Erfahrungsbericht über "Gibson Les Paul Standard 50 Faded HB"

veröffentlicht 28.03.2010 | Ciaobock
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Über sich :
Bin ein manchmal netter aber immer ehrlicher Zeitgenosse... - ich bitte auf JEGLICHE Bewertung meiner Berichte ohne sinnvollen Kommentar zu verzichten und es gibt KEINE Gegenlesungen! "Beam me up Scotty... - there is no intelligent life down here..."
Sehr gut
Pro Geringes Gewicht, hervorragende Tonansprache, geile Rock- und Blues-Sounds
Kontra Teils nachlässige Verarbeitung, immer noch recht hoher Preis, wenig flexibel
sehr hilfreich
Klangqualität:
Verarbeitung
Design
Bedienkomfort:
Zuverlässigkeit

"Ein rustikales Urviech..."

Gibson Les Paul Standard 50 Faded HB

Gibson Les Paul Standard 50 Faded HB

Prelude:

Bevor ich mich meiner Gibson Les Paul Standard Faded Honeyburst widme, möchte ich ein paar Worte zu meiner Person schreiben damit ihr euch auch ein Bild davon machen könnt, in welchem Kontext die Bewertung dieser Gitarre erfolgt.
Ich spiele seit meinem 16 Lebensjahr mit einigen Unterbrechungen Gitarre, das sind also schon gut über 30 Jahre in der Zwischenzeit. Ich bin kein Profi-Musiker und spiele auch schon seit Jahren nicht mehr in Bands, trotzdem habe ich mein Hobby Musik nie ganz aufgegeben, im Gegenteil. In den letzten 10 Jahren habe ich mich wieder intensiver damit beschäftigt, ein eigenes kleines Homestudio eingerichtet und meine Instrumentensammlung inzwischen auf 26 Gitarren, zwei Bässe und vier Keyboards ausgebaut, dazu das übliche Equipment an Verstärkern, Effekten, Mischpulten, etc.

Musikalisch gibt es fast nichts, was ich nicht höre, aktiv ist meine Bandbreite da schon deutlich eingeschränkter, da kreist das allermeiste um die Eckpfeiler Jazz und Blues und genehmigt sich gelegentlich Ausreißer in die Richtungen Hardrock oder ChillOut, das war's dann auch. Aktiv bin ich eher ein Freund der leisen als der zu lauten Töne...

Insgesamt besitze ich heute fünf Les Paul Gitarren:
Eine Gibson Les Paul Studio, eine Epiphone Les Paul Ultra-II, eine Epiphone Les Paul Standard Plus, eine ganz neue Gibson Les Paul Standard Traditional Pro und halt diese Gibson Les Paul Standard Faded Honeyburst mit 50er Halsprofil und Burstbucker Pro Pickups.

Ich bin ein recht kritischer Mensch und bewerte so rational wie möglich, d.h. auch eine meiner teuren und eigentlich guten Gitarren kann bei mir mit nur 3 Sternen bewertet werden, wenn ich zu viele Nachteile finde. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere Gitarrenfan ja noch an früher von mir unter dem Namen "Almstedt" verfasste Berichte...

Okay, genug der Vorrede, hier nun mein Bericht über die erste echte Gibson Gitarre, die ich mir geleistet habe:

Teures Original oder preiswerte Kopie?

Diese Frage stellte ich mir schon seit Ende der 90er Jahre, als ich wieder begann mich aktiv mit Musik zu beschäftigen. Anfangs war die Überlegung allerdings eher theoretischer Natur, da ich mir eine neue Gibson Les Paul weder leisten wollte noch konnte. Dazu kam, dass ich mich damals eher neugierig für neue Bauformen und Features interessiert habe als für diese Klassiker der Gitarrengeschichte.

