Heizen was das Zeug hält
27.01.2004
Pro:
Warme Tipps vom Diplom - Sparfachmann
Kontra:
gefrorene Fritten sind ungesund für den Magen
Empfehlenswert:
Ja
 thomas_kretschmer
Über sich:
Zur Zeit wenig Zeit für CIAO. Ich wünsche allen einen schönen Sommer ! Thomas & und seine Testtier...
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Die grössten Energieverbraucher in unserem Lande sind nicht die BMW-Fahrer, sondern die Gebäudeheizungen ! Trotzdem haben beide eine Gemeinsamkeit : Beide heizen kräftig ! Aber Spaß beiseite. Wie ich auch schon in meinem Bericht „Gefrorene Fritten im Zelt“ ( Stromsparen ) erklärte, macht auf Dauer Sparen nur Spaß, wenn man sich nicht wirklich einschränken, sondern nur ein wenig umstellen muß. Der richtige Umgang mit Heizen & Lüften kann sogar für höheren Wohnkomfort sorgen.Wer sein Haus anzündet, hat es sehr schnell warm, kann aber die Temperatur schlecht regeln ,muss hinterher den Teppich saugen und hat daneben auch noch ganz andere Probleme. Befassen wir uns also mit der SAUBEREN Erwärmung des Hauses durch die eingebaute Heizung. Alte Heizungen müssen alsbald zwangsweise erneuert werden, was ein Thema für sich ist. Setzen wir mal voraus, dass die Heizung modern ist und korrekt arbeitet.Weniger spart mehr – klingt logisch ! Verzichtet man auf Zimmertemperaturen von 23 Grad und begnügt sich mit 20 – 21 Grad, spart man bereits 10 – 15 % Heizkosten. Nicht ständig genutzte Räume sollte man ungeheizt lassen und nur für die Nutzungsdauer warm machen. Am besten geht dies mit flinken Heizkörperheizungen – träge Fußbodenheizungen machen Probleme, erst recht wenn es sich auch noch um FussbodenSPEICHERheizungen handelt, die noch träger sind. Luftnummer Das Lüftungsverhalten hat, wie eine Untersuchung mit Passivhäusern in meiner Heimatstadt gerade ergeben hat, offensichtlich einen geringeren Einfluß auf den Energieverbrauch als gedacht. Ich bin da zwar etwas skeptisch, aber jeder sollte sich da eigene Gedanken machen. Wie man optimal lüftet, ist dagegen unstrittig : Man sollte nicht bei gekipptem Fenster dauerlüften, sondern über in Diagonallinie ( zwei gegenüberliegende Fenster ) die Stoßlüftung wählen. Die Lüftungsdauer hängt von den Wind- und Temperaturverhältnissen ab ; Windstille im Sommer : ca. 20 Minuten ; windige Frostwitterung im Winter : hier können sogar 2 Minuten für einen gründlichen Luftaustausch reichen.Feuchte (Alb-)träume Die Luftfeuchtigkeitsübewachung durch ein Hygrometer in der Wohnung ist unabdingbar, um die Luftqualität überhaupt erst kompetent beurteilen zu können. Wer kein einziges Hygrometer in seiner Wohnung hat, sollte bei Diskussionen um die Luftqualität besser auf unqualifiziertes Gefasel verzichten und schweigen oder über’s Wetter reden. Ein mechanisches Hygrometer kostet nur 3,95 € ( CONRAD electronic Versand ) und wer keines zuhause hat, der ist selber schuld. Am besten hat man eines in der Küche und im Bad, wo Feuchtigkeitsstau am schnellsten entsteht und eines im sonstigen Wohnbereich ( Flur, Wohnzimmer ). 50 – 60 % ist der Optimalwert und sollte per Lüften angestrebt werden. Das ist noch einfach zu verstehen, aber jetzt wird’s kompliziert. Ich habe lange überlegt, ob ich euch mit den Gesetzen der Physik „belasten“ soll oder mich mit einem einfachen Kurztext begnüge. Aber besser, wir nehmen uns Zeit und ihr wisst dann wirklich bescheid, als dass nicht verstandenes Halbwissen euch noch mehr verwirrt............Feucht ist nicht immer feucht Man unterscheidet die ABSOLUTE Luftfeuchtigkeit ( welche hier nur am Rande interessiert ) , welche die Menge an Wasser im Verhältnis zum Luftvolumen angibt ( z.B. Liter pro Kubikmeter ) von der relativen Luftfeuchtigkeit. Die RELATIVE Luftfeuchtigkeit ist viel wichtiger und beträgt 100 %, wenn die Luft voll mit Wasser gesättigt ist und jede weitere