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Fakten
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Titel: Grünten-Mord
Autor: Dr. Peter Nowotny
Verlag: Verlag Tobias Dannheimer Kempten
ISBN (HB): 3-88881-048-5
Preis: 12.80 EUR
Seiten: 357
Autor
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Dr. Peter Nowotny lebt seit mehr als 50 Jahren im Allgäu und ist hier schon eine *kleine* Berühmtheit. ... Bericht lesen
Erfahrungsbericht von DottiGross über Grünten-Mord / Nowotny, Peter 17. August 2004
Produktbewertung des Autors:
Niveau:
anspruchsvoll
Unterhaltungswert:
hoch
Spannung:
durchschnittlich spannend
Humor:
wenig humorvoll
Aufmachung:
mäßig
Pro:
Angenehmer Schreibstil | Roman spielt in meiner Heimat | gute Beschreibung der Örtlichkeiten
Kontra:
Immer wiederholende Szenen, die mit der Zeit langweilig werden (= Wanners Kaffeeproblem) | etwas unrealistischer Doppelmord | zu viele Romanfiguren | komplizierte Zeitsprünge
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Nach dem ich den Allgäu-Krimi *Milchgeld* gelesen hatte, und ich dieses Buch nicht sonderlich gut fand, bot mir ein Kollege einen weiteren Allgäuer Kriminalroman an. Ich war skeptisch und vermutete, dass mir auch dieses neue Buch nicht gefallen würde. Doch ich sollte mich irren...
Fakten ++++++
Titel: Grünten-Mord Autor: Dr. Peter Nowotny Verlag: Verlag Tobias Dannheimer Kempten ISBN (HB): 3-88881-048-5 Preis: 12.80 EUR Seiten: 357
Autor +++++
Dr. Peter Nowotny lebt seit mehr als 50 Jahren im Allgäu und ist hier schon eine *kleine* Berühmtheit. Er hat schon zahlreiche Wander- und Heimatbücher geschrieben. Dazu gehören u.a. *Bergtourenführer Allgäuer Alpen*, *50 Höhen-Rundwanderungen*, *Vereinödung* und *Fenster zum Allgäu*. Er ist begeisterter Wanderer und Kletterer und hat schon Berge in Mexiko (Popocatepetl), Ecuador (Cotopaxi), Tanzania (Kilimandscharo) und Japan (Fujiyama) bestiegen. Mit dem *Grünten-Mord* veröffentlichte Peter Nowotny seinen ersten Kriminalroman.
Inhalt +++++
Am Ufer der Iller wird eine Leiche gefunden. Der junge Mann wurde erschossen. Hauptkommissar Paul Wanner von der Kemptener Polizeidirektion ermittelt in dem Fall und findet schon bald heraus, dass es sich bei dem Toten um Kevin Rind, dem Sohn des bekannten Bauunternehmers Willi Rind handelt. Außerdem - so stellt die Polizei fest - wurde Kevin Rind nicht an der Iller, sondern im nahen Grünten-Gebiet [Anm.v.Dotti: einem Allgäuer Bergmassiv] ermordet.
Hauptkommissar Wanner ist ein begeisterter Wanderer und kennt sich in seinen Allgäuer Bergen gut aus. Das hilft ihm bei der Suche nach dem Mörder. Er muss jedoch nicht lange suchen. Kurze Zeit später wird nämlich eine zweite Leiche am Grünten gefunden. Der Mann trug eine Pistole bei sich, aus der der tödliche Schuss auf Kevin Rind abgegeben wurde. Nun hat der Kommissar nicht nur eine Leiche, sondern auch den dazugehörigen Mörder. Die Sache scheint klar: die beiden Männer haben sich gegenseitig erschossen. Doch der Fall ist noch nicht gelöst. Wer ist der zweite Tote? Wie kam die Leiche des jungen Rind an die Iller? Wer brachte sie dort hin? Es müssen also noch mehr Menschen im Spiel gewesen sein. Was ereignete sich an diesem Herbsttag? Warum erschossen sich die beiden Männer gegenseitig? Was verbindet sie? Was hatten sie auf dem Gipfel des Grünten zu suchen?
Neben all den Ermittlungen hat Paul Wanner auch seine privaten Probleme. Seine Ehe hat sich festgefahren und es scheint zwischen ihm und seiner Frau Lisa keinen gemeinsamen Nenner mehr zu geben. Deshalb fährt Lisa auf *unbestimmte Zeit* zu ihren Eltern nach Augsburg.