Erst 2004 erwachte mein Interesse am speziellen Klang und ebensolcher Spielweise, zu der einen diese nicht wirklich ergonomische Gitarre zwingt. Meine erste Les Paul wurde dann 2005 allerdings noch ein „Nachbau“ der Gibson Schwesterfirma Epiphone, die schon damals bei besserer Verarbeitung und nahezu gleichwertigem Klang ein deutlich besseres Preis-Leistungs-Verhältnis bot als die vier bis zehnmal so teuren Gibson Originale. Dazu kam, dass Gibson damals wirklich extrem konservativ an wenigen ausgesuchten Modellen festhielt und jahrelang keinerlei Änderungen, geschweige denn Innovationen anbot. Natürlich war die Epiphone damals ein Glücksfund aber ein erster Indikator, dass Epiphone weg wollte vom Image als Billigschrott-Anbieter.

Im Sommer 2005, als Gibson diese neue Les Paul Standard Faded Serie ankündigte, setzte ich zum ersten Mal eine Original Gibson Les Paul auf meinen "Einkaufszettel". 2006 habe ich die ersten Gitarren in den Läden gesehen und ausprobieren können, allerdings waren die damals verlangten knapp 2.000€ immer noch außerhalb meines finanziellen grünen Bereichs.

Im Herbst 2007 war es dann allerdings so weit. Inzwischen war ich nicht nur „flüssig“ genug sondern hatte auch noch das doppelte Glück, dass mir diese Gitarre nicht nur für 1.650€ angeboten wurde, sondern mir auch noch meine Gitarre aus einer Lieferung von 6 brandneuen gleichen Gitarren aussuchen konnte.
Sehr zum Ärger meines Verkäufers entschied ich mich nach stundenlangem testen und vergleichen für genau die Gitarre, auf die er auch ein Auge geworfen hatte… *grins*

Am 8. Dezember 2007 zog also diese Gibson Les Paul Faded Honeyburst mit der Seriennummer 026770317 bei mir zuhause ein. Wie der Gibson Kenner der Seriennummer unschwer entnehmen kann, wurde diese Gitarre am 24. September 2007 in der Gibson Manufaktur in Nashville fertiggestellt.
Wer ist Gibson und was ist eine Les Paul?

Nun, Gibson ist einer der ältesten noch existierenden Gitarrenbauer der Welt. Gibson wurde 1902 in Nashville gegründet und baute (und baut auch immer noch) neben Akustikgitarren auch Banjos, Mandolinen, Verstärker, Bassgitarren und seit 1936 halt auch E-Gitarren. Das war damals zwar noch nicht die Les Paul, sondern die ES-150, aber es war die erste serienmäßige Gitarre mit einem Tonabnehmer.
Die Les Paul kam erst 1952 als zweite serienmäßige Solid-Body E-Gitarre nach der Fender Telecaster auf den Markt. Der Name stammt vom legendären amerikanischen Gitarristen und Hobby-Erfinder Les Paul (bürgerlicher Name: Lester William Polfus).
Das Interessante daran ist, das Mr. Les Paul diese Bauweise bereits in den 40er Jahren erfunden und Gibson vorgestellt hatte, allerdings wurden die Gibson Bosse erst wach als Leo Fender mit seiner Telecaster Gitarre begann, Gibson das Wasser abzugraben…

Trotz dieses Fehlstarts erwies sich die Gibson Les Paul letztlich als Siegertyp – fast alle Guitar-Heros haben irgendwann in ihrer Karriere mal eine Les Paul gespielt oder sogar nie etwas anderes. Selbst heute für ihre Saitenkünste auf der Fender Stratocaster berühmte Ausnahmegitarristen wie Eric Clapton, Mark Knopfler oder Jeff Beck spielten lange oder spielen wieder Gibson Les Paul Gitarren und so ist es kein Wunder, das die Gibson Les Paul zusammen mit ihrer härtesten Konkurrenz, der Fender Stratocaster auf den Wunschzetteln von Gitarristen immer sehr weit oben angesiedelt war.

