... Genau daran versuche ich mich mit einem absoluten Schmökertipp aus meinem Regal - Die Geschichte einer ungeheuerlichen Liebe erinnert auf den ersten Blick an "Das Parfum" und fesselt tatsächlich wie die bekannte Süskind-Geschichte. Ist aber zwar ebenso lesenswert, aber keineswegs billiger ... Bericht lesen
im bekanntesten Freudenhaus von Königsberg zwei Kinder das Licht der Welt erblicken: ein gesundes Mädchen und ein missgebildeter, kaum überlebensfähiger Knabe, Hercule Barfuss mit Namen. Die Kinder wachsen voll Sympathie füreinander und ohne Vorurteile auf, bis sie die Schließung des Bordells in verschiedene Richtungen stößt -- und der taubstumme Zwerg Hercule bei seiner Odyssee durch die Wanderzirkusse, Klöster und Irrenhäuser von ganz Europa erkennen muss, wie kalt und unbarmherzig die Gesellschaft draußen ist. Zum Glück ist Hercule mit einem Übermaß an Überlebenswillen und telepathischen Fähigkeiten ausgestattet -- eine Eigenschaft, die ihn zwar fast in den Klammergriff der Inquisition zu treiben droht, aber auch die Gewissheit gibt, dass er seine erste Liebe irgendwann einmal wieder treffen wird. Doch dann liegt das Mädchen halbtot im Rinnstein. Ist es also schon zu spät für ein Wiedersehen? Es ist unglaublich, mit wie viel blitzgescheitem Witz und erzählerischer Raffinesse der 39-jährige schwedische Autor Carl-Johann Vallgren der allseits bekannten Fabel von der Schönen und dem Biest in seiner Geschichte einer ungeheuerlichen Liebe neue Züge verliehen hat -- und ganz nebenbei auch noch das farbenprächtige Bild einer ganzen Epoche heraufbeschwört. Klischees und Zitate aus der Literatur von der Schwarzen Romantik über den Glöckner von Notre-Dame bis hin zu Süskinds Parfüm begegnen einem bei der Lektüre allenthalben, aber sie fallen kaum ins Gewicht. Denn Vallgrens Geschichte ist viel zu faszinierend und schwerelos spannend, als dass man sich von derlei Entdeckungen den Spaß am reinen Lesen verderben lassen würde. --Stefan Kellerer
im bekanntesten Freudenhaus von Königsberg zwei Kinder das Licht der Welt erblicken: ein gesundes Mädchen und ein missgebildeter, kaum überlebensfähiger Knabe, Hercule Barfuss mit Namen. Die Kinder wachsen voll Sympathie füreinander und ohne Vorurteile auf, bis sie die Schließung des Bordells in verschiedene Richtungen stößt -- und der taubstumme Zwerg Hercule bei seiner Odyssee durch die Wanderzirkusse, Klöster und Irrenhäuser von ganz Europa erkennen muss, wie kalt und unbarmherzig die Gesellschaft draußen ist. Zum Glück ist Hercule mit einem Übermaß an Überlebenswillen und telepathischen Fähigkeiten ausgestattet -- eine Eigenschaft, die ihn zwar fast in den Klammergriff der Inquisition zu treiben droht, aber auch die Gewissheit gibt, dass er seine erste Liebe irgendwann einmal wieder treffen wird. Doch dann liegt das Mädchen halbtot im Rinnstein. Ist es also schon zu spät für ein Wiedersehen? Es ist unglaublich, mit wie viel blitzgescheitem Witz und erzählerischer Raffinesse der 39-jährige schwedische Autor Carl-Johann Vallgren der allseits bekannten Fabel von der Schönen und dem Biest in seiner Geschichte einer ungeheuerlichen Liebe neue Züge verliehen hat -- und ganz nebenbei auch noch das farbenprächtige Bild einer ganzen Epoche heraufbeschwört. Klischees und Zitate aus der Literatur von der Schwarzen Romantik über den Glöckner von Notre-Dame bis hin zu Süskinds Parfüm begegnen einem bei der Lektüre allenthalben, aber sie fallen kaum ins Gewicht. Denn Vallgrens Geschichte ist viel zu faszinierend und schwerelos spannend, als dass man sich von derlei Entdeckungen den Spaß am reinen Lesen verderben lassen würde. --Stefan Kellerer
