Green Mile, The

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Green Mile, The

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"Coffey- anders geschrieben als das Getränk"

5  06.05.2002 (08.05.2002)

Pro:
Kein typischer King

Kontra:
Steht mit den "magischen" Szenen kurz vorm Kitsch

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Humor

Spannung

Anspruch

Action:

Romantik:

mehr


just_kidding

Über sich: "Humor läßt einen nicht vergessen, daß man auch auf hohen Thronen nur auf seinem Hintern sitzt....

Mitglied seit:01.06.2000

Erfahrungsberichte:189

Vertrauende:162

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 244 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Mit Filmen, die größtenteils im Gefängnis spielen, ist das so eine Sache. Manche sind bewußt anrührig und es zählt weniger die Geschichte, denn die Schauspieler und die Gutherzigkeit der verkörperten Charaktere. So zum Beispiel "Dead Man Walking" mit Susan Sarandon als Nonne, die versucht, auf Teufel komm raus das Gute im Menschen zu sehen. Ich war einer derjenigen Menschen, die dieser Film nicht zum Weinen brachte, ja, die ihn nicht einmal gut fanden.

Und dann gibt es Filme, in denen die Geschichte im Vordergrund steht. Eine Geschichte, die stets kurz davor steht, ins Unglaubwürdige umzuschwenken. Solche Filme schaffen es jedoch, einerseits durch brillante Schauspieler, wie auch eine schlüssige Geschichte und ohne zuviel Drumherum, mitzureißen. Ein solcher Film ist zum Beispiel "Im Namen des Vaters", einer, wenn nicht DER beste Film, den ich kenne. Nicht zuletzt, weil er biographisch ist.

Wenn auch die Geschichte um Paul Edgecomb und die "Green Mile" nicht wahr ist, so schafft es Stephen King, diesmal ganz ohne Horror, die Zuschauer in seinen Bann zu ziehen.

"The Green Mile" spielt nahezu ausschließlich in Block E eines Gefängnisses, dem Todestrakt. Paul Edgecomb (Tom Hanks) ist der Vorsteher dieses Traktes. Er und seine Kollegen haben in vielen Jahren, in denen sie zum Tode Verurteilte beaufsichtigten verstanden, daß dieser Job kein Leichtes ist. Sie begegnen den Gefangenen mit dem Maß an Menschlichkeit, das nötig ist, um eine ruhige Atmosphäre zu gewährleisten.

Während Paul Edgecomb unter einer äußerst schmerzvollen Harnleiterentzündung leidet, wird John Coffey (Michael Clarke Duncan), ein Mann von respekteinflößender Größe eingeliefert. Doch der verängstigt schauende Schwarze, der Angst im Dunkeln hat, paßt so gar nicht in das Bild des Kindermörders, der er sein soll.
Tumb aber freundlich fristet er ab jetzt seine letzten Tage im Todesblock, gemeinsam mit Eduard Delacroix. Niemand spricht über die Tat, die er begangen haben soll. Lediglich Coffey äußert sich verzweifelt "Ich wollte helfen. Aber es war zu spät".

Percy Wetmore, ein Frischling unter den Aufsehern, aber deshalb noch lange nicht ungefährlich, macht allen das Leben schwer. Sein einziges Ziel ist "einmal jemanden braten sehen".

Denn das ist die Bestimmung der Häftlinge. An ihrem letzten Tag über das grüne Linoleum der grünen Meile zu gehen, bevor sie auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet werden.

Percy ist jedoch ein sadistischer, unberechenbarer Jungspund, der keinerlei Achtung vor seinen Kollegen, und um so mehr Verachtung den Häftlingen gegenüber hat.
Stets darauf bauend, daß er aufgrund seiner familiären Beziehungen zum Chef aller für die Kollegen unangreifbar ist.

Alles geht seinen gewohnten Gang, bis eines Tages "Wild Billy" Wharton eingeliefert wird. Ein Irrer, der sofort beim Betreten des Trakts ausrastet. Statt die Chance zu nutzen, Wharton zu überwältigen, steht ein völlig verängstigter Percy in der Tür, was einen Kollegen fast das Leben kostet.

Edgecomb, dem Percy und dessen Brutalität schon lange ein Dorn im Auge ist, macht mit ihm einen Deal. Wenn Percy bei der nächsten Hinrichtung in erster Reihe agieren darf, läßt dieser sich im Gegenzug versetzen, und niemand erfährt von seinem Versagen bei Whartons Einlieferung.