Natürlich weckt soviel Erfolg auch die Nachahmer und so gibt es ähnliche Gitarren von dutzenden von Herstellern wobei die besten und preiswertesten Kopien im eigenen Hause unter dem Namen Epiphone gebaut und verkauft werden. Nach etlichen Jahren eher zweifelhafter Qualität werden die meisten Epiphone Les Pauls nun in durchaus hochwertiger Qualität in Gibson eigenen Fabriken in Fernost gebaut, wenn auch die Qualität meistens noch nicht ganz an die teureren und mit hochwertigeren Hölzern ausgestatteten US-Modelle von Gibson heranreichen. Trotzdem kann man auch bei Epiphone den einen oder anderen Glücksgriff landen und dabei sehr viel Geld sparen…

...und bevor ich jetzt geschlagen werde:
die hochwertigen Gitarren von PRS, ESP, Hagström, etc., die sich eng an das LesPaul Design anlehnen aber doch weitestgehend eigenständig und teils mit weit über den Gibson-Horizont hinausgehenden Qualitätsmaßstäben gebaut werden, zähle ich natürlich nicht in die Kategorie "Gibson Kopie"!
Technische Daten:

  • Korpus: einteiliges Mahagoni mit ausgefrästen Tonkammern (tone chambers)
  • Decke: gewölbt, AA-Grade Ahorn
  • Hals: Mahagoni, einteilig inkl. Kopfplatte
  • Griffbrett: Palisander, 12" Radius, 22 Medium Jumbo Bünde
  • Mechaniken: Gibson, gekapselt, Kunststoff in Tulip-Form
  • Mensur: 628mm (24,75")
  • Tonabnehmer: Burstbucker Pro mit Alnico V Magneten ohne Abdeckkappe in Zebra-Design
  • Brücke und Saitenhalter: Lock Tone Tune-O-Matic und Stopbar
  • Regler: 2 Lautstärkeregler und 2 Tonregler
  • Schalter: 3-Weg: Rhythm, Treble und beide Tonabnehmer zusammen
  • Binding: antik-cremefarbig
  • Anschlüsse: 1 x 6,35mm Klinkenbuchse (Mono)
  • Pickguard: ohne
  • Zubehör: USA Luxus-Gitarrenkoffer mit Zahlenschloß, Tool für Trussrod-Einstellung

Gebaut in Nashville USA, 2007

Optik und Bauweise:

Eine Gibson Les Paul Standard Faded ist im Prinzip mehr oder weniger baugleich mit der Masse der "normalen" teureren hochglanzlackierten Gibson Les Paul Standard Gitarren. Auch bei der Standard Faded besteht der Korpus aus einem Stück hochwertigem Mahagoni und Ahorndecke in AA-Grade Qualität (die Qualität bezieht sich auf die optische Qualität der Maserung des verwendeten Holzes).

Da die Standard Faded Serie allerdings keine hochglanzlackierten Oberflächen aufweist wie die teureren „normalen“ Les Paul Standards, sondern nur eine dünne seidenmatte Farbgebung, fällt die Maserung des Holzes allerdings teilweise spektakulär aus.

Anders als bei den normalen Les Paul Standard Gitarren werden also nicht fünf Nitro-Lackschichten aufgesprüht und dann noch hochglanzlackiert, sondern nur zwei sehr dünne Nitro-Lackschichten von Hand in das Holz „einmassiert“ (!!!). Durch diese arbeitsaufwändige Herstellung bietet die Standard Faded Serie nicht nur ein sehr angenehmes holziges Griffgefühl, was nicht nur für Gitarristen mir Schweißfingern sehr angenehm ist, sondern auch ein ungewöhnlich dynamisches und freies Schwingverhalten ähnlich eines uralten und vielgespielten Originals.
„Normale“ hochglanzlackierte Les Paul Standards klingen im akustischen Vergleich ohne Verstärker jedenfalls meistens viel zahmer, leiser und lustloser als die Les Paul Faded Gitarren.

Das Griffbrett der Les Paul Standard Serien wird durch sogenannte Trapez-Inlays (Nomen est omen) aus Perlmutt verziert, während die teureren Custom Modelle mit rechteckigen Block-Inlays verziert sind.

