Erfahrungsbericht über

Hawaii / James Michener

Gesamtbewertung (10): Gesamtbewertung Hawaii / James Michener

 

Alle Hawaii / James Michener Testberichte

 Eigenen Erfahrungsbericht schreiben


 


Die Chronik von Hawaii mal spannend erzählt

4  04.04.2004

Pro:
Sehr spannend, man lernt etwas über Hawaii, flüssig zu lesen

Kontra:
Teils veraltete Sprache und Wortwahl, sehr kleine Schrift

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Niveau

Unterhaltungswert

Spannung

Wie ergreifend ist die Story?

mehr


LaJungle

Über sich: Schön, dass Ihr vorbei schaut! Ich bedanke mich bei allen, die meine Berichte lesen, für die vielen ...

Mitglied seit:16.09.2002

Erfahrungsberichte:327

Vertrauende:74

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 89 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Heute möchte ich über ein schon älteres Buch berichten, dass ich vor einiger Zeit mit Begeisterung gelesen habe. Die Rede ist von James A. Micheners „Hawaii“. Als man es mir empfohlen hat, war ich noch nicht ganz sicher, ob es mir gefallen würde, denn es beschäftigt sich, grob gesagt, mit Geschichte, für die ich mich nicht immer erwärmen kann. In diesem Fall handelt es sich um die Entstehung und Entwicklung von Hawaii, sozusagen der Chronik des 50. Bundesstaates der USA. Das Besondere an diesem Roman ist jedoch, dass es sich um kein Sachbuch oder eine trockene Dokumentation handelt, sondern um einen packenden, sechsgeteilten Roman, der die Chronik anhand der Geschichte fiktiver Personen wiedergibt.

INHALT

Wie schon erwähnt besteht der Roman aus sechs einzelnen, für sich abgeschlossenen Teilen, die gemeinsam die Chronik Hawaiis erzählen, einzeln ein spannendes Stück der Inselkette erzählen. Michener unterteilte „Hawaii“ in folgende Kapitel:

1. VON DER UNERGRÜNDLICHEN TIEFE
Das erste Kapitel ist zugleich das kürzeste und das einzige, in dem es nicht um die Geschichte bestimmter Personen geht. Hier erzählt Michener über die Entstehung Hawaiis durch Vulkane. Er beschreibt dabei die Prozesse genaustens und detailliert, trotzdem jedoch auf eine interessante Weise, sodass man nicht das Gefühl hat, man liest ein Sachbuch über Vulkanismus, im Gegenteil, alles liest sich sehr gut und man bildet sich eher nebenher. Auch die Länge des Kapitels ist angemessen, denn so ist es schon zu Ende, bevor man denken kann, dass es vielleicht doch nicht so spannend ist.

2. VON DER SONNENLAGUNE
Dieses gut 100 Seiten lange Kapitel schildert die Geschichte der Bewohner von Bora Bora, einer Nachbarinsel von Tahiti, die vor einem für sie aussichtslosen Krieg mit den Nachbarstämmen flüchten. Beruhend auf einer Legende, die von einer Insel weit weg erzählt, machen sie sich, angeführt von einem Mann namens Teroro, auf den Weg nach Hawaii, ungewiss, ob es diese Inseln wirklich gibt, oder nicht. Mit Wartet-auf-den-Westwind, ihrem Kanu, beladen mit Tieren und Nutzpflanzen, begeben sie sich auf die lange Fahrt und erreichen schließlich Hawaii ...

3. VON DER FARM DER BITTERKEIT
Das längste, und meiner Meinung nach eines der spannendsten Kapitel, befasst sich mit der Missionierung Hawaiis durch die Amerikaner. Eine Gruppe von Missionaren und deren Frauen machen sich auf den Weg nach Hawaii, um den Menschen dort die Bibel zu verkünden und ihnen ihre Kultur aufzudrängen. Unter ihnen auch der einundzwanzigjährige Abner Hale und seine, ein jahr ältere Frau Jerusha. Die beiden beginnen auf Hawaii ein neues Leben, jedoch nicht, ohne ihre alten Bräuche beizubehalten. So ziehen sie sich jeden Herbst ihre wollenen Unterhosen an, obwohl es auf Hawaii gerade jetzt sehr heiß ist. Gelingt es ihnen schon nicht, allein mit dem Wort der Bibel zu überzeugen, so ist es ihnen bei ihrer Mission sehr von Nützen, dass sie den Hawaiianern lesen und schreiben beibringen können. Doch auch Probleme sind natürlich vorprogrammiert ...

