Grovesmühle - Landschulheim

Grovesmühle - Landschulheim

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Meine alte Schule - die Grovesmühle
Erfahrungsbericht von LordHelmiii über Grovesmühle - Landschulheim
02.07.2011


Produktbewertung des Autors:   


Pro: Gruppendenken statt Einzelkampf, ländliche Schule, zugängliche Lehrer, Freizeitaktivitäten
Kontra: Technische Ausstattung, Asphaltboden unter der Traglufthalle, der monatliche Preis

Empfehlenswert?  

Kompletter Erfahrungsbericht

Die Schulzeit ist etwas, was man nicht so schnell vergisst. Sie ist eine sehr prägende Zeit, die jeder Schüler anders durchlebt, was ich aus ähnlichen Berichten zur Grovesmühle deutlich herauslesen konnte, die doch recht unterschiedlich ausgefallen sind.
Nun ist es aber eine Sache des Respektes und der Vernunft, wie man diese verfasst – ich werde mein bestes geben.

Da ich nun 6 Jahre meines bisherigen Lebens auf der Grovesmühle verbracht habe (bis 2008), dachte ich mir, gönne ich mir den Spaß und verfasse ebenfalls einen Bericht, aber aus Sicht eines externen Schülers.
Die externen Schüler sind diejenigen, die aus den umliegenden Städten und Dörfern die Schule besuchen. Die monatliche Schulgebühr betrug damals um die 300 Euro. Die Schülerzahl in meiner Klasse variierte von 9 – 24 Schüler und es gab durchweg nur eine Parallelklasse. Neun Schüler klingen an dieser Stelle sehr wenig, was aber mit der Einführung der Realschule auf der Grovesmühle zu tun hatte. Schüler, die sich dem gymnasialen Zweig nicht gewachsen fühlten, wechselten auf die Realschule. Neben der Realschule wurde später auch eine FOS errichten für den Bereich Technik.
Die Schülerzahl der gesamten Schule betrug zu meiner Zeit stets um die 300 inkl. der rund 60 Internatsschüler. Die Internatsschüler kamen von überall her (Berlin, München, Frankfurt,...), daher war es nicht unüblich, dass diese sich auf dem Lande etwas verloren fühlten. Die einzige Möglichkeit zu Fuß einkaufen zugehen war im kleinen Nachbardörfchen im kleinen Einkaufsladen, der das nötigste anbot. Ansonsten bestand die Möglichkeit in die naheliegende Stadt Wernigerode mit dem Bus zu fahren. Jedoch war es gar nicht überlebensnotwendig sich mit Lebensmittel einzudecken, da sie drei feste Mahlzeiten bekamen: Frühstück, Mittag und Abendbrot. Zudem gab es auch ab und zu Kaffee und Kuchen am Nachmittag. Am Sonntag eines „Hier-beib-Wochenendes“ gab es das sogenannte Brunch. Hierzu hab ich jedoch keine Info, da ich extern bin.
Aber auch wir externen Schüler mussten nicht hungern. In der zweiten Pause, welche ca. 20 min dauerte, gab es kostenlos, geschmierte Brote sowie Tee und Milch im Speisesaal. Später gab es zusammen mit den Internatsschülern das Mittagessen. An dieser Stelle kann man sich natürlich streiten, wie das Essen denn geschmeckt hat, aber ich sag nur: Keiner kocht wie Mutti. Und das wird wohl auch kaum einer für rund 3 Euro pro Essen (60-70 Euro im Monat für Essen). Dennoch fand ich das Essen gut. Ich hatte meine feste Mahlzeit (auf die ich bis heute nicht verzichten möchte) und das beste war: Beilagen und Soßen konnten so lange der Vorrat reicht nachgeholt werden. Zudem konnte man sich wieder Tee oder Milch holen, einen kleinen Salat essen oder sich auf den Nachtisch freuen – natürlich alles im Essenspreis enthalten. Ich hab mich immer gefreut, wenn es die kleinen Schokotörtchen oder Eis gab. Aber zum Thema Essen muss jeder selber schauen, wie er es bewertet ;)

Die Schule an sich war früher eine Art Landwirtschaftsgelände und besteht daher aus mehreren Häusern, die zu einer Schule umfunktioniert wurden. Es gibt insgesamt fünft Gebäude + Turnhalle, Pferdestall und Werkstatt. Die Turnhalle ist jedoch eine Sache für sich. Zu Beginn meiner Schulzeit fand ich diese riesie Traglufthalle "echt cool“, nachdem ich jedoch das erste Mal hingefallen bin, verflog der Gedanke recht schnell. Die Traglufthalle wurde nämlich auf einem Asphalt- Basketballplatz aufgestellt. Dennoch erfüllt sie ihren Zweck.
Ansonsten gibt es auf dem Gelände viiiellle Wiesen, einen Sportplatz, einen Volleyballplatz, ein Klettergerüst, ein paar Steintischtennisplatten, ein kleines Café, wo man Süßigkeiten kaufen kann, einen "Bandraum" und einen Pferde- und Ziegenstall sowie eine Werkstatt.
Die technischen Ausrüstung wie PS's war zu meiner Zeit jedoch dürftig. Ich hoffe, dass sich das im Laufe der Zeit, wo schnelles Internet und billige Computer keine Utopien mehr sind, geändert hat. Aber ich meine neulich auch gelesen zu haben, dass die Grovesmühle Computer von der Hochschule Harz geschenkt bekommen hat. Fragt sich nur, ob diese neu oder ausrangiert sind...