Wie üblich bei Les Paul Modellen ist der einteilige Mahagoni-Hals fest mit dem Korpus verleimt. Diese Bauweise ist zwar nicht so „reparaturfreundlich“ wie bei den geschraubten Hälsen preiswerterer Gitarren, dafür sorgt aber diese aufwändigere Bauweise für ein längeres Sustain und eine lebendigere Obertonentfaltung.
Die 59er Halsform ist ein sehr gut in der Hand liegendes mittelstarkes D-Profil, nur unwesentlich dicker als die noch schlankeren 60er Jahre Halsprofile aber deutlich weniger klobig als die Hälse der in den 90er und kurz nach dem Millenium verwendeten Hälse.
Dadurch ist immer noch genug Masse für einen sehr runden und sustainstarken Ton vorhanden, man kann diese Gitarren aber durchaus auch noch mit normalen Handgrößen bequem spielen.

Im Vergleich zum „Wizard“ Halsprofil meiner „Flitzefinger“-Ibanez ist der Hals meiner Gibson Les Pauls um etliches massiger, lässt sich aber trotz meiner eher kleinen Hände überraschend komfortabel und ergonomisch bespielen – auch wenn hier ausgedehnte Shredding-Aktionen deutlich mehr Kraft und Präzision benötigen als diverse High-Speed-Hälse.

Leider ist die Verarbeitungsqualtitä bei dieser Les Paul wie bei Gibson üblich alles andere als perfekt. Meine Les Paul Standard Faded war zwar nicht die am besten verarbeitete der sechs zur Auswahl stehenden Modelle, dafür aber klanglich die überzeugendste.
Aber auch die ein oder zwei besser verarbeiteten Modelle waren nicht fehlerfrei. Die meisten Verarbeitungsmängel sind Fehler bei der Verarbeitung der Bindings, der Verleimung der Griffbretter und Inlays oder der Lackierung in der Nähe der Bindings. Meine Gitarre hat zwar drei kleine Lackfehler, war ansonsten aber gut verarbeitet. Wie aber die am miesesten verarbeitete Gitarre durch die Qualitätskontrolle rutschen konnte, weiß wohl nur der Blindenhund des Qualitätsprüfers! Der blöde Spruch "Wenn Du eine gut verarbeitete Gibson suchst, kauf eine Epiphone" wird also weiterhin ein Körnchen Wahrheit enthalten.

Ein nicht sichtbarer aber durchaus hörbarer Unterschied zu den normalen Les Paul Gitarren ist, das die Standard Faded Gitarren ähnlich wie die Les Paul Studio-Serie mit „Tone-Chambers“ ausgestattet sind. Hierbei werden per CNC-Maschine genau definierte Hohlräume in den sonst massiven Mahagoni-Korpus gefräst, welche die ansonsten eher schwergewichtigen Les Paul Gitarren deutlich leichter machen (Differenz zwischen 500 und 1000 Gramm!) und dem Klangbild ein wenig mehr akustische Elemente beifügen – nicht viel aber doch ein wenig mehr „Luft“ und „Attack im Ton.
Die Les Paul Standard Faded Serie wurde als eine der ersten Les Paul Serien mit den sehr beliebten Burstbucker Pro Pickups ausgestattet, die hier ohne Kappen und im Zebra-Design verbaut sind, was sehr gut zur eher „rauen“ Optik dieser Gitarre passt.
Die Burstbucker Pro Pickups wurden 2002 vorgestellt, sechs Jahre nachdem die ersten Burstbucker 1 und 2 Pickups exklusiv an Vintage-Fans in Japan vertrieben wurden und 2 Jahre, nachdem die erste serienmäßige US Les Paul (die Gary Moore Signature Legend) mit den Burstbucker Pickups verkauft wurde.

