wie erging es mir so im GK ? Tja ziemlich gut: Ich konnte 3*15 und einmal 13 Punkte (eine Arbeit ging über Parteispenden, da hat man es als CDUler naturgemäß schwer ;-) ) ins Abitur einrechnen und nahm dieses Fach dann selbstverständlich auch für die mündliche Prüfung.
Nun muss ich etwas anfügen: Macht es nicht so wie ich beim Lernen!
Ich habe eigentlich bei all der Vorbereitungszeit für die mündliche Prüfung nur Sekundärliteratur gelesen und bin dann 2 (!) Tage vor der mündlichen Prüfung zur Überarbeitung des Stoffes, den ich aufgeschrieben hatte, übergegangen. Nun gut ich habe 2 Tage lang mir je 10 Stunden das Zeug in den Kopf gehauen und es hat ja im Endeffekt auch glänzend funktioniert, nur gibt es sicher auch einfachere Wege.
Zur Vorbereitung empfehle ich auf jeden Fall ausdrücklichst die Materialien der BPB. Macht euch nicht unglücklich in dem ihr für ein Heidengeld irgendwelche Abiturvorbereitungsbücher kauft, sie sind nutzlos, glaubt es mir.
Nun gut dann kam der Tag der Prüfung und ich wusste ich bräuchte 12 Punkte um eine 1.6 zu erreichen. Ein guter Freund und Klassenkamerad von mir bräuchte gleichwohl nur 11 Punkte und stritt sich nebenbei mit mir um den Klassenpreis. Motivation war also mehr als genug da!
Als ich dann die Themen meiner Prüfung vor Augen, wusste ich: Es ist alles möglich
Thema 1: Das System und die Ideologie des NS
Thema 2.: Parteien in der BRD und Politikverdrossenheit
Das hört sich jetzt natürlich alles so locker im Nachhinein an. De facto war ich in der Prüfung fürchterlich aufgeregt, relativ blass und habe am ganzen Leib gezittert, aber dies scheint anscheinend normal bei solchen Prüfungen zu sein. Das Ergebnis hat mich dann doch überrascht: Glatte 15 Punkte sind es geworden und damit war ich der Beste in diesem Abiturfach (selbst der Schulbeste A. B., ein kleines Genie, dass meine Ciao Bericht regelmäßig mitliest und jetzt wahrscheinlich hämisch grinst, konnte nur 14 Punkte erreichen.) und laut Aussage meines Lehrers bin ich erst der zweite in seiner Lehrerlaufbahn der ein solches Ergebnis erreichen konnte.
Tja somit war ich in diesem Fach doch recht erfolgreich, oder ? ;-)
Mein persönlicher positiver Eindruck ist natürlich keinesfalls in irgendeiner Weise signifikant für dieses Fach, aber wie ich in meiner Einleitung erwähnte so sind Kenntnisse in diesem Bereich durchaus nicht unwichtig und können wie ich derzeit sehe auch für das Studium in bestimmten Fächern sehr nützlich sein. Geschichte und/oder Gemeinschaftskunde muss nahezu jeder Schüler machen. Es geht hier hauptsächlich darum wie man sich engagiert. Wer nur auf stupides Auswendiglernen aus ist, wird auflaufen, wer sich auch abseits davon für Geschichte und/oder Politik interessiert wird viel Spaß haben.
Empfehlenswert für Schüler/innen? Aus meiner Sicht ja und auch wenn nicht: Ihr müsst da durch ! ;-)
© twicer
Anmerkung:
Dies ist kein neuer Ciao Bericht. Auf Grund des Datenbank Verlustes wird er hier erneut gepostet. Leider hatte ich vorher auch nicht auf alle Kommentare geantwortet....
01.08.2006 20:52
Ich hätte gerne mehr über die Klausurthemen und die mündliche Prüfung erfahren, daher ein H. Lieben Gruß Katja
29.11.2003 17:08
Ein sehr hilfreicher Bericht, auch wenn ihm etwas weniger Selbstdarstellung gut getan hätte. Und ich hatte in meiner Gymnasialzeit nur Lehrer, die ihre eigenen politischen (und unter Schülern wohlbekannten) Ansichten sehr wohl aus dem Unterricht raushalten konnten.
23.11.2003 22:35
Ach ja, Geschichte ist doch ein sehr interessantes Fach!! Allerdings kann ich eigentlich nur einen LK empfehlen!! Da hat man mehr Zeit für diese dollen Themen!! MfG Holle