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Meist gilt für mich: Wenn ich von einem Autor ein gutes Buch gelesen habe, dann gefallen mir in der Regel auch seine anderen Romane. Klar, es gibt dann Unterschiede, die eine Geschichte liest man nur so wenig, bei der nächsten dauert es länger. So hab ich mich gefreut, als ich mit "Assassini" von Thomas Gifford neulich einen Roman mit enormer Sogwirkung gefunden hatte. Auch das zweite Buch, das ich von ihm gelesen habe, Aquila, war nicht schlecht. So war ich richtig neugierig, als ich meinen dritten Gifford-Roman, Gomorrha, in Händen hielt - ganz besonders, weil es dort mit mehreren Figuren aus Assassini ein Wiederlesen gab.
INHALTSVERZEICHNIS: 1. Was ist Gomorrah 2. Wer ist Thomas Gifford 3. Ort und Zeit der Handlung 4. Die Hauptfiguren a) Ben Driskill b) Elizabeth Driskill c) Charles Bonner 5. Die Handlung 6. Handlungsstränge 7. Themen 8. Vergleich mit den anderen Giffords 9. Meine Ausgabe 10. Pro & Contra 11. Fazit
1. WAS IST GOMORRAH? ********************************* Bei "Gomorrah" fallen mir zwei Dinge ein: Die Bibel und die Lindenstraße. Klar, dass da Welten dazwischen liegen. Das geflügelte Bibelwort war mir grob bekannt als Begriff (Sodom und Gomorrah) für Sünde, die bestraft wurde. Um aber das Ganze korrekt zu erklären, habe ich nachgeschaut. Das biblische Gomorrah ist eine Stadt am Südende des Toten Meeres, die - laut Buch Mose - wegen der extremen Ausschweifungen der Bevölkerung (Völlerei, Rechtsbeugung, Selbstgerechtigkeit, homosexuelle Gewalt) von Gott zerstört wurde. In der Lindenstraße hat die (frühere) Hausmeisterin Else Kling den Begriff "Sodom und Gomorrah" immer benutzt, um die Bewohner (wegen ihrer Lasterhaftigkeit) zu beschimpfen. Wenn man jetzt Gomorrah auf diesen Roman münzt, ist also Lasterhaftigkeit in irgendeiner Form zu erwarten.
2. WER IST THOMAS GIFFORD? ***************************************** Eigentlich hätte die Frage lauten müssen: "Wer war Thomas Gifford?" Denn der Autor von Assassini, Aquila und Gomorrah ist bereits verstorben - am 31. Oktober 2000. Assassini hatte ihm den Durchbruch gebracht, der Vatikanthriller, der auch im Zuge der Euphorie um die Dan Brown Romane (Illuminati, Sakrileg) wieder zahlreiche Leser fand. Gifford war Amerikaner und lebte in Dibuque, Iowa.
3. ORT UND ZEIT DER HANDLUNG ******************************************** Gomorrah spielt in der Gegenwart - ein genauer Zeitpunkt wird nicht klar, es könnte heute sein oder vor vier Jahren. Die Orte der Handlung sind allesamt in den USA. Besonders wichtig da: Die Hauptstadt Washington D.C., aber u.a. auch Boston, New York und in Saint's Rest, im Bundesstaat Iowa.