Anders als die extrem historisch korrekten Burstbucker Pickups verwenden die Burstbucker Pro Pickups zwar auch historisch korrekte Fertigungsverfahren, sind aber im Unterschied zu Original-PAFs und den normalen Burstbucker Pickups mit Alnico V Magneten ausgestattet (statt Alnico II) und mit Heißwachs versiegelt und somit vor Mikrofonie und Feedback bei hohen Lautstärken geschützt.
Durch die eher lockere Wicklung und die leicht unterschiedliche Wicklungszahl der Spulenreihen liefern die Burstbucker Pro einen ähnlich luftigen und im Extrem bissigen Ton wie die besten alten PAF Tonabnehmer, allerdings mit einem etwas lauteren Pegel, vor allem beim Steg-Pickup, was sich insbesondere mit Röhren-Verstärkern positiv bemerkbar macht.

Ansonsten alles wie gehabt, jeder Tonabnemer wird über ein eigenes Lautstärke-Poti (Volume) sowie eine eigene Höhenblende (Tone) gesteuert und per Drei-Weg-Schalter lassen sich die Tonabnehmer sowohl individuell als auch zusammen anwählen.

Handhabung und Klang:

Kommen wir zu den wichtigsten Elementen einer Gitarre – der Handhabung und dem Klang. In beiden Bereichen sticht die Les Paul Standard Faded im Vergleich zu normalen neueren Les Paul Standards!
Normale Les Paul Gitarren, vor allem Modelle die nach 1990 gebaut wurden, sind häufig schwer, manchmal sogar heftig schwer! So ein dicker Mahagoni-Korpus kann bis knapp über 5 kg auf die Waage bringen!
Durch die ausgefrästen Hohlkammern ist die Les Paul Standard Faded deutlich leichter als eine normale Standard oder Deluxe Les Paul. Wer stundenlang im Studio oder auf der Bühne stehen muss, wird dies als grandiose Erleichterung empfinden.
Meine Les Paul Standard Faded bringt zum Beispiel nur sensationelle 3,5 kg auf die Waage!
Auch die Les Paul Standard Faded verwendet (leider) noch die klassischen Gibson-Mechaniken, deren Qualität im Laufe der Jahre zwar wieder besser geworden ist, hinsichtlich der Stimmstabilität aber nicht mehr mit den Grover-Mechaniken meiner preiswerteren Epiphone Les Pauls mithalten kann. Trotzdem reicht es auch auf der Bühne aus um zwei bis vier Songs ohne nachstimmen zu müssen absolvieren zu können.
Die Regler sind leider wie so oft bei Gibson nicht nur recht glatt sondern auch noch relativ schwergängig so das die Bedienung mit nur einem Finger für Violin-Effekte quasi unmöglich ist. Das war's aber schon was ich zu meckern habe. Sowohl die Lautstärke- als auch die Tonregler arbeiten schön gleichmäßig ohne Sprünge im Regelweg und ohne zu kratzen oder sonstige Nebengeräusche zu produzieren. Auch bei reduzierter Lautstärke bleibt der Tonumfang weitestgehend erhalten, eine Höhenbeschneidung findet nicht statt. Auch der Schalter zur Tonabnehmerwahl arbeitet zuverlässig und geräuschlos.

Klanglich sind die beiden Pickups eindeutig eher Rocker oder Blueser als Smooth-Jazzer. Mit einem seidig glatten Ton, wie ihn die 57er Classic Tonabnehmer auf Grund der gleichen Wicklungszahlen auf allen Spulen hinbekommen haben die Burstbucker nicht soooo viel am Hut.
Trotzdem sind die Burstbucker Pro keine „Haudrauf“ oder Vollgas-Tonabnehmer.
Auch an clean eingestellten Verstärkern bestechen sie durch viel Luft im Ton und eine ausgesprochen ausgewogene Tonbalance bei toller Dynamik und einer überraschend schnellen und direkten Reaktion auf den Anschlag. Hier mag auch das geringe Gewicht der Standard Faded mithelfen aber der manchmal sehr behäbige und eher bassige Ton vieler 90er Jahre Les Pauls findet mit der Standard Faded definitiv nicht statt. Stattdessen klingt sie eher wie eine in einen Jungbrunnen gefallene uralte klassische Les Paul mit inzwischen geschützten Amazonas-Mahagoni-Body und Original-PAF Tonabnehmern.

