Aneinander vorbei...
15.11.2004
Pro:
Schreibstil, Situationskomik, Story, Figuren
Kontra:
Nach 112 Seiten is schon Schluss : (
Empfehlenswert:
Ja
 Ciao_Steini
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:111
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 84 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
♥Die Autorin Doris Dörrie wurde am 26. Mai 1955 in Hannover geboren. Nach dem Abitur studiert sie Theaterwissenschaft und Schauspiel am Drama Department der University of the Pacific in Stockton (Kalifornien) und im Anschluss an der New School of Social Research in New York. Nebenbei arbeitet sie in Cafés oder als Filmvorführerin im Goethe-House in New York. Nachdem sie 1975 nach Deutschland zurückkehrt, beginnt sie das Studium an der Hochschule für Fernsehen und Film in München und schreibt nebenher Filmkritiken für die Süddeutsche Zeitung. Seit 1987 veröffentlicht sie Kurzgeschichten und schreibt Erzählungen, die ein immer größeres Publikum finden. Sie arbeitet als freie Mitarbeiterin für unterschiedliche Fernsehanstalten und dreht z.B. für das ZDF den Kinderfilm „Paula aus Portugal“. 1985 wird ihre Komödie „Männer“ zu einem riesigen Erfolg. Der Film mit Heiner Lauterbach und Uwe Ochsenknecht in den Hauptrollen bringt Doris Dörrie auf den Titel des Spiegels. 1989 gründet sie zusammen mit Gerd Huber, Renate Seefeld, Helge Weindler und Thomas Müller die Cobra Filmproduktions GmbH. Für ihre Arbeiten wird Dörrie vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Deutschen Filmpreis, dem Bettina von Arnim-Literaturpreis sowie dem Gildefilmpreis.Ihr Ehe- und gleichzeitig Kameramann Helge Weindler stirbt am 22. März 1996 während der Dreharbeiten zu „Bin ich schön?“ in Spanien an Krebs. Die Produktion wird erst im Herbst des folgenden Jahres wieder aufgenommen. Heute lebt Doris Dörrie mit ihrer Tochter Carla in München und unterrichtet inzwischen auch an der Hochschule für Film und Fernsehen. ♥Bibliographie (Auszug) Liebe, Schmerz und das ganze verdammte Zeug. Vier Geschichten. – 1987 Was wollen Sie von mir?. Und 15 andere Geschichten - 1989 Für immer und ewig. Eine Art Reigen. – 1991 Der Mann meiner Träume. Erzählung. – 1991 Love in Germany. Deutsche Paare im Gespräch mit Doris Dörrie. – 1992 Bin ich schön? Erzählung. – 1994 Samsara. Erzählungen. – Oktober 1998 Was machen wir jetzt? – Dezember 1999 Happy – 2001 Das blaue Kleid – August 2002 Mitten ins Herz und andere Geschichten – September 2004♥Die Story Ausgangssituation: drei befreundete Paare wollen sich an einem Samstagabend treffen. Alles scheint wie immer… es scheint – vieles hat sich verändert. Emilia und Felix Die beiden sind seit kurzem getrennt. Beide leiden unter der Situation – sowohl psychisch als auch finanziell. Emilia wohnt in einer kleinen dunklen Wohnung und ist unzufrieden mit sich und der Welt. Auch Felix hat scheinbar den Boden unter den Füssen verloren. Als er Emilia abholt, umschiffen beide das Zentrum des Schmerzes mit ironischen Bemerkungen und gestelzt witzigen Dialogen. Ja nicht auf DAS Thema kommen, ja nicht nach den Gründen fragen. Statt dessen machen beide ihrem Unmut Luft, dass sie so gar keine Lust auf das gemeinsame Essen mit den anderen haben. Die anderen, die sie beide ja eh nur von oben herab, mitleidig ansehen, die armen Singles… Emilias Schlusssatz bevor der erste Vorhang fällt: „Weißt du, manchmal vermisse ich dich ganz schrecklich, so als wärst du tot, und dann renne ich ins Bad und rieche an deinem After Shave, bis du wieder da bist, wie ein Geist aus der Flasche, und dann merke ich, daß ich nicht wirklich dich vermisse, sondern mich – wie ich mal war…“ [Seite 17] Charlotte und Dylan Durch