SIMONSTER ALLEIN ZUHAUS? - NEE, ÜBERHAUPT NICHT!

3  22.06.2003

Pro:
Großfamilien sind etwas besonderes

Kontra:
Zu viel Arbeit, finanzielle Hinsicht, was ist bei einer Scheidung?

Empfehlenswert: Ja 

Simonster

Über sich: Och nö, nicht du schon wieder!

Mitglied seit:07.01.2002

Erfahrungsberichte:134

Vertrauende:77

Diesen Bericht teilen auf Google+
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 143 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

So, heute möchte ich nach längerer Zeit mal wieder einen Bericht im Cafe schreiben. Und zwar über das Thema „Großfamilie“. Nur die wenigsten von euch werden wissen, dass ich in einer Großfamilie lebe und daher möchte ich heute meine Erfahrungen schildern.


______/ Großfamilie \________

Ab wann kann man eine Familie eigentlich als Großfamilie bezeichnen? Ich würde sagen, so ab fünf Kindern, alles davor sind für mich Klein- bzw. mittelgroße Familien. Wenn in einer Familie Kinder leben, sind es meistens nicht mehr als zwei, manchmal auch drei. Aber mehr ist schon eher selten zu sehen, insbesondere bei deutschen Familien. Und solche Großfamilien werden meistens auch eher komisch angeschaut oder auch eher abwertend angeschaut. Scherze, wie „Wissen deine Eltern eigentlich überhaupt, wie man verhütet?“ hab ich auch schon gehört, nehme aber so was mit Humor auf. Ansonsten sind wir eigentlich so die größte Familie in meiner Gegend, daher fallen wir auch sehr auf... (*g*)
Meistens sind Erwachsenen aber die Karriere wichtiger als Kinder. Daher sind Großfamilien auch wirklich selten.


______ / Warum Großfamilie? \________

Warum haben sich meine Eltern eigentlich für eine Großfamilie entschieden? Vorwiegend war das meine Mutter. Meine Mutter hat keine Geschwister, da sie eben ein Einzelkind war/ist. So war sie halt früher oft alleine. Und daher hat sie sich eben eine große Familie gewünscht, als Art Ersatz für ihre nicht vorhandenen Geschwister. Eigentlich verständlich, finde ich. Da mein Vater ebenfalls in einer großen Familie aufgewachsen ist, hatte er auch keine größeren Einwände.


______/ Meine Familie \________

Sicherlich wollt ihr nun unbedingt wissen, wie groß meine Familie nun ist. Daher mach ich’s kurz: Ich habe sage und schreibe sechs (!) Geschwister. Ja, ihr habt richtig gelesen, sechs! Und alle sind aus einer Ehe, zudem liegt der Altersunterschied zwischen dem jüngstem Kind und dem ältesten lediglich bei 13 Jahren, meine Eltern haben also in regelmäßigen Abständen (meistens in zwei Jahresschritten) ein Kind gezeugt. So hab ich nun drei Brüder und drei Schwestern. Aber das ist noch nicht alles (leider). So kam es dann vor mehreren, dass mein Vater ausgezogen ist und meine Eltern nun mittlerweile geschieden sind. Und das ist eben schon bei einer Großfamilie, wie man sich sicher vorstellen kann, ganz schön heftig! So hat mein Vater inzwischen wieder geheiratet und mit seiner neuen haben sie ein Kind bekommen. So habe ich also noch zusätzlich eine kleine Halbschwester, die aber bei meinem Vater wohnt.

Zur Zeit sind wir in unserem Haus sieben Personen. Meine Mutter, meine drei Brüder und zwei Schwestern (die älteste ist inzwischen ausgezogen) und natürlich ich. Falls jemand das Alter meiner einzelnen Geschwister interessiert: Meine Brüder sind 10,20 und 22 Jahre alt (dazwischen bin ich noch mit 18 Jahren), meine Schwestern sind 12 (fast 13). 16 und 24 Jahre alt. Ich bin also genau in der Mitte.
Wie gesagt, der Altersunterschied ist insgesamt nicht sehr groß, so dass vor paar Jahren noch ziemlich viel los war, als alle noch ein bisschen jünger waren und so mehr geschrien und gestritten wurde. Insgesamt sind wir aber ein ziemlich verrückter Haufen. =)

Was aber wirklich ein sehr großer Nachteil für meine Familie ist, ist einfach die Scheidung meiner Eltern. Das ist ganz schön hart, dass könnt ihr mir glauben. Großfamilien sind schon sehr selten, geschiedene noch mehr. Zudem gibt es so schon bei einer großen Familien sehr viel Chaos, aber was bei einer Großfamilie abgeht, in der die Eltern geschieden sind, kann sich wohl kaum einer hier vorstellen.


