Gruselkabinett 82: Der Zombie - Henry S. Whitehead

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Gruselkabinett 82: Der Zombie - Henry S. Whitehead

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Erfahrungsbericht über "Gruselkabinett 82: Der Zombie - Henry S. Whitehead"

veröffentlicht 05.12.2013 | mima17
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Über sich :
Nur noch 25 Titel in der Kategorie Hörspiel - Kahlschlag! +++ Bericht Nr. 4913 online : "Superluminal" (Buch). +++ LG
Ausgezeichnet
Pro spannend, viel Action, professionell inszeniert, großartige Sprecher
Kontra keine Autoreninfos, keine Angaben zum Übersetzer und zum Komponisten
besonders hilfreich
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
Häufigkeit der Nutzung
Dieser Tonträger ist:

"Action satt: Blutsaugende Bestien in der Karibikidylle"

Gruselkabinett 82: Der Zombie - Henry S. Whitehead

Gruselkabinett 82: Der Zombie - Henry S. Whitehead

Mitte der 1930er Jahre: Mr. Granville Lee, ein Gentleman aus Virginia, USA, ist gezwungen, sich eines Lungenleidens wegen im würzig-milden Klima der Kleinen Antillen aufzuhalten. Auf der karibischen Insel Saint Thomas gerät er schon bald mit dem gefährlichen Voodoo-Kult der dortigen Eingeborenen in Berührung... (Verlagsinfo)

Der Autor
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Henry S. Whitehead (1882-1932) war Erzdiakon auf den Virgin Islands, deren Kultur und Bevölkerung er genau beschrieb. Er gehörte zum engeren Zirkel um H.P. Lovecraft und veröffentlichte mehrere unheimliche Erzählungen, nicht nur über die Karibik und Voodoo, sondern auch über griechische Anbeter des Gottes Pan (vgl. auch Arthur Machen). Das vorliegende Hörspiel basiert auf den Erzählungen "Jumbee", die 1926 erschien, und "Cassius".

Die Sprecher/Die Inszenierung
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Die Sprecher und ihre Rollen:

Gerd Holtenau: Granville Lee
Mogens von Gadow: Jaffray da Silva
Peter Lontzek: Stephen Penn
Fabian Oscar Wien: Brutus Hellmann
Axel Lutter: Arthur Carswell
Jürgen Thormann: Dr. Pelletier
Eckart Dux: Hilmar Iversen
Dirk Petrick: Iversens Hausbursche
Julia Stoepel/Stephan Bosenius/Dagmar von Kurmin: Hänge-Zombies (in da Silvas Erzählung)
Marc Gruppe: Cassius
Dagmar von Kurmin: Schihn

Marc Gruppe schrieb wie stets das Buch und gemeinsam mit Stephan Bosenius setzte er es um. Die Aufnahme fand bei Titania Medien Studio und in den Planet Earth Studios statt. Die detailreiche Illustration stammt von Ertugrul Edirne.

Hörprobe: http://www.titania-medien.de/audio/hoerspiele/ (ohne Gewähr)


Handlung
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Der amerikanische Veteran Granville Lee lebt schon seit Jahren auf der Karibikinsel St. Thomas. Er wurde als Soldat im Ersten Weltkrieg ein Opfer von Senfgas, nun kuriert er sich in der guten Luft und dem angenehmen Klima aus. Mitte der dreißiger Jahre besucht ihn sein Freund Jaffrey da Silva, der schon 50 Jahre hier lebt und die Kultur der Einheimischen noch besser kennt als Lee.

Eines Tages sitzen sie gemütlich beim Tee zusammen, den ihnen Lees Diener Stephen Penn serviert. Da fragt Lee seinen Gast, was er über Zombies wisse. Stephen lässt vor Schreck das Tablett fallen und entschuldigt sich. Da Silva sagt, er glaube an Zombies und gibt als Begründung eine unheimliche Geschichte zum Besten: Darin stirbt ein dänischer Einwanderer namens Iversen. Noch bevor da Silva die Todesnachricht überbracht wird, erscheint Iversens Zombie bei ihm…

Nun ist Lee an der Reihe, etwas über Zombies zu erzählen. Er hat einen zweiten Diener namens Brutus Hellmann, den ihm Stephen und ein Freund empfohlen haben. Er stellte Brutus ein, der sich recht anstellig zeigte. Er ist in einer Hütte auf dem Hof Lees untergebracht, wohingegen Stephen in der Stadt wohnt. Alles ging gut, bis die Heimsuchung begann…

Brutus wurde auf Lees Vermittlung hin im Marinespital von einer Wucherung an der Brust operativ befreit. Danach ruht er im Spital aus. In dieser Zeit entdeckt Lee im Gebüsch an Brutus‘ Hütte eine Art Puppenhaus in der Form eines Bienenkorb. Es hat einen kleinen Bewohner. Dieser zwickt Lee in den Finger, doch es fließt kein Blut.

