Herr der Fliegen / Golding, William

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Herr der Fliegen / Golding, William

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... 1954, als von anderen bekannten britischen Autoren wie Iris Murdoch und Kingsley Amis moderne Klassiker wie "Under the Net" und "Lucky Jim" erschienen, wurde "Der Herr der Fliegen" (The Lord of the Flies") veröffentlicht. Es ist sein bis heute bekanntester Roman – und natürlich immer noch ... Bericht lesen





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Taschenbuch, 288 S., Erschienen: 2003 - Neuausgabe.
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Hörbuch, CD, Beilagen: 6, Erschienen: 2009
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Taschenbuch, 281 S., Roman - N.-A.
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Herr der Fliegen - William Golding Herr der Fliegen - William Golding
Es ist ein sehr wichtiges Buch und es ist ein sehr vielschichtiges und poetisches Buch. ... mehr
Der Herr der Fliegen erschüttert, läßt seine Leser
ohne Trost zurück.  William Golding verweigert die
Illusion von der kindlichen Unschuld. Dabei hätte
sich alles so gut ausnehmen können: Nur eine
Gruppe von sechs- bis zwölfjährigen englischen
Schuljungen überlebt einen Flugzeugabsturz über
dem Pazifik und findet sich auf einer paradiesisch
anmutenden, unbewohnten Insel wieder. Schnell wird
ihnen klar, daß sie sich organisieren müssen, um
auf der Insel überleben und gerettet werden zu
können. So wählen sie den charismatischen Ralph zu
ihrem Anführer. Der sieht zusammen mit seinem
klugen Gefährten Piggy im Bau von Schutzhütten und
einem Signalfeuer die vordringlich zu erledigenden
Aufgaben, wohingegen sein Rivale Jack einen Trupp
von "Jägern" zur Schweinejagd um sich sammelt. Im
Laufe der Zeit nehmen die irrealen Ängste der
Kleinen auch zunehmend von den Großen Besitz; und
als sie auf dem Berg der Insel ein vermeintliches
Untier entdecken, artet die Schweinejagd zur Jagd
nach diesem "Tier" aus und gipfelt in Mord.  Ralph
und die größtenteils zu menschlichen Bestien
entarteten übrigen Jungen werden schließlich von
einem englischen Marineoffizier gerettet. So
finden sie zwar alle wieder in ihre wohlgeordnete
Heimat zurück, doch das Kriegsschiff deutet darauf
hin, daß auch hier Entartung und Chaos lauern. 
Goldings Roman, der dem Autor gewiß auch zum
Literatur-Nobelpreis verhalf, hat nichts von
seiner grauenhaften Aktualität verloren. So hoffe
ich, daß dieses Buch künftig noch viel mehr Leser
erschüttern und ermahnen wird. --Elisabeth Lang
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Schuljungen überlebt einen Flugzeugabsturz über
dem Pazifik und findet sich auf einer paradiesisch
anmutenden, unbewohnten Insel wieder. Schnell wird
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Laufe der Zeit nehmen die irrealen Ängste der
Kleinen auch zunehmend von den Großen Besitz; und
als sie auf dem Berg der Insel ein vermeintliches
Untier entdecken, artet die Schweinejagd zur Jagd
nach diesem "Tier" aus und gipfelt in Mord.  Ralph
und die größtenteils zu menschlichen Bestien
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Heimat zurück, doch das Kriegsschiff deutet darauf
hin, daß auch hier Entartung und Chaos lauern. 
Goldings Roman, der dem Autor gewiß auch zum
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anmutenden, unbewohnten Insel wieder. Schnell wird
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einem Signalfeuer die vordringlich zu erledigenden
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Herr der Fliegen. Sonderausgabe. - William Golding Herr der Fliegen. Sonderausgabe. - William Golding
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Schuljungen überlebt einen Flugzeugabsturz über
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Königs Erläuterungen und Materialien, Bd.332, Herr der Fliegen - William Golding Königs Erläuterungen und Materialien, Bd.332, Herr der Fliegen - William Golding
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Jungen-Drama: Absturz in die Barbarei
Erfahrungsbericht von mima17 über Herr der Fliegen / Golding, William
5. Oktober 2009


