Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
werkgetreuer, zehn Teile realisiert, aktualisiert, gut ausgestattet, DVD - Bonusmaterial |
| Kontra: |
wenig spannend, wenig unterhaltsam, lediglich TV - Niveau |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
|
"Die Geschichte der O" ist wohl das berühmteste (und berüchtigtste) Buch über weibliche Unterwerfung überhaupt. Zwar kommen darin Gewaltakte vor, doch handelt es sich nicht um ein Sadomaso-Buch im Sinne eines Marquis de Sade. Themen wie Liebe, Hingabe, Demut, Herrschaftsausübung und Unterwerfung, aber auch Weiterentwicklung und Befreiung sind zentrale Motive, die die Handlung vorantreiben.
Ganz anders hingegen die Verfilmungen. Die erste, von Just Jaeckin ("Emmanuelle", 1975) unternommen, nimmt die Machtverhältnisse noch ernst, missbraucht das Outfit der Akteure aber natürlich dazu, um dem Zuschauer entsprechende Schauwerte zu liefern. Die Handlung ist einschläfernd bis einfallslos (vgl. die anderen Berichte in dieser Kategorie).
Ob die zweite Verfilmung wohl besser gelungen ist?
Filminfos
°°°°°°°°°°°°°°
O-Titel: The Story of O (Spanien, Bras. 1992)
Vertrieb: Galileo Multimedia GmbH
FSK: ab 18
Länge: ca. 93 Min.
Regisseur: Éric Rochat
Produzent: Ron Williams
Drehbuch: Éric Rochat
Musik: Sergio Saraceni
Darsteller:
Claudia Cepeda: O
Paulo Reis: Sir Stephen
Nelson Freitas: René
Jaqueline: Gabriela Alves u.a.
Handlung der Episoden 1 und 2
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Eine Stimme aus dem Off erzählt uns von ihren Erlebnissen als Sklavin O. Wir sehen eine junge Frau an einem Schreibtisch, die Liebesbriefe an ihren Geliebten schreibt, zu seiner Unterhaltung, möglicherweise aber auch als Herausforderung. O blickt auf ein Portraitfoto von Sir Stephen, ihrem Besitzer. Sie erinnert sich.
Die achtziger Jahre in Brasilien. O ist eine Modefotografin, und als solche besucht sie zu einem Shooting eine Pferderanch im Landesinneren. Hier lernt sie den furchtlosen und freundlichen René kennen, der sie zu seiner Geliebten macht. Nach einer Weile bringt er sie nach Roissy, welches offenbar ebenfalls in Brasilien liegt, aber wie im Roman eine Mischung aus Schloss und Kloster ist. Dort prostituiert er sie und lässt sie zur Sklavin ausbilden. Um ihm ihre Liebe zu beweisen, macht sie alles mit, was er befiehlt.
René und drei andere Männer benutzen sie in Roissy, nachdem sie sie gepeitscht haben. René, von ihrem Gehorsam beeindruckt, bekräftigt seine Liebe zu O. Zu ihrem Erstaunen stellt O fest, dass sie die Prostitution, die René vornimmt, genießt. Er macht sie seinen Freunden zum Geschenk, später dann allen Männern. Durch ihren Gehorsam beweist sie, dass er sie besitzt. -
In dieser Episode kommt Sir Stephen noch nicht vor. Das Finale besteht in O's Auftritt auf einer mondänen Party, wo sie als maskierte Nackte allen Frauen die Schau stiehlt.
Die DVD
°°°°°°°°°°°°°°
Technische Infos
Bildformate: 4:3
Tonformate: Dolby Digital
Sprachen: Dt., Engl.