im bekanntesten Freudenhaus von Königsberg zwei Kinder das Licht der Welt erblicken: ein gesundes Mädchen und ein missgebildeter, kaum überlebensfähiger Knabe, Hercule Barfuss mit Namen. Die Kinder wachsen voll Sympathie füreinander und ohne Vorurteile auf, bis sie die Schließung des Bordells in verschiedene Richtungen stößt -- und der taubstumme Zwerg Hercule bei seiner Odyssee durch die Wanderzirkusse, Klöster und Irrenhäuser von ganz Europa erkennen muss, wie kalt und unbarmherzig die Gesellschaft draußen ist. Zum Glück ist Hercule mit einem Übermaß an Überlebenswillen und telepathischen Fähigkeiten ausgestattet -- eine Eigenschaft, die ihn zwar fast in den Klammergriff der Inquisition zu treiben droht, aber auch die Gewissheit gibt, dass er seine erste Liebe irgendwann einmal wieder treffen wird. Doch dann liegt das Mädchen halbtot im Rinnstein. Ist es also schon zu spät für ein Wiedersehen? Es ist unglaublich, mit wie viel blitzgescheitem Witz und erzählerischer Raffinesse der 39-jährige schwedische Autor Carl-Johann Vallgren der allseits bekannten Fabel von der Schönen und dem Biest in seiner Geschichte einer ungeheuerlichen Liebe neue Züge verliehen hat -- und ganz nebenbei auch noch das farbenprächtige Bild einer ganzen Epoche heraufbeschwört. Klischees und Zitate aus der Literatur von der Schwarzen Romantik über den Glöckner von Notre-Dame bis hin zu Süskinds Parfüm begegnen einem bei der Lektüre allenthalben, aber sie fallen kaum ins Gewicht. Denn Vallgrens Geschichte ist viel zu faszinierend und schwerelos spannend, als dass man sich von derlei Entdeckungen den Spaß am reinen Lesen verderben lassen würde. --Stefan Kellerer
im bekanntesten Freudenhaus von Königsberg zwei Kinder das Licht der Welt erblicken: ein gesundes Mädchen und ein missgebildeter, kaum überlebensfähiger Knabe, Hercule Barfuss mit Namen. Die Kinder wachsen voll Sympathie füreinander und ohne Vorurteile auf, bis sie die Schließung des Bordells in verschiedene Richtungen stößt -- und der taubstumme Zwerg Hercule bei seiner Odyssee durch die Wanderzirkusse, Klöster und Irrenhäuser von ganz Europa erkennen muss, wie kalt und unbarmherzig die Gesellschaft draußen ist. Zum Glück ist Hercule mit einem Übermaß an Überlebenswillen und telepathischen Fähigkeiten ausgestattet -- eine Eigenschaft, die ihn zwar fast in den Klammergriff der Inquisition zu treiben droht, aber auch die Gewissheit gibt, dass er seine erste Liebe irgendwann einmal wieder treffen wird. Doch dann liegt das Mädchen halbtot im Rinnstein. Ist es also schon zu spät für ein Wiedersehen? Es ist unglaublich, mit wie viel blitzgescheitem Witz und erzählerischer Raffinesse der 39-jährige schwedische Autor Carl-Johann Vallgren der allseits bekannten Fabel von der Schönen und dem Biest in seiner Geschichte einer ungeheuerlichen Liebe neue Züge verliehen hat -- und ganz nebenbei auch noch das farbenprächtige Bild einer ganzen Epoche heraufbeschwört. Klischees und Zitate aus der Literatur von der Schwarzen Romantik über den Glöckner von Notre-Dame bis hin zu Süskinds Parfüm begegnen einem bei der Lektüre allenthalben, aber sie fallen kaum ins Gewicht. Denn Vallgrens Geschichte ist viel zu faszinierend und schwerelos spannend, als dass man sich von derlei Entdeckungen den Spaß am reinen Lesen verderben lassen würde. --Stefan Kellerer
