Gesundheitsreform 2003

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Gesundheitsreform 2003

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Erfahrungsbericht über "Gesundheitsreform 2003"

veröffentlicht 06.02.2004 | elguwi
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Vertrauende : 91
Über sich :
Auch wenn Luther in aller Munde ist - Am 07.11. wird der Trabbi 60. Mein Artikel "In memoriam - Kult-Star wird 50" (siehe Berichte ganz oben) ist zwar nicht neu, aber voller persönlicher Erlebnisse und Informationen - und damit auch heute noch lesenswert.
Nichts für mich
Pro Lange gesucht, aber nichts gefunden - zweckdienliche Hinweise erbeten (Diskretion zugesichert)
Kontra Alles - von A (.potheke) bis Z(.ahnbehandlung)
sehr hilfreich

"Aua, aua,… mich schmerzt die Gesundheitsreform"

Wer mein Kurzprofil gelesen oder überflogen hat, weiß, dass ich häufig im Fernsehen Diskussionsrunden verfolge.
Damit meine ich nicht die nachmittäglichen Auslassungen zu Themen wie „Wir haben 3 Kinder, meine Frau will mir nicht sagen, welche 2 von mir sind“ bei den Privatsendern, sondern Gesprächsrunden , in denen kompetente Gäste versuchen, ihre Meinungen zu vertreten und glaubhaft darzulegen. Besonders die 3. Programme bieten ein umfangreiches und interessantes Angebot.

Im Profil habe ich auch zugegeben, dass mir Witze sowie niveau- und humorvolle Beiträge, egal, ob in Schriftform oder im Vortrag, viel bedeuten. Das Erleben meiner Favoriten Mathias Richling und Wolfgang Stumph live bei den „Wühlmäusen“ in Berlin sind für mich unvergesslich.

Gegenwärtig berührt die beiden scheinbar gegensätzlichen Themenkreise Humor und Diskussionsrunden nichts so sehr wie die Gesundheitsreform. Kein Tag im Fernsehen sowie in den Zeitungen vergeht ohne dieses Thema, und kein Kabarettist oder Komödiant verzichtet darauf. Die Karnevalssitzungen und –umzüge werden davon profitieren.

Ich finde es abnorm, dass über das wichtigste im Leben, die Gesundheit, ein fürchterliches Durcheinander heraufgezogen ist.
Mittlerweile stimmt sogar die Gesundheitsministerin in den maßgeblich von ihr ausgelösten Klagechor ein. Diese Reform wurde in Kraft gesetzt, ohne die Folgen bzw. die Umsetzung zu beraten. Bei Ciao gäbe es ein eindeutiges n.h.

Ich wähle einige Beispiele heraus, die mir markant erscheinen.

Chronisch Kranke
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zahlen 1% statt 2%, ohne den Begriff vorher klar zu definieren. Seit dem 01.01. greift dieses Gesetz, und scheinbar haben sich die Urheber erst später verständigt, wie die Formulierung zu handhaben sei. Eindeutigkeit scheint heute noch nicht gegeben zu sein.

In der „BILD am Sonntag“ vom 01.02. wird eine Leseranfrage in etwa so beantwortet.
Die Krankheit muss seit mindestens einem Jahr einmal pro Quartal behandelt worden sein. Zusätzlich muss mindestens eines der 3 Kriterien erfüllt sein: 1. Der Patient ist zu 60% schwer behindert oder erwerbsunfähig. 2. Es liegt Pflegestufe II oder III vor. 3. Der Arzt bestätigt eine chronische Erkrankung (der muss es nun ausbaden).

