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Grendl / Frank Schweizer

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Teuflisch, philosophisch, witzig - Max Merkur

4  16.11.2009 (11.12.2009)

Pro:
witzig, geistreich, erfrischend

Kontra:
kurz

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Niveau

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Spannung

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 45 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Hallo liebe Leser,

heute möchte ich Euch ein Buch vorstellen, welches ich eher zufällig gekauft habe, aber trotzdem verwundert war, dass es hier bei Ciao noch nicht zu finden ist.

Lange war ich auf der Suche nach witziger Fantasy, von Terry Pratchett alles gelesen, Alternative, wirkliche Alternativen, bisher Fehlanzeige. Nachdem mir "Grendl" ins Auge stach, recherchierte ich erstmal etwas in Netz, um nicht wieder Geld für pseudolustiges Geschreibsel, oder sogenannte Fantasy-Parodien rauszuwerfen, wie es mir in letzter Zeit öfter mal passiert ist und las nur gutes über dieses Buch.

Also, bestellt, erhalten, an zwei Abenden gelesen.
Kurzinfos: Autor und Buch

Frank Schweizer wurde 1969 geboren, studierte Philosophie und Germanistik in Stuttgart, und promovierte über Adalbert Stifter. Arbeitete bis 2003 in einer Comicredaktion, und seitdem als freier Autor. Er hat einige Bücher über Philosphie verfasst, wissenschaftliche Aufsätze und Gedichte in verschiedenen Zeitschriften.

Das Buch erschien erstmalig im April 2007 beim Grazer Otherworld Verlag, bisher nur broschiert. Das Buch umfasst 175 Seiten + Namensregister und eine Leseprobe eines anderen Romans aus dem Hause Otherworld.

Die Geschichte

Der Philosophiestudent Max Merkur kommt gerade aus der Uni, soeben seine Magisterurkunde eingesackt und schon geht die Welt unter, besser gesagt das ganze Universum bricht in sich zusammen und er landet im Himmelshafen und lernt alsbald den Teufel Lutherion kennen, der ihn dazu auserkoren hat das ganze wieder rückgängig zu machen.

Natürlich kein einfaches Unterfangen, doch Lutherion hat ein himmlisches Diebesgut in seinem Besitz. Das Handy von Petrus welches als Zeitmaschine nutzbar ist, und die ist auch nötig, wenn man den Sinn des Lebens als Codewort einsetzen muss um die Apokalypse wieder rückgängig zu machen.

Nun erfolgt eine rasante, witzige Reise durch Raum und Zeit, wir treffen Sokrates, Thomas von Aquinn, Nietzsche, Wittgenstein, Schelling, und ganz gewiss NICHT die Tochter von Claudia Dotterer und Joachim Grögelmaier.

Stil, Witzigkeit, und Posaunen

Der Schreibstil, der Humor und die Ideen, erinnern ab den ersten Worten sofort an Terry Pratchett. Eher an seine Romane ausserhalb der Scheibenwelt, wie zB die Nomen-Triologie oder die Nur du-Reihe (Nur du kannst die Welt retten, u.a.).

Seltenst derb, oftmals hintergründig, meist pilosophisch (was bei Schweizers Hintergrund nicht verwundern dürfte) und ab ins belanglos-komische abschweifend, wie man es ebenfalls von Pratchett kennt (kleine Beschreibungen technischer Geräte, oder Hintergrundgeschichten in kursiv, die im Prinzip nicht wirklich zur Geschichte beitragen, aber unterhalten).

Ja, man fühlt sich zwar an allen Ecken an den Altmeister erinnert, aber spürt trotzdem Schweizers Eigenständigkeit, er fühlt sich sicherlich wohl in Pratchetts Schuhen, geht aber seine eigenen Schritte.

Die Reise gestaltet sich turbulent, niemals langweilig, bei für Fantasy-Verhältnissen sehr kurzen 179 Seiten aber auch das was der Leser erwartet. Auch die Nomen-Bücher sind nicht länger, und man vermisst genau wie hier eigentlich nichts. Die Dialoge zwischen Max Merkur und seinem teuflischem Begleiter sind spritzig, geistreich oder einfach nur dämlich, aber positiv dämlich. Man lacht mit und über die Charaktere aber hat nie das Gefühl "den hätte er sich jetzt mal sparen können".

Das Konzept ist recht einfach, Max+Teufel reisen durch die Zeit, besuchen diverse Philosophen und wollen den Sinn des Lebens erfahren. Ehrlich gesagt, reichen davon auch 179 Seiten, denn beim letzten Besuch hat man auch schon genug davon, zu ähnlich spielen sich die Episoden ab, doch Schweizer wusste scheinbar sehr gut wann genug ist, und die Besuche gestalten sich dermaßen komisch und schräg, dass man das simple Konzept verzeiht bzw. annimmt und es genießt.

Es ist kein Fantasy-Epos, soviel war mir auch klar, es ist auch kein Scheibenweltroman, es ist eine amüsante, erfrischende fast Roadmovie-artige Zeitreise, bei der man viel zum Schmunzeln und einiges zum herzlich Lachen vorgesetzt bekommt. Nie zu ausschmückend, die Charaktere haben eher wenig tiefe, tun einen aber leid, oder man freut sich mit ihnen, wachsen einem dennoch schnell ans Herz. Dem Ende nach zu urteilen, wird es wohl auch noch Fortsetzungen geben.

Leseprobe:

Bedauernd musste er feststellen, dass er nicht wirklich wusste, wie er sich zu religiösem Denken bringen konnte. Er glaubte allgemein an die Vernunft, die keine Gebete verlangte. Vielleicht, indem er fünftausend Mal den kategorischen Imperativ von Kant runtersagte? Hatte Kant nicht behauptet, Gott sei für das Universum eine notwendige Hypothese? In der Bibel stand aber: »Du sollst keine anderen Götter neben mir haben« – nicht »du sollst keine anderen Hypothesen neben mir haben«. Warum nur war er in einem katholischen Himmelshafen gelandet?
Noch immer musste er warten und warten.
Er sah in einiger Entfernung Lutherion, der zwischen unzähligen wuselnden Eichhörnchen stand und rüberwinkte.
»Hu-hu!«, rief er.
Ein Eichhörnchen saß auf seinem Kopf.

Eine 9-seite Leseprobe im pdf-Format gibts beim Verlag unter: http://www.otherworldverlag.at/pdfs/leseprobe_grendl.pdf
Fazit:

Von manchen schon als deutscher Pratchett abgefeiert, lasse ich mir da nach nur einem veröffentlichten Buch auf jeden Fall noch Zeit mit den Posaunen, die erklingen aber in "Grendl" laut genug um von der interessierten Leserschaft wahrgenommen zu werden und, ja, auch geschätzt zu werden. Ich würd mir vom Herrn Schweizer noch etwas mehr Tiefgang und etwas detailliertere Charaktere wünschen. Als wirklich witzigen und auch klugen Lesespass für Zwischendurch ist "Grendl" aber wirklich sehr zu empfehlen. Eins der besten witzigen Fantasy-Bücher die ich bisher gelesen hab, und ich denke da ist auch noch viel zu erwarten.

Update:

Bericht über den Nachfolger "Gott" geposted, 11.12.2009



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Texterbude

Texterbude

16.11.2009 18:54

schöne Rezension, die Empfehlung fällt ja eher gemischt aus ;-)

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Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 223 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

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  2. Queen500
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