*~.*~. Liebe & Vergessen .~*.~*
01.11.2011
Pro:
viele Infos, einfühlsam geschrieben und dennoch auf dem Punkt gebracht
Kontra:
unrealistisch
Empfehlenswert:
Ja
 michelle975
Über sich:
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Hallo, liebe Leser..!! Heute schreibe ich einen Bericht über ein Buch, welches ich vor ca. zwei Wochen fast in einem Rutsch durchgelesen habe. Es handelt sich dabei um "Gute Nacht, Liebster - von Katrin Hummel. Kaufgrund --------------------- Bei Cosmay hatte ich einen Bericht über dieses Buch gelesen, so dass mein Interesse geweckt wurde. Da wir vor einigen Jahren selber einen Fall von Demenz in der Familie hatten und ich mich aus diesem Grunde schon häufiger mit dem Thema befasst habe, wollte ich dieses Buch sehr gerne lesen. Die Autorin ---------------------- Katrin Hummel, geboren 1968 in Ulm, studierte in Straßburg und Freiburg i.Br. die Fächer Französisch, Geographie und Englisch. Sie besuchte die Berliner Journalistenschule und arbeitet seit mehreren Jahren als Redakteurin bei der FAZ. Katrin Hummel ist verheiratet und hat zwei Kinder. (Quelle:amazon.de) Daten zum Buch ------------------------------
- Taschenbuch: 288 Seiten
- Verlag: Bastei Lübbe (Bastei Verlag); Auflage: 5 (12. April 2011)
- Sprache: Deutsch
- ISBN-10: 3404616464
- Preis: 9,99 Euro
Die Story ------------------Hilda und Hans sind seit dreißig Jahren verheiratet. Doch langsam beginnt Hans sich zu verändern. Zuerst wundert sich Hilda über ihn, findet sein Verhalten manchmal unverschämt. Als ein Neurologe ihn dann fragt: "Wie heißen ihre Töchter?", weiß Hans die Antwort nicht. Die erschreckende Diagnose: Demenz. Schon bald kann er seiner Frau Hilda kein Partner mehr sein und wird zum Schwerstpflegefall. Obwohl die Belastung fast unmenschlich erscheint, entscheidet Hilda, dass sie sich zu Hause um ihren Mann kümmern wird. In diesem sehr persönlichen Buch spricht sie über ihren Alltag, ihre Ängste und ihre intimsten Gedanken. Ihr Bericht ist ein bewegendes Plädoyer für die Liebe. (Beschreibung auf der Rückseite) Meine Meinung --------------------------- Wie oben bereits erwähnt, habe ich mir dieses Buch gekauft, da wir selber vor einigen Jahren einen Fall von Demenz in der Familie hatten und ich aus diesem Grunde sehr interessiert an der Geschichte war. Es handelt sich laut der Autorin um einen Tatsachenbericht in Romanform, in dem lediglich die Namen der betreffenden Personen geändert wurden.Am Anfang der Geschichte geht es um das Kennenlernen von Hans und Hilda, sowie um die erste Zeit ihrer Ehe und um ihre Beziehung im Allgemeinen. Man könnte sagen, dass die Beiden ein glückliches Paar sind. Sie teilen ihre Ängste und Sorgen und verbringen viel Zeit miteinander. Die Autorin kommt danach ziemlich schnell zum eigentlichen Thema, denn bereits nach dieser kurzen Einführung in das Leben von Hans und Hilda treten die ersten Anzeichen der Krankheit auf, die man allerdings nicht zwingend auf Demenz zurückführen kann. Hans vergisst Termine, wird aggressiv, obwohl kein Anlass dazu besteht, redet plötzlich nicht mehr mit Hilda über seine Sorgen und zeigt kein Interesse mehr an Dingen, die ihm früher spaß gemacht haben. Hilda ist verzweifelt und erkennt ihren Mann nicht mehr wieder. Sie denkt, ihre Beziehung geht in die Brüche und ist einfach nur unglücklich und traurig, da sie nicht versteht, was mit Hans los ist. Diese Situation, die Verzweiflung und die Hoffnungslosigkeit, die Hilda empfindet wird von der Autorin sehr anschaulich beschrieben und ich konnte mich als Leser sehr gut in die Situation von Hilda einfühlen...Die Krenkheit schreitet recht schnell voran, obwohl