Gorky Park - James Horner

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Gorky Park - James Horner

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Erfahrungsbericht über "Gorky Park - James Horner"

veröffentlicht 16.11.2014 | Spassprediger
Mitglied seit : 21.08.2005
Erfahrungsberichte : 1259
Vertrauende : 80
Über sich :
www.spassprediger.de
Ausgezeichnet
Pro Bessere Klangqualität, erweitertes Programm, aufschlussreiches Booklet
Kontra Unterm Strich betet das hinzugekommene Material keine Überraschungen
besonders hilfreich
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
Häufigkeit der Nutzung
Dieser Tonträger ist:

"Darauf haben Fans gewartet: mehr Musik, besserer Klang"

Die CD-Neuauflage mit erweitertem Programm

Die CD-Neuauflage mit erweitertem Programm

Das Covermotiv des Scores, das mit seiner streng reduzierten Gestaltung an die Werke des legendären Designers Saul Bass erinnert, hat mir schon immer gefallen. 'Schon immer' heißt hier: Ich mochte das Motiv auch schon, als ich mir den Score vor 30 Jahren auf LP zugelegt habe.

In der Zwischenzeit ist der Score von James Horner (Oscars für "Braveheart" und "Titanic") auch auf CD erschienen, und das nicht nur einmal. Die Erstveröffentlichung von Varèse Sarabande steht auch bei mir im Schrank, zum Kauf einer in der Folge erschienenen, neu abgemischten Ausgabe habe ich mich allerdings nie durchringen können. Dass der Mix, der zunächst auf LP und dann auf CD veröffentlicht wurde, arge Schwächen hat, hören zwar selbst meine ungeschulten Ohren, aber da das Programm der auf 1000 Exemplare limitierten Neuausgabe (die übrigens nach wie vor erhältlich ist - es haben sich anscheinend nicht allzu viele Fans für sie erwärmen können) identisch mit dem von Varèse zuvor veröffentlichten Plattenschnitt war, habe ich auf den erneuten Kauf dankend verzichtet. Bis jetzt, denn kürzlich ist Horners spannende Filmmusik erneut aufgelegt worden, und die jüngste Veröffentlichung hat auch einige Stück an Bord, die Jahrzehnte lang in irgendeinem Schallarchiv geschlummert haben.

Früher Horner-Meilenstein

Einem größeren Publikum zum Begriff geworden ist James Horner wohl erst durch seinen Score für James Camerons XXL-Schnulze "Titanic". 1997, als der Film sich dazu anschickte, Leinwandrekorde zu brechen, legten sich anscheinend auch Kinobesucher die Musik zum Film auf CD zu, die sich nicht zur Riege bekennender Liebhaber symphonischer Filmmusik zählen. Daran, dass sich plötzlich auch Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher eine CD von James Horner ins heimische Tonträgerregal stellten, dürfte in erster und wahrscheinlich auch zweiter Linie der von Celine Dion intonierte Titelsong "My heart will go on" schuld gewesen sein. Ich, der ich damals schon gut 15 Jahre lang Scores von Horner gekauft hatte, habe die CD zwar ebenfalls erstanden, aber mir ging's dabei wirklich eher um die Teile des Scores, die Lieschen und Otto wahrscheinlich regelmäßig durch Drücken der "Skip"-Taste des CD-Players ausblenden.

Dass Horner das Zeug dazu hat, oscarreife, gefühlige Titelstücke zu schreiben, war mir schon eine Weile klar - "If we hold on together" (geschrieben für den 1988er Zeichentrickfilm "In einem Land vor unserer Zeit") war für mich ebenso ein potenzieller Oscar-Anwärter in der Kategorie "Best Song" wie "Somewhere out there" (ebenfalls für einen Zeichentrickfilm, nämlich "Feivel, der Mauswanderer", 1986); auch "I want to spend my lifetime loving you", das Horner für den ein Jahr nach "Titanic" veröffentlichten Abenteuerstreifen "Die Maske des Zorro" geschrieben hat, steht seinem Titelsong für "Titanic" in meinen Augen in nichts nach. Ich mag Horners schwelgerische Balladen, die den Nerv des Mainstream-Publikums treffen, aber vor allem mag ich Horners dynamische, oft sehr percussionlastige Musik, die er für aktionslastige Szenen in Filmen komponiert.