Bis dahin könnte man meinen, daß man es mit einem "normalen" Film zu tun hat. Wenn nicht John Coffey eines Tages, als Edgecomb sich vor Schmerzen auf dem Boden krümmt, er diesen zu sich zitiert, und ihm in einer erstaunlichen Szene seiner Schmerzen entledigt.
Was zuerst wie ein Angriff aussieht, entpuppt sich als heilendes "Handauflegen". Es scheint, daß Coffey Paul Edgecombs Krankheit in sich aufsaugt, um sie hinterher mit lautem Husten wieder auszuspucken.

Paul: "Was haben Sie getan?"
John: "ich habe geholfen Boß. Und nun bin ich müde. Sehr müde."

Klingt kitschig, albern, überzogen amerikanisch. Wurde jedoch beeindruckend verfilmt.

Doch zurück zur Handlung.

Nachdem Percy Delacroix's zugelaufene und gezähmte Maus Mr. Jingles durch einen gezielten Fußtritt getötet hat, erweckt Coffey sie wieder zum Leben.

Percy, dessen Versetzung herbeigesehnt wird, bekommt bald die Gelegenheit, Delacroix hinzurichten. Doch er hält sich nicht an die Regeln, und beschert Delacroix einen fürchterlichen und langwierigen Tod.

Indessen erfährt Paul Edgecomb, der zusehends an der Schuld Coffeys zweifelt, daß die Frau seines Chefs, Hal Moores, an einem inoparablen Gehirntumor erkrankt ist.

In einer Nacht-und Nebelaktion, in der Wharton betäubt, und Percy, nicht zuletzt als Strafe für sein unverzeihbares Handeln bei Delacroix's Hinrichtung in eine Zwangsjacke in die Gummizelle gesteckt wird, machen sich Edgecomb und zwei seiner Kollegen mit Coffey auf den Weg zu Melinda Moores.

Coffey beweist einmal mehr, daß Wunder geschehen können.

Zurück im Todestrakt läßt Coffey Edgecomb an dem teilhaben, was er bei seiner ungewollten Berührung Wild Billy Whartons gesehen hat.

Diese Vision bringt Edgecomb dem verurteilten Coffey noch näher.

Das Ende sei an dieser Stelle hinter verschlossenen Türen gehalten.
Nur soviel: Ich war froh zu sehen, daß es dem Vorurteil aller Hollywood-Streifen nicht gerecht wurde.

"The Green Mile" ist ein Film, der eine einzige Gratwanderung ist, und durch die mystischen Momente manchesmal Gefahr läuft, kitschig zu werden. Aber er wird es nie.

181 Minuten, die fast ausschließlich in einem Gefängnistrakt spielen, und dennoch nicht lang erscheinen.

"The Green Mile" zeichnet sich nicht dadurch aus, daß eine Botschaft vermittelt werden soll. Das heikle Thema der Todesstrafe wird nicht diskutiert, sondern die Wärter nehmen diese hin. Es ist ihr Job. Auch die Gefangenen haben sich mit ihrem Schicksal abgefunden. Es menschelt zwar zwischen den Insassen und den Aufsehern, aber jeder bleibt ganz klar innerhalb der Grenzen.

Untypisch für einen amerikanischen Film ist die Tatsache, daß sämtliche Charaktere nicht zu 100% einzuordnen sind. Die Guten sind nicht ausschließlich gut, die Bösen nicht ausschließlich schlecht.

Der ganze Film ist von einer sehr ruhigen Atmosphäre geprägt. Keine hektisch zusammen geschnittenen Szenen, keine überladene Musik, keine erschlagenden Special-Effects.
Statt dessen hat man die ganze Zeit ein beklemmendes Gefühl, denn nichts veranlaßt auch nur den Gedanken daran, daß jemand der "Green Mile" entgehen könnte. Sie ist quasi die unvermeidbare "Hauptperson" des Films.

Tom Hanks spielt, wie man es von ihm kennt. Zuverlässig und gut. Nicht mehr, und nicht weniger. Er ist ein guter Kerl, der an das Gute im Menschen glaubt.

***
08.05.:
Durch "suppengirl"s Kommentar habe ich erfahren, daß Tom Hanks bekennnender Befürworter der Todesstrafe ist. Angesichts dessen ist er natürlich eine Fehlbesetzung in einer doch ziemlich emotional dargestellten Rolle.
***

Brillant hingegen erscheint Michael Clarke Duncan, einigen bekannt aus Armageddon. Er, der sich selbst als blutigen Laien bezeichnete, der mit großen Schauspielern arbeiten durfte, gibt einen Coffey, wie er gegensätzlicher nicht sein könnte. Einerseits eine imposante Erscheinung, wegen zweifachen Kindmordes angeklagt und zum Tode verurteilt, andererseits dann jedoch naiv, ängstlich, gutmütig, und mit dieser Gabe gesegnet, mit der er hilft, wo es nur geht. Völlig zurecht wurde Duncan für diese Rolle für den Oscar nominiert.

