Green Mile, The

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Green Mile, The

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Mystisch Dramatisch

5  15.08.2001

Pro:
Perfektes Hollywood - Kino

Kontra:
Teilweise scheint er recht langatmig

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Humor

Spannung

Anspruch

Action:

Romantik:

mehr


basscadet

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:112

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 38 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Eigentlich wollte ich mir den Film nicht ansehen, schon alleine wegen meiner schweren Tom Hanks-Allergie. Bis mir eine Freundin, nennen wir sie "Sandra", das Video in die Hand drückte und meinte, ich sollte mir The Green Mile unbedingt mal antun. Schwere Entscheidung: Leide ich drei Stunden unter Tom Hanks oder verliere ich eine Freundin? Also habe ich den Helden gespielt und mir den Film angesehen.

The Green Mile beginnt zunächst in der Gegenwart, in der wir den alten Herrn Edgecomb (Dabbs Greer) kennenlernen. Edgecomb lebt in einem Seniorenheim, ist einem auf Anhieb sympathisch und irgendwie möchte man ihn gerne als Opa haben. Doch Edgecomb hat ein Geheimnis: Er war früher Gefängniswärter, zudem noch im Todestrakt. Da der Weg zum elektrischen Stuhl über einen grünfarbenen Boden führte nannte man ihn 'The Green Mile'. Freude, wir müssen uns den Rest des Films keine Gedanken darüber machen, woher der Titel kommt.

Zurück in die Vergangenheit. Wir befinden uns jetzt in erwähntem Todestrakt und erleben die Geschichte, die Opa so zu schaffen macht. Alles beginnt damit, dass John Coffey (Michael Clarke Duncan) der Neuzugang einer freien Todeszelle wird. Coffey ist nicht gross, sondern ein Riese, geradezu furchteinflössend. Andererseits scheint er geistig auf dem Niveau eines Kleinkinds zu sein. Verurteilt wurde er wegen Mordes an zwei Mädchen. Schon in den ersten Minuten scheint dies ein Widerspruch zu sein: Coffey hat nichts Böses oder gar Bestialisches an sich. Im Gegenteil, er scheint auf einfältige Art gutmütig. Nie würde man ihm einen so grausamen Mord zutrauen.

Und damit verlassen die eigentliche Handlung um uns der Charakterentwicklung zu widmen. John Coffey ist die nächste Stunde nicht zu sehen, dafür wird uns eindringlich vor Augen geführt, dass der Wärter Percy Wetmore (Doug Hutchison) ein mieses Schwein ist. Ihm gegenüber stehen Edgecomb (jetzt Tom Hanks), Brutus 'Brutal' Howell (David Morse) und Harry Terwilliger (Jeffrey DeMunn), die lange genug im Todestrakt sind um zu wissen, dass man die Gefangenen mit Respekt zu behandeln hat. Auch einer Hinrichtung werden wir Zeuge um noch mal den Ernst der Lage vor Augen zu führen. Zudem wird ein neuer Gefangener eingeführt, 'Wild Bill' Wharton, ein ziemlich durchgeknallter Zeitgenosse, der gleich mal einen Ausbruchsversuch startet, oder vielleicht möchte er auch einfach nur der Wärtern wehtun.

Nachdem dann jeder verstanden hat, dass 'Todeszelle' bedeutet, dass dort Menschen sterben, dass nicht alle Wärter gut sind und nicht alle Gefangenen so nett sind wie John Coffey, widmen wir uns wieder Letzterem. Beziehungsweise zunächst Edgecomb, der eine Blasenentzündung hat . Als er mal wieder besonders schwer darunter leidet und sich vor Schmerzen auf dem Boden des Todestrakts krümmt, ruft ihn Coffey zu sich. Und heilt ihn durch Hand auflegen.

Edgecombs Interesse an diesem Mann ist geweckt. Ein Besuch bei dessen Anwalt bringt jedoch keine neuen Erkenntnisse, da dieser ein Rassist ist, der den Farbigen mit wildgewordenen Tieren vergleicht. Und gleich darauf verlassen wir schon wieder die Geschichte Coffeys, um uns Dingen zuzuwenden, die nur dazu da sind, Schatten voraus zu werfen. Kleine Puzzleteile werden gebildet, die später Sinn machen sollen.

Als wir wieder zurückkehren darf man den Unsympathen des Films, den schmierigen Percy, dabei beobachten, wie er die dressierte Maus eines Gefangenen tötet. Wieder schreitet John Coffey ein, um die Maus wieder zu beleben.

Beeindruckt von Coffeys übernatürlichen Fähigkeiten ersinnt Edgecomb einen Plan: Die Frau des Gefängnisdirektors leidet unheilbar unter einem Gehirntumor. Coffey könnte ihr durch seinen heilenden Hände helfen, wieder gesund zu werden. Das Problem ist, dass man nicht einfach einen Todeskandidaten zu einer Kranken kutschieren und ihn Wunderheiler spielen lassen kann. Also wird Coffey unter strengster Geheimhaltung zur Patientin gebracht und hilft auch hier.