Man hat Horner oft vorgworfen, er kopiere sich selbst. Tatsächlich balanciert vieles, das der Komponist im Laufe der Jahre geschrieben hat, auf einem schmalen Grat zwischen Stilelement und Selbstzitat. Dass Filmkomponisten Anleihen bei Vorhandenem machen, kann ihnen aber nur der wirklich zum Vorwurf machen, dem nicht klar ist, dass für das Verfassen kompletter Partituren oft nur wenige Wochen Zeit zur Verfügung stehen.

Viele von Horners Actionthemen folgen einem bestimmten Muster, aber das Gleiche lässt sich auch von vielen Kompositionen von Kollege Hans Zimmer sagen - seitdem der eine Schlacht in Ridley Scotts "Gladiator" mit einem im Walzertakt komponierten Thema unterlegt hat, hat er den Kniff verschiedentlich erneut angewendet. Im Falle von Horner ist "Gorky Park" die Blaupause für vieles, was später noch folgen soll; auch in der musikalischen DNS von "Titanic" finden sich Spuren von "Gorky Park" - aus "A Promise Kept" vom "Titanic"-Score und "No Faces" zum Beispiel könnte man glatt ein Mash-up zusammenmixen. "Irina's Chase" wiederum erscheint im Rückblick als ein Prototyp für viele der für Horner typischen, zuweilen atonal wirkenden Actionthemen. Noch etwas fällt auf: Die Anzahl der Themen, die Horner für "Gorky Park" komponiert hat, ist zwar überschaubar, trotzdem wirkt der Score nicht langweilig. Horners Konzept scheint gewesen zu sein, nicht auf möglichst viele unterschiedliche Themen zu setzen, sondern mit ganz unterschiedlichen Klangfarben zu experimentieren und musikalische Puzzleteile miteinander zu kombinieren, die scheinbar nicht zueinander passen. Das Ergebnis finde ich seit Jahr und Tag ziemlich spannend - "Gorky Park" ist gewissermaßen das Labor, aus dem später oscarnominierte Scores wie der zu James Camerons "Aliens" (1986) hervorgehen werden.

Was ist neu?

Zu den 11 Stücken des ursprünglichen Plattenschnitts sind noch einmal vier hinzugekommen, unter der Überschrift "Extras" finden sich die Titel weiterer 16 Stücke. Dessen kürzestes ist gerade einmal 33 Sekunden lang, das längste bringt es auf 6 Minuten und 40 Sekunden. Bei letzterem handelt es sich um eine alternative, dabei aber laufzeitgleiche Fassung des Tracks "Sable Shed". Allerdings finde ich nicht, dass die hier erstmals veröffentlichte "film version" sich wesentlich von der bislang bereits erhältlichen "album version" unterscheidet - ich glaube, ich kenne den Score gut genug, um sagen zu können, dass die Unterschiede marginal sind. Tatsächlich handelt es sich bei vielen der als Extras deklarierten Zugaben um alternative Mixe von Stücken des Plattenschnitts bzw. um Variationen von Themen, die Käufer der vorab erschienenen Fassungen bereits kennen. Das Hauptthema zum Beispiel wird jetzt nicht nur in der hinlänglich bekannten Fassung geboten, in die sich immer wieder Tschaikowskys "Ouvertüre 1812" mischt, sondern auch in einer puren Horner-Fassung.
Wer darf kaufen?

Durch die Neuabmischung hat Horners interessanter Score deutlich an Dynamik und Transparenz gewonnen. Das wunderschöne Thema, das Horner der Figur Irina auf den Leib geschrieben hat ("Irina's Theme", "Farewell at the Airport") profitiert ebenso von der immens gesteigerten Tonqualität wie die kantige, percussiongetriebene Spannungsmusik, die Horner für Inspektor Renkos Investigationen im eiskalten Moskauer Winter komponiert hat.

