Fantastischer Inselausflug und Abenteuertrip
30.12.2000
Pro:
s . o .
Kontra:
s . o .
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Grafik
Sound
Multiplayer:
Bedienung
mehr
 Experte_2k
Über sich:
Mitglied seit:20.12.2000
Erfahrungsberichte:17
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 7 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Reif für die Insel? Herzlich willkommen im Touristikbüro! Was darf es denn sein? Ein gemütlicher Skiausflug in die Berge? Oder eher etwas konservativer, vielleicht ins Alpenvorland? Nein, wartet, hier haben wir noch etwas wirklich Exklusives für die Feiertage: Einen Trip auf eine wunderbare Palmeninsel, mit glasklarem Wasser, traumhaften Sonnenuntergängen und märchenhaften Stränden. Der Haken an der Sache? Nun ja, um ehrlich zu sein, sind die Einwohner nicht besonders gastfreundlich, um nicht zu sagen ablehnend. Aggressiv trifft die Sache sogar noch eher. Aber wer lässt sich schon von ein paar Lasergewehren, Piranhas oder einem zehn Meter hohen Riesenmonster die Ferienlaune verderben? Eben, also bereitet euch schon mal auf einen Ausflug vor, den ihr so schnell nicht vergesst. Die drei Fraktionen, die das faszinierende Inselreich für sich beanspruchen, könnten unterschiedlicher nicht sein. Die Meccaryns, deren Interessen ihr innerhalb der Kampagne als erstes vertretet - jeder Hauptgruppierung sind drei Unterkampagnen gewidmet, in denen sie teils gegeneinander ausgespielt werden -, sind eigentlich nur auf dem Weg zu ihrem Urlaubsplaneten Majorca, um ein paar Astrococktails zu schlürfen. Unterwegs kommt es zu einer peinlichen Panne mit einem Weltraumfisch, und sie stürzen mit ihrem Gleiter ab. Schnell machen sie Bekanntschaft mit der klauenbewehrten Fauna, lernen aber auch die Smarties kennen. Smarties, das sind die Teletubbies von »Giants«: Irgendwie ganz niedlich, irgendwie ganz nett, trotzdem lernt man sie mit der Zeit von ganzem Herzen zu hassen. Ob die sexhungrige Schwiegermama, die sich sofort einen der Meccs zu unsittlichen Vergnügungen krallt, der durchgeknallte und bombenbastelnde Großvater, oder das zehnjährige Nervenbündel Timmy, sie alle wollen euch im Grunde ihres Herzens nur helfen - machen dabei aber so ziemlich alles nur noch schlimmer.
Und so seid ihr mit den Meccs zu Beginn eigentlich nur unterwegs um Essen für den Vater zu besorgen, Timmy aus dem Gefängnis zu befreien oder ganze Dörfer freizuschießen. Anfangs noch ganz auf sich alleine gestellt, findet Mecc-Held Baz rasch seine Freunde, die fortan mit ihm auf die Jagd gehen. Sie laufen und handeln größtenteils selbstständig, geben auch aus eigener Initiative Feuerschutz, können aber per Tastendruck auch einzelnen Zielen zugewiesen werden. Im Sinne der Story können eure Begleitmeccs nicht sterben, nehmen sich aber, wenn sie zuviel Schaden erleiden, eine längere Auszeit, in der ihr wieder alleine seid. Technisch den anderen Inselbewohnern überlegen, beharken die Meccs ihre Feinde mit allerlei Projektil- und Granatwaffen. Eine unerschöpfliche Laserpistole, ein Schrotgewehr und eine MG sind für das Gröbste ausreichend, für Feinarbeit und breitere Zerstörung bieten sich der Raketenwerfer oder das Scharfschützengewehr geradezu an. Ihr findet die Waffen, bekommt sie von Smarties - die sie vorher erst aus eurem gestrandeten Gleiter gestohlen haben - oder besorgt euch in einem der inseleigenen Shops Nachschub an Munition oder heilende Spritzen. High-Tech versus Zauberkraft Als kleiner Mecc lernt man schnell, dass die trügerische Schönheit der Insel einige tödliche Fallen bereithält: Fällt man in tiefere Gewässer, rettet auch kein High-Tech-Anzug das Opfer vor den Bissen von ein paar Dutzend Piranhas. Die Reaver, klauenbewehrte Alptraumgeschöpfe, buddeln sich unter dem Bodem dicht an ihre Opfer heran, springen dann mit großem Getöse hervor, und versuchen, einen eben noch unschuldig dreinschauenden Mecc zur zweiten Abendmahlzeit zu machen. Geflügelte, feuerspuckende Drachen machen Ausflüge in höhere Regionen zu alles anderem als einen gemütlichen Klettertrip. Damit man dieser Vielzahl von unangenehmen Überraschungen Herr wird, verfügen die Neuzeit-Ritter über einen Jetpack, der sie in Windeseile in höhere Regionen befördert, einen energieverzehrenden Schutzschild, und die etwas abstruse Idee - richtig geraten, sie stammt von den Smarties - sich als Büsche getarnt an etwaigen Wachen vorbeizuschleichen. Gegen Ende der Kampagne sprengt man mit Pop-Up-Bomben ganze Gebäudekomplexe in die Luft und wirft mit Granaten und Minen um sich.
