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Hier mal eine Backanleitung für einen Kuchen, der nicht so ganz alltäglich ist. Damit sind aber weder die Zutaten, noch die Herstellung gemeint(die zwar zeitaufwendig ist, aber es lohnt sich), sondern eher die Idee, die hinter diesem Backvergnügen steckt.
Ich selbst habe erst kurz von dieser witzigen Idee erfahren und möchte Euch jetzt mal erzählen, wie man so einen 'Hermann' oder auch Freundschaftskuchen genannt, herstellt.
Erst mal löst man 1/2 Päckchen Trochenhefe und 1 Esslöffel Zucker in 1 Tasse lauwarmem Wasser auf und rührt 1 Tasse Weizenmehl hinein. So weit so gut. Diese Mischung muß man nun erst mal 2 Tage an einem warmen Ort 'gehen' lassen. Wichtig ist dabei, jeden Tag die Masse umzurühren.
Danach wandert die Teigmasse für weitere 2 Tage in den Kühlschrank. Bis jetzt ja noch nicht so furchtbar viel Arbeit, nicht wahr;-))
Am 5. Tag gibt man nun 1 Tasse Wasser und 1 Tasse Mehl hinzu und stellt das Ganze für 6(!) Tage in den Kühlschrank.
Weiter gehts am insgesamt 10. Tag, dann ist der Grundteig nämlich fertig. Der Teig wird in 3 Teile geteilt: Mit dem 1. Teil stellt man seinen eigenen 'Hermann' her. Dazu gibt man diesem Teig 1 Tasse Milch, 1 Tasse Mehl und 1/2 Tasse Zucker bei. Das ganze sollte man nun tunlichst in eine ausreichende große Schüssel umfüllen, weil sich der Teig ausdehnen wird. Er wandert nun wieder mal in den Kühlschrank und muß wieder - ganz wichtig - jeden Tag 1x umgerührt werden. Am 5. Tag kommt wieder 1 Tasse Milch, 1 Tasse Mehl, 1/2 Tasse Zucker hinzu. Und - ihr ahnt es sicher schon - an Tag 10 wird der Teig wieder mal in 3 Teile geteilt.
Und aus einem Drittel wird nun der 'Hermann' hergestellt: Dazu werden dem Teigdrittel 2 Eier, 1 Tasse Zucker, 2 Tassen Mehl, 1/2 Tasse geschmolzene Butter, 1/2 Tasse Öl, 1 Teelöffel Zimt, 1 Tasse gehackte Nüsse, 1 Tasse Rosinen, 1 Päckchen Backpulver und 1/4 Tasse brauner Zucker beigefügt. Alles gut rühren(aber mit der Hand, nicht mit dem Mixer!!!!) und in eine ganz normale Kastenform füllen. Bei 180 Grad 45-60 Minuten backen und fertig ist Hermann.
Ihr fragt Euch jetzt sicher, was man mit dem Rest Teig macht;-)) Nun ja, das ist ja die Idee von 'Hermann'. Das 2. Drittel wird als Teig für den nächsten Hermann benutzt und... das 3. Drittel wird verschenkt, zusammen natürlich mit einer Anleitung für 'Hermann'(dem s.g. Hermann-Brief) die folgendermaßen aussieht:
Soweit zur Zubereitung eines Hermanns. Nun kommen die trockenen, theoretischen, aber dennoch interessanten und wissenswerten Details. Denn nun erfahrt ihr, was in eurem Hermann eigentlich geschieht, während ihr wartet und wartet und wartet....
Unser Hermann ist ja ein Hefekuchen, daß wissen wir ja nun alle.
Wie wirkt nun diese Hefe, was macht sie im Kuchen?