______/ Erfahrungen \________

Dann will ich euch mal beschreiben, wie es in einer Großfamilie, wie wir es sind, so ab geht. Also klar, es ist insgesamt ein ziemlich großes Durcheinander, was man nur sehr schwer in den Griff bekommt. Jedenfalls bei uns. Man könnte eigentlich bei uns den ganzen Tag aufräumen und saubermachen, ganz ordentlich wird es trotzdem nie sein. Erst in ein paar Jahren vielleicht, wenn noch ein zwei Personen ausgezogen sind und auch die kleineren dann etwas älter sind.

Als meine Eltern aber noch nicht geschieden waren, lief alles halbwegs noch ordentlich ab. So hat sich mein Vater sehr um uns Jungs gekümmert, während meine Mutter überwiegend für die Mädchen „zuständig“ war. Da ging alles irgendwie noch geregelter ab. Jetzt nicht mehr so ganz. Es ist einfach alles unaufgeräumter, man kriegt den Haushalt nicht so einfach unter Kontrolle.

Klar, als Kind in einer Großfamilie kommt man auch als männliches Wesen nicht an Hausarbeit vorbei. So versuche ich meiner Mutter möglichst viel zu unterstützen. Dadurch, dass ich dann auch im Haushalt helfe kriege ich zum Glück auch was Taschengeld. Zum Glück helfen meine Geschwister auch noch ein wenig, auch wenn ich wirklich der bin, der am meisten macht (abgesehen von meiner Mutter).

Leider wächst das Geld bei uns alles andere auf den Bäumen, was auch noch sehr milde ausgedrückt ist. Finanziell ist es bei uns schon sehr kritisch und wir sind mächtig eingeengt, besonders eben, seit der Scheidung meiner Eltern. Das wir z.B. das letzte Mal in den Urlaub gefahren sind, ist wirklich schon sehr lange her (was bei Großfamilien eh schon eine kompliziertere Angelegenheit ist). Und auch so können wir keine großen Sprünge machen.

Natürlich gibt es nicht nur negatives, dass wäre ja echt furchtbar! (*g*) So wird’s bei uns echt nie langweilig, auch wenn es mir manchmal wirklich ruhiger zu gehen könnte. So hat man eigentlich schon immer einen, mit dem man sich unterhalten kann. Das Wort „allein“ kenne ich quasi nicht.

Was ich noch gut finde ist, dass wir ein relativ großes Haus mit mehren Etagen und Zimmern haben (schön eingerichteter Keller, großes Wohnzimmer und große Küche, 1.+ 2. Stockwerk). So hat doch seit neuestem jeder sein eigenes Zimmer. Und das braucht auch jeder, denn auch in einer Großfamilie möchte man (erst recht) auch mal für sich allein sein.

Dennoch wurde/wird mir und meinen Geschwistern im Leben echt gar nichts hinterher geworfen. So musste ich mir z.B. sehr viel selbst kaufen, was andere von ihren Eltern bekommen hätten. Aber auch verzichten musste ich sehr oft. In einer Großfamilie ist nun mal nicht sonderlich viel Geld da, besonders nicht, wenn diese auch noch geschieden ist! Zwar bin ich auch froh, kein verwöhntes Einzelkind zu sein, aber wenn ich ehrlich bin, bin ich schon sehr oft auf andere neidisch gewesen, die mehr hatten als ich.

Trotzdem würde ich auf keinen Fall meine Familie tauschen wollen! Auch wenn man sich in einer großen Familie sehr oft streitet, da man sich gegenseitig ja andauernd über den Weg läuft, was auch manchmal nervig sein kann. Trotzdem habe ich meine Familie unheimlich gerne und bin auch froh, in dieser aufgewachsen zu sein. So werde ich später, wenn ich ausziehe sicherlich um einiges selbständiger sein, als jemand, der alles von seinen Eltern nach geschmissen bekommen hat und nicht fähig ist, alleine einen Haushalt zu führen.

Zudem finde ich es auch bewundernswert, wie sich meine Mutter um den ganzen Haushalt kümmert. Sie versucht so gut wie es geht Ordnung zu halten, auch wenn das wirklich nicht leicht ist und sie deswegen oft sehr geschafft ist. Ich bin echt stolz auf sie.