Kaum ist Brutus aus dem Spital entlassen und wieder in seine Hütte eingezogen, vernimmt Lee eines Abends Schreie, die von dort kommen. Er eilt mit seinem Gast Dr. Arthur Carswell zur Hütte. Dort liegt Brutus in seinem Blut, das aus einer tiefen Bisswunde fließt. Carswell ist Arzt und versteht es, die Wunde zu behandeln. Doch Lee macht Jagd auf die Bestie, die seinen Diener gebissen hat. Sie ist nur groß wie ein Frosch – und entkommt in Windeseile. Doch warum dringt sie immer wieder in die Hütte von Brutus ein, aber nirgendwo sonst?

Der Exsoldat Lee ist ein Mann der Waffen. Er gibt Brutus eine Pistole, um sich zur Wehr setzen zu könne. Doch die Wirkung ist alles andere als die, die er erwartet hat…

Mein Eindruck
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Es gibt nicht allzu viele gute Geschichten über Zombies. Die meisten kranken an Detailkenntnis und bauschen das Phänomen durch die Verquickung mit Voodoo-Zauber auf (den es bis heute gibt). Der Autor Whitehead tut das zum Glück, dafür erstaunt er mit unterschiedlichen Varianten von Erscheinungen und Wiedergängern - seine Zombies sind anders: Sie können sich verwandeln. So eine Geschichte ist jene, die da Silva erzählt.

Die Erzählung Lees ist weitaus interessanter. Sie schildert eine wiederkehrende, unabwendbar erscheinende Bedrohung von Brutus Hellmanns Leben. Da Lee den Diener eingestellt hat, fühlt er sich für ihn verantwortlich. Er ergreift Maßnahmen, um Brutus' Leben zu bewahren und den schier unsichtbaren Feind abzuwehren und zu stoppen. Das erweist sich als schwieriger als erwartet.

Es gibt eine psychologische und eine übernatürliche Erklärung für die Zudringlichkeit der Bestie. Diese aber zu erörtern, würde aber bedeuten, die Pointe zu verraten, und das möchte ich hier auf keinen Fall tun. Es soll genügen zu sagen, dass die übernatürliche Erklärung durchaus einen Sinn ergibt: Es ist eine Geschichte über ein sehr sonderbares Zwillingspaar. Der Zombie - das ist der unheimliche Andere, aber ein Teil des Ichs. Als die Sprache auf Brutus' Eltern kommt, wird klar, dass auch die Vermischung der Weißen mit den farbigen Einheimischen gemeint ist.

Auf jeden Fall ist für jede Menge Action und Dramatik gesorgt. Das einzige Manko: Es kommt in dieser Erzählung keine Frau vor. Um diesen Mangel auszugleichen, hat der Dramaturg Marc Gruppe die Geschichte um Hilmar Iversen eingefügt - sie macht zudem Appetit auf das, was noch kommen soll.

Die Sprecher/Die Inszenierung
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Die Sprecher

Granville Lee ist in einem fortgeschrittenen Alter, daher umgibt er sich mit Freunden, die in ebenso hohem Alter sind. Damit aber nicht der Eindruck eines Altherrenklubs entsteht, treten die beiden Diener Stephen und Brutus auf, die so um die 20 Jahre alt sein dürften.

Beeindruckend ist das finale Auftreten von Dr. Pelletier, den der Synchronsprecher Jürgen Thorman darstellt. Es ist ein raffinierter Schachzug, dass Pelletier die meiste Zeit abwesend ist und nur am Rande erwähnt wird. Kein Wunder, denn er liefert die Lösung des Rätsels. Und die darf keinesfalls zu früh preisgegeben werden.

Das weibliche Personal beschränkt sich auf eine sogenannte "Schihn", was vielleicht eine Verballhornung von "Jean" oder "Jeanne" auf St. Thomas, einer der amerikanischen Jungferninseln, ist. Dagmar von Kurmin ist kaum als diese Figur zu erkennen. Auch Julia Stoepel hat als "Hänge-Zombie" herzlich wenig Dialog beizusteuern.

Geräusche

Die Geräusche sind in etwa die gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Szenen dicht und realistisch aufgebaut, meist aber reichen Andeutungen aus. Dass die Geschichte in den Tropen spielt, deutet bereits die Geräuschkulisse der ersten Szene an: Zikaden schrillen, und Vögel rufen aus den rauschenden Bäumen. Dagegen nimmt sich das Klappern von Teetassen und Sherrygläsern doch recht unpassend aus: Die Zivilisation ist in die Wildnis eingedrungen. Auch das ist ein durchgehendes Thema in der Geschichte, weil Brutus' Zwilling seine dunkle, ursprüngliche Natur verkörpert.

Dass die Geschichte in den 1930er Jahren spielt, merkt man an der Wählscheibe, die Lees Telefon aufweist - ein echtes Retro-Tech-Geräusch. Auch das durchdringende Klingeln des Telefons dürfte heute weitgehend der Vergangenheit angehören. Die überige Geräuschkulisse wird von denen der Action bestritten: Schüsse, Schreie, Fauchen, Knurren und dergleichen.