Auch wenn die Burstbucker Pro rein technisch betrachtet gar nicht so übermäßig laute Pickups sind (der 498T „Hot Alnico“ Pickup meiner Les Paul Studio kann noch deutlich mehr Ausgangsleistung generieren) klingen sie trotzdem mit einem guten Röhrenamp immer etwas heißer als andere Pickups, vielleicht weil sie ein wenig bissiger und heller daherkommen. Jedenfalls ist meine Les Paul Standard Faded auch in dichten Arrangements jederzeit ohne große EQ-Eingriffe klar hörbar, während meine eigentlich nicht schlecht klingende Epiphone LesPaul Standard Plus dann schon fast komplett absäuft.
Selbst ein lautes Keyboard das den gleichen Frequenzbereich beansprucht kann meine Standard Faded nicht komplett verdecken. Toll!

Erst wenn man mit maximaler Verzerrung arbeitet wird der Attack (Anschlagimpuls) etwas weicher und die Dynamik komprimiert dann deutlich. Als Metal-Axe eignet sich also auch die Standard Faded nicht - aber wen wird diese Erkenntnis schon ernsthaft überraschen.
Dafür brilliert die Standard Faded in allen Sparten des Blues und Rock und trumpft mit dem Halspickup auch in Balladen à la Gary Moore groß auf! Hier überzeugt sie mit klarer Artikulation, sehr viel Luft zwischen den Tönen und einem großartigen Sustain.
Die Standard Faded ist alles in allem zwar nicht so variabel im Ton wie meine Les Paul Studio - geschweige denn wie meine neue Les Paul Standard Traditional Pro – aber das was sie kann ist absolut überzeugend und, ich bin fast dazu geneigt zu behaupten, konkurrenzlos. Wer auf Joe Bonamassa oder Gary Moore steht dürfte mit dieser Gitarre seinen Träumen sehr nahe kommen.

Ich habe neulich eine Joe Bonamassa Signature antesten können und sage mal ganz frech, dass die Standard Faded nicht nur lebendiger sondern auch noch variabler klingt, vor allem wenn man den Hals-Pickup singen lässt. Mit kleinen Combo-Amps klingt die Standard Faded erwachsener und irgendwie aufmerksamer während die von mir angetestete Les Paul Bonamassa Signature tendenziell eher ein wenig gelangweilt klang… Mit einem fetten Marshall-Rack holt die viel teurere Bonamassa Signature zwar deutlich auf, zu einem Patt reicht es aber trotzdem nicht ganz.

Leider wird die Standard Faded Serie nicht mehr gebaut, ist aber noch in kleinen Stückzahlen im Handel erhältlich. Wer also eine wirklich gute und vergleichsweise preiswerte Les Paul speziell für Rock und Blues sucht sollte sich sputen um die Gitarre mal anzutesten. Zwar ist auch diese Les Paul eigentlich zu teuer, trotzdem aber noch zu rechtfertigen zumal es keinerlei Nachteile, dafür aber viele Vorteile im Vergleich zu teureren Les Paul Modellen gibt. Vielleicht wurde diese Serie deswegen wieder eingestellt?!

Getestet habe ich die Les Paul Standard Faded mit meinem Fender Princeton 65 Vintage Reissue und meinem Laney LC15R (beides Vollröhren-Combos) sowie im Studio mit Boss GT-Pro, Native Instruments Guitar-Rig 3 und Line6 POD xt.
Als Effekte habe ich einen Ibanez TS-808 Tubescreamer Reissue, einen Damage Control Womanizer und ein Boss ME-70 Multieffekt ausprobiert, auch wenn ich überwiegend ohne Effekte getestet habe.

