Haltung von Nage- & Kleintieren - Tipps & Tricks

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Mümmelmänner-ABC für Neulinge und alte Hasen :-)

5  29.09.2006

Pro:
wenig Aufwand, geringe Kosten

Kontra:
-

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

SchmittsKatze

Über sich:

Mitglied seit:11.06.2005

Erfahrungsberichte:40

Vertrauende:4

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Ich selbst habe 2 Kaninchen und 2 Hunde. Mit diesem Bericht will ich keineswegs als Gscheidhaferl dastehen, aber vielleicht hilft er Leuten, die überlegen, ob sie sich ein Kaninchen anschaffen. Für die, die schon Kaninchen haben, wird das alles nichts Neues sein.

Allgemeines zur Kaninchenhaltung:

Die Hauskaninchen stammen alle von den Wildkaninchen ab und zeigen entsprechend im Wesentlichen das gleiche Verhalten. Sie sind Gruppentiere und sehr aktiv. Deshalb brauchen sie ausreichend Raum für arttypischen Streckbewegungen und Fotbewegungsweisen, z.B. Hoppeln, Rennen, Sprünge... Daher ist in den Ställen auf eine ausreichende Raumhöhe zu achten, damit die Tiere auch Männchen machen können. Des weiteren sollten die Räume strukturiert sein in verschiedene Funktionsbereiche, das heißt in Ruhe-, Freß- und Rückzugsbereich. Die Nahrung sollte abwechslungsreich rein, Beschäftigungsobjekte (vor allem zum Nagen) erfreuen jedes Kaninchen. Artgenossen sind sehr wichtig. Legt man Wert auf Nachwuchs, braucht die Zibbe natürlich ein Nest, das das Nestbauverhalten (Eintragen von Nestmaterial, Auspolstern des Nestes mit Haaren, Verschliessen des Nestes) sowie das einmalige tägliche Säugen zulässt.

Futtereinrichtungen:

Stabiles, schweres Futtergeschirr, damit es nicht rumgeschleppt wird
Das Futter muß trocken und sauber bleiben, deshalb darauf achten, daß es nicht mit dem Trinkwasser in Berührung kommt.
Flaschentränken müssen gut befestigt werden und dürfen nicht tropfen.
Das Heu in einer Raufe an der Stallwand befestigen. Nicht feucht werden lassen.

Im Handel gibt es tausend und noch ein Modell an Kaninchenställen und -käfigen in unterschiedlichen Größen und Farben. Die Farbe ist dem Tier eigentlich wurscht, bei der Größe sieht es wieder anders aus. Damit der Kauf eines Stalles etwas leichter wird, hier die Mindestanforderungen an einen Kaninchenstall (ausgewachsene Kaninchen):

1. Bodenflächen (BF) und Höhe (H)

bei Käfigen ohne erhöhte Flächen, nach Gewicht des Tieres sortiert:

Zwergrassen bis 2kg: BF 3400 cm², H 40 cm
Kleine Rassen 2-3,5 kg BF 4800 cm² , H 50 cm
Mittlere Rassen 3,5-5 kg BF 7200 cm² , H 60 cm
Grosse Rassen 5-7 kg BF 9300 cm² , H 60 cm


bei Käfigen mit erhöhten Flächen gelten folgende Anforderungen (GS=Gesamtfläche)

Zwergrassen bis 2 kg GS 2800 cm², davon BF 2000 cm²,
H 40 cm
Kleine Rassen 2-3,5 kg GS 4000 cm², davon BF 2800 cm²,
H 50 cm
Mittlere Rassen 3,5-5 kg GS 6000 cm², davon BF 4200 cm²,
H 60 cm
Mittlere Rassen 3,5-5 kg GS 7800 cm², davon BF 5400 cm²,
H 60 cm


Zusätzliche Fläche für Nestkammer

Zwergrassen bis 2 kg 800 cm²
Kleine Rassen 2-3,5 kg 1000 cm²
Mittlere Rassen 3,5-5 kg 1000 cm²
Mittlere Rassen 3,5-5 kg 1200 cm²


Für die Höhe gilt jeweils, daß sie auf mindestens 35% der Gesamtfläche vorhanden sein muß

Für die Gesamtfläche bei den Käfigen mit erhöhten Fläcken und für die Bodenfläche bei Käfigen ohne erhöhte Flächen gilt: es dürfen ein oder zwei verträgliche, ausgewachsene Tiere ohne Junge gehalten werden.

Für Jungtiere bis zur Geschlechtsreife gelten folgende Mindestanforderungen:

bei Käfigen ohne erhöhte Flächen:

Körpergewicht unter 1,5 kg BF 6000 cm², H 50 cm
Körpergewicht über 1,5 kg BF 6000 cm², H 50 cm


bei Käfigen mit erhöhten Flächen

Körpergewicht unter 1,5 kg GS 5000 cm², davon BF 3500 cm²
H 50 cm
Körpergewicht über 1,5 kg GS 5000 cm², davon BF 3500 cm²
H 50 cm

Die genaue Einhaltung ist natürlich nicht einfach, aber es ist gut zur Orientierung.


Die Haltung:

In Freiheit leben die Kaninchen in einer strengen Hierarchie.
Wie schon erwähnt, Gruppenhaltung, aber da kann nicht jeder mit jedem. Zwei unkastrierte Rammler zusammen geht im Normalfall gar nicht. Sogar unter kastrierten Rammlern und Häsinnen gibt es ab und an Machtkämpfe. Kaninchen lassen sich recht gut mit Meerschweinchen halten, aber in einer Meerschweinchengruppe sollten nicht mehr als 2 Kaninchen leben. Außerdem ist es ratsam, Jungtiere zusammen zu bringen, da Kaninchen und Meerschweinchen eine gegensätzliche Körpersprache sprechen. Die müssen beide erst lernen zu verstehen. Es nützt wenig, wenn das junge Meerschwein zum Kaninchen zieht, ihm per Körpersprache zeigt, daß es das Langohr gern hat und Langohr fühlt sich auf den Schlips getreten.

