Geschichten, die das Leben schreibt

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Erfahrungsbericht über "Geschichten, die das Leben schreibt"

veröffentlicht 31.05.2004 | schafumschuppser
Mitglied seit : 30.11.-0001
Erfahrungsberichte : 44
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Über sich :
Ausgezeichnet
Pro Hat auch mit eminen persönlichen Erfahrungen zu tun
Kontra weiss nich, überlegts Euch!!
sehr hilfreich

"Nach 20 Jahren........!!!"

Liebe Leserinnen und Leser, heute möchte ich mal über eine Geschichte erzählen, die mich beeindruckt hat, indem sie zwischenmenschliche Beziehungen zeigt, wie sie im übertragenen Sinn täglich geschehen.
Ich habe mir diese Geschichte gut durchdacht und sie in einzelne Teile gegliedert.
Und diesen Teilen habe ich Überschriften gegeben, so werde ich es hier auch wiedergeben.

~٭∙٭~Inhaltsangabe~٭∙٭~
1.Über O.Henry
2.Die Geschichte
3.Mein Fazit

~٭∙٭~Über O.Henry~٭∙٭~
O.Henry hieß eigentlich William Sydney Porter.1862 wurde er als Sohn eines >Arztes geboren. Der Schriftsteller hat ein unruhiges Leben geführt, nachdem er als Bankangesellter der Unterschlagung angeklagt wurde. Er hat Kurzgeschichten ( wie diese) verfasst.
O.Henry wurde zum Vorbild für viele deutsche Autoren und Autorinnen nach 1945.


~٭∙٭~Die Geschichte~٭∙٭~

•Nach 20 Jahren•
Der Streifenpolizist schritt gewichtig die Straße hinauf. Diese Gewichtigkeit was ein Teil seines Wesens und nicht für Zuschauer berechnet. Von denen gab es ohnehin nur wenige. Es war noch nicht zehn Uhr abends, aber eisige Windstöße, untermischt mit Regenschauern, hatten die Leute von der Straße getrieben.
Der Polizist mit seiner mächtigen Gestalt und seinem wiegenden Gang bot das prächtige Bild eines Ordnungshüters, wie er so dahin schritt, verschlossene Türen überprüfte, seinen Gummiknüppel mit seiner ausgeklügelten Kunstfertigkeit herumwirbelte und sich ab und zu umwandte um einen aufmerksamen Blick die feindlichste Straße hinunterzuschicken. In dieser Gegend machte man früh Feierabend. Ab und zu sah man das licht des Tabakladens oder einen kleinen durchgehend geöffneten Imbissstube, aber die meisten Türen gehörten zu Geschäftshäusern, die schon vor Stunden geschlossen hatten.
Der Polizist hatte gerade die Mitte eines Häuserblocks erreicht, da stockten seine Schritte. Im Eingang einer unbeleuchteten Eisenwahrenhandlung lehnte ein Mann, eine eiskalte Zigarre zwischen den Lippen.
Als der Polizist auf ihn zuging, begann der Mann hastig zu sprechen.
„Alles in Ordnung, Wachmeister “ versicherte er beruhigend. „Ich warte bloß auf einen Freund. Vor zwanzig Jahren haben wir uns hier verabredet. Kommt Ihnen wohl ein bisschen komisch vor? Nun, wenn Sie es nicht glauben, ich kann es Ihnen erklären. Damals war noch an Stelle dieses Geschäftes hier ein Restaurant- Big Joe Brady’s Restaurant.“
„Bis vor fünf Jahren“, sagte der Polizist. „Dann wurde es abgerissen.“

•Eine furchtbare Entdeckung•
Der Mann im Türeingang ließ ein Streichholz aufflammen und zündete seine Zigarre an. Der Lichtschein erhallte ein blasses Gesicht mit kantigem Unterkiefer, scharfen Augen und einer kleinen weißen narbe dicht an der rechten Augenbraue. Als Schlipsnadel trug der Mann einen großen Diamanten in ungewöhnlicher Fassung.