Mehr möchte ich vom Inhalt nicht verraten...
Meine Meinung ++++++++++++
Wie bereits erwähnt, ging ich an den neuen Allgäu-Krimi sehr kritisch ran. Meine Stimmung verbesserte sich nicht, als ich auf Seite 9 eine Auflistung sämtlicher Beteiligter fand. *Na prima,* dachte ich, *das kann ja heiter werden, wenn ich mir so viele Personen merken muss.* Um es vorne weg zu nehmen, ich sollte recht behalten. Die vielen Namen verwirrten mich doch sehr. So musste ich mir schon mindestens zehn Romanfiguren merken, die auf der Polizeidienststelle arbeiteten. Dazu kamen die in den Mordfall verwickelten Personen, und das waren auch noch mal mindestens sieben Stück. Hier hätte der Autor rigoros ausmisten können. Den Staatsanwalt und dem Polizeichef, denen Wanner ständig Bericht erstatten muss, hätte ich zum Beispiel nur am Rande und nicht namentlich erwähnt. Dadurch wären schon mal zwei Personen weggefallen, deren Namen sich der Leser nicht merken muss.
Der Schreibstil selbst gefällt mir sehr gut. Er ist nicht zu schwer und sehr harmonisch. Da die Geschichte an sich sehr kompliziert ist, ist es wichtig, dass man sich zumindest beim Lesen leicht tut. Das hat Peter Nowotny sehr gut gemacht, wie ich finde. Die Absätze sind übersichtlich gegliedert und trotzdem hatte ich manchmal meine Probleme, nach einer Lesepause wieder in die Geschichte zurück zu finden. Das lag zum einen daran, dass - wie erwähnt - sehr viele Personennamen genannt werden und zweitens der Kriminalroman in verwirrende Zeitabschnitte eingeteilt ist. So erschießen sich die beiden Männer z.B. am 22. September auf dem Gipfel des Grünten, später geht der Autor in die Vergangenheit, wo einer der Männer noch lebt und sich mit seinem Vater unterhält - das ist am 19. September. Dann ist es plötzlich der vorletzte Montag im September, was mich zusätzlich verwirrte, weil ich nicht wusste, ob es vor oder nach dem Donnerstag, 25. September, liegt, der als nächster Termin genannt wird. Dieses Hin- und Herspringen zwischen den Zeiten ist sehr kompliziert. Der Leser muss höllisch aufpassen, dass er nicht durcheinander kommt. Ich brauchte immer sehr lange bis ich mich in einen neuen Absatz reingelesen hatte. *Wer ist dieser Kevin noch mal? Ach ja, der Tote. Aber im Moment lebt er noch. Also spielt die Szene vor dem 22. September....* So war ich ständig auf der Hut und las einen Absatz manchmal zweimal, damit ich den Faden nicht verlor.
Ich muss nochmals auf den Allgäu-Krimi *Milchgeld* zurück kommen, mit dem ich *Grünten-Mord* immer wieder vergleiche. In *Milchgeld* ist der Kommissar ein ziemlich vertrottelter, Ur-Allgäuer, dessen Ermittlungsmethoden mir nicht einleuchten wollten. Beim *Grünten-Mord* ermittelt Paul Wanner nicht alleine, sondern hat ein eingespieltes Team an seiner Seite. Das verdeutlicht der Autor - wie ich finde - sehr gekonnt. Hauptkommissar Wanner delegiert seine Kollegen und zieht aus den Ergebnissen der Ermittlungen klare und deutliche Schlüsse. Die Gespräche mit Zeugen sind verständlich und werden gezielt geführt. Bei *Milchgeld* hingegen ergaben die Verhöre oftmals keinen Sinn. Allerdings störte mich auch bei dem neuen Allgäu-Krimi eine Kleinigkeit. Die Ermittlungsergebnisse werden immer und immer wieder durchgekaut. So werden bei den täglichen Besprechungen in der Polizeidienststelle immer wieder die Geschehnisse komplett wiederholt. Vom Tag des Mordes, über die Befragungen der Zeugen bis hin zu den neuesten Ergebnissen. Es erinnerte mich ein wenig an die *Reise von Jerusalem*. Ihr kennt das Spiel sicherlich: *Wir packen einen Koffer und in diesen lege ich einen Wecker.... einen Wecker und eine Zahnbürste... einen Wecker, eine Zahnbürste, einen Rasierapparat...* Diese ständigen Wiederholungen sollen den Leser wohl auf dem Laufenden halten, nachdem er durch die Zeitsprünge irritiert wurde. Doch das war dann doch zu viel des Guten, finde ich.