Weitere Stars geben sich die Klinke in die Hand. Jedoch schafft es ein jeder, den anderen nicht an die Wand zu spielen, so daß die Geschichte im Vordergrund bleibt.

Unter anderem erscheinen Bonnie Hunt (Jerry Maguire), David Morse (The Rock) und James Cromwell, Graham Greene, sowie Harry Dean Stanton (Alien).

Sogar Sam Rockwell, der den Psychopathen "Wild Billy" verkörpert, und "Percy" Doug Hutchison spielen genial, aber nicht dominierend. Was bei Rollen, die als "Publikums-Anti-Lieblinge"angelegt sind, kein Leichtes gewesen sein dürfte.

Bezeichnend ist, daß jeder der Schauspieler sich förmlich darum gerissen hat, seine Rolle spielen zu dürfen. Was daran liegen mag, daß jeder Charakter in sich logisch ist. Tom Hanks sagte über seine Rolle: " Bei Stephen King glaubt man immer, man bekommt die typische Horrorstory. Aber das ist hier wirklich nicht der Fall", fügt Hanks hinzu. „Dieser Film ist vor allem ein Mystery-Film, er erinnert an die guten Seiten von „The Shawshank Redemption". Oft lehne ich Rollen ab, wenn ich nicht verstehe, warum die Figuren tun, was sie tun. Bei Paul Edgecomb ist alles total logisch."

Für mehr Hintergrundinfos empfehle ich Euch diese Seite: http://movies.uip.de/thegreenmile/cmp/cast-fr.html. Dort findet man das Interview mit Frank Darabont, demjenigen, der die Romanvorlage zu einem Drehbuch umschrieb, und der auch vormals mit King für "Die Verurteilten" arbeitete.

Außerdem erfährt man zum Beispiel, daß "The Green Mile" 1996 in 6 Teilen nacheinander veröffentlicht wurde, und welche Zweifel Stephen King beim Verfassen dieses Buches hatte.

Um auf den Punkt zu kommen: "The Green Mile" ist ein außergewöhnlicher Film. Ich bin definitiv kein Stephen King-Fan. Im Gegenteil. Aber "The Green Mile" hebt sich sehr positiv von allen Filmen des sogenannten "Meisters des Horrors" ab. Detaillierte und feingezeichnete Charaktere und eine in sich stimmige Story retten den Film vor dem Abrutsch ins "kitschige Zaubertricks"-Genre. Meines Erachtens ein Film, der auch King-Hasser begeistern dürfte.

Darsteller: Tom Hanks (Paul Edgecomb), David Morse (Brutus "Brutal" Howell), Bonnie Hunt (Jan Edgecomb), Michael Clarke Duncan (John Coffey), James Cromwell (Direktor Hal Moores), Michael Jeter (Eduard Delacroix), Graham Greene (Arlen Bitterbuck), Doug Hutchison (Percy Wetmore), Sam Rockwell ("Wild Bill" Wharton), Barry Pepper (Dean Stanton), Jeffrey Demunn (Harry Terwilliger), Patricia Clarkson (Melinda Moores), Harry Dean Stanton (Toot-Toot), Dabbs Greer (Paul Edgecomb, alt), Eve Brent (Elaine Connelly), Brent Briscoe (Bill Dodge), Gary Sinise (Burt Hammersmith)
Regie: Frank Darabont
Stab: • Produzenten: David Valdes, Frank Darabont für Castle Rock • Drehbuch: Frank Darabont • Vorlage: Roman "The Green Mile" von Stephen King • Musik: Thomas Newman • Kamera: David Tattersall • Spezialeffekte: - • Ausstattung: Terence Marsh • Schnitt: Richard Francis-Bruce • Kostüme: Karyn Wagner

(Quelle: http://www.dem.de/entertainment/kino/1105/110606.html)


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
doeter

doeter

21.07.2004 18:53

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CeRi

CeRi

23.09.2003 08:25

Mir hat Dein Bericht sehr gut gefallen, sehr kritisch und informativ. Mir fehltvielleicht eine Art Gliederung, das macht es übersichtlicher, ansonsten top :p

snoppy1969

snoppy1969

20.08.2003 02:05

klasse bericht wenn ich nicht immer ganz deiner meinung bin aber dafür sind wir alle unterschiedliche menschen LG

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