im bekanntesten Freudenhaus von Königsberg zwei Kinder das Licht der Welt erblicken: ein gesundes Mädchen und ein missgebildeter, kaum überlebensfähiger Knabe, Hercule Barfuss mit Namen. Die Kinder wachsen voll Sympathie füreinander und ohne Vorurteile auf, bis sie die Schließung des Bordells in verschiedene Richtungen stößt -- und der taubstumme Zwerg Hercule bei seiner Odyssee durch die Wanderzirkusse, Klöster und Irrenhäuser von ganz Europa erkennen muss, wie kalt und unbarmherzig die Gesellschaft draußen ist. Zum Glück ist Hercule mit einem Übermaß an Überlebenswillen und telepathischen Fähigkeiten ausgestattet -- eine Eigenschaft, die ihn zwar fast in den Klammergriff der Inquisition zu treiben droht, aber auch die Gewissheit gibt, dass er seine erste Liebe irgendwann einmal wieder treffen wird. Doch dann liegt das Mädchen halbtot im Rinnstein. Ist es also schon zu spät für ein Wiedersehen? Es ist unglaublich, mit wie viel blitzgescheitem Witz und erzählerischer Raffinesse der 39-jährige schwedische Autor Carl-Johann Vallgren der allseits bekannten Fabel von der Schönen und dem Biest in seiner Geschichte einer ungeheuerlichen Liebe neue Züge verliehen hat -- und ganz nebenbei auch noch das farbenprächtige Bild einer ganzen Epoche heraufbeschwört. Klischees und Zitate aus der Literatur von der Schwarzen Romantik über den Glöckner von Notre-Dame bis hin zu Süskinds Parfüm begegnen einem bei der Lektüre allenthalben, aber sie fallen kaum ins Gewicht. Denn Vallgrens Geschichte ist viel zu faszinierend und schwerelos spannend, als dass man sich von derlei Entdeckungen den Spaß am reinen Lesen verderben lassen würde. --Stefan Kellerer
Erfahrungsbericht von Magistix über Geschichte einer ungeheuerlichen Liebe / Vallgren, Carl-Johan 5. April 2009
Produktbewertung des Autors:
Niveau:
anspruchsvoll
Unterhaltungswert:
sehr hoch
Spannung:
sehr spannend
Humor:
durchschnittlich humorvoll
Aufmachung:
ok
Pro:
Spannend und fesselnd, weil gut geschrieben und atmosphärisch stimmig
Kontra:
gewisser Einsatz von (auch unerklärten) Fremdwörtern oder Lehnwörtern aus anderen Sprachen
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Ich bin voller Freude über die Neuauflage vieler schöner Rezensionen hier auf ciao! gestolpert. Einige Mitglieder bringen verstärkt Büchervorstellungen hervor, um den nun in praller Fülle hervorbrechenden Frühling als so genanntem Bücherfrühling einige schöne Blüten mehr zu entlocken. Genau daran versuche ich mich mit einem absoluten Schmökertipp aus meinem Regal - Die Geschichte einer ungeheuerlichen Liebe erinnert auf den ersten Blick an "Das Parfum" und fesselt tatsächlich wie die bekannte Süskind-Geschichte. Ist aber zwar ebenso lesenswert, aber keineswegs billiger Abklatsch! ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Allgemeine Informationen zum Autor, der Handlung und eine Leseprobe
Autor
Der schwedische Autor Carl-Johan Vallgren wurde 1964 in Linköping geboren und wuchs anschließend in Falkenberg auf. Insgesamt 10 Jahre lebte er nach dem Mauerfall in Berlinm seit 2003 in Stockholm. In einigen Romanen seit 1987 behandelt er unterschiedliche Themen und Facetten der Literatur. Bekannt wueder er beispielsweise durch sein Schweden kritisches Werk Für Herrn Bachmanns Broschüre . Den europäischen Durchbruch aber schaffte er mit dem 2002 erschienenen und hier vorgestellten Werk Geschichte einer ungeheuerlichen Liebe . In Schweden als bestes belletristisches Buch des Jahres ausgezeichnet konnte es sich viele tausend Male auch in Deutschland verkaufen und brachte Vallgren auf die Bestsellerlisten.
Handlung
In dieser ungeheuerlichen Geschichte, die diesen Namen zurecht trägt, geht es um einen Sonderling mit dem Namen Hercule Barfuss, der an einem kalten Februartag des Jahres 1813 als Sohn einer Prostituierten im äußerst beliebten Bordell in Königsberg geboren wird. Das etablierte Haus von Ruf ruft in dieser Nacht den Doktor Johann Götz, um gleich zwei Frauen zu entbinden. Die eine zeugt ein wunderschönes Mädchen mit nussbraunen Augen und seidenweichen Haaren. Die andere einen, gleich als Teufelsgeburt betitelten, Jungen mit pelzbedecktem Rücken und Schartenbildung im Gesicht.
