„Ich habe lange über diesen Schritt nachgedacht, glaube es mir. Es fällt mir sehr schwer, dich nach über 41 Ehejahren zu verlassen, aber ein langes Siechtum in Dunkelheit will ich mir und Dir ersparen, zumal die Unheilbarkeit nun leider mehrfach bestätigt wurde.
Ich habe über viele Jahre um das Natürlichste von der Welt, um Licht und Sonne gekämpft, leider vergebens. Es wird immer schlechter, und meine Kraft ist nun zu Ende [...]“
Zu diesem Zeitpunkt, hatte Hannelore Kohl schon viele Monate ohne Sonnenlicht gelebt, denn sie litt am Lyell Syndrom.
Am fünften Juli 2001 gegen Mittag findet man sie, sie ist zu diesem Zeitpunkt bereits tot.
Man kann politisch stehen, wie man will -und das soll hier auch nicht das Thema sein- und doch wird wohl keiner bestreiten können, dass Hannelore Kohl eine der beeindruckendsten Frauen in der Politik der letzteren Zeit in Deutschland war. Über Jahrzehnte hinweg stand sie an der Seite ihres Mannes, empfing schließlich Staatsoberhäupter, nahm andere Aufgaben wahr, die sie immer als Frau des Bundeskanzlers zu erledigen hatte und stand doch nie völlig im Schatten ihres Mannes. Vor allem, weil es mich interessierte, wer wohl die Frau hinter der stets freundlich lächelnden zuvorkommenden Kanzlergattin war. Die Person mit Eigenschaften und Gefühlen hinter der Fassade, die präsentiert wurde.
Gespannt habe ich mich also ans Lesen dieses Buches gemacht, das ich Euch jetzt mal etwas näher bringen möchte. Erst einmal möchte ich Euch etwas die Autoren vorstellen.
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Über die Autoren:
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Peter Kohl, einer der Söhne von Helmut und Hannelore Kohl, ist auch einer der Autoren dieses Buches. Daher kannte der 65 geborene den „Inhalt“ des Buches sein Leben lang. Seinen beruflichen und persönlichen Werdegang kann man anhand des Buches ebenfalls sehr gut nachverfolgen, allerdings ist er (der Werdegang) für seine Autorenschaft an diesem Buch nicht wirklich wichtig, so dass ich ihn weglasse.
Kurz vor dem Tod der Mutter hatte Peter Kohl geheiratet und ist auch immer noch verheiratet.
Dona Kujacinski, die 1956 geboren wurde, ist Journalistin, lebt wohl in Berlin, hatte Hannelore Kohl 1996 kennen gelernt und schon einige Interviews mit ihr zu ihren Lebzeiten gemacht, gerade in den späteren Zeiten ihres Lebens. Auch dieser Teil des Autorenduetts hatte bei Beginn des Scheibens schon ein genaueres Bild von der Person, über die das Buch geschrieben wurde.
Fraglich fand ich jetzt, ob ein Buch das so kurz nach dem Tod einer Person geschrieben wurde und das auch noch von zwei Personen, die sie kannten, wirklich objektiv sein konnte. Gerade wenn man über die eigene Mutter schreibt, dürfte eher ein verklärteres Ergebnis herauskommen, dachte ich. Inwieweit ich Recht mit dieser Annahme hatte, später.
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Über das Buch:
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Das Taschenbuch ist noch im Handel erhältlich, so dass Ihr es ganz unproblematisch kaufen könnt. Ihm wurde die ISBN 3-426-77660-X zugeteilt und Ihr bezahlt 8,90 Euro. Das Buch hat 382 Seiten und erschien 2002.Das Titelbild zeigt in schwarz-weiß, aber mit einem deutlichen generellen bräunlichton eine lächelnde perfekt zurechtgemachte Hannelore Kohl, die den potentiellen Käufer direkt anzuschauen scheint. Sie sieht so aus, wie man sie schon zig mal zuvor im Fernsehen gesehen hatte. Leicht distanziert, aber freundlich mit einer sehr netten Ausstrahlung.
Dadurch etwas skeptisch geworden, ob ich in dem Buch tatsächlich das zu lesen bekommen würde, was mich interessiert, habe ich es dann aufgeschlagen und langsam angefangen zu lesen.
