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Grüß Gott! Da bin ich wieder! - Karl Marx in der Karikatur / Shunichi Kobo, Rolf Hecker, Hans Hübner (Hrsg.)

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Grüß Gott ! Da bin ich wieder !

5  14.11.2008

Pro:
Er ist nicht tot zu kriegen

Kontra:
nichts

Empfehlenswert: Ja 

straus07

Über sich: Ich habe noch einige interessante UHB , die noch Bewertungen und Kommentare brauchen.

Mitglied seit:10.10.2002

Erfahrungsberichte:553

Vertrauende:115

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 104 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

1989/90 schmetterten die Trompeten von den bundesdeutschen Türmen, der Sozialismus/ Kommunismus ist tot, Trara- Trara.

Marx-, Engels-, Leninstrassen wurden im Osten umbenannt, Denkmäler geschliffen und ihre Werke entsorgt oder in die Keller verbannt.

Eine neue Zeit mit Bananen, Freiheit, Glück und Wohlstand brach über die Menschen herein- man nahm es wenigstens an.
Für viele war es aber nur Arbeitslosigkeit, Vorruhestand und öffentliche Diskriminierung.
Aber was soll es, auch die neue Zeit kann es nicht allen recht machen und übrigens ist jeder seines Glückes Schmied, wie es uns unsere Medien glauben machen wollen.

Obwohl die Linken totgesagt, dominieren sie im Osten in der Wählergunst und im Westen schicken sie sich an, in die Landtage, trotz Kampagnen zur Rettung des Abendlandes, vorzustoßen.

Die Finanzkrise und eine mögliche Rezession rüttelte Erinnerungen wach und auf einmal war Marx wieder da.
Es gibt wieder mehr Leute,die wissen wollen, wie das mit dem Kapital ist und so wurden 2008 schon mehrere Tausend Exemplare "Das Kapital" von Karl Marx und allein im Oktober 2008 mehrere Hunderte verkauft.

Und wenn schon Marx, dann meldet sich auch ein Bischof Marx mit einem Kapital zu Wort- wer es liest wird sicher sachkundig aufgeklärt, wird selig und kommt in den Himmel.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen und so schrieb der britische "Guardian", das die Troika der drei Bolschewiken, Bush, sein Finanzminister und der Chef der Notenbank mit ihren Verstaatlichungen im Bankensektor der USA die USSRA- "die Vereinigten Sozialistischen Staaten der Republik Amerika" installieren zu wollen, Kabarettisten amüsieren sich über deutsche und britische Verstaatlichungsgelüste und die Franzosen wollen sogar Enteignungen in der Industrie.

In einer solchen Atmosphäre kommt natürlich ein Buch "Grüß Gott! Da bin ich wieder" Karl Marx in der Karikatur vom Eulenspiegel Verlag gerade recht.

Das Buch wurde herausgegeben von Rolf Hecker, Hans Hübner und Shunichi Kubo.
Es ist erschienen im Eulenspiegel Verlag, Berlin 2008,
ISBN 978-3-359-01698-4,
225 Seiten zum Preis von 24,90 €

Das Buch enthält rund 600 Karikaturen aus aller Welt zum Wirken von Karl Marx über einen Zeitraum von 150 Jahren.
Sie betreffen seine Hauptwerke, sein Privatleben, seinen Freundes- und Bekanntenkreis.
Sie umfassen
Bilder
Grüß Gott! Da bin ich wieder! - Karl Marx in der Karikatur / Shunichi Kobo, Rolf Hecker, Hans Hübner (Hrsg.) Marx Marx
steht immer noch auf dem Schreibtisch
sein philosophisches und journalistisches Schaffen und widerspiegeln sein politisches Wirken in der internationalen Arbeiterbewegung.

Die Idee für dieses Buch wurde in Japan geboren und bald fand man auch in Berlin den Sammler Hans Hühner, der seine Reichtümer zur Verfügung stellte und schnell fanden sich weitere Sammler mit ihren Schätzen zusammen.
Zum Schluss hatten die Herausgeber dann Mühe, eine richtige Auswahl zu treffen.

Die Herausgeber ließen sich ideologisch nicht einengen, unterschiedliche politische und ideologische Sichten kommen zum Tragen und auch die Handschriften und Techniken sind vielgestaltig.

Interessant auch die Anordnung der Karikaturen in Verbindung mit Äußerungen von Zeitgenossen.

Sicher kann es nicht meine Aufgabe sein, alle 600 Arbeiten zu kommentieren und vorzustellen, einige möchte ich trotzdem erwähnen.