Mit solchem Metallkram kann der zweite Held, Verzeihung, die zweite Heldin, absolut nichts anfangen. Delphi, die Anführerin der Sea Reaper, bedient sich hauptsächlich magischer Kräfte, um sich etwaige Widersacher vom Leib zu halten. Die flinke Seenixe greift in Notfällen auch gerne zum Säbel oder verschießt leuchtende Pfeile mit ihren magischen Bögen. Hauptverteidigung bleiben aber ganz klar die über zwölf unterschiedlichen Zauber; unter anderem könnt ihr Gegner auf handliche Mausgröße schrumpfen lassen, oder mit unangenehmen Blitzfeuer überziehen. An Land schon sehr behende, ist Delphi im Wasser erst richtig in ihrem Element. Sie schwimmt mit enormer Geschwindigkeit durch das kühle Nass, und kann sogar die dort befindlichen Piranhas als kleine Angrifsswaffe missbrauchen. Kleiner Fakt am Rande: Anders als in den USA ist Delphi übrigens bei uns in Deutschland zu 100 Prozent barbusig - und das ganz ohne Nude-Cheat. Gestatten, Kabuto. Citizen Kabuto
Vorhang auf für den Protagonisten, der dem Namen des Spiels wohl am nächsten kommt: Kabuto. Der Riese, der einigen Godzilla-Versionen älterer Japanimporte nicht unähnlich sieht, wurde einst von den Sea Reapern geschaffen, um sie vor Ungemach zu beschützen, und ihnen zu dienen. Der Schuss ging auf unangenehme Art und Weise nach hinten los, Kabuto verspeiste einen Großteil der Reaper und drängte sie zurück in ihre ursprüngliche Heimat, die tiefe See. Wer mit Kabuto die Insel durchstreift, legt nicht mehr viel Wert auf Waffen oder lästige Magie - sein Körper ist des Riesen beste Waffe. Wo die Meccaryns längere Zeit auf ein Gebäude feuern müssen, um es nur zu beschädigen, kostet es den Giganten ein müdes Lächeln und einen kleinen Fußtritt, um aus einer prächtigen Kaserne einen Haufen Sperrholz zu machen. Sein Faustschlag der Größe XXL zerlegt jeden Gegner in unappetitlich aussehende Einzelteile, und sein Gebrüll schleudert die größten Brocken erst einmal benommen zu Boden. Auch Kabuto hat ein freundschaftliches Verhältnis zu den Smarties, wenn es auch nicht auf Gegenseitigkeit beruht: Er genehmigt sich gern zwischen zwei Kämpfen einen kleinen Happen Smartiefleisch, was die Beziehung auf Dauer recht einseitig werden lässt. Angenehmer Nebeneffekt: In Windeseile wird ein Ei gelegt, aus dem ein kommandierbarer Mini-Dinosaurier schlüpft. Hier zeigt sich einmal mehr, dass die Entwickler mit wirklich genialen Einfällen nicht gegeizt haben, durch die die sowieso schon überzeugende Grundidee noch einmal einen kräftigen Schub bekommt. Dazu kann man auch die friedlichen Vimps zählen, die in großen Herden über das Land ziehen. Während sie den anderen Fraktionen Schutz und Tarnung geben können, sind sie für Kabuto eine gute Gelegenheit, die Lebenskraft wieder aufzufrischen.