Nun denn:
Bei "Hermann" sind, vergleichbar dem Kombucha-Pilz Lebensgemeinschaften (Symbiosen) von Hefen und Bakterien im Spiel. Diese Symbiose von Hefe und Bakterien nutzen Menschen auf der ganzen Welt schon seit jeher für die Herstellung von gesundheitsfördernden Gärgetränken, die als Heilmedizin benutzt werden
Hermann besteht aus einer Art Sauerteig. Dieser enthält Milchsäurebakterien(das sind keine schädlichen Bakterien übrigens) und Hefe (Saccharomyces cerevisae, Saccharomyces minor u.a.) Diese sind v.a. für die Teiglockerung verantwortlich. Die enthaltene Bakterienkultur(Lactobacillus plantarum und Lactobacillus brevis) ist sehr kompliziert. Diese Bakerien und Hefen vermehren sich im Teig. Dazu müssen die Hefen sich von den Kohlehydraten des enthaltenen Mehls ernähren(keine Ernährung-keine Vermehrung). Als "Nebenprodukt dieser Vermehrung" entsteht ein Stoffwechselprodukt, das in den Teig übergeht. Mikroorganismen bauen einen Teil der Stärke, die im Mehl enthalten ist in Zucker und Dextrin um und der Zucker wird wiederum durch Gärung in Alkohol und Kohlensäure zerlegt.
Durch ständiges Zufügen von Wasser und Mehl kann der Hermann-Teil ständig gären. Dies und die entprechenden Wartezeiten sorgen für einen Sauerteig mit einem ph-Wert von etwa 4.0.
Dieser niedrige ph-Wert ist wichtig für die Backfähigkeit des Mehls, weil dadurch die Quellfähigkeit erhöht wird. Gleichzeit wird der Stärkeabbau reduziert, ein Fremdgären durch andere Mikroorganismen wird vermindert und Verderbnisprozesse wie z. B. das Wachstum von Schimmelpilzen im Hermann wird verhindert. Säuretolerante Hefen allerdings können so gut wachsen.
Die Kohlesäureproduktion der Hefen sorgt für eine Teiglockerung. Kohlesäure, die ja gasförmig ist, hat den Drang, als kleine Bläschen zu entweichen. Der aufgequollene Teig verhindert dies aber. Die Kohlensäure bleibt also im Teig und dieser quillt auf und erhält die gewünschte poröse Konsistenz. Aroma- und Geschmackskomponenten entstehen sowohl durch die Milchsäurebakterien als auch durch die Hefen.
Ein Teil des Hermann-Ansatzes wird - wie schon oben erwähnt - mit entsprechenden Rezept von Familie zu Familie, von Feunden zu Feunden weitergegeben - so wie es seit Generationen in vielen Kulturen als Zeichen des gegenseitigen Dienens und der Hilfsbereitschaft auch mit dem Kombuchapilz geschieht. „Gegenseitige Hilfe macht selbst arme Leute reich", sagt ein chinesisches Sprichwort.
Zugegeben, Hermann kann man nicht einfach von heute auf morgen herstellen, aber man hat ein tolles Geschenk, er schmeckt gut und ist kinderleicht herzustellen...es dauert halt nur seine Zeit ;-)))
Hermann ... hab ich auch schon durch. Als ich ihn dann in einer versehentlich fest geschlossenen Schüssel gelagert habe und er in der Küche explodiert ist, hatte die Geschichte ein abpruptes Ende gefunden. Meine Mami war alles andere als begeistert als sie die Teigreste von den Wänden gekratzt hat *fg* :-)
12.04.2005 17:54
Tss, den hatten wir vor 20 Jahren mal (oder so). Jetzt hab ich mich wieder erinnert und den Bericht kopiert. Mal kucken, ob wieder was draus wird...
07.03.2005 14:47
Hermann - da werden Jugenderinnerungen wach :-) Liebe Grüße, Elena
10.11.2004 11:53
Hermann ... hab ich auch schon durch. Als ich ihn dann in einer versehentlich fest geschlossenen Schüssel gelagert habe und er in der Küche explodiert ist, hatte die Geschichte ein abpruptes Ende gefunden. Meine Mami war alles andere als begeistert als sie die Teigreste von den Wänden gekratzt hat *fg* :-)