Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
Hebammen, Ärzte, teils die Schwestern, sauber |
| Kontra: |
größtenteils die Schwestern, Druck beim Stillen, Essen |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Wenn man schwanger ist, dann muss man sich auch damit auseinandersetzen, wo man sein Kind zur Welt bringen soll. Hannover bietet da zig verschiedene Möglichkeiten. Von medizinischer Hochschule bis zum Geburtshaus kann man sich seinen Ort für die Entbindung heraussuchen. Für mich war wichtig, dass die Klinik nicht zu weit von uns weg ist, denn wenn es erst losgeht und man noch im Stau stehen muss, wird man nur noch nervöser. Und so kamen eigentlich nur zwei Kliniken in Frage, nämlich die Geburtsklinik der Henriettenstifung und das
Vinzenzkrankenhaus
für das ich mich schließlich entschieden habe. Die Entscheidung fiel mir gar nicht mal schwer, hatte ich doch gehört, dass die Entbindung im anderen Krankenhaus eher einer Massenabfertigung gleichen soll, außerdem wäre dort die Parkplatzsituation für meinen Mann schwieriger gewesen, da es dort nur einen sehr teuren kostenpflichtigen Parkplatz gibt. Das Vinzenzkrankenhaus hat hingegen einen eigenen, relativ großen Parkplatz, der zwar nicht schwangerenfreundlich ist (enge Parklücken) aber dafür kostenlos.
Lage
Das Vinzenzkrankenhaus findet man in der Lange-Feld-Str. 31, 30559 Hannover. Es ist mit dem Auto über den Messeschnellweg leicht erreichbar (Bult runterfahren, Richtung Messe abbiegen und beim Schild Vinzenzkrankenhaus links abbiegen), aber auch von der B65 (Südschnellweg) hat man es leicht, wenn man diese Klinik sucht (Bemerode runterfahren, Richtung Norden, bzw. Kirchrode abbiegen, an der nächsten großen Kreuzung links in die Straße "Großer Hillen" abbiegen und weiter geradeaus, das Krankenhaus ist auf der linken Seite. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht man das Krankenhaus mit der Straßenbahn Nr. 5 (Richtung Anderten) und der Haltestelle Großer Hillen, den Rest geht man entweder zu Fuß (unschwanger) oder nimmt den Bus, der an der gleichen Stelle hält.
Allgemeines
Das Vinzenzkrankenhaus ist keine reine Geburtsklinik. Auch wenn mal mal beispielsweise ein Problem hat, dass die Innere Medizin betrifft, ist man dort gut beraten. Infos zum Krankenhaus findet ihr unter www.vinzenzkrankenhaus.de. 125 Jahre ist die Klinik schon alt, aber das sieht man ihr natürlich nicht an, modern eingerichtet, frisch renoviert würde ich die Optik einschätzen.
Das Vinzenzkrankenhaus ist katholisch verwaltet und das sieht man auch, denn in jedem Zimmer findet man ein Kreuz an der Wand. Mir persönlich ist das egal, jemand, der sich daran stört, der wird vermutlich eher ein anderes Krankenhaus aufsuchen. Es ist jedoch auch so, dass es dort auch eine evangelische Seelsorgerin gibt, sicherlich wird man dort auch ohne Konfession nicht wieder weggeschickt.
Behindertengerecht ist das Krankenhaus auch ausgelegt, es ist barrierefrei und auch die Fahrstühle sind groß genug für nen Rollstuhl. Allerdings haben wir festgestellt, dass so ein Fahrstuhl für 12 Personen mit zwei Paaren und zwei Babys in Babyschale schon fast zu voll ist.
Die Zimmer sind alle mit Fernseher und Radio ausgestattet. Das System ist zwar gewöhnungsbedürftig (jedes Bett hat eine Art Telefonhörer aus dem der Ton kommt, damit der Nachbar nicht belästigt wird), aber okay. Bißchen doof finde ich, dass sich immer zwei Zimmer eine Toilette teilen. Das heißt, zwischen den beiden Zimmern ist ein kleiner Raum mit der Toilette zu finden, beidseitig begehbar. Jeder Raum hat aber seine eigene Waschecke, mit Waschbecken und abschließbaren Schränken. Die Duschen befinden sich auf dem Flur, nicht gerade groß, aber es reicht für die paar Tage nach der Entbindung aus. Natürlich gibt es auch Zimmer, die ihr eigenes Bad haben, aber die sind für jemanden mit gesetzlicher Krankenversicherung nicht vorgesehen. Die Zimmer sind sauber, werden täglich gereinigt, die Toiletten werden zweimal am Tag gesäubert.