Dank der Angaben auf der Website www.screenarchives.com, über die ich auch mein Exemplar des Scores bezogen habe (und die ich an dieser Stelle allen Interessierten erneut als Bezugsquelle ans Herz lege), weiß ich jetzt, was mich am alten, von Varèse Sarabande auf CD veröffentlichten Mix gestört hat: Der klang nicht nur flach und hatte Störgeräusche, sondern offenbar wird auch nicht das gesamte Programm der CD in Stereoton geboten. Wer Horners Score schon immer toll fand, sich aber an der bescheidenen Tonqualität bisherigen Veröffentlichungen gestört hat, darf das alte Exemplar in seiner Sammlung getrost ausmustern und durch die neue "Expanded"-Edition ersetzen - allein der um Längen bessere Klang ist schon Grund genug für einen erneuten Kauf. Einzelheiten finden sich auch in der Beschreibung der CD, die der Filmmusik-Händler Screenarchives Entertainment auf seiner Shop-Seite www.screenarchives.com veröffentlicht hat.
Kein Überraschungspaket

Fans, die hoffen, auf der jüngsten Ausgabe Themen zu entdecken, die komplett neu sind, muss ich freilich enttäuschen. En gros ist das Gebotene eine Zusammenstellung von Variationen auf hinlänglich Bekanntes. Die Unterschiede sind teils marginal, aber Kenner und Liebhaber des Scores werden an den mehr oder minder stark differierenden Klangfarben sicher Spaß haben - wer sich seinerzeit die "Deluxe"-Ausgabe von Horners "Aliens" zugelegt hat und diese Edition mag, wird auch die jüngste Neuauflage von "Gorky Park" zu schätzen wissen. "Setting up the Deal", das hier zum ersten Mal erscheint, mag ich zum Beispiel sehr - im Prinzip ist das neu hinzugekommene Stück eine alternative Fassung des Themas "Following Kirwill", aber die neue Variante klingt für mich sogar noch ein Stück bedrohlicher und kantiger als das Original.

Kennern muss man "Gorky Park" nicht erst empfehlen, interessierte Neulinge möchte ich aber ganz ausdrücklich auf die Veröffentlichung aufmerksam machen. Die Musik, die Horner für "Gorky Park" geschrieben hat, sticht deutlich aus seinem Gesamtwerk heraus, ich persönlich halte "Gorky Park" für einen von Horners gelungensten, eigenständigsten und unverwechselbarsten Scores.

Eines hat sich nicht geändert: Bei Minute 3:53 von "The Sable Shed" vergreift sich die Cymbalomspielerin offenbar im Ton.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • missminischlau veröffentlicht 05.12.2014
    muss ich mal reinhören! toller bericht, bh &lg
  • Queen500 veröffentlicht 01.12.2014
    bh! LG Michael
  • TestenimWesten veröffentlicht 24.11.2014
    Du hast die Signaturen von sh Klickern in Deiner Kommentarspalte, die an dieser, Deiner ausgefeilten und rhetorisch mal wieder hochwertigen Arbeit hier, offensichtlich keinen Unterschied zum hingeschnullten, rhetorischen Supergau einer anderen, bekannten Userin zu finden in der Lage sind. Denn auch dort hinterließen sie dies in diesem Kontext betrachtet schon beinahe beleidigende sh. Es gibt Dinge, über die man besser nicht nachdenkt, weil es einem sonst die Schädeldecke heben könnte. Eine Frage sei mir aber gestattet. Was fängt der NICHT-Engländer, der den Film zur Musik durchaus kennen kann, mit dem Begriff "Score" an? ;-)
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Produktdaten : Gorky Park - James Horner

Produktbeschreibung des Herstellers

Haupteigenschaften

Artist: James Horner

EAN: 0030206820621

Composer: James Horner

Atomic Keyword: Soundtrack

Medium: CD

Atomic Veröffentlichungsdatum Jahr: 2014

Label: INTRADA

Ciao

Auf Ciao gelistet seit: 24/09/2014