\________/ Schluss \________/

Dann möchte ich daraus mal eine kurze Bilanz ziehen. Großfamilien haben sicherlich ihrr Vor- und Nachteile. Ein großer Nachteil ist, dass man sehr schnell in finanzielle Schwierigkeiten gelangen kann, auch wenn man für jedes Kind ja Kindergeld bekommt. Trotzdem kann es schnell zu einem Problem werden, da das Geld doch im Verhältnis weniger ist, als in kleinen Familien. Zudem ist es auch ein sehr großes Problem, wenn sich die Eltern nicht mehr lieben und einer der beiden eventuell eine neue Liebe gefunden hat. Dann wird’s wirklich äußerst schwierig! Ich finde es z.B. sehr dreist von meinen Vater, dass er sich scheiden ließ, dann wäre vieles einfacher gewesen. Innerlich habe ich auch so eine Wut auf ihn, aber das ist eine andere Geschichte.

In Großfamilien ist immer etwas los, auch wenn es für meinen Geschmack zu viel ist. Ich habe es da eher lieber etwas geordneter und übersichtlicher. Eine Großfamilie ist einfach für die Eltern eine sehr hohe Verantwortung, aus der mein sich nicht mehr so schnell entziehen kann. Aber auch für die Kinder ist es nicht immer leicht.
Eine Kleinfamilie ist da schon wesentlich unproblematischer. Ich wünsche mir für später keine Großfamilie mehr, zwei, drei Kinder reichen mir völlig.


Ich bewerte mal mit drei Sternen, was aber keinesfalls ein Urteil über meine Familie sein soll!!! Sondern was ich einfach vom das Thema „Großfamilie“ halte. (Dennoch ist die Bewertung samt Empfehlung eigentlich unwichtig, es kommt auf den Inhalt diesen Berichts an.)

Grüße, Simon


Diesen Bericht teilen auf Google+
Sponsorenlinks
Ihre Bewertung dieses Erfahrungsberichtes

Wie hilfreich ist dieser Erfahrungsbericht für Ihre (Kauf-)Entscheidung?

Bewertungsrichtlinien

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Biomaus

Biomaus

27.09.2009 01:45

Wir haben bis jetzt 3 Kinder und denken über ein 4. nach. Es ist gut zu wissen, das Kinder diese Familienvariante gut finden. Du musst ja wirklich viel (auch Aufmerksamkeit) teilen. Ich hoffe der Kurs geht bald wieder mehr in Richtung Kinderfreundlichkeit. Viele Grüße die MAus

VaniHH

VaniHH

09.01.2005 19:52

Danke für den Einblick in Deine Familie! Ich selbst habe nur einen Bruder, aber in der Nachbarschaft gab es eine Familie mit vier Kindern. Da war ich dann immer zum Spielen, und wir hatten viel Spaß! Meine Erfahrungen mit Kindern aus Großfamilien (als Jugendbetreuerin / Betreuerin bei Ferienfreizeiten) haben gezeigt, dass die Kinder nicht selten selbständiger, teamorientierter und sozialer eingestellt sind. Bei einer Alleinerziehenden-Freizeit, bei der ich als Betreuerin dabei war, gab es eine Mutter mit neun Kindern. Die waren wesentlich pflegeleichter und besser erzogen als so manche Kinder ohne oder nur mit ein oder zwei Geschwistern. Meinen Hut ziehe ich vor Deiner Mutter! eine beeindruckte VaniHH

HerzogvonBerg

HerzogvonBerg

08.02.2004 22:27

Überaus interessanter Einblick in eine Großfamilie. Ich will gerne gestehen, dass mir schon meine beiden älteren Brüder genug sind! *g* Dass es in einer Großfamilie finanziell eng werden kann, kann ich mir nur allzu lebhaft vorstellen, und solche Sprüche wie mit der Verhütung finde ich einfach nur albern. Sehr schöner Bericht von Dir, bin (wieder) beeindruckt! LG, HerzogvonBerg

Eigenen Kommentar schreiben

max. 2000 Zeichen

  Kommentar abschicken


Bewertungen
Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 803 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

"sehr hilfreich" von (100%):
  1. nicki28
  2. Biomaus
  3. MamiVon4Kids
und weiteren 140 Mitgliedern

Informationen zur Berechnung der Gesamtbewertung.