Genie mit Putzeimer
26.11.2001
Pro:
tolle Dialoge und große Gefühle
Kontra:
Actionfans sollten ihr Geld und ihre Zeit anderweitig investieren
Empfehlenswert:
Ja
 HansGruber
Über sich:
"Was ihm fehlt ist ganz eindeutig: Dieser Mann ist ohne jedes Vertrauen!" Wer weiss aus we...
Mitglied seit:04.07.2001
Erfahrungsberichte:179
Vertrauende:63
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 63 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
STORY: Wie jedes Jahr schreibt der Mathe-Prof der hiesigen Uni in Boston, Gerald Lambeau, eine Aufgabe an die Tafel im Uniflur. Ein paar Tage später steht die Lösung fehlerfrei drunter. Aber der Professor findet nicht heraus, wer es geschafft hat – von seinen Studenten war es keiner. Also schreibt er die nächste Aufgabe (diesmal noch komplizierter) an die Wand. Als er den Raumpfleger Will (Matt Damon) dabei erwischt, wie er an der Formel herumdoktort, ist er zunächst stinksauer. Aber die Lösung ist richtig! Also macht sich Lambeau auf die Suche nach dem Jungen. Er findet ihn schließlich in einem Gerichtssaal, wo gerade darüber verhandelt wird, wie lange er dafür einsitzen soll, dass er unzählige Vergehen (u.a. Körperverletzung, Angriff auf Polizeibeamte und einiges mehr) begangen hat. Lambeau bekommt Will wieder frei; dafür hat er nun die Verantwortung für den Jungen. Als Gegenleistung muss Will Einzelunterricht in Mathe mit dem Professor besuchen. Außerdem muss er einmal die Woche bei einem Psychologen in Behandlung. Aber das ist einfacher gesagt als getan. Will ist bockig und stur wie ein Panzer, er will auf Teufel komm raus keine Therapie haben. Er verbrät einen Psychologen nach dem anderen, Lambeau ist mit den Nerven zu Fuß und sieht eine letzte Chance: Er fragt seinen Zimmerkumpel aus vergangenen Unitagen, Sean McGuire (Robin Williams). Der ist zwar auch nicht begeistert von Will bei der ersten Sitzung, aber er willigt ein, sich mit dem Jungen zu befassen. Die Sache scheint ziemlich klar: Will ist Waisenkind, hochintelligent und außergewöhnlich begabt. Sozusagen ein Superhirn. Aber weil er gnadenlos unterfordert ist, lässt er seine Frustration und sein Aggressionspotential in Schlägereien und Verbrechen heraus. So kommt es zu seinem beachtlichen Vorstrafenregister.
Abseits seiner Eskapaden und der Sitzungen bei Sean gibt es auch in Wills übrigen Leben einige Veränderungen. Sein Kumpel Chuckie (Ben Affleck) verschafft ihm einen Job bei der Abrissfirma seines Vaters und in einer Kneipe lernt er die Studentin Skylar (Minnie Driver) kennen. Die beiden verlieben sich und sie bittet ihn, mit ihr nach Kalifornien zu kommen, wo sie nach ihrer Unizeit in Boston sein wird. Aber Will sträubt sich, er möchte nicht von ihr enttäuscht werden, wenn er sie vielleicht etwas genauer kennt. Und es ist für ich auch viel bequemer, in seinem bekannten Umfeld bei seinen Kumpels zu bleiben, wo er einen einfachen Job hat und wo er um die Häuser ziehen kann. Das diskutiert er auch mit Sean in seinen Sitzungen aus; Sean erkennt, dass Will nicht gerne jemanden an sich heranlässt oder dass seine Gefühlswelt durcheinander gerät. Stück für Stück kommt Sean an den Sturkopf heran und erkennt, warum er so bockig ist, wie er ist. Deshalb verzofft er sich auch mit Lambeau – beide glauben zu wissen, was das beste für Will ist. Die Vorstellungsgespräche, die Lambeau für Will organisiert, sind ebenfalls ein Schlag ins Wasser. Entweder schwänzt Will sie oder er schickt Chuckie oder ihm ist der Job zu blöde (wie zum Beispiel bei der NSA). Aber als Chuckie ihn zur Sau macht wegen seiner Einstellung, und Sean an seinen Kern herankommt, fängt Will an, nachzudenken.................. °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°° HINTERGRUND:
