So perfekt wie auf dem Papier
15.02.2002
Pro:
perfekt inszeniert, anspruchsvoll, Originalversion, super Atmosphäre, Dialoge
Kontra:
nicht !
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Humor
Spannung
Anspruch
Action:
Romantik:
mehr
 Lt.Hawk
Über sich:
Mitglied seit:25.08.2000
Erfahrungsberichte:81
Vertrauende:27
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 72 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Seit Anbeginn des Fernseh und Videozeitalters haben sich etliche Schauspieler, Regisseure und Produzenten an Shakespeares Werken versucht. Viele von ihnen sind dabei kläglich gescheitert, da sie es nicht vermochten die unermessliche Schönheit des Niedergeschriebenen in angemessene Bilder zu fassen. Zu Recht gelten die meisten von Shakespeares Werken als ungemein schwierig zu verfilmender Stoff, einige Werke blieben bislang unverfilmt angesichts ihrer Komplexität.
Doch es finden sich auch erfreulich gelungene Verfilmmungen von Shakespeare`schen Werken, zum Teil sehr schön gelungene Neuinterpretationen wie zum Beispiel Baz Luhrmans "Romeo und Julia". Eher unbekannt und nur für eine Minderheit interessant blieben Verfilmungen von "Viel Lärm um Nichts" mit Denzel Washington oder "Was ihr wollt" mit Julia Ormont. Eine weitere Ausnahmeerscheinung ist in diesem Falle der 1996 entstandene Film "Hamlet". Das Drama um den Prinzen von Dänemark zählt wohl zu den weltweit berühmtesten Dramen überhaupt und so war es doch schon ziemlich gewagt sich an einem so bekannten Stoff zu versuchen.
Schauspieler ****************** Die Figur des Hamlet spielt der Hoolywood-Schauspieler Kenneth Brannagh, der schon oft in Shakespeare-Stücken vor der Kamera stand. Ein weiterer Star ist die spätestens seit "Titanic" berühmte Kate Winslet, die hier in der Rolle der Orphelia zu sehen ist. Ansonsten hat man die Hauptrollen der übrigen Charaktere mit eher unbekannten Schauspielern besetzt, die teilweise häufiger in Theateraufführungen zu sehen waren und somit voll in ihrem Element sind.
Handlung ****************** Hamlet ist ein sehr kurzes Drama es umfasst lediglich 150 Seiten, der Film jedoch hat eine Laufzeit von über 3 Stunden. Dies spricht auch für die Tiefgründigkeit und die Sorgfalt der Macher bei dieser Verfilmung. Für alle, die den Grundriss der Handlung noch nicht kennen habe ich hier eine kleine Zusammenfassung gemacht:
Claudius, jetztiger König von Dänemark Hamlet, Sohn des ermordeten Königs Polonius, Oberkämmerer und Freund der Königsfamilie Laertes, Sohn des Polonius Ophelia, Tochter des Polonius Horatio, Hamlets Freund Gertrude, Königin und Mutter von Hamlet Der Nachtwache des Palastes erscheint ein großer Geist, der dem ermordeten König ähnelt. Die Offiziere Marcellus und Bernado erzählen Hamlet von dieser Erscheinung, der sofort beschließt, die nächste Wache zu begleiten und diesem Vorfall nachzugehen.
Und tatsächlich erscheint wiederum der Geist des toten Königs, der seinen Sohn Hamlet mit sich nimmt. Abseits der anderen erzählt der Geist nun, wie er wirklich gestorben sei - allgemein wurde ein Herzversagen vermutet. Tatsächlich aber war es Mord, begangen von Claudius, der nach diesem Mord den Thron bestieg und Hamlets Mutter, die Frau des Ermordeten heiratete. Als Hamlet diese Intrige durchschaut tobt er vor Wut. Wut auf seine Mutter die so untreu dem alten König gegenüber war, Wut auf den feigen Königsmörder Claudius. In dieser Nacht schwor Hamlet dem Geist, dass er den Mord rächen werde und fortan grübelt er über, wie er dies am besten umsetze.
Hamlets Verhalten ändert sich von dieser Nacht an schlagartig, manche bei Hof meinen, dass er allmählich dem Wahnsinn verfalle. Er lehnt sich gegen seine Mutter und den König selber auf, reizt sie mit Gleichgültigkeit und Frechheit. Auch seine Beziehung zu Ophelia leidet stark unter seinem Verhalten. In den nächsten Wochen schickaniert Hamlet alle Anwesenden mit Beleidigungen, Unterstellungen und Verschwörungstheorien. Sein agressives Verhalten gipfelt dann darin, dass er den Diener Polonius aus Versehen mit seinem Dolch ersticht. Der König Claudius hat inzwischen längst geahnt, dass Hamlet von seinem Verbrechen weiss und schickt ihn nun unter diesem Vorwand nach England.