Produktbewertung des Autors:   

Spannung: durchschnittlich spannend 

Pro: spannend, psychologisch intelligent, kompetent übersetzt, ausgezeichnet vorgetragen
Kontra: sehr pessimistisch über die Natur des Menschen und seine Lernfähigkeit, ohne Musik und Geräusche

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Ein Klasse Schuljungen stürzt im Pazifik ab und rettet sich auf eine einsame Insel. Während sie dem atomaren Holocaust entgehen, entwickeln sie sich zu primitiven Steinzeitjägern, die ihren eigenen Holocaust veranstalten. Ist der Mensch als solcher lernunfähig oder unbelehrbar?

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch erst ab 12 Jahren.

Der Autor
°°°°°°°°°°°°°°°°°

Nobelpreisträger William Golding wurde 1911 in Cornwall geboren. Bereits 1934 veröffentlichte er einen Band Gedichte. Er nahm als Marineoffizier am zweiten Weltkrieg teil und war danach Provinzlehrer. Sir William Golding starb unerwartet am 19. Juni 1993 im Alter von 82 Jahren. Er war Großbritanniens einziger Nobelpreisträger für Literatur bis in die 1980er, ein Schriftsteller, der sich distanziert hielt von den aktuellen Moden und Strömungen in der Literatur, ein Autor, der zeigte, wie die Times einmal schrieb, "daß Literatur große metaphysische Themen angehen kann und soll".

1954, als von anderen bekannten britischen Autoren wie Iris Murdoch und Kingsley Amis moderne Klassiker wie "Under the Net" und "Lucky Jim" erschienen, wurde "Der Herr der Fliegen" (The Lord of the Flies") veröffentlicht. Es ist sein bis heute bekanntester Roman – und natürlich immer noch Pflichtlektüre an Schulen.

Hier handelt es sich nicht um einen realistischen Roman, vielmehr hat sein Thema etwas von der Zeitlosigkeit des Mythos, wenn es auch in die damalige Nachkriegszeit passte. Der Roman erschien wenige Jahre nach Hiroshima, und die Welt fürchtete einen Atomkrieg zwischen den zwei Supermächten, die sich in einem Wettlauf befanden, wer zuerst die Wasserstoffbombe haben würde. Dieser Hintergrund liefert das Science-Fiction-Element des Romans: Eine Klasse von Jungen stürzt mit ihrem Flugzeug, das in einem Atomkrieg beschossen wird, auf einer einsamen tropischen Insel ab.

Der Sprecher
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°

Andreas Fröhlich ist die deutsche Stimme von John Cusack und Edward Norton. Er wurde 1965 in Berlin geboren; bereits mit sieben Jahren begann er mit der Synchronarbeit, nachdem er im Kinderchor des „Sender Freies Berlin“ entdeckt wurde. 1978 stieg er in der Sprecherrolle des Bob Andrews bei einer der bis heute erfolgreichsten Hörspielreihen Deutschlands, „Die drei Fragezeichen“, ein.

Nach dem Abitur ging Fröhlich zunächst zum Theater, wo er unter anderem Rollen in Büchners „Woyzeck“ und in Shakespeares „Was ihr wollt“ spielte, bis er 1991 wieder zu seiner Arbeit als Synchronsprecher zurückkehrte. Außer als Sprecher arbeitet er als Synchronregisseur und Drehbuchautor, wo er u.a. für die Synchronisierung von „Der Herr der Ringe“ verantwortlich war. In dieser Trilogie übernahm er z.B. die Synchronisation des Wesens Gollum. Doch auch die deutschen Dialoge in Filmen wie Disneys „Mulan“ und „The Beach“ stammen aus seiner Feder. (Verlagsinfo)

Regie führte Thomas Krüger, die Aufnahme steuerte Tommi Schneefuß im Hörspielstudio XBerg, Berlin.