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Der Inhalt:
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Inhalt des Buches ist Hannelore Kohls Leben. Ach nee, das ist meisten so, wenn über einen Menschen und sein Leben geschrieben wird. Hannelore Kohl geborene Renner wird 1933 in Berlin geboren. Da die Familie aber fast sofort schon nach Leipzig zieht wird sie diese Stadt fast immer als ihre Heimat empfinden. Die Familie ist wohlhabend und kann sehr angenehm leben. Ihre Mutter vermittelt ihr in dieser Zeit ein ausgeprägtes Maß an Disziplin und Selbsthärte, die ihr weiteres Leben bestimmen wird. Doch auch jetzt schon zeigt sich, dass sie sehr gut mit Menschen umgehen und diese für sich einnehmen kann.
Dann bricht jedoch der zweite Weltkrieg aus und Hannelore Renners kleine heile Welt bricht zusammen. Die Familie flüchtet unter den widrigsten Umständen über Umwege nach Ludwigshafen.
Bereits sehr jung während ihrer Schulzeit lernt sie dort Helmut Kohl kennen, als sie sich zufällig in einem Lokal begegnen. Wenig später „funkt“ es in der Tanzstunde zwischen ihnen und bereits kurz darauf sind die beiden ein Paar und werden es auch ein Leben lang bleiben.
Obwohl schon schnell feststeht, dass die beiden eines Tages heiraten wollen, will Helmut Kohl doch zuerst beruflich abgesichert sein, so dass noch einige Jahre vergehen, bevor endlich geheiratet wird.Ein Fremdsprachenstudium, dass sie mit Begeisterung betrieb, muss Hannelore Renner schließlich abbrechen, nachdem nach dem Tod des Vaters die Suche nach einer Arbeit unausweichlich wird.
Doch auch an ihrer Arbeitsstelle macht sie sich gut.
Nach der Hochzeit gibt sie ihre Arbeit jedoch bald schon auf und konzentriert sich auf eine Familie.
Während Helmut Kohl mit der Unterstützung seiner Frau steil Karriere macht, kümmert diese sich um die Erziehung ihrer Söhne, wobei sie neben einer guten Schulausbildung besonderen Wert auf gute Fremdsprachenkenntnisse legt. Vor allem aber im Umgang mit Menschen unterstützt sie ihren Mann sehr stark, denn sie scheint ein offener Mensch und vor allem angenehmer Gesprächspartner gewesen zu sein, der sich gerne auch auf andere Gesprächspartner einließ und ihnen gut zuhören konnte.
Durch eine allergische Reaktion stirbt Hannelore Kohl 1993 fast. Seitdem reagierte sie sehr lichtempfindlich. Doch erst einige Jahre später spitzte diese Situation sich erheblich zu. Dann verträgt sie kein Licht mehr, kein Tageslicht, aber auch kaum mehr Lampen und schließlich keine Wärme, keine Strahlung wie z.B. Fernsehgeräte sie ausstrahlen, keine Duftstoffe und trotz einem radikal eingeschränkten Leben in Dunkelheit und dadurch bedingt auch einsamer als eigentlich gewollt, muss sie wohl immer noch nahezu unerträgliche Schmerzen gehabt haben.
Eine Situation, die einen Freitod wohl kaum rechtfertigt, denn nichts rechtfertigt so einen letztendlich, vielleicht aber dennoch etwas verständlicher macht.
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Extras:
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Es sind etliche Bilder, sowohl in schwarz-weiß, als auch farbig in diesem Buch enthalten, die ebenfalls einen kurzen Überblick über das Leben der Hannelore Kohl bieten. Ein schönes Extra, wie ich fand, wenn es letztendlich auch entbehrlich ist. Dennoch war es ganz schon, sich die Bilder mit verschiedenen Freunden oder Staatsoberhäuptern einmal anzuschauen und vor allem die über die Jahre unveränderte Mimik zu beobachten.
Hannelore Kohl hatte sich jahrelang sehr stark sozial engagiert. Im Anhang findet man Informationen zu ihren beiden „Babies“, die sie besonders gerne betreute und unterstützte und für die sie sich außerordentlich couragiert einsetzte: Das Kuratorium ZNS und die Hannelore Kohl Stiftung. Das Kuratorium ZNS kümmert sich um Personen, die durch Unfälle oder andere Gegebenheiten Schäden im zentralen Nervensystem zurückbehalten haben. Ein besonders großes Augenmerk wird augenscheinlich auf die Rehabilitation gelegt. Hier bekommt man zu diesem gemeinnützigen Verein, zahlreiche weitere Informationen. Weiterhin werden auch die Projekte aufgezählt und näher erläutert, mit deren Unterstützung sich Hannelore Kohl besonders beschäftigte.