Fazit:

Die Gibson Les Paul Standard Faded ist eine professionell gebaute Gitarre mit einem noch akzeptablen Preis-Leistungs-Verhältnis und einem sehr gitarristenfreundlichen Gewicht! Wer sich für die klassischen LesPaul Rock- und Bluessounds interessiert, bisher aber wegen des Gewichts und des Preises Vorbehalte hatte, sollte die Les Paul Standard Faded unbedingt mal anspielen.
Die „rustikale“ Optik polarisiert allerdings etwas. Während manche Gitarristen (wie ich) sich spontan in die sehr holzige Haptik und Optik verlieben, schütteln sich andere vor Grausen und murmeln was von IKEA-Optik.

Klar gibt es heutzutage "bessere" Gitarren als die in Ehren ergrauten Les Paul Originale, die heute weder bei der Ergonomie, noch in der Flexibilität noch in der Tonvariabilität die Messlatte darstellen. Dafür ist aber eine Les Paul ihre ganz eigene Messlatte und wer diesen Ton will und auch die notwendige Spielweise "aufgezwungen" haben will kommt nicht darum herum, sich irgendwann einmal eine Les Paul oder zumindest eine gute Kopie zuzulegen. Es mag schräg klingen, aber man spielt eine Les Paul einfach anders als andere Gitarren.

Im Preis der Gitarre enthalten ist ein hochwertiger Gitarrenkoffer mit Gibson USA Aufdruck, schicker weißer Innenpolsterung, Zahlenschloß und einem stabilen Griff - ein Qualitätsstufe besser als bei meiner Les Paul Studio und der Les Paul Traditional Pro - très chic.
Auf Grund der offenporigen Seidenmatt-Lackierung bewahre ich meine Les Paul Standard Faded vor allem im Winter grundsätzlich im Koffer auf, wenn ich sie nicht spiele. Ich befürchte dass sie auf trockene Heizungsluft etwas empfindlicher reagiert als hochglanz versiegelte Modelle.

Angesichts des immer noch recht hohen Preises, der für Gibson leider normal-nachlässigen Verarbeitung und der etwas eingeschränkten Flexibilität vergebe ich für meine Les Paul Standard Faded nur 4 Sterne, auch wenn ich diese charakterstarke und ehrliche Gitarre inzwischen wirklich sehr zu schätzen gelernt habe.
Die Gitarre ist wie ein treuer Freund, macht einfach sehr viel Spaß und inspiriert mich vor allem, wenn ein zünftiger Blues- oder klassischer Rocksound gefragt ist.


Achtung!!!
Anders als bei „normalen“ technischen Geräten ist jede Gitarre – auch jede E-Gitarre – quasi ein Unikat. Selbst bei teuren Gitarren kann es teils heftige Schwankungen in der Verarbeitungs- und Klangqualität geben.
Ich habe häufig dutzende „gleicher“ Gitarren angetestet (manchmal über viele Jahre!) bevor ich meine Gitarren gekauft habe. Bevor ihr viel Geld ausgebt, testet die Gitarre gründlich (!!!) an, mit eurem Verstärker, mit eurem Plektrum und am Besten direkt bei euch zu Hause! Nur so könnt ihr eine Gitarre wirklich beurteilen!

Ich hoffe sehr, dass ich mit meinen sehr musiklastigen Berichten niemanden langweile oder mit Fachbegriffen zu sehr überfordere. Wenn es noch Fragen gibt, bitte zögert nicht zu fragen, ich überarbeite und ergänze meine Berichte sowieso ständig. Danke sehr für das Lesen und Kommentieren meines Berichts und keinerlei Dank an alle die nur eine Bewertung klicken!

© 2010 Bernd Almstedt

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • ingo.rosteck veröffentlicht 28.07.2015
    sh für den ausführlichen bericht
  • musik2010 veröffentlicht 01.08.2010
    Will ich auch haben ;-) BH, lg
  • Timtone veröffentlicht 31.07.2010
    klares bh...
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Produktdaten : Gibson Les Paul Standard 50 Faded HB

Produktbeschreibung des Herstellers

Haupteigenschaften

Hersteller: Gibson

Typ: E-Gitarre

Ciao

Auf Ciao gelistet seit: 30/07/2008