Da wäre erstens das Titelbild " Grüß Gott. Da bin ich wieder". Ein freundlicher alter Mann mit Zylinder, stellt sich freundlich bei "seinen Freunden aus der Bourgeoisie und der Arbeiteraristokratie" wieder ein.
Geschaffen nach einem Motiv von Reiner Schwalme, Eulenspiegel, 1991.

Zweitens finde ich toll das farbige Bild "Abschied" von Borislav Sajtinac aus Jugoslawien, BRD und Frankreich um 1990, der einen listig lächelten Marx mit herausgestreckter Zunge zeigt und das ich bald wieder komme erahnen lässt.

Drittens zeigt das Bild auf Seite 13 von Stefan Siegert " Unser Bilderrätsel für fortgeschrittene Leser" aus Marxistischen Blättern, 1980 das ganze Elend des modernen Marxismus und seiner Anhänger.
Da sammeln sich Spätmarxisten, Frühmarxisten, Neomarxisten und natürlich die wahren Marxisten und alle suchen Karl Marx.

Viertens findet sich eine typische Marx- Rezeption der SPD
auf Seite 31,
NEL SPD und Kapital-Kritik. Ein fetter Arsch als Kapital tituliert zeigt wie dir SPD fest völlig ins A...Loch gekrochen ist und nur noch der Arm mit einem Buch " Kapital-Kritik" heraushält.
Da kann man nur sagen "Glück auf".
Interessant , daneben ein spöttisches Gedicht von Kurt Bartsch unter dem Titel

"Sozialistischer Biedermeier"

Zwischen Wand und Widersprüchen
Machen sie es sich bequem.
Links ein Sofa, rechts ein Sofa
In der Mitte ein Emblem.

Auf der Lippe ein paar Thesen
Teppiche auch auf dem Klo.
Früher häufig Marx gelesen
Aber jetzt auch so schon froh.

Denn das "Kapital" trägt Zinsen:
Eignes Auto, Außen rot.
Einmal in der Woche Linsen,
Dafür Sekt zum Abendbrot.

Und sich noch betroffen fühlen
Von Kritik und Ironie.
Immer eine Schippe ziehen
Doch zur Schippe greifen nie.

Immer glauben, nur nicht denken
Und das Mäntelchen im Wind.
Wozu noch den Kopf verrenken
Wenn wir für den Frieden sind ?

Brüder seht die rote Fahne
Hängt bei uns zur Kirche raus.
Außen Sonne, innen Sahne
Nun sieht Marx wie Moritz aus.

Das stammt aus " Zurück Genossen, es geht vorwärts!: Satiren, Songs, Sarkasmen- uns Sozis ins Stammbuch, hrsg. Von Volker Kühn, Hamburg, Zürich: Rasch und Röhring, 1986, S.91 - hier im Buch auf Seite 31.
Erstaunlich, der Autor muss sich auch in der DDR und anderen sozialistischen Staaten gut ausgekannt haben ?

Fünftens, Seite 51, hatten es die Marxpropagandisten in der DDR im "Zirkel Junger Sozialisten" nicht leicht die Jugend zu fesseln.
Der Referent ist so langweilig, dass die Jugendfreunde im tiefen Schlaf verweilen und sogar Marx auf dem Bild an der Wand gänen muss
Hier war sicher auch der Funktionär für Agitation und Propaganda Angela Merkel als Verantwortliche für den Zirkel in ihrer Grundeinheit der FDJ verzweifelt.
Wie alle anderen auch ,hat sie sicher in den Monatsbericht geschrieben "... das Thema fand reges Interesse bei den Jugendlichen und löste eine offene und freimütige Diskussion aus...und motivierte zu hohen Leistungen in Wissenschaft und Fortschung zur Stärkung der DDR an unserem Institut"

Sechstens hat man bis heute nichts gelernt, klappte es schon vor über 100 Jahren nicht die sozialen Verhältnisse in Deutschland zu reformieren.
Fischfang in der sozialen Bucht, die von Marx und Bismarck begrenzt wird in Farbe... "Lieber Hitze, Sonnemann und Richter: Wees der Deibel, wenn man in der sozialen Bucht wat fangen will, ist man lackirt" Im Text heißt es: Spottbild auf die Bemühungen von Ernst Lieber, Vorsitzender des Zentrums, Franz Hitze, "Vater" der katholischen Arbeitervereine. Leopold Sonnemann von der Deutschen Volkspartei und Eugen Richter, freisinnige Volkspartei, Der wahre Jakob, Stuttgart 1896.