Nachdem ich jetzt viel drum herum erzählt habe, möchte ich jetzt noch ein paar weitere Eindrücke meinerseits loswerden. Die Schule war und ist stets im Wandel, was ich teilweise gut und schlecht finde. Es kommen neue Möglichkeiten hinzu, woanders werden alte wieder gestrichen. Dies gilt auch für die Schüler. Ständig kamen neue hinzu und andere gingen wieder. Erst in der Oberstufe stabiliserte sich das Klassenbild.
Die Schulzeit bis 16 Uhr kann für einen neuen Schüler der 6. Klasse anfangs sehr erschlagend sein, dennoch gewöhnt man sich schnell an den Rhythmus. Zurzeit meiner 6. Klasse gab es zum Tagesabschluss immer "Arbeiststunden", in denen Schüler gemeisam mit einem Lehrer ihre Hausaufgaben erledigen konnte. Ich hoffe, die gibt es heute noch.
Zum Samstagsunterricht kann ich nur so viel sagen: "Ich mag ihn nicht..." -, aber da spricht wohl eher der Muffel in mir, der ausschlafen will.
Ich persönlich empfand die kleinen Klassen als sehr angenehm. Man wurde besser wahrgenommen und man kannte sich selbst auch unter den Klassenstufen, was besonders durch das gemischte Internatsleben gefördert wurde. Auch zu den Lehrern hatte man einen guten Draht (wenn man sich nicht vollkommen daneben benommen hat) und konnte sie bei Problemen jederzeit um Hilfe fragen... oder einfach nur einen kurzen Schnack halten. -->(erzählen) ;)
Was die Kompetenz und die didaktischen Fähigkeiten der Lehrer anging, ist es wie auf jeder anderen Schule: es gibt jene und jene. Aber im Gesamtbild war ich mit meiner Ausbildung sehr zufrieden.
Mir blieb der Eindruck, als würde an der Schule mehr ein Gruppenklima als der Kampf des Einzelnen gefördert werden. Der Unterricht ist nur teilweise frontal gehalten. Oft gibt es Gruppenprojekte oder ähnliches, in denen sich Schüler den Lernstoff selbst/ gemeinsam erarbeiten. Zudem wird das „große Familiengefühl“ stark durch den Internatsbereich und durch die kleinen, gemütlichen Klassen geprägt.
Neben dem Unterricht bietet die Schule natürlich auch Freizeitaktivitäten an. Es wurden im Laufe der Zeit Gilden wie Töpfern, Dressurreiten, die Videogilde, die Bandgilde, die Theatergilde/ Improvisationstheater, Motocrossgilde und vieles mehr angeboten, die mir persönlich großen Spaß gemacht haben. Natürlich ist das Equipment nicht immer das beste, aber es reicht immerhin für einen Auftritt der Schülerband zu einem der vielen Festivitäten der Grovesmühle.
Zum Thema Festivitäten ist zu sagen, dass die Schule viel Wert auf ihr Image legt.
Darunter fällt auch das Thema Drogen, was sich nicht leugnen lässt. Natürlich gibt es immer wieder Schüler, die Drogen nehmen, aber das ist nicht nur auf unserer Schule aktuell. Auf jeder anderen Schule gibt es ebenfalls Schüler, die Drogen konsumieren und besonders auf Schulen, die sich nicht darum kümmern. Und hier ist der gravierende Unterschied, der sich „Drogentest“ nennt. Durch die Beherbergung von Schülern auf dem Schulgelände steht die Schule oder besser das Internat natürlich in der Pflicht für diese auch die Verantwortung zu übernehmen. Unter diese Verantwortung fällt auch der Konsum von Zigaretten, Alkohol und Drogen. Beim illegalen Konsum von Zigaretten oder Alkohol erhalten Internatsschüler selbstverständlich eine Strafe, die Sozial- „Arbeitsstunden“ (nicht verwechseln mit den oben genannten Arbeitsstunden). Was mit externen Schülern passiert, weiß ich leider nicht so genau, weil ich auf dem Schulgelände weder geraucht noch getrunken habe. Beim Konsum von Drogen, tja... ich weiß nicht was da alles passiert. Bekannt ist mir aber, dass die „positiven“- Schüler, egal ob intern oder extern, (therapeutisch?) unter Beobachtung gestellt und weiterhin in regelmäßigen Abständen getestet werden, um eine Besserung zu erzielen.
Die Drogentests geschehen recht spontan und in großen Gruppen. Zu Beginn wurden nur interne getestet, später aber auch externe. Unsere Klasse wurde in den ganzen sechs Jahren nur zweimal getestet. Noch weiß ich nicht, wie ich diese Tests finden soll, da sie für alle Beteiligten doch recht unangenehm sind, dennoch soll damit denen geholfen werden, die ein Drogenproblem haben.
Auch zum Thema Jugendamt gab es zu Beginn meiner Schulzeit einige Schüler, die von dort aus hierher geschickt wurden. Dennoch möchte ich behaupten, dass sich die Zahl der "Problemkinder" bis heute drastisch reduziert hat.

Summa Summarum kann ich sagen, dass es mir auf der Schule wirklich gefallen hat und wenn ich mich nochmal entscheiden müsste, würde ich dort wieder hingehen. Es ist nicht nur eine Schule, sondern wirklich ein Teil meines Lebens gewesen, den ich dort verbracht habe – auch als externer Schüler.
Man muss sich aber auch drauf einlassen, sonst ist man, wie die anderen Berichte beschreiben, ganz schnell wieder weg.

Lieben Gruß, Lord Helmiii

PS: Ich weiß, dass war ein sehr langer Text, aber danke für's Lesen :P
   

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