•Die Vergangenheit•
„Genau heute vor zwanzig Jahren“, sagte er „habe ich hier Big Joe Brady’s Restaurant mit Jimmy Wells gegessen, meinem besten Freund und dem anständigsten Burschen der Welt. Wir beide waren wie Brüder zusammen hier in New York aufgewachsen. Ich war damals achtzehn und Jimmy zwanzig. Am nächsten Morgen wollte ich in den Westen um mein Glück zu machen. Jimmy war nicht aus New York herausgekommen. Für ihn war New York die ganze Welt. Schließlich verabredeten wir an jenem Abend, dass wir uns hier in genau zwanzig Jahren am gleichen Tag und zur gleichen Zeit Stunde treffen wollten, egal, in welcher Lebenslage wir uns befinden würden und wie weit der weg sein mochte. Wir glaubten beide, dass zwanzig Jahre irgendwie unserem Lebensweg gefunden und unser Glück gemacht haben konnten.

•Falsches Treffen•
„Hört sich ganz interessant an“, sagte der Polizist. „Kommt mir aber doch ein bisschen lange vor für eine Verabredung. Haben Sie seither nicht mal etwas von Ihrem Freund gehört?“
„Doch, doch, einige Zeit lang haben wir uns geschrieben“, sagte der andere.
„Aber nach ein, zwei Jahren verloren wir uns aus den Augen. Sehen Sie, der Westen, das ist ein weites Feld und ich habe mich gehörig darin getummelt. Aber ich weiß bestimmt, dass ich Jimmy hier treffen werde, wenn er noch am Leben ist; er war immer der treueste und zuverlässigste Bursche auf Erden. Der vergisst so etwas nicht. Ich bin tausend Meilen gereist um heute Abend an dieser Tür zu warten und es hat sich gelohnt, wenn mein alter Kamerad auftaucht“
Der wartende Mann zog eine hübsche Taschenuhr hervor, deren Deckel mit kleinen Diamanten besetzt war.
Drei Minuten vor zehn“ verkündete er. „Es war genau zehn Uhr, als wir uns hier an der Tür des Restaurants trennten“. „Ist hier wohlganz gut ergangen, dort draußen im Westen?“, fragte der Polizist. „Das können Sie mir glauben! Ich hoffe, Jimmy hat es wenigstens halb so weit gebracht. Er war so eine Art Arbeitstier, der gute Junge. Ich selbst habe mich mit den härtesten Burschen auseinander setzten müssen um mein Geld zu machen. In New York vertrottelt der Mensch. Erst der Westen stählt den Mann.“
Der Polizist schlenkerte den Gummiknüppel und machte ein, zwei Schritte.
„Ich muss jetzt gehen. Hoffe, Ihr Freund kommt wirklich. Werden Sie sich genau an die Zeit halten?“
„Aber nein“ sagte der andere. „ Ich gebe ihm wenigstens eine halbe Stunde. Wenn Jimmy überhaupt noch lebt, wird er dann schon hier sein. Wiedersehen, Wachmeister“
„Gute Nacht“, sagte der Polizist und begann wieder seine Runde, wobei er hier und da an den verschlossenen Türen prüfend klinkte. Ein feiner kalter Nieselregen hatte eingesetzt, aus den vereinzelten Böen war ein scharfer, gleichmäßig blasender Wind geworden. Die wenigen Fußgänger dieser Gegend hatten die Kragen hoch gestellt und die Hände in den Taschen vergraben.
•Veränderung•
Sie eilten verdrießlich und schweigsam vorüber. Und der Mann an der Tür der Eisenwahrenhandlung, der tausende Meilen gereist war um eine absurde, völlig ungewisse Verabredung einzuhalten, rauchte seine Zigarre und wartete.
Er wartete etwa zwanzig Minuten. Dann kam ein großer Mann in einem langen Mantel mit hochgestelltem Kragen eilig von der anderen Straßenseite herüber. Er ging geradewegs auf den wartenden Mann zu. „Bist du es Bob?“, fragte er zweifelnd. Bist du es, Jimmy Wales?“, erwiderte der Mann an der Türe. „ Dem Himmel sei Dank!“, rief der Neuankömmling und ergriff die Hand des anderen. „Wahrhaftig, es ist Bob. Ich war mir sicher dich hier zu finden, falls du überhaupt noch lebtest.