Beide ,die schöne Henriette Vogel und (das Biest) Hercule Barfuss, wachsen Seit an Seit im Freudenhaus auf und sind von frühester Kindheit an zutiefst einander zugetan. Dabei ruft Hercule allgemein Aufmerksamkeit negativer Art hervor, wird von anderen und insbesodnere von den Herren der Kirche, die durchaus gerne bei den Damen ein und aus gehen, als Frucht eines Teufelskonkubinats gesehen wird. Als das Bordell viele Jahre später geschlossen wird, werden Hercule und Henriette getrennt und verlieren sich aus den Augen. Dennoch wird Hercule sein Leben lang nach Henriette suchen und immer an sie denken.
Doch was so seicht, leicht und altbekannt klingt, gewinnt durch die körperlichen Besonderheiten Hercules an Brisanz. Denn Hercule ist nicht nur ausgesprochen körperlich mißgebildet, er ist außerdem taubstumm und kleinwüchsig, dafür aber ungemein zäh und mit einer überaus starken Lebenskraft ausgestattet. Dieses und eine besondere Gabe leiten ihn durch kuriose Abenteuer, Anekdoten, reiten ihn in schicksalhafte Erlebnisse und fürchterliche Szenen. Hercule kann nämlich zwar nicht sprechen und hören. Dafür aber ist er in der Lage Gedanken zu lesen und mit anderen über deren Gedanken in Kontakt zu treten.
Ja, er kann die Gedanken anderer gar beeinflussen. Diese Gabe fällt den Kindern gar nicht auf und bleibt für sie als einzige immer selbstverständlich, während viele andere die Beeinflussung nicht merken. Andere bemerken es, wissen aber nicht woher es stammt und können nicht glauben, dass es Menschen gesteuert sein mag. Jedenfalls ist diese Gabe Ausweg und Waffe gleichermaßen für Hercule, der sie schnell perfektioniert und gezielt für seine Zwecke einsetzen wird.
Sein abenteuerlicher Lebensweg führt ihn auf der Suche nach Henriette schließlich durch ganz Europa - von Königsberg nach Rom und über Liverpool nach Berlin. Die Stätten sind wechselhaft und vollkommen unterschiedlich. Hier findet er sich in einem Irrenhaus, dort in einem Kloster, zieht dann umher in einem Zirkus. Immer wieder kommt es dabei zu Begegnungen mit der (katholischen) Kirche, die ihm äußerst skeptisch gegenüber steht und ihn oft verfolgt und als Teufel brandmarken will. Nur knapp kann der äußerst schlaue, missgestaltete Zwerg Hercule der Inquisition entkommen.
Ich möchte dem Schluss einmal mehr nicht vorweg greifen, kann aber dem Vorwurf des "habe ich alles schon einmal gelesen" souverän begegnen, dass es nicht das von einigen schon gesehene Happy End mit seiner Kinderfreundin Henriette geben wird.
Kurz zusammengefasst ist die Geschichte einer ungeheuerlichen Liebe die Geschichte eines sonderbaren Außenseiters, der auf der Suche nach der Verflossenen durch das Europa des 19. Jahrhunderts reist oder reisen muss. Auf seinem Weg begegnet er den verschiedensten guten wie bösen Gestalten, die jeweils Gedankengut, Charakterzüge und Zeitgeschehen der damaligen Zeit repräsentieren.
