Der Alltag eines Götterboten - Der Gott als Mensch
29.01.2010 (03.03.2010)
Pro:
man kommt viel rum, es kann auch Spaß machen
Kontra:
oft unrentabel, kratzt oft an der Geduld
Empfehlenswert:
Nein
Details:
Service
Pünktlichkeit:
Zuverlässigkeit
 bruizer
Über sich:
Lebe jeden Tag so, als wäre es der letzte deines Lebens! Eines Tages wirst du Recht haben!
Mitglied seit:16.10.2003
Erfahrungsberichte:8
Vertrauende:3
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 41 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als besonders hilfreich bewertet
Meine Damen und Herren, angespornt durch den Bericht "Da kommt er, der Götterbote vom Hermes Versand" von dippche vom 21.08.2007 (auf den ich alle Interessenten verweise) möchte ich hier auch mal meine Erfahrungen als Empfänger UND als Zusteller der Hermes Logistik Gruppe kundtun.
Zuerst einmal: was ist Hermes? Es ist ein Zustell- und Abholservice mit jahrzentlanger Erfahrung, das als ein hauseigenes Zustellunternehmen der Otto Group gegründet wurde. Für weitere Details zur Geschichte verweise ich auf die hauseigene Homepage www.hlg.de Sie haben viel Zeit, Geduld, Ausdauer, Kondition und besitzen einen Führerschein, wollen sich zudem immer mal wieder über teils unrentable Arbeit, die Sie zu bewältigen haben, ärgern? Dann sind Sie hier genau richtig: bei der Hermes Logistik Gruppe.
Ich selbst kam erstmals im März 2006 zu dieser Firma, war damals knapp über ein Jahr für diese tätig, kündigte damals wegen persönlicher Probleme und stieg erst im August 2009 wieder ein, wobei ich im Oktober dann erneut den Job kündigte und seit Dezember wieder in einem völlig neuen Depot tätig bin. Ich möchte an dieser Stelle gerne meinen beruflichen Alltag erläutern und so gut wie möglich versuchen, die negativen Erfahrungen vieler Empfänger von der anderen Seite zu betrachten.
Unser Arbeitstag beginnt etwa um 7 Uhr morgens von Montag bis Samstag. Die zuzustellenden Sendungen und zu bearbeitenden Abholaufträge treffen um diese Zeit bei uns ein. Die Sortierung beansprucht je nach Menge zwischen einer und zwei Stunden. Danach wird den Fahrern ihr jeweilig zu fahrendes Gebiet zugeteilt, worauf sie mit der Erfassung und schließlich mit der Verladung der Ware fortfahren. An "guten" Tagen kann also ein Fahrer damit rechnen, etwa um 10.30 Uhr auf die Piste zu gelangen. Die Anfahrt ins Gebiet ist die letzte Möglichkeit für den Fahrer, noch einmal seine bevorstehende Route im Kopf passieren zu lassen. Kennt der Fahrer sein Gebiet, beansprucht dies vielleicht fünf Minuten, andernfalls muss er einen Stadtplan oder Ähnliches konsultieren, um sich seinen Tourverlauf zu nummerieren bzw. zu planen.