Handlung
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°

Als der Atomkrieg ausbricht, werden Schüler eines britischen Internats mit einem Flugzeug in die Südsee evakuiert. Die Maschine stürzt über dem Pazifik ab, die Besatzung überlebt jedoch nicht. Es gelingt den Jungen, sich auf eine unbewohnte Insel zu retten und anfangs vernünftig auf ihre prekäre Lage zu reagieren.

Der zwölfjährige Ralph, der zum Anführer der Gruppe gewählt wird, teilt seine Kameraden in zwei Gruppen ein: Die eine soll Hütten errichten, die andere ein Signalfeuer unterhalten, damit man von eventuellen Suchflugzeugen leichter gefunden werden kann. Die Feuergruppe soll sich außerdem als Jagdkommando betätigen und Nahrung heranschaffen. Das erscheint recht einfach, da auf der Insel zahlreiche wilde Schweine leben. Das Kommando über die Jäger übergibt er dem Leiter des Schulchors, einem rothaarigen Burschen namens Jack Merridew, der seine kleine Gruppe sowieso die ganze herumkommandiert.

Bald nimmt Jack unter den Jägern eine Spitzenstellung ein, besonders nachdem er das erste Schwein getötet hat und einen Jägertanzritual erfand. Allmählich wird er zu Ralphs Rivalen im Ringen um die Führung aller Jungen. Als seine Gruppe sich weigert, weiterhin das Signaleuer auf dem Berg zu unterhalten, kommt es zu ersten Konflikten. Es gelingt Jack und seinen Anhängern, denen die Jagd mehr Vergnügen bereitet als die Signalgeberei, nach und nach fast alle Angehörigen der anderen Gruppe auf ihre Seite zu ziehen.

Nur der pummelige Piggy und ein paar kleinere Jungen bleiben bei Ralph. Piggy ist der intelligenteste Junge von allen, obwohl er körperlich der lächerlichste zu sein scheint und ihm sein Asthma zu schaffen macht. Er ist Ralphs Ratgeber und engster Freund. Nur mit Hilfe seiner Brille können die Jungen Feuer neu entfachen. Aus Unachtsamkeit fackeln die Jungs den nächstgelegenen Wald ab. Danach vermisst Piggy, der Hüter der Kleinen, eine der Jungs, den mit einem Muttermal. Die Angst vor einem wilden Tier verbreitet sich, das nachts kommt und kleine Jungs holt.

Jacks Jäger-Clan verwildert mehr und mehr. Man kleidet sich schließlich wie Steinzeitmenschen in Felle, malt sich kriegerisch an und findet sogar ein Objekt der Verehrung, dem man Götzendienste erweist: einen von Fliegen umschwärmten Schweineschädel. ("Herr der Fliegen" ist einer der Beinamen Satans.) Der Junge Simon, ein Unterstützer Ralphs, hört den Schweinschädel in seinem Kopf sprechen. Simon ist der einzige, der ein Versteck besitzt.

Bei einem Luftkampf wird ein Flugzeug abgeschossen, und dessen Pilot rettet sich mit dem Fallschirm auf die einsame Insel. Als er kurz unter dem Berggipfel aufschlägt, stirbt er an seinen Verletzungen. Der Wind bewegt den Fallschirm, und da der Körper des Piloten daran befestigt ist, bewegt der Wind den Toten wie eine Marionette an Fäden hin und her. In einer Jagdexpedition versuchen Ralph, Jack und andere dieses wilde Tier zur Strecke zu bringen, doch die Bewegung ist zu unheimlich und sie geraten in Panik. Fortan steht die Existenz des Tiers fest. Die Jäger ziehen sich auf die burgähnlichen Felsen an einem Ende der Insel zurück, wo sie den Zugang kontrollieren können. Nun ist die Trennung der Gemeinschaft auch räumlich vollzogen