4. VON DEM HUNGERNDEN DORF
Nachdem sich die Nachkommen der Missionare bewusst geworden waren, dass sich mit Zuckeranbau richtig viel Geld machen ließ, bestimmten die Großgrundbesitzer weitgehend über das Schicksal der Inseln. Da die Hawaiianer es nicht gewohnt waren, auf einer Plantage zu arbeiten, werden billige chinesische Arbeitskräfte nach Hawaii geschickt. Michener erzählt hier die Geschichte einer Frau Namens Nyuk Tsin, die aus dem Stamm der Hakka stammt und mit einem Punti-Mann, einem Mann aus dem verfeindeten Stamm, nach Hawaii kommt. Nyuk Tsin hat es nicht leicht als eine Hakka unter Punti. Doch trotz Rückschlägen, wie dem Ausbruch von Lepra, gelingt es ihr, ihre Familie zu der wohlhabendsten chinesischen Familie Hawaiis zu machen ...

5. VON DER INLANDSEE
Anhand der Geschichte von Kamejiro berichtet Michener nun über den Einfluss der Japaner auf Hawaii, die ebenfalls herkamen, um auf den Zuckerrohrfeldern zu arbeiten. Dieses Kapitel erzählt, wie sich die Japaner zu bedeutenden Anwälten und Politikern entwickelten und ihrerseits Einfluss auf Hawaii nahmen.

6. DIE GOLDENEN MÄNNER
Das letzte Kapitel verknüpft die einzelnen Handlungsstränge zu einem großen. Hier erzählt Michener, was aus den einzelnen Personen geworden ist und welche Position sie und ihre Nachkommen eingenommen haben. Ein sehr interessantes Kapitel, da sich die Personen auch während der vorherigen Kapitel immer wieder begegnen und in gewisser Beziehung zu einander stehen.

Insgesamt ist das Buch also ein Netz aus einzelnen Geschichten und Personen, die gemeinsam eine große Geschichte ergeben, die nebenbei die Chronik Hawaiis erzählt. Da alles sehr umfassend und detailliert ist, helfen am Ende einige Stammbäume, noch durchzublicken.

MEINUNG

Nachdem ich mich in dieses dicke Buch, immerhin über 1000 Seiten, eingelesen hatte, wollte ich gar nicht mehr aufhören. Vor dem historischen Hintergrund, den man so ganz nebenbei lernt, sind die Geschichten der einzelnen Familien wirklich sehr spannend geschrieben und man möchte immer mehr erfahren. Teilweise merkt man dem Buch zwar an, dass es 1959 entstanden ist, da einige Formulierungen heute so nicht mehr benutzt würden und auch die Sprache etwas merkwürdig, halt älter, klingt, aber im Großen und Ganzen lässt es sich sehr gut und flüssig lesen.

Fasziniert hat mich, dass einige Personen oder deren Nachkommen, im Verlauf des Buches immer wieder eine Rolle gespielt haben, da sie erneut auftauchen und man erinnert sich dann zurück, wie alles angefangen hat. Im Grunde ist am Ende irgendwie jeder mit jedem verknüpft, sei es nun durch geschäftliche oder familiäre Bande. Ich fand es sehr schön, etwas über die Geschichte zu lerne, ohne mich dabei belehrt oder gelangweilt zu fühlen, denn man hatte nie den Eindruck, jetzt müsse man sich das aber unbedingt merken. Zwar werden bei wichtigen Ereignissen auch Daten erwähnt, aber eher nebenher, was das Ganze etwas auflockert und wodurch es eher beiläufig wird.

Historisch ist es erwiesen, dass sich die Entstehung und Besiedelung, ja die ganze spätere Entwicklung tatsächlich so abgespielt haben muss, Michener bringt sie uns lediglich durch fiktive Personen näher. Bis auf eine Person sind alle frei erfunden, jedoch hätte es genauso sein können, wie Michener es schildert. Ich finde es wirklich toll, wie jemand ein so umfassendes Werk schreibt, dabei fiktive Personen oder Ereignisse erfindet, die jedoch die wahre Geschichte, wie sie wirklich gewesen ist nur untermalen.