Die Zustellung sowie die Abholung beim Kunden muss - ganz unabhängig von der Tagesmenge - immer taggleich erfolgen. Dabei kann es durchaus vorkommen, dass der Fahrer von dem ein oder anderen Kunden angeschnauzt wird, weil das Paket mittlerweile 14 Tage für das Eintreffen gebraucht hat. Also MUSS der Fahrer - in diesem Fall ich - mein Bedauern aussprechen für die Unannehmlichkeit, da ICH die Hermes Logistik Gruppe vor dem Kunden repräsentiere. Es sei aber an dieser Stelle gesagt, dass es wohl kaum an mir liegt! Zustellungen werden - wie schon in mehreren Berichten erwähnt - nur im Erfolgsfalle bezahlt, d.h. a) ist ein Kunde nicht anzutreffen und die Sendung konnte oder DURFTE sogar nicht beim Nachbarn zugestellt werden b) verweigert ein Kunde die Annahme der Sendung c) ist die Adresse falsch oder unvollständig d) ist die Sendung beschädigt und eine Zustellung daher nicht mehr möglich e) ist die Sendung durch einen Sortierfehler beim falschen Fahrer gelandet f) hat ein Kunde kein Nachnahmegeld parat
wird die Sendung nicht bezahlt. Auf Arbeitszeit und -aufwand bleibt der Fahrer sitzen! Deshalb allein schon schießt sich ein Fahrer selbst in den Fuß, wenn er eine Sendung aus Faulheit nicht zustellt, weil es ihm zu blöd war, die 5 Stockwerke oder die 100 Meter zum Hinterhaus zu laufen. Ist ein Kunde nicht anzutreffen, ist der Fahrer berechtigt, Sendungen bei Nachbarn abzugeben. In diesem Fall schreibt er dem Empfänger eine Benachrichtigungskarte, in welcher er angeben MUSS, bei welchem Nachbar und an welcher Adresse er die Sendung geliefert hat.
a) Sendungen, die an Empfängern in Mehrfamilienhäusern gehen, dürfen nur im selben Haus zugestellt werden b) Sendungen, die an Einzelhäuser gehen, dürfen MAXIMAL 3 Häuser weiter zugestellt werden. Abweichungen sind in Absprache mit dem Kunden möglich. Das Schreiben einer Benachrichtigungskarte zu umgehen ist zwar möglich, offiziell aber nicht erlaubt. Findet ein Empfänger eine Benachrichtigungskarte vor, in welcher er über sein Nichtantreffen informiert wird, hat er 4 Möglichkeiten:
1. er schreibt auf der Rückseite der Karte, bei welchem Ersatzempfänger/Nachbarn die Sendung zugestellt werden darf/soll 2. er schreibt ebenfalls auf der Rückseite der Karte, wo der Fahrer evtl. die Sendung gefahrlos abstellen kann, wo sie diebstahlsicher verweilen kann 3. er ruft die (leider überteuerte) Kundenhotline an, um einen Termin zu vereinbaren oder die Sendung an ein Paketshop umleiten zu lassen 4. er wartet einfach den nächsten Zustellversuch ab An dieser Stelle sei angemerkt: ein Fahrer kann nur garantieren, dass die Sendung am Folgetag erneut auf Zustellung geht, nicht jedoch, um welche Uhrzeit, da er für den nächsten Tag nicht schon heute vorausplanen kann (ihm ist ja nicht bekannt, was morgen an Ware auf ihn zukommt). Wird ein Kunde zum dritten Male nicht angetroffen, verweilt die Sendung im Depot und der Kunde wird per Post von Hermes benachrichtigt und um eine Terminvereinbarung gebeten. Beim vierten Nichtantreffen ist der Ofen aus - die Sendung geht an den Absender zurück. Hat ein Kunde bei einer Nachnahmesendung kein Geld parat, kann er maximal EINEN neuen Termin vereinbaren. Ist er zu diesem entweder nicht zu erreichen ODER hat erneut kein Geld, geht die Sendung wieder zurück.
Ein weiterer Zustellservice von Hermes ist die Zustellung von sogenannten Ident- und VN-Paketen. VN-Pakete: Bei diesen handelt es sich meist um Medikamentenlieferungen. Diese Pakete dürfen NUR beim Empfänger zugestellt werden, eine Abgabe beim Nachbarn ist unter keinen Umständen erlaubt. Identservice: Hierbei kann es sich z.B. um Handyverträge etc. handeln. Diese Art von Sendung darf NUR beim Empfänger und NUR EIGENHÄNDIG an eben den Empfänger Max Mustermann abgegeben werden, nicht etwa an Heike Mustermann (die Ehefrau). Zudem muss der Empfänger sich per Dokument ausweisen. Solche Zustellungen sind zwar nicht zeitaufwändiger als normale Pakete, haben aber eine wesentlich geringere Erfolgsquote, besonders in Großstädten und unter der Woche.
