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Der Film „Good Bye Lenin“ geistert ja nun schon seit einigen Wochen durch die deutsche Medienlandschaft, so dass selbst ich, die nur am Wochenende fernsehen kann, etwas von dem großen Rummel mitbekommen habe. Da mein letzter Kinobesuch nun auch schon wieder eine Weile her ist, habe ich mich kurzerhand entschlossen, mir mal wieder einen schönen Filmabend zu machen.
Erwartet hatte ich eigentlich ein Film à la Sonnenallee – nicht wirklich ernst gemeint & ein Feuerwerk an Witzen und Parodien. Den Gefallen haben mir die Filmemacher nicht gemacht, dafür war es aber der beste deutsche Film, den ich bis jetzt gesehen habe (OK, ich bin noch jung und habe auch noch nicht so viele deutsche Filme gesehen).
In den ersten 10 Minuten erfährt man erst einmal die noch nicht sehr lange Lebensgeschichte des in Ostberlin lebenden Alexander (Nils Brühl). Die ersten Szenen zeigen eine glückliche Familie Kerner (wie es sich für die DDR gehörte mit Sohn und Tochter) in einem kleinen Schrebergarten. Doch die Familienidylle währte nicht lange, als der Vater beschloss in den Westen zu gehen und seine Familie im Sozialismus zurückzulassen. Die Mutter (gespielt von Katrin Sass) konnte diesen Schicksalsschlag nie richtig verkraften. Nach einer 8wöchigen Behandlung in einer Nervenklinik wurde sie schließlich zu einer glühenden und sehr engagierten Anhängerin des Arbeiter- und Bauernstaates.
Der Hauptteil der Handlung spielt schließlich in den Jahren 1989/ 1990. In die Handlung werden fortlaufend aktuelle Ereignisse mit eingefügt (neben der Fussball-WM 1990 in Italien natürlich auch die politischen Geschehnisse in Deutschland und der Welt). Das Ende der DDR zeichnet sich mehr und mehr ab, trotzdem wird im großen Maße der 40. Jahrestag der DDR gefeiert. Der mittlerweile fast Erwachsene Alexander (er arbeitet zumindest schon) ist mit der Situation mehr und mehr unzufrieden und äußert seinen Unmut auch offen in der Familie – natürlich nicht ohne dabei die Kritik seiner Mutter zu ernten (diese beschränkt ihren Unmut immer auf das Schreiben von Eingaben, die sie für die gesamte Hausgemeinde abtippt– und diese Eingaben sind wirklich witzig). An jenen Abend des 40. Jahrestag schließlich, als die Parade durch die Hauptstadt gezogen ist, findet einen Demonstration für Reisefreiheit und freie Wahlen in Berlin statt, an der auch Alexander teilnimmt...
Und es kommt, wie es kommen muss. Die Demonstration wird aufgelöst, unzählige Teilnehmer werden festgenommen, unter ihnen auch Alexander. Seine Mutter, die eigentlich gerade auf dem Weg zum, Palast der Republik war, um dort eine Auszeichnung für besondere Verdienste entgegen zunehmen und zufällig auch an der Demo vorbeigekommen ist, erleidet bei dem Anblick ihres abtransportierten Sohnes einen Herzinfarkt. Durch die zu spät eingeleiteten Wiederbelebungsmassnahmen, fällt sie in ein Koma, aus dem sie laut Ärzten, auch nicht wieder erwachen wird.
Während sie schläft verpasst sie natürlich das weitere politische Geschehen, den Fall der Mauer und die Verwestlichung ihrer Wohnung. Nach 8Monaten schließlich öffnet sie dann doch wider Erwarten der Ärzte die Augen. Da für sie aber weiterhin Lebensgefahr besteht und jegliche Aufregung von ihr ferngehalten werden muss, beschließt ihr Sohn sie nach Hause zu holen und ihr weiterhin die heile DDR-Welt vorzuspielen...