•Fragen•
Weiß Gott, zwanzig Jahre sind eine lange Lebenszeit. Das alte Restaurant ist weg, Bob. Wirklich schade. Sonst hätten wir noch einmal hier essen können. Wie hat dich der Westen behandelt, alter Junge?“
„Großartig. Ich habe alles von Ihm bekommen, was ich wollte. Du hast dich mächtig verändert, Jimmy. Ich hatte dich beinahe einen halben Kopf kleiner in Erinnerung.“
„Ach, ich bin nach meinem zwanzigsten Lebensjahr noch ei bisschen gewachsen.“
„Und wie geht es dir hier in New York, Jimmy?“
„Erträglich. Ich kenne da ein Restaurant, wo wir in aller ruhe von alten Zeiten sprechen können“
Sie beiden Männer gingen Arm in Arm die Straße hinauf. Der Mann aus dem Westen, dessen Selbstfälligkeit durch den Lebenserfolg noch gewachsen war, begann in größen Zügen seinen Aufstieg zu schildern. Der andere, der sich in seinem Mantel fast ganz verbarg, hörte aufmerksam zu.

•Der Brief der Entscheidung•
An der Straßenecke war ein Drugstore noch hell erleuchtet. Als sie in das grelle Licht gerieten, wendeten sich beide zueinander und musterten sich.
Der Mann aus dem Westen blieb stehen und machte seinen Arm los.
„Sie sind nicht Jimmy Wales“, stieß er hervor. „Zwanzig Jahre sind eine lange Zeit, aber nicht lange genug um aus einem krummen Zinken eine Stülpnase zu machen.“
„Doch manchmal lang genug um aus einem guten Menschen einen schlechten zu machen!, sagte der große Mann. „Du bist schon seit zehn Minuten verhaftet, Seiden Bob. In Chikago hatten sie Verdacht, du könntest uns vor die Füße laufen, und sie haben uns telegrafiert, dass sie gern ein Wörtchen mit dir reden möchten. - Immer hübsch ruhig! Aber, ehe wir zum Revier gehen, hier ist eine Nachricht für dich. Ich soll sie dir geben. Du kannst die hier vor dem Fenster lesen. Sie kommt vom Wachmeister Wells.“
Der Mann aus dem Westen entfaltete das Stück Papier, das der andere ihm ausgehändigt hatte. Zuerst war seine Hand ruhig, aber am Ende zitterte sie ein wenig. Die Mitteilung war ziemlich kurz:
BOB, ICH WAR RECHTZEITIG AM VERABREDETEN ORT. ALS DU DAS STREICHHOLZ FÜR DEINE ZIGARRE ANZÜNDETEST, ERKANNTE ICH DAS GESICHT DES MANNES, DER IN CHIKAGO GESUCHT WIRD. IRGENDWIE BRACHTE ICH ES NICHT ÜBER MICH, DIE SACHE SELBST ZU ERLEDIGEN. DESSHALB GING ICH UND SCHICKTE EINEN DETEKTIV.
Jimmy
•Mein Fazit•
Ich finde diese Geschichte sehr lehrreich, außerdem macht es spaß darüber nachzudenken.
Ich habe mir eine weile darüber Gedanken gemacht, doch eigentlich ist es ziemlich feige gewesen von Jimmy, einfach ohne persönlich seine Meinung zu äußern Bob ins Gefängnis zu bringen. Eine vielseitige Geschichte, das ist etwas zum Nachdenken…..
Lest Euch diese Geschichte gut durch, ich hoffe ich konnte Euch diesen Fall näher beibringen, mit dieser Story bestimmt kein Problem.
Wenn’s fragen gibt wendet Euch an mich!!
Gruß Lizzä

© by schafumschuppser(in)


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • Johnny_Knoxville veröffentlicht 08.06.2004
    Schöner Bericht! Dafür auch das sh. Lg Flo
  • warmer_sommerregen veröffentlicht 02.06.2004
    hey schöne geschichte, die regt wirklich zum nachdenken an! ich kannte sie noch nicht wie einige andere hier! aber dir sei dank nun bin ich schlauer! VG da lass, der sommerregen
  • Z-Fan123 veröffentlicht 02.06.2004
    Ich kannte die Geschichte schon aus dem Deutsch-Unterricht der Klasse irgendwatt...
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