In unserer „ Volksstimme. Amtlicher Anzeiger des Landkreises Stendal“ vom 23.01. lautet das zu Beginn ähnlich, aber ab 3. liest sich das für den Patienten erfreulicher: „Als Chroniker gelten aber auch Patienten, denen vom Arzt bescheinigt wird, dass eine Absetzung der Behandlung…eine lebensbedrohliche Verschlimmerung herbeiführen würde, die Lebenserwartung vermindern würde oder eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lebensqualität bedeuten würde“ (alles toll formuliert, leider nicht von mir! ). Darin sehe ich eine größere Bandbreite. Ähnlich lautet auch die Aussage in der SUPER TV vom 05.02. Ich bin gespannt, wie meine langjährige Hausärztin das für mich sieht. Vielleicht meint sie aber auch: „Wer noch selbst zum Arzt gehen kann, ist gesund.“

Taxi-Nutzung
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Für die Zeit ab 01.01. wurde jede Zuzahlung grundsätzlich untersagt, und am 22.01. (3 Wochen später!!!) muss der Reformausschuss nach einer sechsstündigen Sitzung seine eigenen Beschlüsse präzisieren.

10 Euro- Begrüßungsgeld
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Das wurde nun schon gar nicht mit Überlegung beschlossen und auf Machbarkeit überprüft, oder es sollte eine versteckte Geldbeschaffung für die Krankenkassen werden.

Wer am Wochenende einen Notarzt aufsuchen musste, hatte nicht nur schwere gesundheitliche Leiden und Schmerzen, sondern durfte erneut 10 Euro zahlen. Da konnten schon 30 Euro am Wochenende zusammenkommen. Inzwischen wurde eine weitere, fast noch druckfrische tolle Regelung außer Kraft gesetzt. Bei wem am Quartalsende eine Maßnahme (Blut- oder Stuhluntersuchung) durchgeführt wurde, die Auswertung aber erst zu Beginn des nächsten Quartals erfolgen konnte, sollte erneut 10 Euro für die Kasse zahlen. Da muss man rechtzeitig planen, wann man krank werden darf.

Anti-Baby-Pille
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Ein Thema, welches mich alten Herren nur am Rande interessiert, aber unter unseren weiblichen Mitgliedern sicherlich für Gesprächsstoff sorgte.

In einem typisch deutschen Bemühen um Exaktheit haben sich Kassen- und Ärzteverbände geeinigt. Laut Videotext des MDR vom 23.01. gilt folgende Regelung: “Ab sofort gibt es das 6-Monat-Rezept. Für Frauen zwischen 18 und 21 sind die 10Euro nur zweimal im Jahr zu entrichten. Ab 22 Jahren müssen die Frauen die Pillen privat bezahlen. Ohne Untersuchung entfällt die Praxisgebühr.“ Nach meinem Empfinden ist das aus medizinischer Sicht kaum vertretbar.

Die Krankenkassen
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Sie versprechen Rabatte, wenn ich gesundheitsvorbeugende Maßnahmen nutze. In meiner Kasse konnte mir am 03.02. niemand die Umsetzung präzise erläutern. Wahrscheinlich muss ich aber erst Raucher werden, um Prozente für das Abgewöhnen zu bekommen. Wie und durch wen mein abendlicher Gesundheitslauf quittiert und anerkannt werden soll, ist nicht bekannt.

Dabei gibt sich diese Kasse modern. Sie hat für ihre Mitglieder ein Nachweisheft entwickelt, in dem alle gesetzlichen Zuzahlungen eingetragen werden können. Sie müssen nur noch vom Leistungserbringer mit Datum, Stempel und Unterschrift quittiert werden. Die Arzthelferin wird sich schön bedanken, hat sie doch schon genug zusätzliche Arbeit, wenn sie das Begrüßungsgeld kassiert und in einem Beutelchen versteckt.

Die Kassen sollten eigentlich mittels der Reform zur Beitragssenkung auf 13,6% angehalten werden. Bis jetzt habe ich noch nicht davon profitiert.
Dafür gewinnen die Kassen noch an Zusatzangeboten. Waren ursprünglich 4,30 Euro für die Absicherung des Zahnersatzes angedacht, sollen jetzt die Gebühren „voraussichtlich unter 10 Euro“ liegen.
Ich bin zwar kein Jurist, sehe aber auch rechtliche Hürden, denn mit der Vermittlung von Zusatzangeboten erwerben die Träger der gesetzlichen Krankenversicherung meines Erachtens Unternehmereigenschaften und schaffen eine bevorzugte Konkurrenz gegenüber den Vermittlern in der Versicherungswirtschaft.