Ein Riesenkraftakt... Den kurz nach dem Fall der Mauer war es in der DDR sehr schwer noch an Ostprodukte zu gelangen (eine Tatsache – Geschmack egal, Hauptsache westlich). Es galt die Wohnung wieder umzudekorieren und Sendungen der Aktuellen Kamera und des Schwarzen Kanal aus dem dunkelsten Archiven hervorzukramen – schließlich will Mama ja auf dem laufenden gehalten werden. Dabei wird es mit der zeit immer schwieriger die Lüge aufrechtzuerhalten und bei dem Versuch sich immer neue Ideen einfallen zulassen, entdeckt Alexander immer mehr, dass er in gewisser Weise doch an der dem Untergang geweihten Republik hängt. Hier ist er schließlich aufgewachsen.
Kurz gesagt: der Film ist einfach Klasse. Er verdeutlicht ganz klar, daß an der Wende nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen war und vor allem von den Ostdeutschen vieles überstürzt wurde und altes, was vielleicht doch nicht so schlecht war, ohne große Überlegung einfach aufgegeben wurde. Er geht auf die Menschen der DDR ein, nimmt sie auch leicht auf den Arm, ohne sich über sie lustig zu machen.
Vor allem aber fand ich die große Symbolik des Filmes beeindruckend. Die Tochter gibt ihr Studium auf, um im Kapitalismus bei Burger King zu landen, der Sohn macht als letzter in seinem Kombinat das Licht aus, um schließlich bei einer Klingelputzerfirma zu landen, die neue Satellitanlagen verkauft und der alte Schuldirektor wird zum Alkoholiker der ebenfalls in seiner eigenen Scheinwelt lebt. Hier wird deutlich das viele Ostdeutsche das Ende der DDR doch nicht verkraftet haben, so unglücklich sie auch in den fast 41 Jahren waren, es war ihre Heimat und ihr Lebensinhalt (sicherlich betrifft das NICHT alle).
Eine Szene sei aber noch genannt, die ich einfach nur beeindruckend fand: als Frau Kerner nach wochenlangen liegen im Bett, schließlich heimlich aufsteht und auf die Straße tritt, sieht sie neben unzähligen Ikea und Autoplakaten auch den Abtransport der Leninstatue. Ein gänzlich unglücklicher Augenblick. Da steht nun die schwerkranke Frau, nur mit Morgenmantel und Badelatschen und sieht völlig entgeistert dem großen Kommunisten in die Augen, der ihr wie zum Abschied die Hand reichen möchte. Einfach nur beeindruckend und wunderbar mit Musik unterlegt. Wer auch immer für Kameraführung und Filmmusik verantwortlich war, ihnen gehört mein ganzer Respekt.
Das gleiche gilt auch für alle (wirklich ALLE) Darsteller. Ich habe keine Ahnung wer von Ihnen nun aus dem Westen und wer aus dem Osten kommt – aber ich habe ihnen allen ihre Rolle abgenommen. Vor allem Nils Brühl war beeindruckend, wie er die Veränderung Alexanders dargestellt hat, der schließlich in einer Sparkassenfiliale brüllt „Das war doch auch 40 Jahre lang euer Geld und jetzt soll es nichts mehr wert sein?.“ ... Klasse!!!!
Ich werde mir den Film auf jeden Fall auf Video kaufen (altmodisch ich weiß, aber ich habe keinen DVD-Player), um mir ihn immer wider reinziehen zu können. Nicht nur für Ossis ein absolutes Muß. Sehr informativ, und vor allem nichts beschönigend. Einfach nur genial.
17.03.2007 21:46
Ein super Film auch für mich. Liebe Grüße aus Sofia
07.03.2007 00:10
der film ist wirklich genial ... :-) lg mozarteum
17.06.2004 10:45
Den Film fand ich nicht so gut. Aber schöner Bericht SH von mir