Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
an Lakonik kaum zu überbieten |
| Kontra: |
trotz der Kürze einige Längen |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Hallo Zielgruppe!
Es gibt Filme, die bestechen durch ihren Minimalismus und ihre Lakonik. Meister dieses Fachs sind ja die Regisseure Jim Jarmusch und Aki Kaurismäki. Nun schickt sich der argentinische Regisseur Adrian Biniez an, in deren Fußstapfen zu treten. Bislang hatte er sich seine ersten Meriten mit Kurzfilmen verdient und nun seinen ersten abendfüllenden Spielfilm abgedreht, der auf der Berlinale und diversen anderen Festivals das Publikum begeistern konnte. Wie der Film bei mir angekommen ist, dazu mehr in diesem Bericht.
### DER INHALT ###
~~~ wie so oft die „MissVega kauft meist in dem Feinkostladen, wo's ALDI leckeren Sachen gibt“ - Kurzversion ~~~
Jara arbeitet als Wachmann in einem großen Einkaufszentrum am Rande Montevideos. Nacht für Nacht beobachtet er auf den Bildschirmen seines Büros, was so in den Gängen des Supermarktes passiert. Nebenbei löst er noch Kreuzworträtsel und hört Heavy-Metal-Musik. Eines Nachts sieht er auf dem Bildschirm in der Putzkolonne eine Frau, die ihn auf Anhieb fasziniert: Julia. Nur hat Jara ein Problem: Er ist sehr schüchtern und weiß nicht, wie er sich ihr annähern soll. Zunächst beobachtet er sie heimlich und startet gezielte Ablenkungsmanöver, wenn Julia Ärger droht, weil sie beispielsweise eine Konservenpyramide umstößt. Nach Dienstschluss heftet er sich heimlich an ihre Fersen und beobachtet, wie sie im Internet-Café chattet, einen Karate-Kurs besucht oder ins Kino geht. Er steht ihr auch klammheimlich zur Seite, als sie von einem Taxifahrer sexistisch angepöbelt wird und der sich anschließend mit einer gebrochenen Nase über sein Lankrad krümmt. Nur hilft ihm das nicht, ihr näher zu kommen. Doch dann kommt es im Supermarkt zu einer Entlassungswelle und Julia gehört zu den Entlassenen. Nun muss sich Jara entscheiden, was er wirklich will...
~~~ und nun wieder die „Dr.Ed hat seinen Großeinkauf geschafft und kein Sonderangebot übersehen“ - Langversion
Jara (Horacio Camandule) führt ein überschaubares Leben. Er arbeitet als Wachmann in einem großen Einkaufszentrum am Rande Montevideos. Nacht für Nacht beobachtet er auf den Bildschirmen seines Büros, was so in den Gängen des Supermarktes passiert. Mal sieht er, wie eine der Putzfrauen etwas mitgehen lässt, mal kann er beobachten, wie die Kollegen vom Lager ihren Schabernack treiben. Nebenbei löst er noch Kreuzworträtsel und hört Heavy-Metal-Musik. Eines Nachts sieht er auf dem Bildschirm in der Putzkolonne eine Frau, die ihn auf Anhieb fasziniert: Julia (Leonor Svarkas). Ab sofort hat er auf dem Bildschirm nur noch Augen für sie. Als sie mal aus Ungeschicklichkeit eine Konservenpyramide umstößt und der wütende Chef ankommt, startet Jara ein Ablenkungsmanöver, um den Chef zu einem wichtigeren Ort zu dirigieren.
Obwohl Jara bis über beide Ohren in Julia verliebt ist, traut er sich nicht, sie anzusprechen. Stattdessen folgt er ihr heimlich nach Dienstschluss und sieht, wie sie im Internet-Café chattet, einen Karate-Kurs besucht oder ins Kino geht. Als sie von einem Taxifahrer sexistisch angepöbelt wird, krümmt der sich anschließend mit einer blutenden Nase über seinem Lenkrad, ohne dass es Julia mitbekommt. Oder er trinkt mit ihrem Blind-Date ein Bier, nur um herauszufinden, was Julia für ein Typ ist. Als ihr der Kollege Julio (Fernando Alonso) in den Gängen etwas zeigen will und er die beiden am Monitor aus den Augen verliert, löst er kurzerhand einen Feueralarm aus. Er findet dann zwar die beiden nicht, aber zumindest bekommt er heraus, was Julio Julia zeigen wollte.
