Haus der langen Schatten, Das

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Gruselparade der Großen Alten Männer
Erfahrungsbericht von carmen über Haus der langen Schatten, Das
24.08.2004


Produktbewertung des Autors:   


Pro: die besten Horror - Schauspieler aller Zeiten vereint
Kontra: etwas altbacken

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Denkt man an gepflegten Gursel der guten alten Zeit, welche Namen kommen einem da am ehesten in den Sinn? Vincent Price in „Das Pendel“, Christopher Lee in „Dracula“ oder Peter Cushing in "Die lebenden Leichen des Dr. Mabuse“.
Hier fand ich einen Film bei Premiere, der all diese Größen des Horrorgenres zu einem gemeinsamen Spiel vereint.


** Die Story **
Der amerikanische Autor Kenneth Magee (Desi Arnaz) hat seit seinem ersten Erfolgsroman schon lange nichts mehr geschrieben und wird von seinem britischen Verleger Sam Allyson (Richard Todd) nun langsam in die Pflicht genommen. Magee ist der Meinung, daß es doch nur wenig bedarf, einen neuen Thriller aus dem Ärmel zu schütteln. Und so schließen die beiden eine Wette ab: schafft es der junge Autor, innerhalb von 24 Stunden einen neuen Roman zu schreiben, dann gewinnt er 20.000 Dollar.

Allerdings braucht er dazu natürlich Ruhe und Abgeschiedenheit. Und was eignet sich dazu besser als ein einsames Haus? Wie zufällig kennt Allyson einen Freund, der in Wales ein altes Schloß besitzt, das gerade zum Verkauf und schon seit Jahren leer steht. Dort könnte Magee also seinen schöpferischen Ideen freien Lauf lassen und in aller Ruhe seinen Roman schreiben.

Also begibt sich Magee in einer stürmischen Nacht zu einem Ort und Schloß mit dem unaussprechlichen Namen
Es ist schon etwas düster, was er da vorfindet. Und noch düsterer sind die beiden Gestalten, die in dem Schloß wohnen und angeblich die Hausverwalter sind.
Kurz danach schleicht sich noch eine Gestalt in das Haus, zu dem es angeblich nur drei Schlüssel gibt - eine bucklige, häßliche Alte in einem schwarzen Cape. Doch die stellt sich nach einem kurzen Kampf als junge, attraktive Mary Norton heraus, die in dieser Maskerade gekommen ist, um den unbedarften jungen Mann vor furchtbaren Gefahren zu warnen, die auf ihn in diesen Mauern lauern.
Sorry, war ein Scherz, den sich sein Verleger ausgedacht hat, um Magee daran zu hindern, die Wette zu einfach zu gewinnen. Und Mary Norton (Julie Peasgood) ist die Sekretärin von Allyson, die sich zu diesem Spiel hergab.

Nun wird es allerdings unheimlich, als noch mehr ungebetene Gäste ins Haus kommen - jeder mit einem Schlüssel, der ja garnicht existieren dürfte. Zuerst erscheint Lionel Grisbane (Vincent Price), dessen Familie dieses Schloß einst gehörte. Und nun stellt sich heraus, daß die beiden Hausverwalter ebenfalls zur Familie gehören - es handelt sich nämlich um Lord Grisbane (John Carradine) und seine Tochter Victoria (Sheila Keith).
Und als ob es nicht schon so belebt wäre wie auf dem Times Square wäre, erscheinen auch noch der zweite Grisbane-Sohn Sebastian (Peter Cushing) und der jetzige Besitzer des Schlosses Corrigan (Christopher Lee), der von der Familienzusammenkunft garnicht begeistert ist, sich aber doch noch besänftigen läßt und zwei junge Leute, die das Unwetter überrascht hat.

Gegenstand des Treffens nach 40 Jahren ist Bruder Roderick, den man nach einem Verbrechen in ein abgelegenes Zimmer des Schlosses sperrte und dort seinem Schicksal überließ, nur ernährt von Lord Grisbane und Victoria. Der soll nun endlich aus seinem Gefängnis entlassen werden.
Doch die verwahrloste Kammer ist leer, Roderick offensichtlich entkommen.

Lord Grisbane erleidet von dem Schock einen Herzanfall und bald darauf findet man auch Victoria grausam verstümmelt und tot.
Keiner der Bewohner scheint mehr sicher zu sein - doch eine Flucht ist offensichtlich unmöglich.


** Darsteller **
Wie ich schon gesagt habe, spielen hier die Großen der Großen des Genres alle unter einem Dach vereint. Ich denke, ich muß einfach zu jedem was sagen.

Vincent Price (Das Pendel des Todes, Der Rabe - Duell der Zauberer) sagte in seinem Lieblingssatz oft: „Kein Bösewicht ist so furchterregend, wie der, der die Kunst liebt." Zu Beginn seiner Karriere spielte er vorwiegend in historischen Kostümfilmen wie "Günstling einer Königin" (1939) oder "Die drei Musketiere" (1948), aber auch in Krimis und Thrillern des alten Hollywood wie "Der Unsichtbare kehrt zurück" (1940) oder "Shock" (1946). In den 60er Jahren wurde er neben Boris Karloff und Bela Lugosi eine der geheimnisvollsten Figuren des Horrorfilms, vor allem in den Edgar-Allen-Poe-Filmen von Roger Corman (Satanas - Das Schloss der blutigen Bestie, Das Grab der Lygeia u. a.).
Zu seinen letzten Filmen zählen "Edward mit den Scherenhänden" (1990) und "Heart Of Justice - Tag der Rache" (1992).
Vincent Price starb 1993.

