KLEIN, HANDLICH, PREISSWERT UND OBERFLÄCHLICH
25.03.2001
Pro:
klein und handlich, preiswert
Kontra:
oberflächlich und seicht
Empfehlenswert:
Nein
Details:
Unterhaltungswert
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 Trudenfee
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Was macht eigentlich ein Frauenmagazin aus? Was ist denn der Unterschied zu einem Männermagazin? Da in Männermagazinen ja jede Menge nackte Frauenkörper zu bewundern sind, suchen wir Frauen entsprechende männliche Bodies doch in Frauenmagazinen vergeblich. Und wollen wir das eigentlich? Gestern nachmittag ist mir ein neues Exemplar dieser Spezies in die Finger gekommen: Klein und handlich (DIN A5), ziemlich dick (242 bunte Seiten) und echt grell (zumindest das Cover). Der kleine Preis von 2,- DM war ein wirklich überzeugendes Argument, denn ein erneuter Flop in Sachen Frauenmagazin (ich habe leider schon einige negative Erfahrungen) würde zumindest nur ungefähr die Hälfte gekostet haben. Wie heißt denn dieses kleine kompakte grelle Magazin? G L A M O U R.Es erscheint monatlich, und ich habe für euch die Ausgabe April 2001 getestet :-). Ja, wie gesagt, das Cover ist ziemlich grell. Ein zugegeben hübsches blond gesträhntes American Girl mit sehr zerzaustem Haar lächelt sehr freundlich und sommersprossig zwischen hummer- und orangefarbenen Lettern. Spricht mich das an? Hmmh, wenn das so weitergeht, bin ich 15 Jahre zu alt für dieses Magazin. Ok, weiter, denn Glamour April 2001 verspricht mir ja, mich frühlingsfit zu machen, und das habe ich verdammt nötig. Gut, strengt euch an.Das Inhaltsverzeichnis ist farblich erstaunlich übersichtlich gestaltet. Jedes Thema hat seine eigene Farbe, die in der unteren Leiste erklärt wird und auch in den Überschriften der Beiträge wiederzufinden ist. Nett gemacht! Da Glamour noch ziemlich neu ist, gab es eine Premierenparty und da die Macher von Glamour „ein grosses bisschen stolz“ waren, dass 1000 Gäste kamen, wurde die werte Leserin mit 17 Bildern von sich feiernden Schampus schlürfenden Mitarbeitern und Gästen beglückt. Wenn ihr mich fragt, überflüssig!Danach dann `mal ein Horoskop der etwas anderen Art unter dem Motto „Wie kriege ich ihn ins Bett?“. Da konnte ich mich dann informieren, wie ich meinen Krebs-Mann auf meine Kissen locke. Überraschende Erkenntnisse gab es dort leider nicht ;-). Mein eigenes Horoskop für den April hat mich dann aber wieder etwas versöhnt, denn die „Löwen erleben den besten Monat des Jahres“. Soll ich schon `mal jublen? In Sachen „Kultur“ verrieten mir dann Prominente, was im Leben zählt, wie Träume in Erfüllung gehen und wie man sich im Alter mit Fußball fit hält. Hierbei handelt es sich um einen kurzen Überblick der neusten Filme, CD`s und Bücher. Nicht schlecht gemacht, aktuell und teilweise amüsant. Im „Portrait“ des April steht Guy Ritchie, der angeblich der Liebling der Saison ist. Ich kenne ihn eigentlich erst, seit er der Lieblingsmann von Madonna ist. Seine Aussage unter seinem süffisant lächelnden Bild „Ich mag knallharte Weiber!“ macht ihn nicht gerade sympathischer. Weitere Aussagen wie „ich finde den Tod gut“ und „Madonna kocht wirklich schlecht“ hielten mich irgendwie davon ab, diesen zugegebenermaßen recht kurzen Artikel intensiv zu lesen. Jetzt mal ein roter Balken, der Liebe und Leben ankündigt: „Telefonsex: Ist das was für uns? Oh jaaaah!