Dieser Erfahrungsbericht wurde von 76 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
„Die Leser wollen nur wissen, ob „Hannibal“ so gut ist wie „Das Schweigen der Lämmer“. Nein, dieser Roman ist nicht so gut. Er ist besser.“
Stephen King im Spiegel
Wenn ein Mann wie Stephen King sich zu solchen Aussagen hinreissen lässt, dann – so dachte ich mir, als ich das Buch zum ersten Mal sah – muss da wohl auch was dran sein, denn sonst würde er sich seinen Namen ruinieren. Und so kaufte ich mit Vertrauen auf meinen Lieblingsautoren Stephen King und einer mächtigen Erwartungshaltung nach der Lektüre von „Das Schweigen der Lämmer“ diese Fortsetzung mit dem Namen „Hannibal“.
Die grossen Fragezeichen, die über meiner Meinung schweben sind daher vor allem: Schafft Thomas Harris es eine gelungene Fortsetzung von „Das Schweigen der Lämmer“ zu schreiben ohne ausschließlich alte Motive wieder neu aufzuwärmen. Meiner Meinung nach hat er es geschafft auch wenn es sich diesmal nicht in erster Linie um die Jagdt eines Serienmörders handelt.
Clarice Starling: =========== Clarice Starling dürfte den meiten Lesern, die „Das Schweigen der Lämmer“ genossen haben noch immer ein Begriff sein. Falls nicht bzw. für alle, die Hannibal lesen ohne „Das Schweigen der Lämmer“ vorher gelesen zu haben – was meiner Meinung nach einer Todsünde gleichkommt – nocheinmal eine kleine Auffrischung.
Clarice Starling ist eine junge angagierte FBI Mitarbeiterin, deren Traum es ist in der Verhaltensforschung zu arbeiten. Sie ist eine meisterhafte Schützin und ihren männlichen Kollegen in den meisten Dingen überlegen. Bereits in „Das Schweigen der Lämmer“ kam sie mit Hannibal Lecter, dem superintelligenten und geniehaften Serienörder in Kontakt. Ohne es so recht zu merken baute sie eine Beziehung zu ihm auf und bereits im ersen Teil wird dem Leser klar, dass Hannibal Starling für viele Dinge schätzt, denn im Gegensatz zu allen anderen Besuchern darf sie mit ihm reden.
Aber Starling macht sich mit ihrem Verhalten und vor allem mit der Tatsache, dass sie eine Frau ist, nur wenige Freunde im FBI. Ganz besonders hat es eine Person namens Paul Krendler auf sie abgesehen, der erstens Frauen wie Starling hasst (weil er mal von einer ziemlich peinlich behandelt wurde) und zweitens ihr es immer noch übel nimmt, dass sie vor sieben Jahren den Serienmörder James Gumb gefasst hat und nicht er. So ist es nicht verwunderlich, dass er ihr alle möglichen Steine in den Weg legt und Starling nicht zu der Stellung kommt, die sie verdienen würde.
Die Figur des Hannibal Lecter: ====================== Hannibal Lecter ist noch immer frei und geniesst es in vollen Zügen. Wir erinnern uns kurz. Während einer Verlegung konnte er fliehen und ist nun, nach sieben Jahren, noch immer auf freiem Fuss. Das FBI hat schlicht gesagt nicht die geringste Vermutung, wo er sich aufhalten könnte, denn Lecter verfügt über genügend Geld und Intelligenz, um sich versteckt zu halten. Doch nicht nur das. Er hat sich im Ausland einen schönen neuen Beruf an Land gezogen und lebt – mit neuem Gesicht – wie jeder andere unbescholtene Bürger. Soviel aber nur zum Umfeld.
Die Figur des Hannibal Lecter zeichnet sich vor allem durch ein Wort aus. Gedächtnispalast. Um diesen verstehen zu können, muss man einen kurzen Exkurs in die Welt des Gedächtnis machen. Was vielen Menschen nicht bewusst ist, ist die Tatsache dass wir Menschen in der Tat jede Kleinigkeit, jeden Ton jede Farbe, die wir je gesehen haben, für immer in unserem Gehirn gespeichert haben. Um uns aber vor einer Erinnerungsflut zu schützen liegt das meiste unbewusst herum, kann aber theortisch jederrzeit wieder an die Oberfläche zurück. Diese Tatsache macht man sich heutzutage schon oft durch die Hypnose zu nutzen. Unter Hypnose können Menschen sich aufeinmal wieder daran erinnern, was sie als 5 jähriges Kind gesehen haben oder können Nummernschilder identifizieren, die sie ihrer Meinung nach nur für den Bruchteil einer Sekunde gesehen haben. Alles ist da aber wir können nicht heran. Hannibal Lecter aber kann es! Er kann die Augen schließen und durch seinen Gedächtnispalast, durch seine Erinnerungen wandern, wie durch einen Palast, den er sich tatsächlich als einen solchen eingerichtet hat. Alles was er je für wichtig gehalten hat, hat er dort abgelegt und kann es jederzeit wieder hervorholen. Kurze Gespräche die über Jahre vorbei sind kann er kurz nocheinmal durchblättern. Darüber hinaus verfügt er über die Gabe Geräusche und selbst Gerüche wie in Zeitlupe ablaufen zu lassen und sie dabei haargenau aufzuschlüsseln. Mit anderen Worten, Lecter ist ein ganz normaler Mensch aber irgendwie auch wieder nicht, denn er nutzt die Sinne die er hat zu 100 % während ein normaler Mensch sie vielleicht nur zu 30 – 40 % ausschöpft. Oder können sie sich an JEDES Wort erinnern, das sie jemals in ihrem Leben gelesen haben? Er kann es und gerade das macht ihn so gefährlich.