4. DIE HAUTFIGUREN **************************** a) BEN DRISKILL Er war schon der Mann, der in Assassini im Mittelpunkt stand, ein Sohn aus reichem Hause, ein ehemaliger Pastor und ein Anwalt. Von all diesen Positionen ist in "Gomorrah" nur der Jusrist Driskill wichtig. Er arbeitet in einer sehr renommierten Kanzlei, die auch für das Weiße Haus, also für den US-Präsidenten, tätig ist. Drew Summerhays ist dort nicht nur Bens Chef sondern zugleich sein väterlicher Freund. Doch Summerhays wird ermordet, ebenso ein Detektiv, der für die Kanzlei gearbeitet hat. Ben, der selber - da er den toten Drew als erster entdeckt hat, in Verdacht gerät, stellt Nachforschungen an. So weit, so gut, denn Driskill geht damit wieder auf die Spur, die er schon in Assassini verfolgt hat. Doch der Gomorah-Ben ist auf etwas spröde Art verbissen. Er verfolgt sehr stur das Ziel, die Morde aufzuklären. Dabei ist er nicht der typische strahlende Held, wirkt eher zu verbissen, auch seiner Frau gegenüber. Mir ist er in diesem Roman weit weniger sympathisch als noch in Assassini. An sich finde ich es zwar sehr gut, wenn ein Charakter Ecken und Kanten hat. Doch bei Driskill kommen in Gomorah auch noch Längen hinzu, die der Firgur wie der Geschichte nicht gut tun.
b) ELIZABETH DRISKILL Wer sich noch an Assassini - oder meinen Bericht über diesen Roman - erinnert, stutzt nun vielleicht. Elizabeth? Da war doch was? Genau! Schwester Elizabeth. Denn "Mrs. Driskill" war in Assassini zunächst noch Nonne - die sich dann in Ben verliebt hat und ihm half, den Mord an seiner Schwester aufzuklären. In Gomorrah führt das Ehepaar eine Distanzbeziehung, da beide Karriere machen - sie als Journalistin, er als Jurist. Lange Zeit kommt sie daher auch nur aus der Entfernung in diesem Roman vor. Doch als sie auftaucht, erscheint sie mir als Figur positiver als Driskill: Sie stellt die klügeren, klareren Überlegungen an, ist vernünftiger als ihr Mann.
c) CHARLES BONNER Darf ich den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika präsentieren? Nein, nicht George W. Bush junior oder senior und auch nicht Bill Clinton! Nein, der Präsident der USA heißt Charles Bonner. Ihn "trifft" man als Leser von Gomorrah noch eher an als seinen alten Studienfreund Ben Driskill. Bonner ist zunächst ein Mann, der mutig Wahrheiten sagt - in einer Rede zur Lage der Nation. Er sagt diese Wahrheiten, auch im Wissen, dass sie ihn im aktuellen Präsidentschaftswahlkampf Stimmen kosten werden. Doch nachdem Charles Bonner zunächst ein starker Charakter ist, wird er in der Folgezeit (in der der Focus dann immer mehr auf Ben Driskill liegt) immer blasser, ein netter, aber harmloser Präsident.
5. DIE HANDLUNG ************************* Ich habe einige Wochen gebraucht, um mich durch diesen Roman hindurch zu lesen. Dabei fand ich den Anfang zunächst sehr interessant: Es geht um den Präsidentschaftswahlkampf. Gifford nimmt den Leser mit hinter die Kulissen, man erlebt, wie Strippen gezogen werden. Doch dann verhakt er sich in Details, in Details, die ich gar nicht alle schildern mag, da sie langatmig sind und mich im Lesefluss sehr ausgebremst haben. Alles läuft auf eins hinaus: Drew Summerhays, über 90-jähriger Leiter einer berühmten und wichtigen Kanzlei und zugleich juristischer Berater von Präsident Bonner, wird ermordet. Ben Driskill, der mit dem väterlichen Freund ein wichtiges Gespräch führen sollte, fährt zum Haus Summerhays, findet dessen Leiche und einen Zeitungsartikel. Darin wird Drew bezichtigt, Kontakte mit dem obskuren Geldgeber Sarabian gehabt zu haben. Selbstmord? Ben bezweifelt das. Er nimmt Verbindung mit dem