Christopher Lee (Dracula, Star Wars: Episode II - Angriff der Klonkrieger, Herr der Ringe) ist uns allen wohl am bekanntesten als Dracula (1948) der alten Schule, den er im Laufe seiner Karriere so oft spielte, dass er als der bekannteste Blutsauger in die Filmgeschichte einging. Dabei konnte der Sohn einer italienischen Hochadeligen und eines Colonels Bösewichter, aber auch Helden verkörpern. Zu seinen bekanntesten Rollen zählen neben Dracual auch die in "Des Königs Admiral", als Sherlock Holmes, "James Bond 007 - Der Mann mit dem goldenen Colt" (1974). Zuletzt sah man Lee in der Herr der Ringe-Trilogie (2002) und in "Das letzte Einhorn - Der Film" (2002).
Er hat mehr als 200 Filme gedreht.

Peter Cushing (Dracula, Krieg der Sterne) war in den zahlreichen Dracula-Filmen der 60er Jahre Christopher Lees Gegenspieler als Dr. Van Helsing und blieb diesem Genre Zeit seines Lebens verhaftet, während seine Kollegen Lee und Price schon mal in einem anderen Genre unterwegs waren.
Peter Cushing starb ebenfalls 1993.

John Carradine (In 80 Tagen um die Welt, Woody Allens "Was sie schon immer über Sex wissen wollten) war ebenfalls nach seinen ersten Schritten auf der Leinwand 1930 im Horrorgenre zu Hause und spielte zunächst in den üblichen Verfilmungen der Dracula Geschichte oder Sherlock Holmes. Allerdings war er auch in Monumentalfilmen zu sehen, wenn auch eher in kleinen Rollen (Cleopatra, Die Zehn Gebote). Seine drei Söhne David, Keith und Robert wurden bekannte Stars.
Gestorben ist Carradine 1988.

Zum Hauptdarsteller Desi Arnaz sowie Julie Peasgood habe ich keinerlei Informationen gefunden.


** Filmkritik **
Dieser Horrorfilm wurde inspiriert durch die Erzählung „Seven Keys to Baldpate“ von Earl Derr Biggers und der Dramatisierung von George M Colum - so zumindest stand es im Abspann.

Der Film beginnt zunächst wie ein gewöhnliches Katz-und Maus-Spiel zwischen Autor und Verleger, bei dem es um Geld und Leistungsdruck geht. Es endet in jener Wette, die unseren Helden in dieses einsame Schloß verschlägt, in dem er die nächsten 24 Stunden zubringen wird. Ehrlich gesagt, hätten mich keine 10 Pferde in dieses ungastliche Gemäuer gebracht. Nicht mal die Aussicht auf 20000 Dollar.
Schon allein die Fahrt dahin ist ziemlich gruselig durch Gewitter, Sturm und Regen. So wird der Zuschauer allmählich darauf eingestimmt, was noch kommen mag. Es tauchen seltsame Gestalten auf, die nicht so recht ins Bild passen wollen und die erst im Laufe der Geschichte einen Sinn ergeben.

Aber gerade mit diesen Überraschungsmomenten, mit plötzlich aus dem Dunkel auftauchenden Menschen, spielt der Film, ebenso wie mit Licht und Schatten, wobei die Finsternis hier eher vorherrschend ist, als die Helligkeit.

Auch mit der Identität der Darsteller verbindet man als Zuschauer schon bestimmt Vorahnungen und Erwartungen. Allein, die bekanntesten Größen des Horrorfilms vereint zu sehen in diesem Kammerspiel, ist doch Bedeutung genug. Da weiß eigentlich jeder, daß es hier gruselig werden wird. Und so kommt es ja auch. Es sterben ab einem bestimmten Punkt die beteiligten Personen reihenweise weg, werden auf grausame Art ermordet. Und jeder kann es gewesen sein, wenngleich es alle auch auf den abwesenden - verrückten - Bruder Roderick schieben, dessen Geschichte wir hier allerdings nur ansatzweise erfahren und nicht wissen, was wir glauben sollen. Zumal jeder der anderen auf seine Weise überzeugend wirkt.

Zugegeben, von der darstellerischen Qualität ist der Film etwas angestaubt. Die Dialoge wirken leicht gestelzt und antiquiert in der Ausdrucksweise, sind aber andererseits auch geschliffen.
So glaubwürdig und professionell Price, Cushing, Lee und Carradine mit ihrer Darstellung wirken, so laienhaft agieren die jungen Schauspieler. Vor allem Julie Peasgood ging mir ein wenig auf die Nerven, weil sie so übertrieben und konfus spielt.

Insgesamt jedoch bietet dieser alte Horrorstreifen gute Unterhaltung, recht überzeugende Spannung und natürlich einfach glänzender Schauspielkunst.
Nur das Ende schien mir sehr aufgesetzt, wenn der nun geläuterte Autor sagt: „Menschliche Gefühle sind mehr. Sie bedeuten alles.“
Und ganz am Ende bleibt die Frage. Hä?


** Mein Fazit **
Für Fans guten alten Horrors mit großen Schauspielern ist dieser Film natürlich ein Muß, für die anderen gilt die Empfehlung aber auch. Allein das Ensemble ist die Zeit wert, finde ich.


** Daten **
Großbritannien 1982
Genre: Horror
Originaltitel: House of the long shadows
Produzenten: Menahem Golan, Yoram Globus
Regie: Pete Walker
Drehbuch: Michael Armstrong
Musik: Richard Harvey
FSK 16

   

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01.01.1970

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