Die Hannelore Kohl Stiftung fördert die Forschung im Bereich der Rehabilitierung in dem Bereich ZNS. Hier findet man auch Kontonummer und weitere Informationen.Da der Verein und die Stiftung Hannelore Kohl wohl sehr am Herzen lagen, finde ich es sehr richtig, sie hier aufzuführen und weitere Informationen bereitzustellen. Vor allem kann man sich so auch ein genaueres Bild machen, warum gerade diese Aufgabe für die ehemalige Kanzlergattin so wichtig war.
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Der Schreibstil:
***************************************************Der Schreibstil ist durchgängig gut, wenn auch nicht hervorragend.
Öfter mal gibt es längere oder kompliziert zusammengesetztere Sätze, aber das behindert beim Lesen eigentlich kaum. Die Wortwahl ist durchschnittlich, man merkt aber durchaus den Journalistischen Anklang im Geschriebenen. Dennoch lässt sich das Buch gut herunterlesen und es ist sehr flüssig und unterhaltsam geschrieben. Vor allem plänkelt es gerade im ersten Bereich ziemlich angenehm vor sich hin, erzählt Anekdoten und Erinnerungen und das sehr angenehm, fast so wie bei einem Kaffeekränzchen, ein Gefühl für den Leser, das gerade in diesem geschickten Schreibstil begründet ist. Im hinteren Teil plätschert es dann nicht mehr so, sondern wird sehr viel ernster und wirkt manchmal auch überknapp und präzise, was etwas schade ist, da es die angenehme Grundstimmung des Buches verändert. Dennoch ist selbst in diesen Teilen das Buch weit angenehmer zu lesen als die meisten anderen Biographien.
Besonders aber die Aussagen von anderen Menschen, die den Text auflockern und belegen machen sich gut und sind toll eingefügt, so dass sie zwar tatsächlich auflockern, aber gleichzeitig den Lesefluss auch nicht unterbrechen.
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Leseprobe:
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Hier als Leseprobe, das erste Treffen mit Helmut Kohl, bei dem die 15 jährige Hannelore Renner mit Freunden in einem Wirtshaus sitzt und diskutiert:„[...]Irgendwann an diesem Abend fällt plötzlich für einige Minuten der Strom aus. Als das Licht wieder angeht, fehlen Weinflaschen auf dem Tisch, die Mitschüler eigens zu diesem Anlass organisiert haben. Auf dem Höhepunkt der lautstarken Debatte, die daraufhin entbrennt, mischt sich ein junger Mann vom Nebentisch mit einer frechen Bemerkung ein. In die Stille der daraufhin entstehenden Gesprächspause hinein fragt Hannelore ihre Freundinnen: 'Was ist denn das für ein unverschämter Kerl?'
Es ist der achtzehnjährige Helmut Kohl, ein Unterprimaner aus dem Gymnasium an der Leuschnerstraße, dem heutigen Max-Planck-Gymnasium. Dass dieser 'unverschämte' Kerl einmal ihre große Liebe werden wird, kann sich die junge Hannelore in diesem Moment nicht einmal im Traum vorstellen.“
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Meine Meinung:
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Meine Meinung zu diesem Buch ist ein wenig geteilt und sehr stark gefühlsmäßig geprägt, stärker als ich es bei einem Sachbuch erwartet hätte. Einerseits fand ich es sehr interessant, einmal hinter die Kulissen schauen zu können, habe vieles erfahren vor allem über die Person hinter der öffentlichen Aufgabe, andererseits ging mit dieser Blick hinter die Kulissen aber auch nicht weit genug. Wahrscheinlich hat man damit auch der Persönlichkeit und dem Wunsch Hannelore Kohl entsprochen, dass man nicht zu viel über sie wissen sollte und sie etwas privates zurückbehalten wollte. Dieses Buch ist insofern ein komischer Mischmasch, weil es weder zu den Büchern gehört, die man einfach am Stück runterliest und kurz darauf schon wieder vergessen hat oder sich zumindest nicht mehr gedanklich damit beschäftigt, aber auch nicht zu denen, bei dem man noch ewig später über das betreffende Buch nachdenkt und grübelt. Dennoch denke ich, dass man sich beim Lesen dieses Buches schon viel Zeit nehmen sollte, schon um sich das Gelesene zwischendurch immer wieder einmal vor Augen zu führen, weil man nur so spätere Handlungen, die auf den Erfahrungen der Vergangenheit beruhen, wirklich verstehen kann. Außerdem gehört dieses Buch einfach zu der Art Büchern, denen man etwas mehr Ehrfurcht und Respekt entgegenbringen sollte, weil sie dies auch zu erwarten scheinen.