Zu bemängeln ist vielleicht, dass die Taschenbuchausgabe, die ursprüngliche kenne ich nicht, sehr klein gedruckt ist, vielleicht gerade mal Schriftgröße 8. Sowas ist auf Dauer natürlich anstrengend für die Augen, andererseits wäre das buch sonst wohl doppelt so dick. Die kleine Schrift hat mich trotzdem nicht davon abgehalten die mehr als 1.000 Seiten in weniger als zwei Wochen zu lesen, denn sobald ich etwas Zeit hatte, griff ich zum Buch. Zwar sind die einzelnen Kapitel in sich abgeschlossen, sodass man auch eine größere Pause hätte einlegen können, aber da die Personen später noch öfters eine Rolle spielen, fand ich es gut, dass noch alles frisch war, außerdem war es einfach zu spannend, um aufzuhören.

AUTOR

James A. Michener wurde 1907 in New York geboren, auch wenn dies nicht bewiesen ist, da er nach seinen eigenen Angaben ein Findling war und weder wusste wo, noch wann er geboren wurde. Durch „Tales of the South Pacific" wurde der Historiker berühmt und erhielt den Pulitzerpreis. Zeit seines Lebens schrieb er über 40 Bücher. 1997 starb Michener, da er seine Dialyseapparate abstellen ließ, die ihn am Leben hielten.


FAKTEN

Titel: Hawaii
Autor: James A. Michener
Erschienen: 1959 (1977 deutsche Ausgabe)
Taschenbuchausgabe mit 1056 Seiten
Goldmann Verlag
ISBN: 3442068215
Preis: 9,95 Euro für die neuste Auflage bei amazon

FAZIT

Das Buch hat mich, obwohl ich mich nicht sonderlich für Geschichte interessiere, gepackt und nicht mehr losgelassen. Von der ersten Seite an bringt Michener einem die Chronik Hawaiis spannend und überhaupt nicht belehrend näher. Die Geschichten, die einzeln für sich, aber vor allem alle zusammen sehr spanend und ergreifend sind, tun ihr Übriges. Lediglich die teilweise veraltete Sprache und Wortwahl, sowie die sehr kleine Schrift wäre zu bemängeln, sodass ich insgesamt zu vier von fünf Sternen und einer Empfehlung komme.

Ich möchte noch erwähnen, dass der Inhalt im Vergleich zur Meinung recht lang wirken mag, allerdings habe ich mich so kurz wie möglich gefasst und alles nur angerissen, schließlich handelt es sich hier um ein sehr detailliertes Werk, dessen Inhalt man kaum in ein paar Worten wiedergeben kann.


Dieser Bericht entstand im Rahmen der Aktion „Bücherfrühling 2004“, einer Aktion von Espionne und BlankAttack. Mehr Infos in Espionnes Visitenkarte ...
Ihre Bewertung dieses Erfahrungsberichtes

Wie hilfreich ist dieser Erfahrungsbericht für Ihre (Kauf-)Entscheidung?

Bewertungsrichtlinien

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Violinchen28

Violinchen28

14.04.2004 21:38

Wieder mal ein sehr gut zu lesender Bericht von dir. Auch gefällt mir die thematik des Buches, da werden derzeit beim Bücherfrühling so viele interessante Bücher vorgestellt, da weiß man gar nicht wo man zu lesen anfangen soll. Gruß Vio

kasikrul

kasikrul

08.04.2004 10:12

1056 seiten bei schriftgröße 8 - wahnsinn... kasikrul

hr.biernot

hr.biernot

06.04.2004 22:21

Ich mag die Art, wie Michener seine Bücher schreibt sehr. So nach und nach gibt alles und jedes einen Sinn. Unter anderem stehen Texas und Karibik in meinem Schrank. Es dürfte aber noch ein paar mehr geben..... Gruß Peter

Eigenen Kommentar schreiben

max. 2000 Zeichen

  Kommentar abschicken


Ähnliche Angebote
Hawaii - Michener, James A.
Hawaii -​ Michener, James A.
Buch24
€ 6,45 *
Versandkosten: versandkostenf...
mehr
 zum Shop
Buch24
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
Bewertungen
Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 561 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

"besonders hilfreich" von (6%):
  1. Majali
  2. Puppal
  3. Vanessa.Kensington
und weiteren 2 Mitgliedern

"sehr hilfreich" von (94%):
  1. jansdarling2002
  2. Petaluma
  3. Mayday68
und weiteren 81 Mitgliedern

Informationen zur Berechnung der Gesamtbewertung.