Doch Hamlet läßt sich nicht so einfach abschütteln und kehrt bald wieder an den Hof Dänemarks zurück. Wiederum treibt er böses Spiel mit allen Anwesenden, setzt Claudius mit einem Schauspiel über Königsmord unter Druck. Dieser plant aber schon seit langem die Beseitigung Hamlets und so schafft er es schließlich, den Sohn des Polonius (Laertes) davon zu überzeugen, dass Hamlet seinen Vater feige und ohne jeden Grund ermordet habe. Zusammen planen die beiden schließlich eine weitere Verschwörung um den Tod Hamlets zu bezwecken. Laertes fordert Hamlet zu einem sportlichen Duell heraus, bei dem sie sich im Geschick mit dem Degen messen sollen. Was die Öffentlichkeit nicht weiß ist das Laertes ein unmittelbar tötendes Gift an der Spitze seines Rapirs geträufelt hat und Claudius Hamlet zusätzlich ein vergiftetes Getränk reicht.
Hamlet nimmt die Herausforderung an, das Duell findet im Saal des Königs statt. Doch das Duell wandelt sich von Freundschaftlichkeit in einen erbitterten Kampf, bei dem letzendlich zu scharfen Waffen gegriffen wird. Laertes verwundet Hamlet mit der giftigen Dolchspitze, wobei er selbst schwer stürzt und im Sterben liegt. Den für Hamlet bestimmten Kelch trinkt die Königin und fällt ins Sterben. Nun wird Hamlet klar, welch verräterisches Spiel hier gespielt wurde. Doch bevor Hamlet selbst stirbt, hat er noch einen Schwur einzuhalten. Mit seiner letzten Kraft druchbohrt er den Mörder Claudius mit seinem Schwert. Das Schauspiel endet mit der Ankunft der Norweger und dem Begräbnis Hamets.
Fazit ****************** Diese Verfilmung wird dem Originalwerk absolut gerecht. Die Texte sind hervorragend geschauspielert, jede Szene so umgesetzt, wie man sie sich ideal vorstellt. Auch die Schauplätze des Filmes wurden in perfektem Maße nachgebildet. Vom riesigen Königsschloss bis zum nebeligen Friedhof wurde alles kostspielig hergerichtet.
Trotz der langen Spieldauer von über 3,5 Stunden wird der Film nie langatmig. Das mag an den hervorragenden, wenn auch teilweise unbekannten Schauspielern liegen: Ihre mimische und gestische Leistung ist einer weltberühmten Theateraufführung würdig. Besonders Brannagh sticht druch seine erfrischende Art den Hamlet zu spielen besonders hervor. Die Charaktereigenschaften aller Figuren sind klar und deutlich definiert und demonstriert worden, die Figuren wirken dadurch lebhaft und tiefgründig. Auch wenn die altertümlichen Dialoge für die heutige Zeit relativ schwer verständlich sind, so haben es die Schauspieler im Film doch geschafft, dem Zuschauer die Handlung und Tiefgründigkeit dieses Werkes einleuchtend zu vermitteln. Selbst bei ausgeschaltetem Ton kann man anhand der Bilder begreifen, um was es geht. Wer also lieber Filme guckt als Bücher zu lesen, der sollte sich diesen Film angucken. Jedoch ist eine gewisse Kenntnis des Stückes doch ratsam falls man den Film in seiner vollen Perfektion erleben will. Hier wurde perfekte Arbeit geleistet, wenn Shakespeare anstatt Papier eine Kamera verwendet hätte, dann sähe HAMLET heute wohl so aus !
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26.02.2002 19:57
Hmm, kling nicht übel - wenn der mal zufällig im TV laufen sollte, dann nehm ich mir den mal auf, wennsch dran denke. Man will ja keine Film-Highlights verpassen ;) Liebe Grüsse <-FrankY-> :)
22.02.2002 13:47
Der Film ist wirklich ein Kraftakt - für die Macher wie auch für den Zuschauer! Am besten zu genießen in zwei Sitzungen mit einer langen Pause dazwischen!
21.02.2002 16:18
Hi Dennis, der Kennesbrennes ist doch fast immer ein Garant für Qualität. Liebe Grüße, Stefan