Mit der zahnärztlichen Versorgung haben sich die Reformer schon genug aufgehalst. Die Untersuchung ist kostenfrei, das Entfernen des Zahnsteins auch. Im Fernsehen äußerte sich ein Mitglied der Expertenkommission, dass die Behandlung eines kleinen Loches auch drin sein müsse .Wer weiß von den Lesern, wie man eine Zahnlochgröße exakt definiert?

Diese Reform flickschustert am Gesundheitswesen nur herum. Die tollsten Entgleisungen treiben bereits ihr Spiel. Trotz angeblich einheitlicher Preisgestaltung bei verkäuflichen Arzneimitteln gibt es Unterschiede im Preis, die am 29.01 im MDR- Fernsehen bei „Ein Fall für Escher“ mittels versteckter Aufnahmen nachgewiesen wurden. Mit Rabatten oder Präsenten lässt sich die Festlegung auch legal ganz leicht aushebeln.

Die Gesundheit wird mehr und mehr zur Ware, die in dem Bereich Tätigen zum Händler.
Durch Werbeaktionen und Absprachen haben einige Krankenkassen, einige Ärzte und einige Apotheken bereits den unzulässigen Versuch der Bindung von Patienten beschritten.
Statt dem mit Überlegung und Konsequenz zu begegnen und Reformen gezielt durchzusetzen, sind bereits neue Fehlschüsse angedacht. Krankenkassen planen ernsthaft, Vertrauenshausärzte zu benennen. Ich sehe mich in meinem Recht auf freie Arztwahl beschnitten und kann mir leicht ausmalen, was dann auf die Patienten und auch auf die Ärzte zukommt. Auch ohne Rabatt werde ich bei meiner Ärztin bleiben.

So, dann bleibt mal alle schön gesund - ich drück euch die Daumen.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • manuelmama veröffentlicht 04.04.2008
    Ein Fass ohne Boden. Da könnte man ewig drüber diskutieren. Ich war zweimal schnell hintereinander schwanger, hab daher 2 Jahre immer die 10 Euro zahlen müssen. Toll. LG Sabine
  • modschegibbchen veröffentlicht 25.10.2007
    gesundheitsreform 2003 - da gäbe es noch sehr viel zu sagen. was mich an der sogenannten reform insgesamt sehr stört ist, dass sie eigentlich mit sehr heißer nadel genäht und keiner der "experten" wirklich mal die maßnahmen udn ihre auswirkungen bis zum ende bedacht hat. unterm strich bleibt für alle betroffenen nur eins, der wirklich große wurf für eine würdige gesundheitsversorgung gerade der gesetzlich versicherten ist es nicht geworden, ganz im gegenteil. vieles ist noch nicht einmal das papier wert, auf dem es geschrieben steht. udn sind wir doch mal ehrlich. ein wirklicher reformgedanke wäre doch gewesen, wenn wir diese vielen zwischengeschalteten faultierfarmen wie die kassenärztliche vereinigung beispielsweise, völlig elememiniert hätten. deren nutzen war noch nie erkennbar, hat dem gesundheitssystem aber schon immer wahnsinnssummen an geldern abgezogen, die man anderweitig sicherlich sinnvoller hätte verwenden können. dein aussage zu der verschreibung der pille, dass keine praxisgebühr erhoben wird, wenn sie ohne untersuchung verschrieben wird, und du das medizinisch für bedenklich hälst, kann ich allerdings nicht nachvollziehen. wenn es sich nur um ein folgerezept handelt, weswegen soll dann nochmals eine untersuchung nur wegen der pille stattfinden und man dafür auch noch 10 € berappen? lg heike
  • kawis03 veröffentlicht 07.02.2004
    Traurig, traurig. Ich werde mir wohl bald überlegen müssen, ob ich für meine Tabletten zuzahle oder ich lieber auf der Straße umkippe und 10 € für den Notarzt berappe. Gegen Ende des Monats laufe ich immer mit einem großen Schild rum: Bitte liegen lassen - habe keine 10 € dabei (Nee, nee, ganz so schlimm ist es noch nicht). Tschüss Kai
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