Zur Anschaulichmachung des Schreibstils Vallgrens, die sehr detailreich und ausschmückend sein kann, aber nicht zu sehr ins Detail geht, wo es nicht der Stimmung wegen angebracht erscheint, möchte ich die Beschreibung und Vorstellung des Neugeborenen Hercule Barfuss anführen:
Leseprobe
Der Schädel [...] war so grotesk groß, dass er das Becken der Frau gesprengt hatte [...] _Die Hasenscharte war von einer solchen Art, dass weder Nase noch Nasenlöcher existierten; in der Mitte des Gesichts grinste stattdessen eine dunkelrote Vertiefung, ähnlich einer Schale, deren eingerissener Rand in der Höhe der Augen endete. Der haarlose Schädel wies eigentümliche Auswüchse auf_ [...] Die Zunge war gespalten wie die einer Schlange. Knoten und Beulen entstellten die Schläfen, die Haut war fleckig und schuppig wie die einer Eidechse [...] Die äußeren Ohren fehlten ganz, und die Gehörgänge schienen durch eine Art petrifizierte Hautschicht zugewachsen; das Wesen war vermutlich taub [...] Ganz oben auf den Schultern saß etwas, das Arme und Hände darstellen sollte, aber eher an die gesottenen Wurzeln einer äußerst kleinen Pflanze erinnerte [...] Der Rücken des Kindes [...] war völlig mit schwarzem Haar bedeckt, oder eher mit einem Pelz, so dicht wie bei einem Zicklein. (Seite 34ff) ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Mein Lesegefühl
Dieses Buch ist nicht ohne Berechtigung in meinen ersten Frühlingsbericht gehuscht. Was Vallgren da auf unter 400 Seiten, also durchaus gut lesbar ohne langen Atem, packt, ist eine packende, eine nicht alltägliche, eine bewegende, eine in vielerlei Hinsicht ungeheure Geschichte. Ungeheuer könnte man nämlich und nicht ohne Berechtigung Hercule nennen. Die schaurige Beschreibung, die ich oben nicht ohne Sinn angeführt habe, zeigt wie nahe der Auto den Leser an seine Hauptfigur heranlässt.
Obgleich er sie schaurig darstellt und Hercule gerade zu Beginn gar auch widerlich erscheinen kann, gelingt ihm dennoch eine Mischung aus Mitgefühl, Identifikation und Hineinversetzen. Besonders in den Momenten, in denen Henriette und Hercule auf diese ungewöhnliche Weise als Babys und Kinder so ungezwungen und leicht miteinander "reden", keimt gar der Gedanke an ein niedliches Pärchen auch in mir auf und man vergisst die sehr ungewöhnlichen Begleitumstände.
Ich habe oben bereits Das Parfum angeführt. Und tatsächlich lassen sich hier und da Vergleiche mit Jean-Baptiste Grenouille, der Hauptperson von Süskind ziehen. Insbesondere in der Hinsicht, dass Vallgren mit Hercule ebenfalls ein auf seine Weise geniales Monster in Menschengestalt kreiert und im Lauf der Geschichte in allen seinen menschlichen und unmenschlichen Facetten ausgestaltet. Hercule Barfuss' Rache ist mitunter grausam, indem er seine Gabe nutzt, um Menschen zu seinem Werkzeug macht.
Die Geschichte einer ungeheuerlichen Liebe braucht sich dabei nicht einmal zu entscheiden ob es Liebesgeschichte, Schauer- oder Kriminalfall oder einfach ein historischer Roman sein mag. Alle diese Ideen und Eingruppierungen haben ihre Berechtigung und ich denke, dass jeder Fan eines Genres großen Gefallen an dem Buch haben wird.
Zu originell und mit großer Fabulierlust malt Vallgren die einzelnen Episoden und Erlebnisse zu opulenten Bildern aus. Diese szenischen Beschreibungen erzeugen ein ungeheures Maß vno Autentizität und Atmosphäre und fesseln die LeserInnen. Seine Geschichte ist durchaus oft in dunklen Farben, düster und grausam gehalten. Und doch findet sich überall auch eine Art leuchtender Faden, der die vielen Episoden Hercules durchzieht. Dieser silbrige Faden heißt Hoffnung und ist die Liebe an Henriette, die Hercule trägt. Eine Liebe, die das Buch und die Geschichte prägt und trotz eigentlich ausbleibendem klassischen Happy End doch genau dieses schaffen wird. Ein gutes Ende, dass die Handlungsstränke beendet und den Leser in Form einer positiven, lebensbejahenden Aussage zurücklässt.
Ich habe einige Zeit überlegt, wieso die Geschichte so fesselnd ist. Neben der schon dargestellten Detailbeschreibung und szenischen Wirklichkeit der Bilder, die Vallgren entwirft, ist es aber vor allem seine interessante Charakterzeichnung rund um Hercule. Nicht nur die Szenen, auch die Figuren sind gut und glaubwürdig herausgearbeitet. Selbst wenn alles reine Fiktion ist, könnte sich alles vielleicht eben doch genauso in der damaligen Zeit doch auch abgespielt haben. Ungeheuerlich, aber wieso nicht auch wahr?