Hilda und die Familie immer noch keine Diagnose haben, da es sich in diesem Fall um eine besondere Form von Demenz handelt. Erst als es bereits soweit ist, dass Hans die Namen seiner Kinder nicht mehr weiss, steht die Diagnose und Hilda weiss trotz dieser schrecklichen Nachricht endlich, was auf sie zukommt und worunter Hans leidet. Es steht fest, dass es keine Verbesserung mehr geben wird, die Krankheit voranschreiten wird und Hans sich immer weiter zurückentwickelt. Hilda möchte ihn jedoch um keinen Preis in ein Pflegeheim geben, sondern sich zu Hause um ihn kümmern. Im Text wird immer wieder erklärt, um was für eine Krankheit es sich eigentlich handelt, wie sie sich entwickelt, wo man Hilfe bekommen kann und wie man Symptome etc. deuten kann. Das Alles ist aber in den laufenden Text eingebunden, so dass ich mich zu keinem Zeitpunkt belehrt oder mit Informationen bombardiert gefühlt habe, sondern einfach nur nützliche Infos aus der Handlung der Geschichte ziehen konnte, was mir sehr gut gefiel. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch sehr beeindruckend fand, war die Stärke von Hilda und die Geduld, die sie im Umgang mit Hans zeigte. Hilda hat Hans bis zum Ende aufopfernd gepflegt. Sie hat sich um ihn gekümmert, ist äußerst selten ungeduldig geworden und hat sich schon bei dem kleinsten negativen Gedanken Vorwürfe gemacht. Im Endeffekt fand ich das sehr unrealistisch, denn auch wenn man Hilfe von außen hat, so wie Hilda, die später auch Pflegepersonal im Haus hatte, kostet so eine Situation ungemein viel Kraft. Hilda hat in der ersten Zeit allerdings auch noch ihre Mutter zusätzlich zu Hause gepflegt, die bettlägerig und auf Hilfe angewiesen war und außerdem noch als Lehrerin gearbeitet. Entweder ist diese Frau also unnatürlich stark belastbar oder aber das Ganze ist absolut übertrieben. Wir hatten ebenfalls einen Fall von Demenz in der Familie, wie ich oben bereits erwähnt habe. Meiner Meinung nach kann man das nicht mal eben so meistern, ohne durchzudrehen oder vor Erschöpfung zusammen zu brechen. Wir waren damals zu Viert und haben uns um meinen Großvater gekümmert und wir waren zeitweise alle fertig mit der Welt, so dass es mir absolut unbegreiflich ist, wie Hilda das schafft nebenher noch einen zweiten Menschen zu pflegen und auch noch zu arbeiten. Es wird zwar auch hin und wieder darüber berichtet, wie fertig sie ist und dass sie kurz vor dem Zusammenbruch steht, aber wenn ich dann wieder lese, dass sie Hans zum Beispiel bis zum Ende noch alleine geduscht und ihn in den Rollstuhl gesetzt hat, dann frage ich mich wirklich, wie sie das alleine schon körperlich geschafft hat.... Kurz bevor Hans stirbt, verlernt er das Essen. Er kann nicht mehr schlucken und trinkt kaum noch etwas. Hier ist Hilda hin und hergerissen, denn sie würde Hans gerne eine Sonde legen lassen, weiss aber, dass er soetwas niemals gewollt hätte. Sie weiss, dass er auf diese Art verdursten wird und das kann sie kaum ertragen, entschließt sich aber am Ende doch gegen eine Magensonde, weil sie das Leid von Hans nicht künstlich verlängern möchte und seine Entscheidung respektiert. Sowieso ist Hilda die gesamte Zeit über damit beschäftigt, die Würde von Hans aufrecht zu erhalten. Sie achtet darauf, dass er gut angezogen und gepflegt ist und redet auch ungerne vor Hans über seine Krankheit, weil sie ihn nicht demütigen möchte. Das Alles ist sehr bewundernswert aber, wie ich eben schon mehrmals schreib auch irgendwie unrealistisch. Jemand, der in so einer Situation die Geduld nicht verliert und so handelt wie Hilda, der muss wirklich ein ganz besonderer Mensch sein. So