Über sich:Ich gehe sehr gerne ins Kino (waschechter Cineast sozusagen), daher werdet ihr viele Filmkritiken vo...
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Ein zentrales Glaubensbekenntnis unserer Tage lautet: "Ich kaufe, also bin ich". Vor allem in den USA leben zahlreiche TV-Shopping-Kanäle von diesem Volkssport Nummer eins. Beim "Good Buy Shopping Network" im sonnigen Miami hängt jedoch der Haussegen schief: Zuwenig Zuschauer bestellen den angepriesenen vollelektronischen Gesichtshautstraffer für schlappe 99,99 Dollar oder ordern das stimulierende Erotik-Duftwasser für Senioren.
Der Sessel des umtriebigen Programm-Chefs Ricky Hayman (Jeff Goldblum) wackelt gewaltig. Quasi als Warnschuß wird ihm die Marketing-Expertin Kate Newell (Kelly Preston) vor die Nase gesetzt, um die Umsätze zu steigern.
Der Blick hinter die Kulissen des hohlen Teleshopping-Betriebes und Jeff Goldblums ölig-schmierige Figur des TV-Machers unter Quotendruck bilden den witzigen Hintergrund für den skurrilen Auftritt Eddie Murphys. Der nämlich marschiert als glatzköpfiger, weißgewandeter guter Mensch von Miami über Floridas Highways direkt ins Leben von Rick und Kate und hat schließlich im Studio seinen großen Auftritt.
Seine Botschaft an die Menschheit ist ebenso sanft wie schlicht: "Liebt mehr, konsumiert weniger".
Das Paradoxe geschieht: Als sei der knuddelige Prediger mit den Dackelaugen im Preis inbegriffen, ordern die Zuschauer plötzlich wie wild, Ricks Sender kommt aus den roten Zahlen, und Guru "G" steigt zur Berühmtheit auf.
Das alles ist nett anzuschauen und recht unterhaltsam. Doch statt durchzustarten zur bissigen Medien- und Konsum-Satire, die sich am Anfang abzeichnet, knickt Stephen Hereks ("Critters", "101 Dalmatiner") Film auf halber Strecke ein. Die Läuterung des Karrieristen Rick zum liebenswerten Menschen inklusive Liebesglück verläuft mit den bekannten komödientypischen Verwicklungen. Die New-Age-Predigten über Liebe, Sonnenschein und die Kraft innerer Werte bleiben allzu kompatibel mit dem "american way of life".
Ein leichtes, heiteres Sommerkomödchen also, in dem Jeff Goldblum brilliert und Eddie Murphy nach seinen Erfolgen "Der verrückte Professor" (1996), "Metro" (1997) und "Dr. Doolittle" (1998) eher leise Töne anschlägt - so leise, daß der Film in den USA an den Kinokassen unterging.
20.11.2000 00:19
superausführliche Filmbesprechung. Klasse. Gruß, Rainer_