... Jahrhunderts erschien 1991 ein Band "Groteskgedichte", auf den sich dieser Bericht bezieht. (Verlag Jungbrunnen, wien, München 1991; Linzenzausgabe mit Genehmigung des Paul Zsnolnay Verlages Wien/Darmstadt, 81 Seiten). Es gibt auch Video mit Gerhard Bronner/Elfriede Ott, die einige Gedichte ... Bericht lesen
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Erfahrungsbericht von buhsi über Groteskgedichte / Peter Hammerschlag 24.08.2001
Produktbewertung des Autors:
Niveau
sehr anspruchsvoll
Unterhaltungswert
sehr hoch
Spannung
sehr spannend
Wie ergreifend ist die Story?
ergreifend
Pro:
Peter Hammerschlag
Kontra:
???
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Nur wenige werden ihn kennen: Peter Hammerschlag geboren 1905 in Wien, tritt ab 1939 als Kabarettist auf und wird einer der produktivsten und originellsten Dichter des literarischen Kabaretts der 30er Jahre. Nach dem "Anschluß" Österreichs wird er nach Ausschwitz verschleppt, wo er vermutlich 1942 den Tod findet. Außer wenigen Gedichten gibt es zu Lebzeiten keine Publikationen in Zeitschriften. Eine erste Textausgabe erschien erst 1972. In der Bibliothek Wiederaufnahme österreische Literatur des 20. Jahrhunderts erschien 1991 ein Band "Groteskgedichte", auf den sich dieser Bericht bezieht. (Verlag Jungbrunnen, wien, München 1991; Linzenzausgabe mit Genehmigung des Paul Zsnolnay Verlages Wien/Darmstadt, 81 Seiten). Es gibt auch Video mit Gerhard Bronner/Elfriede Ott, die einige Gedichte und Szenen in den Wiener Kammerspielen zur Aufführung brachten.
"Seine ganze Art war aus der Art" wurde er einmal charakterisiert. Hammerschlags Gedichte und Songs - von seinen Kabarettszenen ist leider nur "Von der Lüneburger Heide und der simmeringer Had" erhalten geblieben - zeichnen sich zumeist durch eine überaus verblüffende, radikale Bildwahl und groteske, skurille Vorstellungskraft aus, die humorlose Geister wahrscheinlich als dekadent bezeichnen würden. Er schreibt mir also aus der Seele. Zu den Groteskgedichten zählt etwa "Eia Popeia", in dem der Säugling nüchterne, ja eiskalte Antworten auf die einschmeichelnden Töne und den auch klagenden und anklagenden Monolog der verlassenen Mutter gibt.
"Pfeift durch das Lädchen - na was denn? - der Wind, Wieget ein Mädchen - na was denn? - sein Kind ...
Weißt du, mein Kleines, um Märzveilchen blau? Weißt du, um Lieben, auf lenzjunger Au? Weißt du, wie glühend die falschheit küßt? weißt nicht einmal, wo dein Vater ist!
Denkt sich der Kleine: wie Vater wohl heißt? eia popeia, wenn du es nicht weißt!
Sehnst dich nach Vater? Er tat von uns gehn ... Einsamer Weg durch der Leute Gehöhn! Kennst du der Schande dornige Kron? Schlafe, mein Liebes, was weißt du davon ...?
Denkt sich das Liebe: Er tat von dir gehn? Eia popeia, das kann ich verstehn!
Schlafe, mein Schäfchen, es ist ja schon spät ... Habe kein Quentchen Elektrizität! Weißt du von Qualen in einsamer Nacht? Weißt du, was du mir für Schmerzen gemacht?
Denkt sich das Schäfchen: mir reißt die Geduld! Eia popeia, jetzt bin ich noch schuld!
Liegts du, mein Armes, auf ärmlichen Pfühl ... weißt du um wasser, so tief und so kühl? Weißt du um Ruhe nach endloser Qual? Einmal ihn sehn noch, ein einzige Mal!
Drauf sagt das Arme - nicht sehr infantil: Spring schon ins Wasser und red nicht so viel!
Weißt du, mein Kind, was das Herz mir zerreißt? Weißt du vielleicht auch, was Heimweh heißt? kennst du die reue und höllisches Weh? kennst du das Häuschen am Michigansee? Weißt, wieviel Sternlein am himmlischen zelt ...? Eia popeia! ... - Das Hurenkind bellt ..."
Einige Texte kreisen umm den Tod (nachruf auf einen messerstecher, Zirkusreferat), mit anderen wollte er bewußt schockieren oder provoziere, wie in den allerorginellsten der "Weihnachtsdirne" oder der "Forellensusi".