Untertitel: Dt., Engl., F, I, Span., Türk., Dänisch
Extras (alle in Deutsch):
- Inhaltsangabe (1 Texttafel)
- Die Romanvorlage: Autorin, Buch (1954), Erfolg, Zensur
- Stab und Besetzung
- Sadomasochismus (und Bondage)
- Song (zum Film)
Mein Eindruck
°°°°°°°°°°°°°°
Die TV-Version des französischen Erotik-Klassikers, die zehn Episoden zu jeweils 60 Minuten umfasst, sieht aus wie eine jener Telenovelas, für die das Brasil-TV bekannt und berüchtigt ist. Keine einzige Einstellung geht über die gewohnte Bildkost hinaus, keiner der Darsteller vermag mehr auszusagen als genau das, was seine Figur vermitteln soll. Nicht einmal der weiblichen Hauptdarstellerin Claudia Cepeda, die wirklich gut aussieht, gesteht man mehr zu als was schicklich ist.
Das mag aber auch an der Zensur oder Kürzungen liegen. In einem offenbar übersehenen Trailer ist eine Szene enthalten, die wesentlich deftiger ist als alles, was im Hauptfilm gezeigt wird. Wäre die Thematik nicht, so könnte der Streifen ohne weiteres mit FSK 16 durchgehen. Die 120 Minuten der beiden Episoden wurden auf rund 80-90 Minuten gekürzt.
Die Thematik wird von mir wie das Buch als bekannt vorausgesetzt, siehe oben. Angesichts der Erwartung und Spannung, die das Thema im Zuschauer erzeugt, wird ihm zunächst relativ laue Kost geboten. O und René lernen sich kennen und lieben, bis es schließlich um Bondage-Spiele und freiwillige Prostitution geht. Dies sind nur die äußeren Kennzeichen eines alten Machtspiels: Der Mann übt Herrschaft aus, die Frau wird unterworfen. Aber sie verinnerlicht ihre Unterwerfung, denn "in der Liebe ist man keineswegs frei".
Anders jedoch als bei ernstzunehmenden Autoren und Autorinnen des Genres wird die Sklavin also nicht in Willen und Seele gebrochen, sondern sie willigt freiwillig, vorgeblich aus Liebe, in ihre Unterwerfung ein. Das schließt aber auch Prostituition, Inbesitznahme, Verdinglichung ein. Dass sie das erträgt, ist nicht nur verwunderlich. Es erscheint sogar verlogen und unplausibel. Umso mehr, als die Verfilmung kaum in der Lage ist, die entsprechenden Emotionen darzustellen.
Claudia Clepeda ist wirklich ein ansehnlicher Nackedei, aber sobald sie in Klamotten schlüpft, wirkt sie etwas deplaziert. Nelson Freitas' René wirkt wie ein arroganter Schnösel, und nur Paulo Reis vermag als Sir Stephen zu überzeugen. Er hat die Statur, das Alter dafür und strahlt die nötige Autorität aus. Deshalb sieht man ihn kaum jemals lächeln, denn das wäre seiner bedrohlichen Aura abträglich.
Die Handlung kommt in Episode 1 und 2 kaum in Schwung, von Konflikten ist noch kaum etwas zu sehen. Das Hauptergebnis: O beginnt ihre Ausbildung zu einer Sklavin.
**Die DVDs
Die Bildqualität ist dem Fernsehniveau entsprechend nicht überragend. Dass der Sound in Dolby Digital präsentiert wird, mekt man kaum. Von Surround-Effekten kann man nur träumen. Die DVDs beruhen auf der zehnteiligen BRI-Video-Ausgabe von 1994.
Das Bonusmaterial...
... ist auf jeder der fünf DVDs das gleiche. Das betrifft auch die "Inhaltsangabe", obwohl sich ja in jeder Episode der Inhalt ändert. Ein weiterer Text stellt die Romanvorlage vor, also die unter dem Pseudonym "Pauline Réage" schreibende Autorin, die mit einem bekannten Autor der fünfziger Jahre ein Verhältnis hatte und den Roman für ihn schrieb. Das Buch von 1954 hatte anfangs nur im Untergrund Erfolg und wurde mehrmals Opfer der Zensur. Nach einer liberalen Phase Ende der siebziger bis Mitte der achtziger Jahre ist es heute in kaum einer Bücherecke mehr zu finden.