besonders, dass es über meine Vorstellungskraft geht. Einen Demenzkranken im Endstadium noch jeden Tag zu duschen und das zum größten Teil alleine zu bewältigen... Respekt. Wir haben das damals einmal in der Woche gemacht und waren am Ende alle fix und fertig. Hilda ist einige Male in der Situation, dass sie Hans nicht mehr alleine aufheben kann und Hilfe benötigt. Hier ist immer sofort eine Nachbarin zur Stelle und hilft ihr. Auch das fand ich bemerkenswert und teilweise unrealistisch. Es wird zwar auch beschrieben, dass sich sogenannte Freunde zurückgezogen haben und mit der Situation nicht umgehen können aber im Großen und Ganzen hat Hilda die Unterstützung ihrer Familie und Freunde.Interessant fand ich auch, dass Hilda Hans am Ende der Krankheit, als er bettlägerig ist und nicht mehr alleine aufstehen kann, einfach mal über mehrere Stunden alleine zu Hause lässt. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, dass damals als wir den Fall von Demenz in der Familie hatten, immer jemand zu Hause sein musste. Auch ganz am Ende konnten wir meinen Großvater keine Minute alleine lassen, da immer etwas passieren konnte. Er konnte sich verschlucken, aus dem Bett fallen oder sich irgendwie verletzen. Wenn die Situation tatsächlich so war, wie sie in diesem Buch beschrieben wird, ist es trotz der schlimmen Krankheit und dem Leid von Hans und Hilda ein Bilderbuchfall von Demenz. Es gibt sehr viele Menschen, die keinen Partner an ihrer Seite haben, der sich so liebevoll um einen kümmert, auch wenn er ein Schwerst-Pflegefall wird. Dazu kommt noch, dass Hilda das aufopfernd tut und Hans bis zum Ende liebt und besorgt um ihn ist. Es ist immer wieder die Rede davon, dass Hilda Hans ja auch in ein Heim geben könnte. Leider wird hier nicht über die Kosten eines Heimplatzes geschrieben, was ich im Nachhinein ebenfalls unrealistisch fand. Man kann jemanden nicht einfach so ein ein Heim geben. Das ist teuer. Sogar bei Pflegestufe 3!Ganz am Ende des Buches findet man nochmal ganz genaue sachliche Informationen zur Demenz. Es geht um Symptome, Umgang mit Demenzpatienten, Diagnosen und auch darum, wo man Hilfe und Informationen zur Krankheit bekommt. Auch eine Adresse und Telefonnummer ist dort zu finden, unter der man sich beraten und Infomaterial anfordern kann. Außerdem wird auf weiterführende Literatur zum Thema hingewiesen, was ich ebenfalls sehr gut finde. Abschließend möchte ich noch hinzufügen, dass die Farbe des Buches und auch das Titelbild absolut passend zur Thematik ist: grau und trostlos... Fazit --------------Die Geschichte ist einfühlsam, tragisch und dennoch neutral und informativ geschrieben. Ich fand das Buch sehr interessant, spannend, durchaus lesenswert und konnte mich sehr gut in Hilda einfühlen. Man wird gut über die Krankheit und deren Verlauf informiert, ohne dass man das Gefühl hat, ein Sachbuch zum Thema zu lesen. Je länger ich mir allerdings im Nachhinein Gedanken über die Geschichte gemacht habe, desto unrealistischer fand ich sie. Auch wenn die Krankheit und die hier beschriebenen Ereignisse tragisch sind, handelt es sich meiner Meinung nach um einen Bilderbuchfall von Demenz, denn man muss als Patient schon wirkliches Glück haben, so aufopfernd, selbstlos und vorallem auch so liebevoll und geduldig umsorgt zu werden. Auch wenn mir die Handlung insgesamt eher etwas unrealistisch und zu schön um wahr zu sein erscheint, kann ich das Buch mit vier von fünf Sternchen weiterempfehlen. Es vermittelt viele Informationen zum Krankheitsbild und zum Verlauf der Demenz-Krankheit. Viele Grüße, michelle975:o)
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