Abhol- und Mitnahmeservice: Abholaufträge werden ebenso gehandhabt wie Zustellungen, mit dem Unterschied, dass in diesem Fall der Kunde nur 2x angefahren wird. Bei erfolglosem Abholversuch wird ebenfalls der Kunde benachrichtigt. Versandhauskunden können ihre Waren dem Fahrer aber auch sehr gern ohne vorheriger Absprache mit dem Versender zurückgeben, vorausgesetzt natürlich, dass der Versender eine kostenfreie Rücksendung auch anbietet. In der Regel nimmt der Fahrer sämtliche Retourware gerne entgegen, denn dies stellt einen kleinen Zusatzverdienst in seinem Alltag dar. Ich selbst lehne Mitnahmen nur dann ab, wenn a) die Ware zu groß bzw. mein Fahrzeug noch zu voll ist, um da schon Retouren zu verladen b) ich unter derart großen Zeitmangel leide, dass selbst diese Minute extra für mich unzumutbar wäre (und das ist bislang noch nie bei mir eingetreten)
Ich hoffe, bis hierhin konnte ich die Leistungen eines Fahrers möglichst informativ wiedergeben. Nun zu meinen Erfahrungen: Jeden Tag ist die Kundschaft vielfältig. Von überaus freundlichen, älteren Damen und Herren, die auch gerne mal etwas Trinkgeld oder gar Weinflaschen hergeben als Dank dafür, dass sie keine sechs Stockwerke herunterkommen mussten, über gut aussehende junge Frauen, die z.T. (völlig unbeabsichtigt) knapp bekleidet an die Tür kommen und ziemlich verlegen aus der Tür grinsen, weiter über teils freundliche teils unfreundliche Stinkbrocken, die schwer atmen und aufs übelste nach Zigarettenqualm oder Müll miefen bis hin zu den verständnislosen, unfreundlichen und völlig garstigen Kunden, die einen schon mit drohendem Blick ansehen, sobald sie ihn gen Haustür laufen sehen, ist bei mir täglich wirklich alles dabei.
Täglich habe ich eine etwaige Menge von ca. 100 Paketen, 20 Katalogen (ja, die gibt es ja auch) und etwa 2-3 Abholaufträgen zu bewältigen. Wie ich das hinkriege, die Ware so schnell wie möglich und mit möglichst wenig Aufwand an den Mann bzw. die Frau zu bringen, ist ganz allein mein Problem, dabei ist es egal, ob es sich um ein Altenpflegeheim, einen Aussiedlerhof oder ein Hochhaus mit 200 Wohnungen handelt. Da ich einen Ford Transit gestellt bekomme, bin ich auch verpflichtet, die Aufwandskosten wieder dazuzuverdienen, weswegen bei mir immer die Ware (z.B. an Tagen mit Mengenmanko) zusammengewürfelt wird, um dann unter dem Strich auf eben diese Anzahl von ca. 110 bis 120 Sendungen zu kommen.
Es ist dabei außerdem egal, ob es sich um 120 kleine Versandtüten mit jeweils einem Schlüpfer drin handeln würde oder gar um 60 Tüten, 20 Standardpaketen, 20 Schränken und 20 L-Paketen - die Bezahlung bei der Sendungsklasse "Standardpaket mit Unterschrift" ist einheitlich! Zu dem Ganzen kommt dann noch eine ordentliche Portion schlecht gelaunter Kunden, und schon ist der Tag perfekt. Durch die manchmal wirklich unverhältnismäßige Aufteilung an Warenvolumen kann es also zu Zeitverlusten kommen, sodass so mancher Fahrer (wie eben ich) auch mal noch nach 18 Uhr munter am Zustellen ist, während viele Familien gemütlich beim Abendessen sitzen oder der Arbeiter des Mittelstands erst nach Hause kommt und bei einer Dose Bier und einer Zigarette im Gesicht vor dem Fernseher sitzt. Prompt kann es zu Anschnauzorgien kommen wie "So spät kommen Sie noch??" oder "Ach, da sind Sie ja endlich!" oder gar, wie es einmal passierte: "Nach *** Uhr nehme ich nix mehr entgegen!" Ein Kunde feuerte mir mal sogar ein "Du blödes Arsc*loch!" entgegen, weil er mittlerweile schon seit 5(!!!!) Tagen auf seine Sendung gewartet habe.