Nachdem Jack das Feuer und die Brille geraubt hat, bleibt Ralph und dem halbblinden Piggy nichts anderes übrig, als um Frieden (und Essen) zu bitten. Doch wegen des Streits um die Führerschaft kommt es zu einem Kampf zwischen Ralph und Jack. Piggy wird ermordet, und Ralph, der als einziger die Vernunft bewahrt hat, steht allein da. Den Gesetzen des Dschungels gemäß veranstaltet man auf ihn eine wilde Hetzjagd, wobei wiederum der Wald abgefackelt wird. Ralph sieht sich wie ein Schwein in die Enge getrieben und sucht sein Heil auf dem leeren Strand, wo er hofft, Gnade vor Jacks Killern finden zu können.

Die Jagd endet erst, als ein Kommando der britischen Marine auf der Insel erscheint und die "Ordnung" wieder herstellt. Der Offizier hält alles für „Sport und Spiel“, doch als Ralph von zwei Leichen erzählt (Simon und Piggy), vergeht ihm das Lächeln. Das Auftauchen der Erwachsenen bringt die verwilderten und verrohten Jungen wieder zur Räson: Beim Anblick der Soldaten verwandeln sie sich wieder in das, was sie zuvor waren: verängstigte Schulkinder, die nur noch um sich weinen können. Bei einem der Jungen führen die zurückliegenden Ereignisse zu der Erkenntnis "des Endes der Unschuld, der Finsternis im Herzen des Menschen".

Mein Eindruck
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Dieser zweimal verfilmte Roman (werkgetreu 1963 von Peter Brooks, dann auch 1990) entstanden unter den Eindrücken, die Golding im Krieg und nach den ersten Atombombenabwürfen empfing. Das Buch soll zeigen, was passieren kann, wenn autoritär erzogene, auf Führerpersönlichkeiten fixierte Menschen sich in einer Situation wiederfinden, die Kollektivbewusstsein erfordert.

Obwohl man sich anfangs unter einer Fahne wähnt ("Wir sind schließlich keine Wilden, sondern Engländer", sagt Jack, "und Engländer werden mit allem fertig."), geht mit dem Ablegen der (Schul-) Uniform auch die Moral verloren. Da wachsen sich Rivalitäten zu Grausamkeit und sogar Mord aus, Urängste gewinnen die Oberhand, die demokratische Fassade, die nur anerzogen, nicht aber verinnerlicht ist, bröckelt ab. Da gibt es Diktatoren und Sündenböcke sowie die flink agierenden Kräfte des Opportunismus, die in Jacks Windschatten der Führerschaft, bösartig aktiv werden, später aber, wenn sich das Blatt gewendet (d.h. normalisiert) hat, als erste die Waffen strecken und ihre Taten vergessen zu haben scheinen.

Alle Jungen tragen die gleichen Namen wie die heldenhaften Schuljungen in dem Roman "The Coral Island" (1858) von R. M. Ballantyne: Einer Gruppe erfindungsreicher Jungs, die bei einem Schiffbruch auf einer kleinen Insel gestrandet sind, gelingt es dort, mit Hilfe ihrer erlernten Techniken zu überleben, bis Hilfe eintrifft.

Goldings Version dieser romantischen Geschichte, die der englische Offizier explizit erwähnt, verläuft sehr viel düsterer und pessimistischer. Dabei verleiht sie ihr eine metaphysische Bedeutungsebene, die der Vorlage völlig fehlt. Diese bilderreiche und niemals lehrerhafte Ebene wurde von der moralischen Krise mit herbeigeführt, in die sich die Welt nach dem Zweiten Weltkrieg und Hiroshima gestürzt sah, als, wie Golding einmal bemerkte, wir "ein schreckliches und verzweifeltes Wissen" erwarben "über das, wozu menschliche Wesen fähig sind".