Präsidenten auf - Bonner rät ihm, den Tod Summerhays nicht zu melden und schnellstmöglich nach Washington zu kommen. Ben folgt dem Vorschlag, reist in die Hauptstadt. Dort erfährt er, dass auch ein Detektiv, der ebenfalls immer wieder für die Kanzlei tätig war, ermordet worden ist. Der offizielle Rechtsberater des Präsidenten ist entsetzt, dass Ben den Tod Summerhays nicht der Polizei gemeldet hat. Er befürchtet, dass die Wahrheit noch aufgedeckt wird. Und tatsächlich meldet ein Fernsehsender bald, dass Driskill in Summerhays Todesnacht in dessen Haus war. Ben beginnt zu ermitteln, fährt nach Iowa, um den Mord an dem Anwalt aufzuklären. Dort erfährt er, dass es noch einen Toten gegeben hat, den Aufsichtsratschef eines großen Konzerns. Gibt es eine Verwicklung von Bonners Konkurrenten um die Präsidentschaftskandidatur der Demokratischen Partei? Dank Elizabeth trifft Ben auf eine Frau, die als Kontaktperson zwischen Summerhays, dem Detektiv und mehreren weiteren Personen fungiert hat. Auch hier müssen dir Driskill herausfinden, was hinter dem geheimen Kreis steckte und wer ihm sonst noch angehörte. Wenn ich das hier so zusammengefasst schreibe, denke ich selber: Von der Idee her ist das doch eine sehr interessante Geschichte. Doch dann erinnere ich mich wieder an die vielen Längen, daran, dass ich das Buch oft nach ein paar Absätzen, aber spätestens nach vier bis fünf Seiten weg gelegt habe. Insofern war es über weite Strecken eine gute Einschlaflektüre: Wenn man ein bisschen darin gelesen hatte, hatte man die genügende Bettschwere. Schade eigentlich, denn ich liebe es, wenn mich ein Roman richtig fesselt. Aber warum erfüllt Gomorrah dieses Kriterium nicht? Nun, die Geschichte hat viel zu viele Längen: Das fängt schon damit an, dass ich mich - nach einem einigermaßen interessanten Anfang - durch die ersten 50 Seiten extrem gequält habe. Erst ab der Hälfte der gut 500 Seiten wurde die Handlung einigermaßen spannend - allerdings auch nur vorübergehend …
6. HANDLUNGSSTRÄNGE ************************************* Ich gehöre zu den Fans von klar gegliederten Geschichten. Wenn es zwei bis drei Handlungsstränge gibt, in denen jeweils interessante Figuren im Mittelpunkt stehen, finde ich das ok. Wenn man aber nur eine zentrale Figur hat und sich dann in den Erzählungen rund um die Nebenfiguren verstrickt, wird und wirkt das doch sehr langweilig. Genau das tut Gifford aber zu Beginn des Romans Gomorrah. Nach Driskills Auftreten steht er dann (weitestgehend) im Mittelpunkt. Nur ab und an wird kurz von ihm weg geschaltet, z.B., wenn Gifford die Fernsehberichte über die Morde und über den Präsidentschaftswahlkampf wieder gibt oder wenn er den Leser kurz zu dem Mörder führt. Dennoch verzettelt sich der Autor auch in den Driskill-Passagen, verliert sich in unnötigen und langatmigen Details.
7. THEMEN: **************** Ich habe einen Moment überlegt, ob ich diesen Punkt, der eigentlich in den meisten meiner Roman-Berichte auftaucht, auch hier erwähne. Denn nur mühsam kann man ihn in verschiedene Themen aufdröseln - vor allem dann, wenn man nichts vom Ende vorweg nehmen möchte.
MACHT: Klar dass dieses Thema mit der Politik fast immer untrennbar verbunden ist. In Gomorrah gibt es da vorrangig den Machtkampf zwischen dem Präsidenten und seinem (parteiinternen) Herausforderer. So ein Tauziehen erlebt man auch normalerweise aus der Distanz als normaler Bürger und Wähler mit. Dadurch, dass man aber dicht an den Präsidenten und seinen Beraterstab herangeführt wird, gewinnt man andere Einblicke, Einblicke, die an sich Stoff für eine interessante Geschichte hätten liefern können.