"Mein Susi versteht sich aufs Wasser! selbst die Fischlein beneiden sie bald. ich liege am ufer als nasser Bewunderer ihrer Gestalt.
Heut ist sie spazieren geschwommen, und Stunden und Stunden vergehn ... ich frag die Forellen beklommen: 'habt ihr nicht mein Susi gesehn?'
'Du trägst nach Schön-susi verlangen? Schön-susi glich uns zu sehr! man hat sie geangelt ... gefangen ... Du findest Schön-Susi nicht mehr...'
Im Schwimmtrikot, triefend und triste, So stürz ich zum Seeblick-hotel - und seh, wie ein bankprokuriste Mein Susi grad frißt, der Gesell!
Er grinst voll teuflischem Hohen, zerteilt mit dem Messer mein Glück. Sie trägt statt der Märtyrerkrone Im Maul ein Zitronenstück ...
Tags drauf fand man den prokuristen Erstochen, in schwärzlichem Blut. Am dorffriedhof, ganz unter Christen, Dort schläft er jetzt relativ gut.
Doch ich hab kein ruhiges Stündchen, Mir liegt Schön-susi im Sinn. Ich seh stets ein todblasses Mündchen mit einer Zitrone darin."
Auch das erotische kam bei Peter hammerschlag in Annäherung an den Expressionismus nicht zu kurz. "Die Schwergewichts-Maitresse" sei dafür ein Beispiel mit der zeile "Wer nie mit Steinbruch Unzucht trieb, der ahnt nicht, wie sich mich begrub."
Seine gestalten sind Messerstecher, Huren, Matrosen, Zirkusleute, abgewiesene Liebhaber, verlassene Mädchen, Kaffehaushocker und Wirtshausgeher.
immer wieder gibt es leise Melancholie in seinen Gedichten, "ein armer kleiner jud, der kein scharfes Messer hat". So im "liebslied an ein Proletariermädchen", in dem es die Spittelberg Buam, die vulgären, gewalttätigen bei den Mädchen haben als er. hammerschlag bleibt auf Distanz, "bringt süße Mehlspeis' und muß betteln: sei mir ein bisserl gut." Auch der "abschiedsbrief des poetisch veranlagten stubenmädchens Lisi an ihren Elektriker" schlägt in die gleiche Kerbe.
es gibt aber auch Gedichte, die an morgenstern, kafka oder Kubin erinnern. seine tiergedichte von seehunden, pekinesen, Möpsen, Mäusen, krokodilen, Nilpferden, Affen, Hyänen, Max dem dachs, Arnold dem nervösen Karnickel, über das stinktier Klein-skunks, der sich nicht waschen läßt, dem jungen Hund, der nicht in seine haut paßt oder dem trauigen Löwen im Zoo, der ein telegramm aus der sahara bekommt, daß ihm ein Sohn geboren wurde, seien dafür Beispiele.
Hammerschlag schreibt Wienerisch und mit jiddischem, ungarischen oder böhmischen Einschlag (ungarische Schöpfungsgeschichte Die Ballade vom Lustmörder Alois Blawatschek), ein Vorgänger des legendären Herrn Karl von Helmuth Qualtinger).
zum abschluß, vielleicht haben ja alle mitbekommen, daß Peter Hammmerschlag zu meinen Lieblingsdichter zählt noch das gedicht: Portrait eines trottels (Widmung nicht einmal mit den Anfangsbuchstaben; es kennt ihn jeder)
"Der Trottel schritt zur Bergeshöh, Da stand am Wege eine Fee.
Ihr leib, der war wie Elfenbein, Ihr Haar von rotem Golde fein,
Dazu ihr blaues Augenpaar, Das wie der frühlingshimmel war.
Sie sprach zu ihm:'mein Knabe du, ich bin die fee, drum hör mir zu.
Warts fleißig, lieb und brav dabei, dafür steht jetzt ein Wunsch dir frei.
Verlang von mir, was die gefällt! Willst du Erfolg? Berühmtheit? Geld?
Willst du am End ein Mägdelein? Soch ich wohl deine Liebste sein?'
da zog der Trottel seinen Hut und sprach servil, doch wohlgemut:
'Wie spät ist's denn, ich bitte schön? was-zehne schon? Dann muß ich gehn!'
der Trottel zieht des Wegs fürbaß. die Fee steht da und ist ganz blaß."
ich wünsche viel Spaß beim lesen und dem Buch viele Leser.