Dann fängt die Laune schon mal an, sich ordentlich zu vermiesen und man schwilgt schon in Gedanken an den bald folgenden Feierabend, doch irgendwie will das nicht so recht klappen, weil dann verständnislose Nachbarn solche Aussagen bringen wie: "Nehmen Sie es wieder mit, und kommen Sie nochmal, dafür werden Sie schließlich bezahlt!" oder "Ich bin doch nicht das Postamt!" oder ganz dreist: "Hätten Sie was Gescheites gelernt, hätten Sie das Problem jetzt nicht!" (Ich hab ein 2,0 Realschulabschluss) Ich persönlich habe ein Problem mit 2 Arten von Nachbarn, die ein Paket nicht entgegennehmen wollen: a) diejenigen, die meinen, einen Fahrer auf den Arm nehmen zu können (zum Beispiel offensichtlich durch das Fenster beobachten, aber die Tür nicht öffnen) b) diejenigen, die minutenlang diskutieren, dass sie den Empfänger nicht kennen (Wohnung direkt gegenüber) oder keine Bevollmächtigung dazu haben oder nicht wissen, ob der Kunde das überhaupt haben will (super, warum hätte er es denn sonst bestellt?) oder oder oder... (die Liste kann noch lang so weiter gehen)
... Herrgott nochmal, einfach sagen: Nein! Kein Problem! Gibt andere Nachbarn, die ich in der Zeit fragen könnte! Mit solchen Nachbarn kann man sich besonders dann ärgern, wenn es sich gleich um den ersten Kunden des Tages handelt, der zudem eine oder mehrere sperrige Sendung(en) kriegt, aber nicht zu Hause ist - das bedeutet: lade ich diese Sendung nicht ab, brauch ich gar nicht mehr erst weiter fahren.
Nun gut, sehen wir mal darüber hinweg, schließlich ist kein Nachbar zu einer Annahme verpflichtet, aber sollte hier mal nicht auch die Menschlichkeit die Oberhand gewinnen? Natürlich machen nicht nur die Nachbarn Ärger, oft sind es auch die Empfänger selbst. Zum Beispiel dann, wenn sie darauf bestehen, die Ware vorher öffnen zu wollen, um sie auf Unversehrtheit zu prüfen. Ohne Unterschrift geht da nichts! Solange der Kunde nicht für die Ware unterschreibt, gehört sie rechtlich MIR und ICH bin dafür verantwortlich! Oder eben Kunden, die den Fahrer hin- und herhetzen ("Könnten Sie nicht morgen nochmal kommen?") oder trotz offensichtlicher Anwesenheit nicht an die Tür gehen! Gibt aber auch die, die wohl noch immer nicht verstanden haben, dass wir ohne vom Kunden vereinbarte Dauervollmacht keine Ware einfach abgestellt wird. ("Öhm... grad keine Zeit (oder: Lust?) runterzukommen, stellen Sie es auf die Treppe!")
Und dann gibt es selbstverständlich auch die Kunden (davon hab ich inzwischen einige sogar hier auf ciao entdeckt), die alle über einen Kamm scheren. Schlechte Erfahrungen mit Hermes, ergo: Hermes ist scheiße! Und das bekomme ich als Fahrer deutlich zu spüren, selbst dann, wenn ich neu hier im Gebiet bin. Da bekomme ich nicht mal die Chance, mich überhaupt bei ihnen zu bewähren. Es sei angemerkt, dass ich mittlerweile seit 3 Jahren Zusteller bin (war in der Zwischenzeit auch bei TNT und GLS) und meine Arbeit immer ordentlich, sorgfältig und gewissenhaft mache. Natürlich gibt es auch hier die schwarzen Schafe (sogar zu Genüge), aber kann man dann wirklich alle in einen Topf schmeißen?