Spaß auf dem Inselreich Ihr merkt, das farbenreiche Spektakel, dass mit schlichtweg fantastischen Panoramaausblicken nicht geizt, nimmt sich selber nicht bierernst. Die Zwischensequenzen mit Ingame-Grafik sorgten beim Test ein ums andere Mal für ausgedehnte Schmunzler und Lachanfälle. Egal, ob Smartieopa mit Prostataproblemen, die leicht debile und nur allzu menschliche Meccaryn-Truppe oder haarsträubende Dialogszenen, die teilweise sogar an Kultfilme wie Pulp Fiction erinnern - es darf gelacht werden auf dem Inselreich! Tatsächlich hat man es geschafft, die richtige Balance zwischen blutströmenden Kämpfen und »MDK«-ähnlichem Humor einzuhalten. Man kann es nicht oft genug erwähnen: Grafisch ist »Giants« eine ganz klare Gewichtsklasse für sich. Eine Weitsicht, die ihresgleichen sucht (höchstens »Sacrifice« kann hier noch mitziehen), eine perfekt dosierte Farbgebung, die nicht zu grell und nicht zu trist wirkt, sowie ein umwerfendes Inselambiente lassen jedem Freund optischer Genüsse das Herz höher schlagen. Die Oberflächenstruktur von Kabuto ist alleine schon einen Grafik-Oskar wert, und auch sonst wird mit netten Detailanlagen nicht gespart: Klasse Licht-, Explosions- und Lens-Flare-Effekte, eine realistische Beibehaltung der Größenunterschiede und absplitternde Gebäudeteile lassen das »Giants«-Reich lebendig erscheinen. Ein wenig getrübt wird der Gesamteindruck von schwachen Schusseffekten im Wasser, sowie den noch verbesserungswürdigen Bodentexturen. Dennoch, die Screenshots sprechen wohl für sich, selten wurde so eine realistisch anmutende Umgebung, mit lebenden Wesen, Palmen, Gebüsch und Pflanzen dargestellt, selten die romantische Atmosphäre einer Trauminsel so gut eingefangen.
Man spricht Deutsch Die Sprachausgabe lässt keine Wünsche offen: Nicht nur, dass Besitzer der deutschen Version auch gleich die englischen Dialoge mitgeliefert bekommen, viel wichtiger ist, die deutschen Sprecher stehen ihren englischen Kollegen in Nichts nach. Wortwitz und Niveau sind gleichbleibend hoch, die Sounduntermalung passt sich dem Geschehen perfekt an. Auch auf das Detail wurde bei diesem gigantischen Projekt geachtet: Sämtliche Tasten sind frei belegbar, der Schwierigkeitsgrad sanft ansteigend und gut gewählt. Einzig das leicht antiquierte Speichersystem sorgte für ein paar Stirnrunzler, da man einige recht schwere Missionen so viel zu oft durchlaufen muss.
Kurz und gut: »Giants« ist für mich das gelungenste Weihnachtsgeschenk. Statt auf Grund von Schneematsch und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt in Trübsal zu verfallen, gönne ich mir lieber diese Inselkur mit tropischem Ambiente, einheizenden Kämpfen und zwerchfellstrapazierendem Humor. Die simple Steuerung, die genau richtig ist, um des trotzdem komplexen Geschehens Herr zu werden, drei absolut unterschiedliche Spielfiguren und eine Edelgrafik machen »Giants: Citizen Kabuto« zu einem echten Fünf-Sterne-Urlaub. Die Hardwareanforderungen lassen sich ebenfalls als gigantisch beschreiben, aber wenn ein Spiel es Wert ist, sich etwas Hardware unter den Christbaum legen zu lassen, dann mit Sicherheit »Giants«. Eine glasklare Empfehlung von GamesZone Touristics!
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