Dylans geschickte Spekulation an der Börse geht es den beiden finanziell recht gut. Doch trotz Luxus und Geld wird ihre Beziehung nicht reicher, sondern immer armseliger. Charlotte hat das Gefühl als würde Dylan sie nicht mehr verstehen, und sie nicht mehr sehen – als das, was sie wirklich ist. Sie glaubt, dass beide vorher ohne das viele Geld glücklicher waren und sich über das wesentliche freuen konnten. Auch haben beide das Gefühl, sie müssten ihr Geld immer „verstecken“ damit es nicht so wirkt, als wollten sie angeben. Das stresst auch sehr – dabei ist vielleicht gar keiner neidisch?Anette und Boris Das dritte Pärchen liegt eigentlich genau in der Mitte. In einer gemütlichen IKEA-like eingerichteten Wohnung geht es ihnen gut. Boris arbeitet für Dylan, weil er damals verpasst hat auf das Pferd mit aufzuspringen. Trotzdem fehlt es den beiden an nix. Und man hat bei beiden sofort das Gefühl, dass sie sich wirklich noch lieben wie am ersten Tag. Der Abend findet bei Charlotte und Dylan statt. Das Essen hat Dylan verdorben, weil er im falschen Moment Sahne in den Topf schüttet und die jetzt ausflockt, Streit ist schon vorprogrammiert. Als die anderen eintreffen will echte Stimmung irgendwie nicht aufkommen. Die fröhlichen und ungezwungenen Abende wie früher sind unerreichbar. Emilia und Felix fühlen sich ständig wie Außenseiter, weil sie denken, die anderen haben ein Problem mit ihrem Single-Status und zwischen Dylan und Charlotte liegen ungeklärte Dinge in der Luft. Um die Gespräche aufzulockern, erzählt Emilia sie habe gelesen, dass sich Paare auch nach 20 Jahren mit geschlossenen Augen nicht erkennen könnten. Das löst eine Diskussion aus. Und Felix tut sein übriges als er eine Wette vorschlägt…Ein Experiment mit Folgen. ♥Meine Eindrücke Die Filme von Doris Dörrie (wie bspw. „Bin ich schön?“) mag ich – zum Lesen der Bücher bin ich bisher noch nicht gekommen. „Happy“ ist also meine Premiere! Und ich war begeistert. Auf 112 Seiten schafft es Dörrie Alltagssituationen aufzuzeigen, in die wir uns alle reinversetzen können. Dabei versieht sie alles immer mit einem Schmunzeln. Sie selbst sagt, dass auch in tragischen Momenten etwas komisches liegen kann. Das heißt allerdings nicht, dass sie Situationen ins Lächerliche zieht, sie zeigt sie lediglich auf und macht einem die einzelnen Figuren mit ihrem schnörkellosen und amüsanten Schreibstil sehr sympathisch. Auch sind die Figuren sehr eigen – jede hat einen eigenen charakteristischen Auftritt – Macken wie im Alltag eben. Das Buch ist in Dialogen geschrieben. Nach verschiedenen Episoden fällt der Vorhang. Und der fällt immer so geschickt, dass sich der Leser in diesem Moment seine eigenen Gedanken machen kann. Kommt mir diese Szene nicht von mir selbst bekannt vor? Ich hätte doch auch nicht anders gehandelt, oder? Ich denke, ich werde noch weitere Bücher von Doris Dörrie lesen und leg sie euch hiermit uneingeschränkt ans Herz!FELIX Findest du es nicht komisch, daß wir uns mal so gut gekannt haben? EMILIA Ja. Ich sehe dich manchmal an und erkenne dich gar nicht richtig. Als wäre ich kurzsichtig geworden… [Seite 11] ♥Happy Doris Dörrie Diogenes Verlag (Zürich) ISBN 3 257 06279 6 Preis: 13.90 Euro
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Happy, Doris Dörrie
2002, 112 Seiten, Maße: 11,3 x 18,2 cm, Taschenbuch, DeutschStimmt es wirklich, ...
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03.03.2005 14:18
hört sich gut an werde ich mir mal merken! schöner bericht :-) LG sandy
05.01.2005 22:39
Das Zitat mit dem AfterShave ist klasse. Ich glaube so kann ich mir den Stil vorstellen...
18.11.2004 00:43
Flott gelesen und flott geschrieben! lg Mundi