Essen gibt es auch. Auf der Entbindungsstation gibt es morgens und abends Buffet, das heißt, man kann sich aus den mehr oder weniger leckeren Sachen (Brot, Wurst, Käse, süßer Brotaufstrich) das raussuchen, was einem am Besten gefällt. Getränke (Tee, Kaffee und Mineralwasser) kann man sich den ganzen Tag über aus dem Frühstücksraum holen. Beim Mittagessen gibt es drei Gerichte zur Auswahl. Jeden Tag kommt eine Mitarbeiterin aus der Küche herum und fragt, wofür man sich entschieden hat. Das warme Essen ist wie zu erwarten war nicht gerade toll, zu wenig gewürzt und zu weich gekocht. Aber ich habe auch schon schlimmeres gegessen.
Kreißsaal
Ein paar Tage, bevor unsere Tochter auf die Welt kam, meldete ich mich für die Geburt im Vinzenzkrankenhaus an, das ist keine Pflicht, erleichtert aber den ganzen Papierkram, für den man in den Wehen vielleicht keinen Kopf mehr hat. Das war auch ganz gut so, denn unsere Tochter wollte vier Wochen vor dem Geburtstermin auf die Welt. Damit hatten wir so überhaupt nicht gerechnet.
Als mir dann am 5. September gegen ein Uhr nachts die Fruchtblase platzte ("Wach auf, ich glaub, mir ist die Fruchtblase geplatzt!" - "Echt jetzt?") rief ich im Kreißsaal an und bekam erstmal die Antwort "Kommen Sie, wenn die Wehen im fünf Minuten Takt kommen". Zu dem Zeitpunkt hatte ich alle 15 Minuten Wehen und machte mich auf einen laaaangen Tag gefasst. [Anmerkung: Wenn die Fruchtblase platzt und das Kind nicht fest im Becken sitzt, soll man liegend transportiert werden, damit die Nabelschnur nicht zwischen Babys Kopf und Ausgang fällt, das Problem hatte ich nicht, Anna war schon mit dem Kopf da wo sie hinsollte.] Also vertrieb ich mir die Zeit, packte meine Tasche neu und schickte meinen Mann wieder ins Bett. Keine halbe Stunde später waren die Wehen plötzlich nur noch acht Minuten auseinander. Also weckte ich meinen Mann wieder und wir machten uns auf die Socken Richtung Krankenhaus.
Kurz vor halb vier waren wir da. Nachts nimmt man den Eingang durch die Notaufnahme. Dort sah man uns nur an und verwies uns gleich auf den nächstgelegenen Fahrstuhl in den dritten Stock direkt zum Kreißsaal. Dort angekommen wurden wir von einer netten Hebamme in Empfang genommen, die erst einmal testete, ob da wirklich Fruchtwasser lief. Und es war Fruchtwasser. Das heißt, ich müsste ab sofort bis zur Entbindung alle zwölf Stunden Antibiotika bekommen, damit es zu keiner Infektion kommt. Man legte mich ans CTG, die Herztöne meiner Kleinen waren wunderbar, Ausschläge durch Wehen waren jedoch kaum zu sehen. Dann kam die Ärztin, machte einen Ultraschall und teilte mir mit, dass die Wehen nicht diejenigen sein, die man bräuchte um die Kleine auf die Welt zu bringen (wenn das nicht die Richtigen sind, dann will ich gar nicht wissen, wie die sich anfühlen). Darüber hinaus wollte man mich in der Klinik eigentlich gar nicht aufnehmen, weil dieses Krankenhaus keine Kinderintensivstation hat und die Kleine ja noch ein Frühchen ist in SSW 35+6. Ab 36+0 wäre das ja kein Problem mehr... Geschätzt wurde sie auf 3200g und knapp 50cm. Also soweit in Ordnung. Zu dem Zeitpunkt ging man noch davon aus, dass man die Geburt einleiten müsse, und das Ganze vermutlich zwei bis drei Tage dauern würde. Und genau das hat meiner kleinen Bauchbewohnerin wohl genau so eine Angst gemacht wie mir...