Und trotzdem schafft es Thomas Harris diesen gefährlichen Mann uns so darzustellen, dass wir ihn doch tatsächlich mögen und keiner der das Buch wirklich gelesen hat, kann mir in diesem Punkte widersprechen denke ich. Wir mögen Hannibal Lecter. Ja er hat unschuldige Menschen getötet und Leute verstümmelt, aber zu Starling, die so viele Probleme hat, ist er wie ein Bruder und gibt ihr Hinweise, tritt wie ein fürsorglicher Lehrer auf. Und dafür mögen wir ihn. Allein deshalb ist das Buch schon so lesenswert!
Inhalt: ==== Nachdem ich bereits so viel über Starling und Lecter geschrieben habe, dürfte es jetzt sehr schnell gehen, den Inhalt wieder zu geben. Aber ich werde nicht viel wiedergeben, da ich immer noch der Meinung bin, dass es schändlich ist, alles zu verraten. Und ich glaube auch hier stimmt mir jeder zu, der das Buch schon gelesen hat. Oder hätten sie sich SO ein Ende vorgestellt? Ich jedenfalls nicht. Aber nun zum Inhalt.
Es ist sieben Jahre her seit Starling James Gumb über den Haufen geschossen hat und ihre Karriere geht seitdem - dank Krendler – stetig bergab. Der Leser steigt in die Geschichte ein, als es Starling besonders schlecht geht, denn man möchte ihr mal wieder an den Kragen. Und hier meldet sich Hannibal wieder zurück und plötzlich ist Starling, die so gut wie sonst kein Mitarbeiter des FBI’s im Hannibal Fall unterrichtet ist, ja sogar persönlichen Kontakt zu ihm hatte, im Rennen. Aber auch Hannibal scheint in Gefahr, denn eines seiner Opfer, ein stinkreicher Viehändler, den er vor Jahren bis zur Unkenntlichkeit zerschnitten und an Hunde verfüttert hat, sieht seine Chance und will sich an Hannibal rächen. Ab hier beginnt ein sehr interessantes Doppelspiel, das schließlich zu einem grossen Finale aufläuft und einem wirklich den Atem nimmt.
Mehr möchte – und darf , wie ich denke – ich hier nicht mehr verraten!Für Leute die das Buch bereits gelesen haben: ================================= Vielleicht nervt es sie schon, dass ich anscheinend ständig etwas zu nörgeln habe. Bei Mankell’s Roman fand ich zwei Dinge, die ich nicht ganz sauber fand und Herrgott jetzt hat er hier schon wieder was zu meckern. Aber urteilen sie nicht gleich, hören sie mir bitte erst zu, denn es könnte sich für sie lohnen.
Ein kleiner Fehler? ============= Ein echter Patzer in der Handlung, ein Fehler der nicht vom Lektor gesehen wurde, oder eine noch nicht erkannte Rafinesse? Schlagen wir einmal auf Seite 75 der Taschenbuchausgabe und Lesen ab Zeile 8. Hier erfahren wir von Verger, dass Lecter ihn dazu gebracht hat, sich selsbt die Nase abzuschneiden und sie an seine Hunde zu verfüttern. Als Beweis darf hier wohl gelten, dass man sie sogar aus dem Magen der Hunde herausgeholt hat, aber man konnte sie nicht mehr implantieren. Die Nase war also noch vorhanden!
Blättern wir nun auf Seite 261 Zeile 2. „ Dem (die Sache mit der Nase und den Hunden) ist nicht so : Du hast sie selbst verspeist...“ schreibt Dr. Lecter an Verger, um ihn zu quälen und warum sollte er Lügen. Er hat keinen Grund, aber halt Verger hat doch selbst gesagt, dass seine Nase aus dem Magen der Hunde geholt wurde, was für Starling wohl überprüfbar wäre, also wahr sein muss. Wenn das stimmt, vertut sich Lecter also in seinem Brief, was einen tiefen Riss in seinem sonst so genialen Charakter darstellt.