Man hat Hannelore Kohl immer wieder nachgesagt, dass sie so elegant sein und Würde ausstrahle. Genauso ist dieses Buch auch: Elegant mit einer eigenen Art der Würde, was aber leider auch einen gewissen Abstand vom Leser in sich birgt, den das Buch einfach nicht überbrücken kann oder will. Ob man das jetzt als angenehm oder unangenehm empfindet, bleibt dem jeweiligen Leser ja völlig selbst überlassen und ist reine Geschmackssache. Mich hat es gelegentlich leicht gestört, in weiten Teilen aber auch nicht. Insofern fand ich das nämlich auch als sehr gut so, weil es so wirkt, als wäre das Buch charakterlich seiner Hauptperson sehr ähnlich, die ebenfalls sehr verschlossen zu sein scheint, was ihre Person, ihre Gefühle und Probleme betraf. Vielleicht kommt man Hannelore Kohl so als Leser wesentlich näher, als man sonst jemals die Möglichkeit gehabt hätte.
Was mir dagegen etwas gefehlt hat, waren die Fehler und Macken, die -dachte ich bislang- jeder Mensch unzweifelhaft hat. Bis auf wenige genannte und dabei sogar noch eher angedeutete, fehlt dies hier völlig. Betrachtet man aber wer dieses Buch geschrieben hat, und vor allem auch wann, kann ich das sehr gut verstehen. Ansonsten erhält man einen schönen kurzen Einblick in die Persönlichkeit der Hannelore Kohl, wie sie ihr Mann, ihre Söhne und einige andere Personen sahen.
Es macht eben doch einen Unterschied, wer die Autoren eines Buches sind.
Dafür lässt sich das Buch durchgängig gut lesen und ist für eine Biographie sogar recht unterhaltsam, hier war ich sehr angenehm überrascht, vor allem durch die immer wieder eingefügten Anekdoten oder Anmerkungen von Freunden und Bekannten Hannelore Kohls ist das Buch hervorragend zu lesen. Gerade wenn man das Buch auch mal im Vergleich mit anderen vergleichbaren betrachtet, sticht es da sehr angenehm hervor. Der Schreibstil ist insgesamt sehr angenehm, wenn er auch -wie schon oben angeführt- teilweise unterschiedlich ist, und das Buch lässt sich in einem Rutsch durchgängig lesen, auch wenn das inhaltlich schade wäre und man sich also schon etwas mehr Zeit nehmen sollte.
Schließlich ist es ein Buch über eine ungewöhnlich starke Frau, die fast jeder meinte zu kennen, weil er sie ständig im Fernsehen sah, die aber doch jederzeit dort distanziert blieb.
Ich kann das Buch nur jedem wärmstens empfehlen, der sich für die Gegenwartsgeschichte interessiert, aber auch denjenigen die gerne einmal hinter die Kulissen einer „öffentlichen Person“ blicken möchten um diese etwas näher kennen und verstehen zu lernen.
Dieser Bücherbericht entstand im Rahmen des „Bücherfrühling“ 2004, weitere Informationen zu dieser wundervollen Aktion findet Ihr bei Espionne.
Vernachlässigt doch öfter mal Fernsehen, Computerspiele etc., setzt Euch mit einem guten Buch in die Natur, genießt beides und macht dann mit beim Bücherfrühling. Vor allem: lest mehr Bücher!
28.03.2005 02:59
Der Bericht ist wirklich sehr gut geschrieben und informativ.LG Walpurga
12.04.2004 13:01
Wieder mal ein einfach Supi Bericht. Wie immer!:o)
11.04.2004 12:01
Super, der Bericht lässt keine Fragen offen. Frohe Ostern, orlan