Musik

Die untermalende Musik, die unterschwellig die Emotionen des Hörers steuert, wechselt zwischen unheimlichen Harmonien und Rhythmen sowie ätherisch schwebenden Klängen. Meist hält sie sich sehr im Hintergrund, so etwa als sehr tiefer Bass, der Unheil ankündigt oder Gefahr signalisiert. Nur einmal spielt sie einen flotten Rhythmus im Vordergrund, um ein Intermezzo zu bestreiten, das das Verstreichen von Wochen andeutet.

In allen Actionszenen fehlt die Musik fast völlig, um ja nicht den Dialog zu überdecken. Im Ausklang des Finale hören wir beruhigende Musik, während des Epilogs heiter gestimmte Harmonien, vor tropischen Geräuschen: Die Geschichte ist nach zwei großen Rückblenden wieder an ihrem Ausgangspunkt angelangt. Jaffray da Silva macht eine resümierende Bemerkung.

Das Booklet

… enthält im Innenteil lediglich Werbung für das Programm von Titania Medien. Auf der letzten Seite finden sich die Informationen, die ich oben aufgeführt habe, also über die Sprecher und die Macher. Die Titelillustration von Ertugrul Edirne fand ich diesmal weniger passend, denn es bezieht sich auf da Silvas Anekdote und nicht auf die große Erzählung Lees, die drei Viertel des Hörspiels bestreitet.

Im Booklet sind Hinweise auf die nächsten Hörspiele zu finden:

Nr. 83: Allen Upward: Heimgesucht

Ab März 2014:
Nr. 84: John Willard: Die Katze und der Kanarienvogel Teil 1 (nach dem Theaterstück)
Nr. 85: dito: Die Katze und der Kanarienvogel Teil 2
Nr. 86: Robert E. Howard: Die Kreatur
Nr. 87: H.H. Ewers: Alraune
Nr. 88: William Wymark Jacobs: Die Affenpfote (1902)
Nr. 89: Per McGraup: Heimgekehrt

Unterm Strich
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Dieses Hörspiel setzt uns nicht landläufige US-Version des Zombies als blutdürstigem, aber hirntotem Wiedergänger vor. Vielmehr korrigieren die beiden Geschichten, die die beiden alten Gentlemen hier zum Besten geben, diesen Irrglauben und hält sich abseits von jedem Wischiwaschi-Voodoo-Zauber. Da tauchen engelartige Wesen ebenso auf wie Gestaltwandler. Den Höhepunkt bestreitet eine Kreatur, die noch einmal Menschenähnlich ist, aber zum Erstaunen der Medizin die gleich Blutzusammensetzung aufweist wie ihr Opfer, der arme Brutus Hellmann. Die Lösung dieses Rätsels wird durch clevere Dramaturgie bis zum Finale hinausgezögert.

Dieses Hörspiel bietet ordentlich Gruselstoff, der aber in Action integriert ist. Schreie und Schüsse, Fauchen und Knurren, das ist nicht jedermanns Sache. Auch hier zeigt sich das neumodische "gender marketing": Diese 82. Folge ist eher für ein männliches Publikum gedacht, während Folge 83 ("Heimgesucht") sich mit seiner Einfühlsamkeit eher an ein weibliches Publikum wendet. Das schließt natürlich nicht aus, dass Männer Gefallen an verwesenden Gespenstern finden und Frauen auf blutsaugende Bestien abfahren.

Das Hörbuch

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und bekannte Stimmen von Synchronsprechern und Theaterschauspielern einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Auch jungen Menschen, die sich einfach nur für gruselige Audiokost interessieren, die gut gemacht ist, lässt sich das Hörspiel empfehlen. Es ist leicht verständlich, wirkungsvoll inszeniert, und die Stimmen der Hollywoodstars vermitteln das richtige Kino-Feeling. Für Sammler ist die Reihe inzwischen ein Leckerbissen.

Fazit: volle Punktzahl.

Michael Matzer © 2013ff

Info: nach den Erzählungen "Jumbee" (1926) und "Cassius"; Titania Medien 11/2013, Hilden; 1 CDs, 78 Minuten, EU 8,95, ohne Übersetzerangabe; ISBN 978-3-7857-4907-4.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • pyragoon veröffentlicht 14.12.2013
    wäsche :-)))
  • XXLALF58 veröffentlicht 12.12.2013
    bh
  • Spohler veröffentlicht 12.12.2013
    BH, schade, das Autorenangaben usw. fehlen
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Produktdaten : Gruselkabinett 82: Der Zombie - Henry S. Whitehead

Produktbeschreibung des Herstellers

Haupteigenschaften

Genre: Kinder- & Jugendprogramm

Atomic Keyword: HÖRSPIEL

EAN: 9783785749074

Medium: CD

Atomic Veröffentlichungsdatum Jahr: 2013

Label: Titania Me

Ciao

Auf Ciao gelistet seit: 04/12/2013