Eines Tages fasst Jara sich ein Herz und stellt Julia einen kleinen Kaktus in den Gang, den sie zu putzen hat, ohne sich jedoch als Urheber dieser netten Geste zu erkennen zu geben. Doch während Jara noch darüber grübelt, wie er sich Julia nähern könnte, eskaliert die Situation im Arbeitskampf der MitarbeiterInnen des Supermarktes. Eine Entlassungswelle schwappt durch das Haus und Julia gehört zu den Entlassenen. Da ihr Bild nun nicht mehr über die Überwachungsmonitore flimmert, muss Jara nun eine Entscheidung treffen, wenn er Julia nicht aus den Augen verlieren will. Überwindet er seine Ängste oder zieht er sich erneut in seine Einsamkeit zurück? Die Antwort erfahrt im Kino oder sonstwo...
### MEINE MEINUNG ###
Es ist in der Tat so: Ähnlich wie bei Jim Jarmusch oder Aki Kaurismäki ist dieser Film an Lakonik kaum zu überbieten. Die Dialoge sieht sparsam, aber treffend. Den Bildern sieht man an, dass sie mit relativ einfachen Mitteln gedreht wurden und auch die Handlung schlägt auch nicht gerade Purzelbäume. Alles wirkt einfach, sparsam, aber effektiv. Trotzdem gelingt es Regisseur Biniez, dass das Publikum Sympathie für seine Figuren entwickelt, denn sie wirken absolut lebensnah und authentisch. Dasselbe gilt auch für die Handlung: Sie ist zwar einfach gehalten, wirkt aber wie mitten aus dem Leben gegriffen. Darin liegt auch die große Stärke dieses Films: Man hat zu keiner Sekunde das Gefühl, dass etwas aufgesetzt oder künstlich wirkt.
Dennoch vermag der letzte Funke nicht so ganz über zu springen. Trotz seiner nur 88 Minuten hat der Film schon einige gefühlte Längen und man vermisst in einigen Szenen das letzte Timing für die Figuren und die Situationen, in denen sie sich wiederfinden. Es fehlt ein bisschen die Tragikomik von Kaurismäki und auch die Absurdität, wie man sie bei Jim Jarmusch oft findet. Der Film plätschert in meist blassen und grobkörnigen Bildern vor sich hin und man hat das Gefühl, dass der Film sein Potential nicht ganz ausschöpft. Selbst der Gastauftritt von Rennfahrer Fernando Alonso verläuft eher unspektakulär und scheint ihm keine großen schauspielerischen Fähigkeiten abzuverlangen.
Was die übrigen darstellerischen Leistungen betrifft, kann man nur sagen, dass sie allesamt sehr überzeugend wirken. Obwohl außer Alonso niemand wirklich bekanntes mitspielt, machen alle ihr bestes aus ihrer Rolle und lassen nicht den Eindruck aufkommen, dass jemand fehlbesetzt wäre. Allerdings muss man sagen, dass die Rollen auch nicht besonders komplex angelegt sind und keine allzu großen schauspielerischen Fähigkeiten abverlangen. Die Bilder im Supermarkt wirken eher blass und kalt, während sie außerhalb zwar auch ein wenig blass, aber dafür etwas wärmer wirken.
### FAZIT ###
Wer Filme von Aki Kaurismäki oder Jim Jarmusch mag, wird sicherlich auch an diesem Film Gefallen finden, auch wenn er nicht ganz an seine großen Vorbilder heranreicht. Ich halte diesen Film zwar für sehenswert, aber man muss ihn nicht unbedingt im Kino gesehen haben. Daher gibt’s von mir eine eingeschränkte Empfehlung, denn der Eintritt für diesen Film ist zumindest keine Geldverschwendung.
### ABSPANN ###
Spielfilm ARG/URU/D/E/NL 2009; 88 Min.; FSK 6
Regie: Adrian Biniez
Buch: Adrian Biniez
Musik: Adrian Biniez
Kamera: Arauco Hernandez Holz
~ Jara – Horacio Camandule
~ Julia – Leonor Svarcas
~ Julio – Fernando Alonso
~ Matias – Federico Garcia
~ Tomas – Nestor Guzzini
~ Mariela – Fabiana Charlo
~ Danilo – Ernesto Lotti
~ Omar – Diego Artucio
~ Kennedy – Carlos Lissardy
~ Miguel – Nacho Mendy
~ Rojas – Augusto Peloso
~ Fidel – Andres Gallo
~ Gustavo – Esteban Lago
~ Roquero – Rafael Sosa Zeballos
~ Jaras Chef – Ariel Caldarelli
u.v.a.
| weitere Erfahrungsberichte |
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Bewertung für Gigante von
maddin_1704
Pro: siehe Bericht
Kontra: siehe Bericht
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Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich |
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sehr hilfreich
13.10.2009
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