Als Einstreu für den Käfig sind Stroh, gepresste Weichholzspäne oder Heu empfehlenswert. Die Bodenschicht sollte dabei 5 cm betragen. Optimal ist eine Kombination aus Weichholzspänen als Unterschicht (saugen den Urin auf) und Heu als obere Lage. Der Käfig muß mindestens einmal die Woche gereinigt werden.

Grundausstattung für den Käfig ist:
- Futternapf (am besten aus Steingut)
- Nippeltränke
- Heuraufe
- ein Stück Hartholz oder Nagerstein zum Abschleifen der Zähne
- für die Innenhaltung eine handelsübliche Ecktoilette


Obwohl Kaninchen aus dem Süden kommen, sind sie sehr hitzeempfindlich. Die optimale Umgebungstemperatur liegt bei 18 Grad. Temperaturen über 25°C machen dem Tier Probleme.
Kaninchen sollten vor Nässe und Zugluft geschützt werden. Bei Haltung im Aussenstall ist im Winter keine Heizung notwendig, aber er muss unbedingt gegen feuchte Witterung geschützt sein.


Fütterung:

Heimkaninchen werden in der Regel mit Fertigfutter, Grünfutter, Wurzelfrüchten und etwas Heu gefüttert. Man muß aber darauf achten, daß der Nährstoffanteil nicht zu hoch ist. Der Rohfaseranteil wiederum darf nicht zu niedrig sein, sonst drohen Verdauungsprobleme und Verfettung.

Kaninchen haben eine besondere Verdauungsphysiologie, die es ihnen ermöglicht, Raufutter (d.h. rohfaserreiches Futter wie Gras, Heu, Gemüse) zu verwerten. Raufutter reicht aber als Alleinfutter für Heimkaninchen absolut nicht aus. Die heutigen Kaninchen haben einen höheren Bedarf an Nährstoffen als ihre freilaufenden Vorfahren. Der Bedarf an Ballaststoffen muß ebenfalls gedeckt sein.Werden diese durch Proteine, Vitamine, Mineralstoffe und energiereiche Komponenten ergänzt, hat das Tier eine vollwertige Ernährung.


Die im Handel erhältlichen Kaninchenfutter enthalten die einzelnen Nährstoffe in bedarfsgerechter Höhe pro Ration.

Ergänzungsfuttermittel decken zusammen mit einem angemessenen Anteil an Raufutter den Nährstoffbedarf.

Füttert man also Alleinfutter, ist die Zufütterung von Grünfutter zur Abdeckung des Nährstoffbedarfs nicht notwendig, aber sinnvoll, da das für das Tier eine Beschäftigung darstellt. Außerdem schmeckt's natürlich :-) Bitte bei der Fütterung von Obst oder Grünzeug den Käfig regelmässig überprüfen und das nicht gefutterte Grünzeug regelmässig und rechtzeitig entfernen, sonst schimmelt es.

Wasser muß immer ausreichend angeboten und täglich gewechselt werden.


Ist eine Kaninchendame trächtig, benötigt sie ab der dritten Trächtigkeitswoche mehr Nährstoffe. Hier sollte man entsprechend leistungsfähiges Futter geben. Aber nicht erschrecken, wenn in dieser Zeit ein Gewichtsverlust feststellbar ist-das ist normal. Nur wenn das Tier zu schnell viel Gewicht verliert, sollte man zum Tierarzt gehen.


Hat die Häsin geworfen, werden die Jungtiere natürlich von ihr gesäugt, ab der vierten Lebenswoche können sie dann mit Trockenfutter gefüttert werden. Man muß aber darauf achten, daß die Kids zwar ausreichend, aber nicht zu viel fressen, sonst bekommen sie Verdauungsprobleme, die durch unzureichend verdautes Futter entstehen.


Kaninchen freuen sich natürlich immer über Auslauf in einem Aussengehege; wenn sie Nachts dort bleiben, immer abdecken, am besten ein Aussengehege wählen oder bauen, das nicht untergraben werden kann...sonst freuen sich Fuchs&Co über einen leckeren Braten.

Ich selbst habe keinen handelsüblichen Stall gekauft, sondern einen riesigen massiven Hülsta-Schrank umgebaut zu einem mehrstöckigen "Domizil". Wer Hülsta kennt, kann sich den Schrank vorstellen :-) Da kann Mümmel rauf und runter rennen, Männchen machen, sich zurückziehen...Bevor man also einen Schrank wegwirft, auf Umbautauglichkeit prüfen. Die Kaninchen finden's klasse.

Ich hoffe, für Kaninchen-Neulinge wirft der Bericht ein paar nützliche Infos ab.

Viel Spaß mit dem neuen Familienmitglied und lg,

SchmittsKatze
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Timtone

Timtone

22.03.2011 11:59

viele Infos enthalten...

slampre

slampre

23.04.2007 14:18

Dein Bericht ersetzt fast das Fachbuch, aber du könntest noch ein paar mehr persönliche Erfahrungen reinschreiben. trotzdem - sh. Gruß, Susanne

Aldi-Doppelkeks

Aldi-Doppelkeks

08.02.2007 20:16

Echt schöner Bericht, deinen Stall würd ich gerne mal sehen :-) Ansonsten sollte Heu natürlich die Hauptnahrung darstellen, Fertigfutter kann vernachlässigt werden. LG

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