Siebentens, Seite 71, zeigt in einer schwarz-weiß Zeichnung von Saul Raskin, der moderne Erlöser, Marx (Moses) auf den Berg stehend, der das jüdische Proletariat in den sicheren Hafen USA führt.

Achtens, Seite 113 zeigt 2 Fotomontagen, oben Lew J. Kerbel Karl-Marx-Denkmal in Karl Marx Stadt UdSSR 1971,darunter Karl-Heinz Richter, Wolfgang Thieme Geschlechtsumwandlung gelungen, Deutschland 2000 ( eine Damenbüste mit prallen Wangen, aufgeblasenen Busen und typischer Frisur.
Das wäre was, endlich ist man diesen Nischel in Chemnitz los. Ob die Dame, die ich ohne Brille nicht deuten möchte, das gut findet, wage ich zu bezweifeln, aber verdient hätte sie es sich schon.

Neuntens, S. 106, ohne Titel von Fritz Behrendt zeigt eine Zeichnung aus der BRD 1991 aus einem Material der Bundeszentrale für politische Bildung, Karl Marx auf den Trümmerhaufen DDR sitzend, dahinter Galgen, Stacheldraht und Trümmer von Kronstadt, Katyn, Berlin 1953, Gulag, Ungarn 1956, Prag 1968 Afghanistan und Polen. Ohne Kommentar.

Zehntens, S.125, zeigt die SPD bei der Marxschen Beerdigung mit Godesberg und den aus dem Grab wiederauferstandenen Geist Karl Marx im Hintergrund auf eine Lithografie von Leo Haas, CSR/DDR mit dem Titel " Mein wievieltes Begräbnis ist das eigentlich?"

Mit diesem immer aktuellen Bezug will ich es bewenden lassen, schauen sie selbst nach, es lohnt sich.

Übrigens haben alle abendländischen deutschen Zeitungen auf das Buch reagiert und ihren Senf dazu abgegeben.


Die Herausgeber :

Prof. Dr. Rolf Hecker ist Redakteur der MEGA- Edition und Vorsitzender des Berliner Vereins zur Förderung der MEGA-Edition e.V.

Hans Hübner ist Rentner und ehemaliger Bibliothekar aus Berlin. Er ist leidenschaftlicher Sammler zu gesellschaftspolitischem Thema, u.a. Karl Marx in der Kunst, Helen Ernst. (siehe auch meinen Bericht über sein Buch überHelen Ernst)

Shunichi Kubo, Universität Tokio, ist der Herausgeber der MEGA-Edition

Zusammenfassend eine Wertung aus dem Internet, der ich mich voll anschließe:

"...Eine Flut von Marx-Karikaturen ist im letztverflossenen Vierteljahrhundert über uns gekommen. Manches Platte, Propagandistische, Peinliche. Vor allem aber Gewitztes bis Witziges, Heiteres und Hintersinniges. Kaum Verächtlichmachendes, Verdammendes. Die kritischen Karikaturisten brechen Marx nicht die Knochen. Sie drehen ihn auch nicht durch den satirischen Fleischwolf. In den Karikaturen taucht Marx selten als missverstandener Weltgeist, sondern als missbrauchter oder miesgemachter Weltverbesserer auf. Nicht Karl Marx ist die Kalamität. Die Kalamität, so die Karikaturisten, sind die unkundigen Marx-Verächter. Sie liefern den Stoff, um den Mann aufs Korn zu nehmen. Das war so schon 1843, der Zeit, aus der die erste der abgedruckten Karikaturen stammt. Das ist auch in der unmittelbaren Gegenwart nicht anders..."

Ich habe das Buch mit Interesse und Genuss gelesen und die Bilder auf mich wirken lassen, gelacht und geschmunzelt und manches auch mit verbissenem Gesicht konsumiert.
Trotz allem, ich kann es nur empfehlen.
Es kommt der auf seine Kosten der Marx als Weltverbesser und Messias der Unterdrückten sieht, aber auch der, welcher den "Alten" als Ausgeburt des Teufels versteht.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
quacky4321

quacky4321

29.04.2013 18:20

das mit dem Umbenennen der Straßen finde ich echt bescheiden,denn unsere Vergangenheit bleibt doch trotzdem unsere Vergangenheit ,Oder??? LG

Hedwig_2010

Hedwig_2010

30.03.2012 19:28

Wäre jetzt nicht so meine Leserichtung

KruegerChristine

KruegerChristine

18.01.2009 12:36

Der Eulenspiegel Verlag! ... da sollte ich vielleicht mal stöbern ? Toller Bericht, BH und LG Günter

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