“ Sehr interessanter Artikel, der mir eröffnet, dass erotisches Geflüster jeder Beziehung gut tut. Doch so richtig neu ist das irgendwie auch nicht – aber trotzdem nett geschrieben -.Und was darf in keinem Frauenmagazin fehlen? Ein Test, bei dem frau herausfinden darf, zu welcher Kategorie Frau sie gehört. Titel des April-Tests: Flirten Sie wie ein Teenie oder wie ein Profi? Wer kann da schon widerstehen, den Stift zu zücken und brav die Buchstaben anzukreuzen? Einen Stift brauchte ich gar nicht, so kurz war der Test. Bei 5 Fragen ist mein Gedächtnis noch wunderbar in der Lage eine Kopf-auswertung durchzuführen, zumal es lediglich darum ging, herauszufinden, ob man a, b oder c besonders oft gewählt hat. Dass ich mich bei c wiedergefunden habe, hat mich schon erstaunt, doch irgendwie war mir das alles etwas zu platt. Die weiteren kleinen Miniartikel haben alle den roten Balken, und ich lerne, dass auch Männer ihre Gefühle zeigen können, nur frau zu blöd ist, es zu bemerken. Vielen Dank für den Hinweis!!! Liebeslust und Liebeskummer werden im Liebeszentrum des Gehirns geboren – erforscht von einem 33–jährigen Andreas Bartels, der auch herausfand, dass Liebe blind und blöd macht. Ich denke, das weiß wohl mittlerweile jede(r) von uns, oder? Die Erkenntnisse von Müttern, Schwangeren, Gynäkologen und werdenden Vätern, ob Schwangerschaft und Sex zusammenpassen fand ich einfach nur lächerlich und letztendlich noch der Artikel über die ungleichen Schwestern Katja und Nina, die Freundinnen und Rivalinnen zugleich sind. Den habe ich einfach überblättert, denn eine Schwester blieb mir immer versagt – nach dem Aufmacher kann ich wahrscheinlich froh darüber sein -. Nächste Farbe, neues Glück!!! Orangefarbener Balken läutet Mode ein. Über 10 Seiten erlebe ich das junge Glück von Brian und Trinity unter dem Motto: „Endlich wieder Beinfreiheit! Ein Strand, ein hübscher Junge, ein Surfboard – was fehlt da noch? Genau: ein luftiges neues Sommerkleid“. Auf der ersten Doppelseite rekeln Brian, Trinity und das Surfboard im Stroh. Seit wann gibt es Stroh am Strand? Da Trinity ein Spaghettiträger-Kleidchen mit Hawaii-Print von Turnover für schlappe 220 Mäuse trägt, ist Brians Hemd aus dem Second-Hand-Laden. Das Muster des Hemdes erinnert mich doch sehr an die Tapete in der Wohnküche meiner Omma. Den Morgen beginnen die beiden sehr glamourös. Trinity hockt mit Schmollmund, Engelsfrisur, tiefblauem Seidenkleid von Strenesse (nur 750 DM) und Flip-Flops mit Absatz von Jimmy Choo mit dem Hintern auf einem Gasherd. Sie sieht nicht so aus, als wollte sie frühstücken. Danach machen die beiden einen Abstecher in die Stadt. Trinity hat sich umgezogen – wahrscheinlich ist ihr blaues etwas versengt – und trägt jetzt ein türkis-grünes Kleidchen mit ganz modernem Print von Kookai (um 200 DM). Für Brian hat es mal wieder nur für einen Rolli von H&M gereicht (um 20 DM), der aber farblich hervorragend zu Trinity`s Outfit passt. Sind die beiden nicht süß???? Nächste Seite: Chill-Out im Schatten. Hier wäre ich dankbar für aufklärende Kommentare. Auch wenn Trinity`s Kleid ganz schlicht ist, macht es die nette Raffung am Dekollete zu etwas ganz besonderem. Leider ist die Raffung gar nicht zu sehen, denn die Kleine hat sich hingebungsvoll an Brian`s Schulter gegossen und mit ihren Engelslöckchen jeden möglichen Blick auf ihr gerafftes Dekollete verhindert. Nunja, das