Die Geschichte einer ungeheuerlichen Liebe nimmt den Leser also gefangen und reißt ihn mit in eine Zeitreise und so völlig andere Welt. Eine Welt gezeigt meist durch die Augen eines auf den ersten Blick abstoßenden Sonderling, dessen Taten man nicht immer gutheißen kann und wird und der doch den Leser betroffen macht, verzaubert und hier und da auch Wissenswertes vermittelt.
Denn Vallgren bleibt nah an den Wirklichkeiten des Alltags, dem Denken der Zeit. Er reichert die Geschichte an durch eine Mischung glaubwürdig recherchierter Details, poetischen Bildern, Anleihen anderer Romanfiguren und romantischen Vorbildern. Themen aus dem Alltag wären nur beispielhaft von mir zu nennen. Auf der ungeheuerlichen Reise begegnet der Leser aber Facetten der Industrialisierung, Gedanken des Sozialismus, vielmals die Macht der Kirche auf Zeit und Menschen. Nicht zuletzt natürlich auch das Schicksal von körperlich entstellten Menschen und schließlich auch Gebärdensprache.
Schriftstellerisch gelingt ihm dabei manch effektvoll gesetzter, dramaturgischer Höhepunkt. Vallgren zeigt sich als versierter Erzähler, der Sprachstil und Stilmittel je nach Szene und Blickwinkel, Charakter und Szenerie Haken schlagend wechselt. Mancher eiliger Leser könnte sich an der romantischen Ausprägung aller Orte stören. Ich finde es einfach bombastisch mit welcher Freude und Farbenfrohheit die Orte und Figuren gezeichnet werden.
Ein hübsches Bonbon liefert Vallgren mir außerdem - Rahmenhandlung in Form eines Briefes aus dem Jahr 1994, der zu Beginn und eben zum Schluss die Erzählungen von Hercule als Überlieferung eines amerikanischen Auswanderers präsentiert.
"Die Geschichte einer ungeheuerlichen Liebe" ist bereits Vallgrens siebter Roman,aber sicher der Beste! ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Das Fazit
Die Geschichte einer ungeheuerlichen Liebe ist heute sicherlich kein Geheimtipp (mehr). Vallgren ist ein zu großer Wurf gelungen, um nicht längst eifrigen Lesern irgendwo empfohlen worden zu sein. Diese Empfehlung spreche ich auch in allder Deutlichkeit für wie auch immer geneigte Leseratten aus. Für mich seit "Das Parfum" das in diesem Szenario, Epoche und Machart beste Buch. Lesenswert wieder und wieder! ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ [Vielen Dank für das aufmerksame Lesen sowie die lieben Kommentare, April 2009]
weitere Erfahrungsberichte
Das Biest und die Schöne Bewertung fürGeschichte einer ungeheuerlichen Liebe / Vallgren, Carl-Johanvon
Babbel
Pro: Wunderschön geschrieben Kontra: Die Verwendung von stellenweise fremdsprachlichen Begriffen macht es sprachlich unbegabten und unwissenden Lesern schwer alles zu vestehen
...Buch von Carl-Johan Vallgren "Die Geschichte einer ungeheuerlichen Liebe" gestoßen, das 2004 beim Insel Verlag in Frankfurt am Main veröf-fentlicht wurde. Das Taschenbuch umfasst 384 Seiten. Ich habe es über den Bertelsmann-Club bezogen, so dass ich nur EUR 8,95 bezahlt habe; der reguläre Buchhandelspreis beträgt EUR 9,90.
Das Cover...
... ist leicht beschrieben ein Frauengesicht, liegend auf schwarzem Hintergrund. Nicht spektakulär, im Gegensatz ... ...oder min-der stark in die Geschichte eingebunden sind, deren Aufzählung hier aber den Rahmen sprengen würden, zumal sie aus dem Zusammenhang gerissen, mehr zur Verwirrung als Aufklärung beitragen würden.
Der Autor:
Carl-Johan Vallgren ist Schwede und wurde 1964 in Linköping in Schweden geboren. Er verließ seine Heimat, um in Berlin-Kreuzberg zu leben und gilt als Schwarzes Schaf unter den bekanntes-ten schwedischen Autoren, die er für schlechte ...
Bericht lesen
Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich
Niveau:
Unterhaltungswert:
Spannung:
Humor:
Aufmachung:
sehr hilfreich
21.08.2006
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