Klar, wir wissen alle: Hermes hat da wohl die wenigsten Einschränkungen für die Fahrersuche. Ein Führerschein genügt, man muss nicht einmal die deutsche Sprache beherrschen oder richtig Autofahren können, man muss nur wissen, wie man eine Sendung an den Mann bringt (und das wird einem auch ausgiebig beigebracht). Gut, weiter im Text. Es gibt vier Worte, die bei vielen Zustellern für Angst und Bange sorgen. Nein, nicht "Willst du mich heiraten?", sondern weitaus schlimmere.
"WARNUNG VOR DEM HUNDE!" Korrekt! Warum? Ganz einfach. Ein komplexer Denkprozess wird durch diese Warnschilder an Grundstücken ausgelöst.
Ist das Schild wirklich noch aktuell? Um was für einen Hund handelt es sich? Ist er bissig? Läuft er vielleicht gerade draußen herum? Und wie soll ich jetzt klingeln? Wo ist überhaupt das Klingelschild? An der Haustüre? Und was ist, wenn der Hund sich im Garten befindet? Oftmals stellt man dann beruhigt fest, dass es sich um kleinrassige Hunde wie Cockerspaniel, Chihuahua, Yorkshire Terrier oder Golden Retriever handelt, die zudem auch sehr zahm sind und einen anschnüffeln und schlimmstenfalls bellen, um Meldung zu geben, dass jemand da ist. In anderen Fällen kann es sich aber durchaus um Hunde handeln, die locker über den Zaun springen könnten und so lauf kläffen, dass man aus der Ferne nicht mal nach dem Kunden rufen geschweige denn die Klingel erreichen kann. Bei meiner ersten Hermestätigkeit ist es mir passiert! Am Gartenzaun ein winziges Schild "Beware of the Dog". Klingel an der Haustüre, gute 20 Meter vom Gartenzaun entfernt. Ich rein und klingel, doch die Türe steht offen. Da rauscht mir auch schon ein bedrohlich knurrender Rottweiler entgegen, der mich versucht, durch Anspringen umzustoßen. Als der Versuch scheitert, spüre ich nur ein brennendes und schmerzhaftes Kneifen an meiner rechten Gesäßhälfte. Selbst die Herrin war nicht in der Lage, den Hund in Schach zu halten, bis ich mich notgedrungen mit meinem Scanner zur Wehr setzte - und eigentlich bin ich sehr tierlieb! Die Dame wies mich dann erst einmal harsch darauf hin, dass ich nicht dazu befugt sei, den Gartenzaun zu passieren. Ja, toll, und wie soll ich dann klingeln?
Nun gut, lassen wir das... All diese Beispielerlebnisse kommen natürlich nicht alle an einem Tag vor, aber kompakt gesehen spielen sich diese Szenarien abwechselnd über den Zeitraum einer Woche ab. Quartalsweise bekommt man es dann auch mit Kunden zu tun, die tatsächlich irgendwelche Tatsachen erfinden, wie z.B. dass sie die Sendung nicht bekommen hätten (obwohl ich sie ihnen definitiv persönlich übergeben habe) oder dass ihre Ware stark nach Rauch riecht - ich selbst bin zwar Raucher, rauche aber ausschließlich außerhalb des Fahrzeugs, wenn sich mal die Zeit dazu anbietet!