Als sich auch noch herausstellt, dass der Coffey unterstellte Mord an zwei Mädchen zweifelhaft ist, wird es für Edgecomb immer schwerer, seinen Dienst nach Vorschrift zu verrichten. Doch Coffey bleibt ein rechtmässig Verurteilter Mörder, auf den der elektrische Stuhl wartet...

Geschlagene anderthalb Stunden braucht The Green Mile, um in Fahrt zu kommen. Alles was davor passiert dient grösstenteils der Vorbereitung des grossen Finales. Das ist nicht immer besonders spannend und erscheint teilweise überflüssig, macht im Nachhinein jedoch Sinn. Jede Kleinigkeit ist wichtig und wird gebraucht, um das grosse Ganze zu zeichnen. Seine wahre Kraft entfaltet der Film erst ganz zum Schluss, wenn das Drama seinen unausweichlichen Lauf nimmt.

Was diesen Film aber erst wirklich überragend macht, ist die Behandlung des Charakters John Coffey. Wie der sanfte Riese selbst bleibt die Rolle die meiste Zeit des Films in den Hintergrund gedrängt, als wäre Coffey nur eine Nebenfigur. So wie sich Coffey zurücknimmt wird auch dessen Anteil am Film klein gehalten. Der Mann mit den übernatürlichen Fähigkeiten handelt, wo er handeln muss, und auch der Film stellt ihn nur dann in den Mittelpunkt, wenn er in Aktion tritt. Den Rest der Zeit kümmert er sich um die anderen Charaktere, so als wäre Coffey gar nicht vorhanden. Als er dann ein letztes Mal in den Mittelpunkt tritt ist es sowohl für ihn als auch für die Wärter als auch für den Film spät, um den Lauf der Dinge noch zu ändern. Und dadurch wirkt wirkt der Schluss kraftvoller, als wenn Coffey die ganze Zeit im Mittelpunkt gestanden hätte.

Die Machart des Films passt sich diesem Vorgehen an. Regisseur Frank Darabont (The Shawshank Redemption) erzählt die Geschichte so belanglos wie sie die meiste Zeit ist, unterbrochen durch minimale Spezialeffekte wenn Coffeys heilende Kräfte in Aktion treten. Dass dies möglich ist liegt am geschickten Drehbuch, dass sich alle Zeit der Welt lassen kann, da es um die Magie des Endes weiss.

Auch die Schauspieler sind weit davon entfernt zu überragen, wissen aber zu überzeugen. Einzig Michael Clarke Duncans leises, aber dafür um so bewegenderes Spiel ist hervorzuheben. Mit ihm steht und fällt der ganze Film, und ohne ihn würde er wahrscheinlich keinen Sinn machen.

The Green Mile hat mich mehr als positiv überrascht. Der Film ist so gut, dass mich nicht mal der wie immer herzensgute und selbstgerechte Tom Hanks nerven konnte. Was zunächst wie ein höchst durchschnittliches Stück Hollywood aussah wurde plötzlich zu etwas, dass zu gut war, um es als rührselige Schnulze abzutun. Der Film ist magisch wie seine zurückhaltende Hauptfigur, eine Art Märchen für Erwachsene. Und alle die dazu raten, sich vorher ausreichend mit Taschentüchern einzudecken haben nicht übertrieben.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Shue

Shue

18.08.2001 23:32

Ich fand diesen Film ziemlich klasse, mich stören aber ao mystisch wunderbehaftete Sachen irgendwie immer ein wenig. Oh Wunder, die Maus lebt wieder. oh Wunder, die Frau gesundet etc etc... Hm.. ;-) Grüsse, Sarah

Vampire-Lady

Vampire-Lady

18.08.2001 23:13

Na da hat man sich ja mal an die Buchvorlage gehalten, Gruß VL

Der_Tiger

Der_Tiger

15.08.2001 20:30

Da schreibst du ja wieder ganz ausführlich und vollkommen verständlich über einen klasse Film (leider ohne Hintergrundinfos)! Was ich vielleicht anmeckern könnte, ist einzig und allein, dass du dir zu viel Mühe gegeben hast. Du verrätst doch etwas viel von der Story... Noch ganz kurz zum anderen Film, den du erwähnt hast. Der deutsche Titel lautet "Die Verurteilten" (mit Morgan Freeman und Tim Robbins, verdammt gut gespielt). Auch wieder von Steven King "geliehen", handelt vom Gefängnis und ist vom gleichen Regimenschen. Also auch zu empfehlen. Sonst, jo... Mal wieder etwas was ich kenne und wo ich mitreden kann :) Gruß, Simon

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