Über die offensichtliche Widerlegung der literarischen Vorlage hinaus stellt "Der Herr der Fliegen" eine vielschichtige Äußerung über die Finsternis im menschlichen Wesen dar und über die Formen, zu denen sich die menschliche Natur entwickelt, wenn man ihr "freien Lauf" lässt. Menschen können durchaus zu Tieren und Mördern werden, wenn es um Überleben, Essen und vor allem Herrschaft geht. Der äußerliche Auftritt eines „Herrn der Fliegen“ ist gar nicht nötig, denn wie der stille Simon ganz richtig erkannt hat, befindet sich das so gefürchtete TIER in uns selbst.

Der Sprecher
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Andreas Fröhlich war ein Mitglied in der Sprechergruppe der Kultserie „Die drei ?“. Er ist ein wahrer Stimmkünstler. Es hat mich immer wieder verblüfft, wie es ihm gelingt, seine Stimme so flexibel anzupassen, dass es ihm gelingt, die optimale Ausdruckskraft hervorzubringen. Das ist kein Wunder, wenn man bedenkt, dass es Fröhlich war, der in Peter Jacksons „Herr der Ringe“-Verfilmung den Gollum spricht.

Als jugendliche Stimme in der Sprecherriege der „Drei ?“ fällt es ihm natürlich leicht, sich in die Gefühlswelt und die Sprechweise von Jungs einzufühlen. Er charakterisiert die drei, vier Hauptfiguren so gut, dass sie leicht auseinanderzuhalten sind. Der Erste, der spricht, ist der Dicke mit der Brille, den alle Piggy nennen, das Schweinchen (und Schweine sind auf der Insel immer auch Beute). Piggy ist zwar intelligent, aber unheimlich schüchtern und gehemmt, deshalb spricht er stets stockend und ängstlich. Aufgrund seines Asthmas klingt er auch kurzatmig, besonders nach Anstrengungen. Wenn ihn sein Freund Ralph zu verlassen droht, verfällt Piggy in einen jammernden oder gar flehenden Tonfall, besonders kurz vor seinem Tod, als er völlig blind und hilflos ist.

Ralph spricht relativ tiefer Stimme und klingt fast immer ernst, außer wenn Piggy mal etwas Witziges oder Absurdes sagt. Ständig muss Ralph als Anführer Reden halten. Dann redet er laut, in kurzen Sätzen, und häufig muss ihm Piggy soufflieren, weil Ralph den Faden verliert. Ralphs Geist wankt stets auf der Kippe zwischen Intelligenz und tierhaftem Instinktverhalten.

Jack Merridew ist wie Ralphs dunkle Seite, ohne Skrupel, autoritär. Sein harter Tonfall ist sofort herauszuhören, und mehr als einmal lacht er Schwächere aus, vorzugsweise Piggy und die kleinen Kinder unter sieben Jahren. Jack erfindet für die Jagd ein rituelles Lied, das er zu einem Tanz ausbaut, den alle seine Jäger erlernen müssen. Beim Tanz in der Gemeinschaft vergessen sie sowohl ihre Einsamkeit und Angst, aber auch ihre Menschlichkeit. Dann skandiert Jack: „Stecht das Schwein!“ Es ist auch eine Art Triumphgeheul des Siegers. Aber es leigt kein gedanke an andere menschen oder gar ein Morgen darin.

Simon ist schüchtern und introvertiert, ein Gefühlsmensch und intuitiver Träumer, die einsame und sprachlose Seite von Ralph. Seine Einsichten, stockend vorgetragen, treffen selten auf Zustimmung, geschweige denn Begreifen. Er wäre der geborene Seher und Poet. Alle Szenen, in denen er allein auftritt, sond voll lyrischer Beschreibungen der Natur als einer wirkenden Macht. Er ist der einzige, der erkennt, was es mit dem TIER auf dem Berg wirklich auf sich hat, doch Ironie des Schicksals: Gerade als er diese Einsicht mitteilen will, gerät er in den Kriegstanz der Jäger: „Stecht das Schwein…“

Der Sprecher schreckt nicht vor Schmerzensschreien, Keuchen, Brüllen, Rufen zurück, so dass die Lesung zeimlich abwechslungsreich wird. Die Stimme des Erzählers jedoch wirkt bei ihm ungewöhnlich ernst, so dass sich der Hörer Sorgen machen muss, welche Schrecknisse die Vorkommnisse auf der Insel ihm noch bieten werden. Gut fand ich, dass Fröhlich an keiner Stelle Zweifel aufkommen lässt, dass die Gedanken, Sorgen und Gefühle der Jungs irgendwie NICHT ernstzunehmen seien – ganz im Gegenteil: Die Jungen erscheinen wie Erwachsene, denn schließlich vertreten sie die menschliche Rasse, wenn sie sich einmal selbst überlassen ist.