Feuchtigkeitszufuhr sofort zum „Regnen“ führen würde. Sie heisst „relativ“, weil sie das Verhältnis anzeigt zwischen dem tatsächlichen Wassergehalt und jenem, der theoretisch maximal erreicht werden könnte. Bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 50 % ist die Luft z.B. zur Hälfte gesättigt.Je wärmer die Luft ist, desto mehr Wasser kann sie als Feuchtigkeit speichern. Und dieses physikalische Gesetz kann schlimme Folgen haben ! Hat man im Badezimmer nach dem Duschen bei einer Lufttemperatur von 24 Grad 100 % relative Luftfeuchtigkeit, führt das noch nicht zum „Regnen“. Kühlt diese Feuchtluft an der Spiegeloberfläche ab, führt dies zu harmlosen Tröpfchen. Kühlt sie an der Badezimmerwand ab, und dies geschieht vor allem an den kühleren Außenwänden ( und im Fensterrahmenbereich ) so kann das „kondensierende“ Wasser die Wand durchfeuchten und Schimmelbildung ermöglichen. Kondensieren ist nichts anderes als was auch beim Regnen abläuft : Feuchte Warmluft am Himmel steigt auf, in den größeren Höhen, wo es kälter ist kondensiert sie und es beginnt zu regnen. Deshalb sollte man ungenutzte Räume auch nicht auf unter 13 Grad auskühlen lassen, denn dann kühlen auch die Wände aus. Kommt dann aus anderen Räumen oder durch Wäschetrocknen feuchte Warmluft in einen ausgekühlten Raum, kondensiert die Luftfeuchtigkeit und es bildet sich Wasser an der Wandoberfläche. Nochmal : Die feuchte Warmluft mag im Zimmerinneren ja noch nicht kondensieren und kann z.B. mit 13 Grad die Feuchtigkeit „halten“. Aber wenn sie an den kühlen Außenwänden auf unter 13 Grad herunterkühlt VERLIERT sie die Fähigkeit, die Feuchtigkeit zu halten und das in der Luft enthaltene Wasser kondensiert.Wenn jemand bei Frost von draußen hereinkommt, kühlt die feucht-warme Innenluft an seinem kalten Brillengestell oder Kameraobjektiv ab und kondensiert. Das Glas „beschlägt“. Im kalten Auto atmen die Insassen feucht-warme Luft mit einer (Körper-)Temperatur von 37 Grad aus. Diese Luft kühlt an den Scheiben drastisch ab und führt sofort zum Beschlagen. Die Empfehlung, die Klimaanlage auch im Winter laufen zu lassen hat nicht den Sinn, die ohnehin schon kühle Luft noch mehr zu kühlen, sondern die Luft zu trocknen, um Beschlagen zu vermeiden. Die ohnehin schon kalte Winterluft wird nämlich so stark zustätzlich heruntergekühlt, dass das enthaltene Wasser im Kondensator der Klimaanlage abtropft ( Pfütze unter dem Auto ist in diesem Zusammenhang normal ). Anschließend wird die getrocknete Luft natürlich von der Autoheizung wieder hochgeheizt. Zurück zur Wohnung : Feuchtigkeit in der Wohnung sollte eigentlich NIE ein Problem sein. Im Sommer kann man sowieso problemlos und ausgiebig lüften. Im Winter ist die kalte Außenluft, wie bereits erklärt auch recht trocken ( geringer absoluter Wassergehalt, selbst wenn die relative Luftfeuchtigkeit hoch, also über 60 % ist ). Lässt man die 60 % Kaltlluft in die Wohnung, erwärmt sie sich und ihre relative Feuchtigkeit „nimmt ab“. Noch’n anderes Beispiel : In einem abgeschlossenen, luftdichten Raum befindet sich Luft mit 18 Grad und 100 % Luftfeuchtigkeit, also wassergehaltmäßig vollständig gesättigter Luft. Ob man nun diese Luft erwärmt oder herunterkühlt, die absolute Luftfeuchtigkeit bleibt ( z.B. mit 1.000 ml bzw. 1 Liter ) immer gleich, da kein Luftaustausch stattfindet ( Feuchtigkeitsdiffusion durch die Wände lassen wir mal unbeachtlich ). Erwämt man die Luft, sinkt aber die relative Luftfeuchtigkeit auf unter 100 %. Kühlt man die Luft, so kondensiert der Wassergehalt und es entsteht Nebel oder ein Beschlag-Film auf den Wänden.Diesen Gesetzmäßigkeiten begegnet man ÜBERALL im Alltag – aber nur, wenn man die Augen aufmacht. Und man kann Nutzen daraus ziehen, um sein Lüftungsverhalten zu optimieren. Und damit sind wir wieder beim Badezimmer-Nebel. Im