Hauptkommissar Wanner hat auch private Probleme zu bewältigen, die dem Leser wohl als *Nebenstory* zur Erholung dienen soll. Das ist dem Autor auch gut gelungen. Die Geschichte um Wanners Ehe, die sich festgefahren hat, stört die Kriminalstory nicht, sondern unterstreicht sie. Peter Nowotny bringt dem Leser die Person Wanner näher, indem er ein paar Details aus seinem Privatleben wiedergibt. Das tut er sehr behutsam und unaufdringlich. Auch dadurch unterscheidet sich *Grünten-Mord* von *Milchgeld*, wo der Kommissar als Kässpatzen-Essender Trottel dargestellt wird.
Paul Wanner aus *Grünten-Mord* hat jedoch ein anderes Problem: er lebt auf Kriegsfuß mit dem Kaffeeautomaten in der Polizeidienststelle. Das fand ich sehr übertrieben. Ich habe nicht gezählt, aber 20 bis 30 Mal wird mindestens von diesem Kaffeeautomatenkampf berichtet, was ich zu viel fand. Das gleiche geschah mit Wanners *Apfel-Esserei*, die mit der Zeit ziemlich nervte. Anfangs störte mich auch die türkische Putzfrau, die ständig in Wanners Büro putzen will und recht schlechtes Deutsch spricht. Aber sie nimmt zum Schluss eine wichtige Rolle ein - doch das möchte ich hier nicht verraten.
Wer eine gewissen Ortskenntnis des Allgäus besitzt, wird sich - so glaube ich - mit dem Roman leichter tun. So erwähnt Peter Nowotny auf der ersten Seite *Burgberg*. Ich - als Allgäuer - weiß, dass es sich hierbei um einen Ort am Fuße des Grünten handelt. Ein Ortsfremder würde vielleicht einen Berg vermuten, auf dem eine Burg steht. Auch der *Grünten* wird nicht als Allgäuer Bergmassiv beschrieben und anfangs nicht näher erklärt. Ein Ortsfremder müsste sich diese Erkenntnis erst aus dem Zusammenhang herauslesen. Demnach würde ich behaupten, dass das Buch eher für Allgäuer oder Allgäu-Urlauber geeignet ist. Natürlich kann ich das nicht objektiv beurteilen, da mir der Abstand fehlt. Vielleicht reizt es auch den ein oder anderen, etwas zu lesen, was andere aus dem Bekanntenkreis garantiert noch nicht gelesen haben. So geht es mir, wenn ich Bücher in die Hand bekomme, die noch gar nicht offiziell erschienen sind. Darin liegt für mich ein besonderer Reiz.
So, jetzt fehlt nur noch, meine Meinung über die Mordfall-Story selbst abzugeben. Dass auch das Allgäu nicht vor schweren Kriminalfällen verschont bleibt, und auch wir *auf dem Land* vor größeren Verbrechen nicht gefeit sind, ist in diesem Buch realistisch dargestellt. Im *wirklichen Leben* hat die Allgäuer Polizei erst vor kurzem einen Mehrfach-Mörder dingfest gemacht. Drogen gibt es hier leider auch. Also hat der Autor ein Thema gewählt, dass nicht ganz abwegig ist. Dass sich die Dinge auch nicht immer einfach gestalten, ist mir zwar klar, aber in *Grünten-Mord* - in dem sich zwei Männer gegenseitig erschießen - wird doch etwas übertrieben. Da mischen so viele Menschen mit, so viele Zufälle und so viel Undurchsichtiges, dass es doch ein wenig realitätsfremd wirkt. Doch wo kämen wir hin, wenn Romane sich stur an die Realität halten würden? Das wäre doch langweilig, oder? Also akzeptiere ich den sehr weit hergeholte *Grünten-Mord* als *dichterische Freiheit* und vergebe dafür drei Sterne.
In diesem Sinne... alles bleibt anders... Eure Dotti
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