Ein weiterer Text - Bildbeiträge fehlen - klärt den Leser über Sadomasochismus und Bondage auf. Offenbar geht der Produzent davon aus, der Leser wisse nicht, was das ist, und zweitens, es handle sich bei "Die Geschichte der O" um ein sadomasochistisches Thema. Der Marquis de Sade und Herr von Sacher-Masoch hätten hierzu einiges einzuwenden gehabt.
Eine weitere langweilige Texttafel listet Stab und Besetzung auf. Zu guter Letzt kann man noch den Song zum Film abrufen. Er ist ebenso schmachtend und pseudo-erotisch wie die zehnteilige Telenovela.
Unterm Strich
°°°°°°°°°°°°°°
Insgesamt bieten die zehn Episoden eine Menge Nuditäten und eine Reihe nur für Erwachsene geeigneter Situationen, doch die Darstellung und Ausstattung sind geschmackvoll - bis hin zur Harmlosigkeit und Langeweile. Die Episoden sind erotisch, doch keineswegs pornografisch. Man könnte sie ohne Weiteres ab 16 freigeben.
Die Serie hat zwar ihre Pluspunkte gegenüber der Just-Jaeckin-Produktion, doch auch zwei Mängel: Das Gesetz der Serie zwingt erstens stets zu einem offenen Ende. Und zweitens können die Produzenten pro Episode nur eine begrenzte Zahl von S&M-Tricks auf die Leinwand zaubern, sonst wirkt die Serie repetitiv und ermüdend. Dadurch entsteht der Eindruck einer verwässerten Inszenierung. Hinzukommt die erwähnte Kürzung um etwa 25 Prozent. Stellenweise kann man sich des Drangs vorwärtszuspulen nicht erwehren, um die langweiligsten Stellen zu überspringen.
Fazit:
Werkgetreuer als die Jaeckin-Verfilmung, aber wesentlich langweiliger. Lohnt sich nur für eingefleischte Erotik-Anhänger.
Michael Matzer © 2010ff
| weitere Erfahrungsberichte |
Fünfzehntes Türchen
Bewertung für Geschichte der O., Die von
Wysiwyg
Pro: *****
Kontra: *****
15. Dezember
Irgendwie hat diese Kategorie das Genozid bei ciao überstanden; wer weiß, für wie lange. Es liegt vielleicht daran, daß der Film, der hier besprochen werden kann – wenn dazu noch etwas zu sagen ist, das man nicht bei mima17 besser, ...
Bericht lesen
Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich |
|
sehr hilfreich
15.12.2004
(16.12.2004)
|
Mild und weich
Bewertung für Geschichte der O., Die von
dahmane
Pro: Immerhin hat überhaupt jemand "die Geschichte der O." verfilmt
Kontra: aber auf eine einfach lächerliche Weise
"Die Geschichte der O." ist vermutlich eines der wenigen erotischen Bücher, die nicht zur trivialsten Trivialliteratur gehören, aber über die erotische Komponente hinaus keinen Mehrwert transportieren (wie das z.B. ein Großteil der Romane von Henry Miller ...
Bericht lesen
Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich |
|
sehr hilfreich
19.08.2000
|
Oberflächlich wiedergegeben
Bewertung für Geschichte der O., Die von
sannilein
Pro: --
Kontra: Nicht so gut wie das Buch
Der Film ist nicht annähernd so ausführlich wie das Buch, nach dem der Film ja gedreht wurde. Und ähnlich wie bei 9 1/2 Wochen wurde nur wirklich andeutungsweise wiedergegeben, worum es sich hier handelt. Um eine andere Ebene, um knallharten SM. Was h ...
Bericht lesen
Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich |
|
sehr hilfreich
31.08.2000
|