Winter ist die Luft häufig mit 30 – 40 % zu trocken, was die Schleimhäute infektionsgefährdet macht. Luftbefeuchter sind unhygienisch und neigen zum Verkeimen oder Verschimmeln. Nette Springbrünchen in deutschen Wohnzimmern plätschern vielleicht gemütlich, aber sie erhöhen praktisch nicht die Luftfeuchtigkeit. Wer etwas anderes glaubt, sollte seinen Glauben durch Wissen ersetzen und ein Hygrometer einsetzen. Vielmehr sind diese Brünchen ein Paradies für Bakterien und Pilze...... Viel sinnvoller ist es, nach dem Duschen die Badezimmertür aufstehen zu lassen und somit die trockene Wohnungsluft anzufeuchten. Dies macht das Ablüften der zwar feuchten, aber deshalb ja NICHT SCHLECHTEN Badezimmerluft überflüssig und spart erhebliche Heizkosten.Alles Gute kommt von UNTEN Bei einer Fußbodenheizung hat man ein um 1 – 2 Grad höheres Temperaturempfinden als bei Heizkörperheizungen, sodaß die bereits erwähnte Absenkung des Heizniveaus leichten Herzens realisiert werden kann. Auch ist die Fußbodenheizung eine sogenannte „Niedertemperatur“-Heizung, da der Heizkessel nur Temperaturen um die 30 Grad erzeugen muß ( statt bei Heizkörperheizung 60 Grad ) und deshalb ist die Kombination mit Solarkollektoren besonders leicht möglich, was ein enormes Sparpotential in den Übergangsphasen Herbst / Frühjahr beinhaltet. Der Wohnkomfort nimmt zu, vor allem für Allergiker, denn die Luftbewegung ( Luftkonvektion ) ist praktisch Null im Gegensatz zu den vergleichsweise „heissen“ Heizkörpern, um die herum geradezu „Sturm“ herrscht.Teure Wärme Mit Elektrizität zu heizen ist immer sehr teuer, wenn man nicht gerade billigen Nachtstrom oder einen vergleichbaren Sondertarifstrom bekommt. Deshalb sollte man auf Heizlüfter, Pseudokamine mit Flammensimulation, Infrarotstrahler u.ä. unbedingt verzichten. Ausnahme : Im Badezimmer spart man Heizenergie, wenn man nicht den ganzen Tag die Komfortemperatur von 24 Grad vorhält, sondern die Dauertemperatur bei 20 Grad belässt und nur zur Hauptnutzungszeit ( z.B. morgens um 7 Uhr ) vorübergehend mit einem elektrischen Heizlüfter ( besser noch mit Thermostat-Heizkörper ) auf 24 Grad hochheizt.Dicke Dämpfer Insbesondere bei Altbauten ist die Außenwanddämmung schlecht und besonders hinter Heizkörpern ist die Außenwand zusätzlich besonders dünn ausgeführt. Deshalb lohnt es sich sehr, diese „Kältebrücken“ abzumildern, indem man Styropor-Platten hinter den Heizkörper schiebt und bündig an der Außenwand befestigt.Einstellungssache : Thermostate Heizkörperheizungen entweder nur mit „Vollgas“ oder „Vollstop“ zu betreiben, ist ungünstig. Besser man testet gründlich aus, bei welcher Thermostat-Stellung eine komfortable Raumtemperatur erreicht wird und sorgt dafür, dass die Heizkörper regelmäßig entlüftet werden und die Thermostate immer freigängig sind.Brennende Begeisterung Kamine begeistern durch romantisches Flammenspiel und –knistern, Strahlungswärme und einen speziellen Geruch. Als geschlossene Systeme ( Kaminofen, Kachelspeicherofen ) haben sie einen hohen Wirkungsgrad, da im Brennraum hohe Verbrennungstemperaturen erzielt werden, die für perfekte und aschearme Verbrennung sorgen. Offene Kamine bekommen zwar vereinzelt auch noch Baugenehmigungen, aber nur mit der Auflage, diese lediglich hin und wieder zu betreiben. Offene Kamine sind zwar ziemlich dekorativ, aber sie erreichen als offenes System keine hohe Brennraumtemperatur und verbrennen unsauber. Grundsätzlich kann man mit Holz- bzw. Brikettöfen keine Heizkosten sparen, wenn man an den Brennstoff nicht besonders billig oder umsonst herankommt. In der Übergangszeit aber kann man bei trägen Heizungssystemen ( Fußbodenheizung ) per Kamin flexibel und deshalb auch sparend heizen. Sogenannte Pellet-Öfen ( Holzschnipsel-Öfen ), die in Niedrigenergie- oder Passivhäusern ( besonders gut gedämmte