MACHENSCHAFTEN: Mitunter ist dieses Stichwort die andere Seite der Medaille "Macht". Fast jeder vermutet es schon: Nur mit Ehrlichkeit und Gerechtigkeit kommt wahrscheinlich kaum jemand in der Politik weiter. Es geht um Seilschaften, die in positivster Weise nur auf persönlichen Verbindungen wie langjährigen Freundschaften (im Fall von Bonner die Freundschaften mit Summerhays und Ben Driskill) beruhen, im negativen Sinne aber auch in unsaubere Verwicklungen führen - in Dinge wie Bestechung und Intrigen. Allerdings ist in Gomorrah lange Zeit unklar, in welche Richtung diese Machenschaften gehen könnten.
8. VERGLEICH MIT ANDEREN GIFFORDS ************************************************** Wenn ich Assassini, Aquila und Gomorrah miteinander vergleiche, dann brauche ich gar nicht lange zu überlegen. Gomorrah ist eindeutig der schwächste, Assassini eindeutig der stärkste der drei Romane. Auch wenn Assassini die längste der hier erwähnten Giffords ist, so gibt es darin die wenigsten Längen. Auch Aquila kommt (siehe auch mein Bericht dazu) bei weitem nicht an Assassini dran. Gomorrah ist ganz klar am langatmigsten.9. MEINE AUSGABE ************************** Ich habe die Hardcover-Version von Gomorrah bei Ebay für 1,50 (plus Porto) ersteigert. Die Ausgabe ist im Verlag Bechtermünz erschienen, Gesamtherstellung Wiener Verlag, Himberg bei Wien. ISBN 3-8289-6927-5 . 517 Seiten Die Lizenzen für Deutschland liegen bei der Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co KG, Bergisch Gladbach. Die Übersetzung stammt von Edda Petri. Das Original erschien 1996 unter dem Titel Saint's Rest bei Bantham Books, New York. Interessant ist, dass die Titel erst einmal in eine unterschiedliche Richtung gehen. Saint's Rest im englischsprachigen Original heißt übersetzt soviel wie Ruhestätte der Heiligen. Man kann es einfach nur als Ortsnamen auffassen oder - im übertragenen Sinn - als Hinweis auf die Heiligen, auf diejenigen, die es gut gemeint haben - vielleicht Leute wie Summerhays. Der deutsche Titel dagegen weißt schon vorneweg auf Machenschaften hin, auf welche, die ein extremes Ausmaß annehmen.
10. PRO & CONTRA ************************* Tja, da tue ich mich wirklich sehr, sehr schwer. Kann man überhaupt für diesen Roman ein Pro finden? PRO - gute Grundidee CONTRA - schlechte Umsetzung der guten Grundidee - extrem langatmig - Gifford verzettelt sich in Unwesentlichkeiten
11. FAZIT ************* Ich war kurz davor, diesen Roman irgendwann einfach nur zur Seite zu legen und ihn nicht mehr weiter zu lesen. Doch wegen des an sich guten Themas lies mich Gomorrah dann doch nicht los, ich wollte wissen, was hinter den geheimnisvollen Morden steckt. Eine einfache Lösung, eine Intrige vom Gegenspieler des Präsidenten? So etwas enttäuschendes? Oder hat sich Gifford doch eine raffiniertere Lösung ausgedacht? Die Antwort auf diese Frage will ich hier und jetzt noch nicht verraten. Guten Gewissens kann ich Gomorrah dennoch nicht empfehlen. Das hat seine Gründe: Der Roman hat viel zu viele Längen, Gifford hat sich verzettelt und die gute Grundidee sehr mäßig umgesetzt. Daher gibt es von mir nur zwei Sterne und keine Empfehlung. Mein Tipp nur: Wenn, dann eher Assassini von Thomas Gifford lesen.
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04.02.2006 14:51
Gute Beschreibung eines scheinbar nicht so guten Buches.
16.01.2006 08:57
Und gleich noch ein b.h ... Hilfe ... du machst mich heute arm! P.
03.01.2006 16:33
Na manchmal sind geschmäcker verschieden, aber ist schon schwer wenn es schon an der Geschichte happert. ig Tom