Auch das allerschlimmste Erlebnis als Hermes-Fahrer will ich Ihnen nicht vorenthalten: Im September 2009 sollte ich einen Kunden mit 4 Kartons voller Weinflaschen beliefern. So begab ich mich gleich zu Anfang zu diesem Kunden, der zum Zeitpunkt meiner Ankunft sehr verärgert war, weil am Vortag wohl ein anderer Fahrer (ich war an diesem Tag nur vertretungsweise im Gebiet tätig) tatsächlich den Kunden nicht angefahren hatte und angab, den Rentner nicht angetroffen zu haben. Ich entschuldigte mich im Namen des Kollegen für diesen Vorfall und betonte noch einmal, damit selbst nichts zu tun zu haben, da ich heute nur vertretungsweise da sei. Bemerkung dazu vom Kunden war, dass dies ohnehin keinen Unterschied mache, da in diesem "Saftladen" sowieso nur "Kanacken" (so der Kunde) arbeiten würden (ich bin Italiener). Ich ignorierte die Bemerkung erst einmal gekonnt und machte mich gleich ans Abladen der Sendungen. Die ersten zwei Kartons trug ich ihm ins Haus, und während er mir Anweisungen gab, wie ich sie ihm hinzustellen hatte, machte ich mich auf, um den dritten Karton zu holen. Der Kunde wollte den Karton auf die anderen beiden gestapelt haben, den vierten dann als Stütze vor dem kleinen Turm. So tat ich es und bat um eine Unterschrift. Davor aber wollte der Kunde, der offensichtlich doch nicht zufrieden damit war, wie jetzt der Warenturm aussah, den obersten Karton herunterholen und auf den vierten Karton stapeln. Und prompt fiel ihm das Ding aus der Hand und landete mit einem lauten Klirren auf dem Boden. Die stark nach Alkohol riechende rotviolette Soße bildete sofort eine markante Lache auf dem Fußboden. Der Kunde sah mich verärgert an und warf mir vor, ich hätte ihn nicht ob des Gewichts der einzelnen Kartons vorgewarnt. Als ich ihm entgegnete, dass das doch eigentlich offensichtlich sein müsse bei der Anzahl an Flaschen pro Karton, pfefferte er mir doch tatsächlich eine!!! Mit dem Kommentar, ich Früchtchen solle ja nicht frech werden! Daraufhin drohte ich ihm mit rechtlichen Konsequenzen, lud die (triefende) Ware vor seinen Augen wieder in mein Fahrzeug und nahm sie unter Begründung der Annahmeverweigerung wieder mit. Ich gab den Vorfall bei Hermes zu Protokoll und wie ihr euch sicher vorstellen könnt, stritt der Kunde im Nachhinein den kompletten Vorfall ab. Es kam zu einer Abgabe von eidesstattlichen Versicherungen, was schließlich mit einer Anzeige wegen Körperverletzung, Schmerzensgeld und eine Adressperrung durch Hermes endete.
So, damit dürfte nun genug gesagt sein über den Hermes-Alltag. ;) Als Empfänger will ich zudem noch loswerden, dass ich bislang mit Hermes noch nie Probleme hatte. Die Fahrer in meiner Gegend sind zwar nicht immer angenehme Genossen, jedoch recht zuverlässig und mir persönlich ist es eigentlich auch nur wichtig, dass meine Ware überhaupt ankommt.
Für Fragen, Kritik, Lob, Anregungen können Sie gerne die Kommentarfunktion nutzen oder mich persönlich unter bruizer@web.de anschreiben. In diesem Sinne...
weil's gut ankommt EDIT: Sollte ich jetzt einen Eindruck hinterlassen haben, dass ich ständig nur mecker: ich versichere euch, das ist nicht so! Jederzeit und den ganzen Tag bin ich überaus freundlich, aufgeschlossen und gut gelaunt. Nach 3 Jahren besitze ich soviel Professionalität, dass der Kunde von meiner Laune nichts merkt. ;) Es kommt wirklich selten vor, dass ein Kunde sich über mich beschwert. :)
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26.08.2012 13:30
Ein wirklich bes. hilfr. Bericht :-)
16.09.2011 15:15
Toller Bericht. Bei den Zustellern kann man Glück haben aber der Laden ist trotzdem ein Sauhaufen.
24.08.2011 14:33
PS: Trotzdem "sehr hilfreich", der Job ist erstens nicht ohne, viele Kunden auch nicht und drittens sind die Zusteller, die ich kennengelernt habe, ok. Den speziellen traf ich nie, der hat selbst wenn ich da war, das Päckchen lieber im 1. Stock abgegeben als bei mir unterm Dach. Der neue "klettert" hoch.