Um fünf schickte man meinen Mann nach Hause, damit er zur Arbeit wenigstens halbwegs wieder fit ist, man würde ihn anrufen, wenn es richtig losginge. Noch ein CTG, dann ab auf Station, bis um sieben, dann sollte das nächste CTG geschrieben werden. Schon auf dem Weg vom Kreißsaal zum Zimmer wurden die Schmerzen stärker. Im Zimmer angekommen rannte ich wie aufgescheucht hin und her, alle drei Minuten Wehen, richtig unangenehm. Und das noch drei Tage? Weia. Das machte mir Angst.
Das nächste CTG wurde geschrieben und die Hebamme untersuchte mich. Da tat sich endlich doch etwas. Nicht genug, dass es ohne Hilfe weitergehen würde, aber immerhin so viel, dass ich heute noch mit der Geburt meiner Tochter rechnen konnte. Mein Mann wurde angerufen, ich durfte mich vom Untersuchungsraum in den Kreißsaal begeben. Als er dann da war, wurde ich an den Wehentropf angeschlossen, die Schmerzen machten mich wahnsinnig, wurden sie ja von Mal zu Mal stärker und jedes Mal, wenn die Hebamme die Dosis erhöhte, wollte ich sie vermöbeln (unter Schmerzen werd ich aggressiv). Während der gesamten Geburt war die Hebamme (also eben die, die gerade Dienst hatte) für mich da, machte mir Mut, motivierte mich und ging auf das ein, was ich sagte. Ganz im Gegensatz zum Kreißsaalarzt, der mir irgendwelche Sachen erzählte, während ich eine Wehe hatte. Nicht hilfreich, denn ich habe nichts davon mitbekommen, weil ich mich nur auf mich konzentrieren konnte.
Irgendwann wurden die Schmerzen zu stark. Es war ungefähr gegen elf morgens, als ich es nicht mehr aushielt. Ich hatte ja auch schon elf Stunden lang Wehen (das ging ja Schlag Mitternacht los), lediglich anderthalb Stunden vorher geschlafen, nichts gegessen und dementsprechend fertig mit der Welt. Zuerst bekam ich Buscopan, etwas, das Bauchkrämpfe lösen soll, später gab es was Homöopathisches (tolles Zeug!) und noch später half dann nur noch die Rückenmarksnarkose, also PDA. Um 19 Uhr wurde unsere Anna mit 2650 g und 48 cm geboren. Jeden den ich unter der Geburt angebrüllt und beschimpft habe, bitte ich hiermit um Entschuldigung.
Die Tage danach
Zwei Stunden nach der Geburt wurden wir aufs Zimmer gebracht. Anna wurde gebadet und kurze Zeit später stand ihr Bettchen neben meinem. Mir wurde noch etwas zu Essen gebracht und dann fiel ich in einen relativ unruhigen Schlaf, aus dem ich irgendwann nachts geweckt wurde, damit die Kleine versucht zu trinken. Die Krankenschwester half mir gut beim Anlegen der Kleinen, wirklich trinken wollte sie nicht, aber gut, das muss sie ja auch nicht, die Geburt war schließlich schwierig genug.