Matt Damon und Ben Affleck kennen sich seit sie zehn sind. Sie sind als Nachbarn aufgewachsen und stammen beide aus der rotzfrechen Clique von Regisseur Kevin Smith (Chasing Amy, Mallrats). Weil Damon bis dato in so schlechtem Zeugs wie „Der Regenmacher“ spielen musste, hockte er sich mit Affleck zusammen und schrieb sich ein eigenes Drehbuch fertig, das er bereits während seiner Havard-Zeit begonnen hatte. Er übernahm die Hauptrolle, Kumpel Affleck die Nebenrolle als Chuckie. Der Film bescherte den beiden den vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Status, und sie bekamen den Oscar für das beste Originaldrehbuch. Seitdem gehören sie zu den Großen in Hollywood. Affleck verlegte sich größtenteils auf die Blockbuster- bzw. Actionschiene (Amargeddon, Pearl Harbour, Reindeer Games) oder versuchte es mit Schnulzen (Auf die stürmische Art, Bounce), Damon suchte immer wieder die Herausforderung als anspruchsvoller Mime. Allerdings war seine Wahl nicht immer glücklich. „Die Legende von Bagger Vance“ war wohl zum Einschlafen, in „Der talentierte Mr. Ripley“ war es Jude Law, der glänzen konnte und „All die schönen Pferde“ war auch nicht der Brüller der Saison. Einzig „Saving Private Ryan“ war ein Kassenschlager und Kritikererfolg. Am liebsten drehen die beiden immer noch zusammen (vorzugesweise unter der Fuchtel von Kevin Smith), wie als gefallene Engel in „Dogma“. Und als ich kürzlich ein Plakat für „Jay and Silent Bob strike back“ gesehen habe (mit Affleck und Damon), durfte mein Cineastenherz wieder höher schlagen. Auch hier war Smith als Co-Produzent mit von der Partie.
Der Film räumte neun Oscar-Nominierungen ab, eine ging wie erwähnt an die beiden Kumpels, den anderen dufte endlich, endlich Robin Williams (nach Nominierungen für „Club der toten Dichter“ und „Good Morning Vietnam“) als bester Nebendarsteller mit nach Hause nehmen. Dass er seitdem nur noch seichten Müll gespielt hat, ist da umso schlimmer. Die Miramax-Bosse Bob und Harvey Weinstein (die schon „Der englische Patient“ davor retteten, nicht abgedreht zu werden) verdienten sich eine goldene Nase und sorgten mit dafür, dass die Grenzen zwischen den großen Studios und Independent-Produktionen zunehmend undefinierbarer wurden und immer noch werden. Regisseur Van Sant drehte kurz danach das überflussigste Remake aller Zeiten („Psycho“), konnte letztes Jahr mit „Forrester-gefunden“ wieder erfolgreiche Arbeit abliefern, auch wenn er sich dabei eigentlich nur selbst kopierte. °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°° MEINE MEINUNG:
Der Film ist schön, wirklich schön! Alle Figuren sind toll gespielt und glaubwürdig. Nichts wirkt aufgesetzt oder irgendwie unglaubwürdig. Der Film muss sich auch nicht krampfhaft ein kontroverses Thema aussuchen, um eine gute Geschichte zu erzählen. Was der Zuschauer bekommt, ist einfach ein Stück Alltag (wenn auch den eines hochintelligenten Jungen) und Gefühle, mit denen sich jeder auskennt (Liebe, Frust, Wut Aggression, Enttäuschung, die Probleme des Erwachsenwerdens). Der Film könnte ebenso gut ein Hörspiel sein, die zwei Stunden werden gänzlich gefüllt mit Dialogen, die nicht platt sind, untermalt mit schöner Musik von Tim Burtons Stammkomponist Danny Elfman. Damon war davor und danach nie wieder so glänzend aufgelegt wie in dieser Rolle (Oscarnominierung als bester Hauptdarsteller). Er ist nur einer der vielen tollen Darsteller (der Exil-Schwede Stelan Skarsgard oder auch Ben Afflecks kleiner Bruder Casey), die diesen Film zu einem feinen Erlebnis abseits von Hollywood-Knallbumm machen. °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°° FAZIT:
Wer jetzt stöhnt „Uuäähhhh, wieder so’n Laberfilm!“, tja, der kann sich den Streifen wirklich sparen. Aber wer Robin Williams mal wieder schauspielern sehen will und etwas übrig hat für gut gemachtes Dialogkino, dem kann ich diesen Film nur wärmstens ans Herz legen. Spitzendarsteller von A bis Z, man kann lachen, man kann auch mal weinen (nicht, dass ich das jemals getan hätte – was sollen diese Unterstellungen??!!!), es gibt was für’s Herz und über das Leben kann man auch noch was lernen. Einmal mehr finde ich die unsynchronisierte Fassung besser, weil man den putzigen englischen Akzent von Minnie Driver raushört, Robin Williams im Original sowieso unschlagbar ist (nichts gegen Per Augustinski!), und außerdem bekommt man auf englisch einige farbige Metaphern (im Volksmund „Fucks“ genannt) zu hören, die das Bauatbeitermilieu einfach authentischer (und den Film auch eine Spur realistischer) machen. Somit erklärt sich auch die Altersfreigabe; in Deutschland kam der Film frei ab 12 in die Kinos, in den USA war er auf 15 angesetzt.