ODER hat Thomas Harris sich hier einfach vertan und nicht mehr daran gedacht, dass er die Sache mit der Nase bereits auf Seite 75 hatte? Und der Lektor hat es in der Eile überlesen? Ich weiss es nicht, was meinen sie dazu. Der allwissende Erzähler lässt uns an dieser Stelle im Stich, und entweder Lecter lügt bzw. hat es vergessen, was doch eigentlich nicht sein kann, oder Harris hat einen Fehler in seinem Buch!
Zum Abschluss eine kurze Verteidigungsrede für mich selbst: Mir fallen solche Fehler während des Lesens auf. Bitte glaubt nicht, dass ich ein Buch nach solchen Fehlern durchsuche. Das wäre wirklich pervers bei einem so schönen Buch, das so schön geschrieben ist! Und trotz dieses kleinen unbedeutenden Patzers, der den meisten Lesern wohl nicht auffällt oder völlig egal ist, ist dieses Buch einfach wunderschön. Schön Spannend!
Daher mein Fazit: LESEN!
Fakten zum Buch: ============= Titel: Hannibal Autor: Thomas Harris Buch: Taschenbuch Seitenzahl: 541 Verlag: Heyne Preis: 19,90
Hab das Buch hgerade zum ersten mal gelesen. Ich glaube da ist kein Fehler. Auf Seite 260 ist ja beschrieben, daß Lecter weiß, wie Mason das in Erinnerung hat, oder in Erinnerung zu haben vorgibt. Von daher she ich da keine Widerspruch zu dem was auf Seite 75 geschrieben steht. Schöner Bericht!
ich muss noch dazu sagen, dass ein Buch immer besser ist als der dazugehörige Film. Nimm zum Beispiel "Die Kinder vom Meisfeld". Das Buch ist Spitze aber der Film ist nur Langweilig und man bekommt die Handlung zu schlecht mit.
sehr guter bericht. zu dem fehler: vielleivht wollte ja Lekter dass dieses Opfer angst bekommt oder eingeschüchtert ist. Oder er dachte dass sein Brief von noch jemand anderem gelesen wird und somit zu verunsichern. Ich habedas Buch noch nicht gelesen aber mir bestellt daher kann es natürlich totaler Quatsch sein, was ich hier schreibe. aber ich dachte dass es nicht verkehrt sein kann so etwas anzubringen. Aber wenn du sicher sein willst versuch doch mit Harris in kontakt zu treten oder du schreibst dem Verlag mal eine E- Mail.
Ich freu mich schon total auf's lesen (nicht zuletzt dank dir). Und dein Bericht war super ausführlich. Auch stimme ich dir in der Sache zu, dass man den Schluss auf keinen Fall veraten sollte. Du hast genau die richtige Menge an Story wiedergegeben, dass man sehr viel lust auf's lesen bekommt.
ich BitzClarice Starling steckt in einer Krise, seit sie eine Drogendealerin erschossen hat. Doch dann wird sie wieder auf Hannibal Lecter angesetzt, der vor sieben Jahr...
* Alle Preise inkl. gesetzlicher MwSt und ggf. zzgl. Versandkosten. Preise, Verfügbarkeit und Versandkosten können im jeweiligen Shop zwischenzeitlich geändert worden sein, da eine Echtzeit-Aktualisierung technisch nicht möglich ist. Maßgeblich sind immer die Preise und Angaben auf der Händlerseite. Alle Angaben ohne Gewähr.
08.08.2004 16:09
Hab das Buch hgerade zum ersten mal gelesen. Ich glaube da ist kein Fehler. Auf Seite 260 ist ja beschrieben, daß Lecter weiß, wie Mason das in Erinnerung hat, oder in Erinnerung zu haben vorgibt. Von daher she ich da keine Widerspruch zu dem was auf Seite 75 geschrieben steht. Schöner Bericht!
21.12.2003 21:21
ich muss noch dazu sagen, dass ein Buch immer besser ist als der dazugehörige Film. Nimm zum Beispiel "Die Kinder vom Meisfeld". Das Buch ist Spitze aber der Film ist nur Langweilig und man bekommt die Handlung zu schlecht mit.
21.12.2003 21:18
sehr guter bericht. zu dem fehler: vielleivht wollte ja Lekter dass dieses Opfer angst bekommt oder eingeschüchtert ist. Oder er dachte dass sein Brief von noch jemand anderem gelesen wird und somit zu verunsichern. Ich habedas Buch noch nicht gelesen aber mir bestellt daher kann es natürlich totaler Quatsch sein, was ich hier schreibe. aber ich dachte dass es nicht verkehrt sein kann so etwas anzubringen. Aber wenn du sicher sein willst versuch doch mit Harris in kontakt zu treten oder du schreibst dem Verlag mal eine E- Mail. Ich freu mich schon total auf's lesen (nicht zuletzt dank dir). Und dein Bericht war super ausführlich. Auch stimme ich dir in der Sache zu, dass man den Schluss auf keinen Fall veraten sollte. Du hast genau die richtige Menge an Story wiedergegeben, dass man sehr viel lust auf's lesen bekommt.