Das Füttern war meine Hauptaufgabe in den vier Tagen, die wir im Krankenhaus verbrachten. Alle drei Stunden versuchte ich sie zu füttern, das Stillen wollte nicht so recht hinhauen, also musste ich zufüttern, zunächst wenige Mililiter mit einer Plastikspritze in den Mund, später dann richtig mit Flasche und Sauger. Babys, die am Termin geboren werden können auch ein paar Tage mit wenig Milch auskommen, da sie zumeist schwerer sind und somit mehr zuzusetzen haben, das ging bei unserer Tochter nicht. Womit wir auch schon beim Grundproblem wären. Ich fühlte mich tierisch unter Druck gesetzt. Teilweise setzten mich die Schwestern unter Druck, blubberten mich an, warum ich sie nicht stille, versuchten immer wieder sie bei mir anzulegen, ohne Erfolg, andere wiederum waren total lieb und halfen mir indem sie mal eine Fütterung übernahmen, damit ich einmal schlafen konnte. Alle drei Stunden habe ich anderthalb Stunden damit zugebracht zu füttern, anzulegen und zu wickeln, kein Wunder, dass man da irgendwann kurz vor dem Zusammenbruch steht (zum Glück kriegen wir das jetzt alles bißchen schneller auf die Reihe). Ich war irgendwann so unglücklich über die ganze Situation, dass ich kaum noch was aß, nur noch heulte und mir Vorwürfe machte. Eine der Hebammen, der ich auf dem Flur begegnete sprach daraufhin mit mir und baute mich ein wenig wieder auf. Fand ich toll, so etwas kam von den Schwestern so gut wie gar nicht.
Gefüttert habe ich sie im Stillzimmer, einem separaten Raum, zu dem auch die Väter Zugang haben um Mutter und Kind bei der Fütterung und beim Wickeln zu helfen. Dort lief tagein tagaus der gleiche Radiosender. Diesen werde ich mein Lebtag nicht mehr hören wollen.
Das Krankenhaus arbeitet mit dem Kinderkrankenhaus auf der Bult zusammen und so wurde durch eine nette Kinderärztin am dritten Lebenstag das Neugeborenenscreening (Bluttest) und ein Hörtest gemacht, sowie die U2 (Vorsorgeuntersuchung, ob sie sich gut entwickelt) vorgenommen. Soweit so gut, wenn nur das gewesen wäre, aber leider hat meine Kleine eine Neugeborenengelbsucht entwickelt, so dass wir noch etwas im Krankenhaus bleiben mussten, damit der Blutwert noch geprüft werden kann. Am Freitag, also am 9. September war der Wert soweit runtergegangen, dass wir nach Hause konnten, aber noch zur Kontrolle am nächsten Tag wiederkommen sollten.
Aber nicht nur um das Baby wurde sich gekümmert, auch ich wurde ein paarmal durchgecheckt. Das ist wichtig um festzustellen, ob sich die Gebärmutter gut zurückzieht und ob die Narbe gut verheilt und sich mein Kreislauf wieder stabilisiert. Ich hab zwar "nur" 250 ml Blut verloren, hatte aber einen Blutdruck, den man erstmal suchen musste...
Die Ärzte und Schwestern, die sich um meine körperlichen Belange kümmerten waren in Ordnung, da kann ich echt nicht meckern, lediglich die Kinderkrankenschwestern und Stillberaterinnen hätte ich größtenteils aus vorgenannten Gründen am liebsten zum Mond geschossen.
Am Tag vor unserer Entlassung wurde dann noch eine weitere Frau zu uns ins Zimmer gelegt. Somit waren wir zu sechst im Zimmer (drei Frauen und drei Babys mit separaten Bettchen). Dadurch war es viel zu voll, man konnte kaum treten, geschweige denn ohne Störung des anderen in die Waschecke, denn auch dort stand ein Bettchen vorm Vorhang... Zum Glück durten wir am nächsten Tag gehen.
Fazit
Tolle Hebammen, ein paar tolle Krankenschwestern, aber leider auch viele, die ich am Liebsten gar nicht erst kennengelernt hätte. Der Druck, der mir hier gemacht wurde, war für mich zu viel. Sicher gibt es Frauen, die genau das erwarten, das ihnen eben ständig irgendwer hilft, aber nein, ich kann das nicht gebrauchen, ich hätte mir mehr Ruhe beim Füttern gewünscht. Die Ärzte waren soweit in Ordnung (ja auch der Kreißsaalarzt war im Nachhinein sehr verständnisvoll und nett), das Essen eher mäßig und die Zimmer sauber aber überfüllt. Ich vergebe drei Sterne, bin aber unentschlossen, was die Empfehlung angeht.