Kleidchen ist schilfgrün, obwohl es eigentlich eher gelb aussieht, ist von Sandra Pabst und für 380 DM zu haben. Brian trägt das Outfit von Seite 67 (Ommas Tapetenhemd). Mehr ist bei Trinity`s Ansprüchen wohl nicht drin. Für den Erkundungsspaziergang an den Strand hat sich Trinity ein doppellagiges Chiffonkleidchen mit Spaghettiträgerchen von Exte ausgesucht. Wirklich süß, nur der Preis von 840 DM versetzt mir irgendwie einen Schlag in den Magen. Brian hat sich vorsichtshalber seine privaten Lieblingsstücke – eine Häkelmütze und ein Shirt – mitgebracht. Zu mehr reicht es für den armen Kerl sowieso nicht. Jetzt gehen die beiden endlich surfen. Sie im Baumwollträgerkleid mit Camouflagemuster (um 300 DM) und Brian hat einen echten Surfanzug von Quicksilver. Vielleicht hat er heute Geburtstag?Für das Abenddate sehen wir Trinity in der Badewanne sitzen. Sie scheint zu meditieren, denn ihre Beine hängen seitlich heraus, ihr Blick ist gesenkt und die Hände ineinandergelegt. Das Bild ist absolut jugendfrei, denn Trinity trägt einen hummerfarbenen BH von Skiny, ihr zweilagiges Grafikkleid aus bügelfreier Microfaser von Marc Cain (um 350 DM) hängt auf einem Bügel vor dem Fenster, und die Cashmere-Cardigan mit Goldborte von Maria di Ripabianca (um 540 DM) liegt zusammengeknüddelt vor der Wanne auf den Fliesen. Mir dreht sich bei diesem Anblick der Magen um. Die schöne Jacke!!! Mittlerweile ist es Abend geworden und ich sehe Trinity mit geschürzten Röcken ihres Punkte-Kleidchens mit weitem Glockenrock von Rene Lazard (um 400 DM) für ein spontanes Bad ins Meer galoppieren. Na dann viel Spaß, mein Kind! Für den Sonnenuntergang hat sie sich dann für ein Hemdblusenkleid mit Polokragen von Aigner (um 400 DM) entschieden. Komisch, ihr Eyeliner ist vom Baden gar nicht verschmiert. Brian hat immerhin eine Levis 501 und ein neues Hemd an. Das ist wieder Secondhand. Bei einem Luxusweibchen wie Trinity muss mann wohl etwas kürzer treten :-).Ich werde das jetzt mal etwas abkürzen, denn ich habe gerade mal die Seite 76 erreicht. Die folgenden Artikel zu den Themen Beauty, Body, Job & E-Life, Wohnen & Essen, Reportage & Reise sind ähnlich seicht und oberflächlich abgefasst. Zwischendurch taucht immer mal wieder die Trend-Expertin Irma auf, eine Twiggy-ähnliche Comicfigur, die frau auf die Sprünge helfen soll. Finanziert wird die Glamour wohl durch Werbung von Gucci, Miu Miu, DKNY, Calvin Klein, Armani, Boss und ähnlichen klingenden Namen. Die Bilder sind wirklich gut, besonders das von Calvin Klein Khakis – nein sind die Jungs schnuckelig -. Mein Fazit: Glamour ist noch oberflächlicher und seichter als Frauenmagazine ohnehin schon sind, dafür kostet sie aber auch nur die Hälfte. Wenn man richtig gestresst ist und sich eine Stunde seicht entspannen will, ist sie goldrichtig.
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01.07.2004 11:03
Witzig geschrieben! LG Claudia
20.11.2001 16:45
Gacker, selten so gelacht, prima geschrieben! Der ironische Tonfall spricht mir aus der Seele, mach weiter so. Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen und das in einer tollen Art, der sich gut und trotz allem objektiv lesen lässt. Werde mir definitiv noch mehr Berichte von Dir durchlesen.
15.06.2001 15:43
WOW! ! ! Dein Bericht hat mich beeindruckt, werde mir bei nächster Gelegenheit weitere von dir durchlesen. Wirklich Spitzenklasse....cu Tanja