Für meinen Abschlusssatz muss ich mir leider ein Zitat bei der Zeitschrift TV SPIELFILM klauen, aber besser als die kann ich wirklich nicht sagen: „Der gute Will Hunting ist untertrieben“. °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°° FACTS: Titel: Good Will Hunting USA 1997 Lauflänge: ca. 126 Minuten FSK: ab 12 Jahre Verleih: Miramax Films Musik-Bearbeitung: Jeffrey Kimball Musik: Danny Elfman Schnitt: Pietro Scalia Produktionsdesign: Melissa Stewart Kamera: Jean Yves Escoffier Verantwortlicher Produzent: Lawrence Bender Produktion: Chris Moore, Su Armstrong, Kevin Smith, Scott Moiser, Jonathan Gordon, Bob & Harvey Weinstein Drehbuch: Ben Affleck und Matt Damon (man kann’s nicht oft genug sagen!!!) Regie: Gus Van Sant
Preisvergleich
sortiert nach Preis
* Alle Preise inkl. gesetzlicher MwSt und ggf. zzgl. Versandkosten. Preise, Verfügbarkeit und Versandkosten können im jeweiligen Shop zwischenzeitlich geändert worden sein, da eine Echtzeit-Aktualisierung technisch nicht möglich ist. Maßgeblich sind immer die Preise und Angaben auf der Händlerseite. Alle Angaben ohne Gewähr.
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
Mehr über dieses Produkt lesen
Das könnte Sie interessieren
 |
Faust - Gustaf Gründgens (DVD)
Unterhaltung; Drama; Literaturverfilmung - 1960 - Peter Gorski, Joh. Wolfg.(Buch) von Goethe - Gustaf Gründgens, Will Quadflieg, Elisabeth Flickenschildt - Mono: Deutsch - Kinowelt GmbH
Zu diesem Produkt wurde noch kein Erfahrungsbericht geschrieben.
Jetzt bewerten
Zum Angebot für € 4,73
|
 |
American Beauty (DVD)
(+) faszinierende Story mit faszinierenden Schauspielern, Musik, Dialoge, Sarkasmus (-) NICHTS
714 Testberichte
Zum Angebot für € 6,45
|
![Grey's Anatomy - Staffel 1 [2 DVDs] (DVD)](http://de-img2.ciao.com/ide/images/products/small/845/Greys_Anatomy_1_Staffel_2_DVDs__2370845.jpg) |
Grey's Anatomy - Staffel 1 [2 DVDs] (DVD)
Unterhaltung; TV-Serie; Arztserie - 2005 - Peter Horton - Patrick Dempsey, Ellen Pompeo, Isaiah Washington, Sandra Oh - DD 5.1: Englisch; DD 2.0 Surround: Deutsch, Spanisch - Buena Vista Home Entertainment
6 Testberichte
Zum Angebot für € 8,98
|
|
|
11.12.2002 16:12
ja, ein Film mit sehr viel Tiefgang - hat mir sehr gut gefallen. Dein Bericht mal wieder ganz Klasse!
14.08.2002 17:35
Das ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Sehr gute gespielt und eine wirkliche Top-Story findet man selten.
13.12.2001 18:54
Na das ist ja eher eine wissenschaftliche Abhandlung als eine Kritik. Wirklich very fundiert. Einzig, das du deine eigene Meinung zu sehr ins beschreiben der Story gemixt hast könnte man krititsieren.