Unterm Strich
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Goldings Geschichte aus der späten Moderne der fünfziger Jahre handelt nicht von jugendlichem Erfindungsreichtum, sondern breitet vor dem Leser eine zutiefst pessimistische Vision der menschlichen Bosheit, um nicht zu sagen: Bösartigkeit, aus. Diese Vision liegt weit jenseits von viktorianischem Optimismus à la „Coral Island“ oder auch nur konventionellen liberalen Träumen vom moralischen und sittlichen Fortschritt des Menschen. Golding hat einmal kurzangebunden bemerkt, dass "die Natur des Menschen sündhaft und sein Zustand gefährlich" sei.

Tatsächlich sind alle seine Romane und auch einige seiner Kurzgeschichten irgendwo jenseits des "Endes der Unschuld" angesiedelt. Selten einmal befassen sie sich mit der realen Welt, zeigen wenig Besorgnis um Sitten oder gesellschaftliche moralische Werte und spielen an klar gezeichneten, eingeschlossenen, beinahe allegorischen (Schau-) Plätzen, häufig am Randbereich des Sozialen und des Nicht-Sozialen oder von Geschichte und Vorgeschichte.

Die Geschichte um den „Herrn der Fliegen“ konnte bis heute einen fast mythischen Status erhalten, weil sie ihrer Zeit enthoben ist. Außer der Insel gibt es keinen anderen Schauplatz, und nur am Anfang, in der Mitte (Pilotenabsturz) sowie am Ende treten andere Menschen auf, nämlich Erwachsene. Ob die Handlung einen anderen Verlauf nähme, wenn Mädchen auftreten würden ( es kommt kein einiges vor, weil es damals noch eingeschlechtliche Schulen in Großbritannien gab), darf wohl stark bezweifelt werden. Auf der Insel herrscht unter Jack, dem Häuptling, das Recht des Stärkeren.

Das Hörbuch

Auch in der Form des Lesung kann man der Geschichte ausgezeichnet und mühelos folgen. Sie besteht zu 99 Prozent nur als Dialog und plastischen Szenen, die amn sich filmisch vorstellen kann. Aber es gibt auch lyrische Beschreibungen von außerordentlicher Schönheit, die eine geradezu magische Stimmung heraufbeschwören. Nur so ist es beispielsweise möglich, sich den entrückten Geisteszustand Simons vorzustellen, dem das von der prallen Sonne erhitzte Hirn die Ansprache des Herrn der Fliegen vorgaukelt.

Der Sprecher charakterisiert die drei, vier Hauptfiguren so gut, dass sie eindeutig unterscheidbar sind. Er erweckt sie mit zahlreichen Sprechakten wie Lachen, Schreien, Brüllen usw. zum Leben. Gut fand ich, dass Fröhlich an keiner Stelle Zweifel aufkommen lässt, dass die Gedanken, Sorgen und Gefühle der Jungs irgendwie NICHT ernstzunehmen seien. Es gab 2002 mal eine Aufnahme dieses Buches, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie besser gewesen sein kann als die vorliegende Lesung.

Fazit: volle Punktzahl.

Michael Matzer © 2009ff

Info: The Lord of the Flies, 1954; Argon Verlag, Berlin 2009; 423 Minuten, EU 19,95, aus dem Englischen übersetzt von Hermann Stiehl; ISBN 978-3-86610-752-6 

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24.07.2002
Das Biest ist in uns!
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17.04.2004

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