Häuser ) zum Einsatz kommen, bilden eine Ausnahme, die ich hier aus Platzgründen nicht zum Thema machen möchte.Warmwasser Ein Nachbarkapitel zum Heizungskapitel ist die Warmwasser-Versorgung, die vom Heizkessel meist miterledigt wird. Hier kann es sich lohnen, DEZENTRAL , also direkt am Ort des Verbrauchs, Elektrodurchlauferhitzer mit Strom zu betreiben. Man spart gegenüber der ZENTRALEN Warmwasserversorgung nämlich die zusätzlichen WARMwasserleitungen, die ansonsten vom Heizkessel im Keller zu den Verbrauchsorten ( Küche, WC, Bad ) verlegt werden müssten. Auch die Wärmeverluste auf dem langen Weg vom Heizkessel zum Wasserhahn im Dachgeschoß sowie der „Vorlaufwasserverbrauch“ entfallen, da SOFORT warmes Wasser aus dem Wasserhahn kommt. Auch spart man viel Heizenergie, wenn man den mengenmäßigen Warmwasserverbrauch durch auf den Wasserhahn schraubbare Brauseadapter ( in jedem Baumarkt erhältlich ) drosselt. Daß Baden 250 - 300 Liter und damit 10 x soviel Wasser und damit Heizenergie verbraucht wie Duschen, weiß heute auch schon jedes Kind.„Gewächshauseffekt“ oder „Schotten dicht“ Im Winter kann man auch die Sonnenstrahlung zum Heizenergiesparen nutzen. Dieser Effekt wird häufig vollkommen unterschätzt. Bei den Sonnenstrahlen ausgesetzten Fenstern sollte man darauf achten, daß die Rolläden tagsüber immer oben sind. Hier macht man sich den „Gewächshaus-Effekt“ zu Nutze, womit wir wieder einen kleinen Ausflug in die Physik machen müssen : Das Sonnenlicht durchdringt das Fensterglas und verändert dabei seine „Wellenlänge“ ( weitergehende Erklärung wären zu kompliziert ). Mit der ursprünglichen Wellenlänge war die Glasdurchdringung möglich, mit der veränderten Wellenlänge jedoch ist die Lichtenergie nicht mehr in der Lage, die Scheibe quasi auf dem Rückweg zu durchdringen, sodaß im Hausinnern ein Wärmegewinn von ERHEBLICHEM Ausmaß erfolgt, was im übrigen bei den Niedrigenergie- und Passivhäusern systematisch ausgenutzt wird. In der Nacht glauben viele, durch „Schotten dicht“ - Herablassen der Rollläden Energie zu sparen. Dies stimmt vor allem bei schlecht gedämmten Scheiben. Bei modernem 3-fach-Isolierglas ( K-Wert < 1,1 ) ist der Effekt nur noch sehr gering.Je dunkler desto senk Auch hier gilt : bei schlechtgedämmten Altbauten erzielt man einen lohnenden Effekt, da mit Absenken der Heizung sofort auch die Raumtemperatur sinkt. In neueren und damit temperaturstabilen Häusern ( ab Wärmeschutzverordnung 1995 ) jedoch ist die Dämmung sehr gut und die Innentemperatur fällt kaum ab, was den Effekt stark beeinträchtigt. Bei Fußbodenheizung und erst recht bei FußbodenSPEICHERheizung lohnt der Aufwand nicht mehr.Noch mehr spart man, wenn man sein Haus gar nicht mehr betritt, die Heizung komplett ausschaltet und im Garten ein Zelt bewohnt. Und wenn man dann noch gefrorene Fritten in sich hineistopft ...... aber dafür habe ich einen eigenen Bericht geschrieben.
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03.01.2005 16:12
klasse bericht; vor allem dein physikalischer Ausflug fand ich klasse. Endlich mal einer der Ahnung davon hat. lg eva
28.01.2004 12:52
Na das ist doch mal ein Bericht der Marke "esh" Extra Super Hilfreich. LG donailena
27.01.2004 19:04
:) Klasse! Ich werde es beim Häuschen, dass dieses Jahr gebaut wird, halten wie beim vorigen: Fussbodenheizung für Wohnbereich, zweiter Kreis mit Körpern für weniger frequentierte Bereiche, dazu Kollektoren auf dem Dach für Fussbodenbeheizung und eine Restwärmepumpe, um das zu optimieren. Im letzten Haus bin ich mit 1.200l/Jahr Heizöl für 240qm Wohnfläche ausgekommen, dabei noch berücksichtigt, das Viecher regelmässig raus wollen und dementsprechend häufig Türen nach aussen geöffnet sind. Und einen Kamin zur Übergangszeit (Kachelofen reagiert mir zu verzögert) wird es auch wieder geben. *greetz* Marc A.