Hexenclub, Der

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Jenseits von Gut & Böse?

4  04.07.2002

Pro:
Interessantes, modernes "Gruselmärchen" um die Welt der Magie; Hexen mal nicht im Mittelalterstil .  .  . aber dennoch geheimnisvoll

Kontra:
Nicht unbedingt geeignet für Leute mit niedrigerer Ekelgrenze oder Schlangen -  & Ungeziefer - Phobie, Leute, die sich wirklich richtig gruseln wollen werden wohl nicht auf ihre Kosten kommen

Empfehlenswert: Ja 

Augury

Über sich:

Mitglied seit:30.01.2000

Erfahrungsberichte:37

Vertrauende:4

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 30 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Dunkler Abend. In regnerischer Stunde finden wir uns auf dem Wege in einen abgelegenen Vorort L.A.‘s. Allein schon die grau-düstere Landschaft lässt nichts wirklich gutes ahnen, denn so bedrückend-melancholisch wie das Wetter auch auch die Stimmung Sarahs, die mit ihrem Vater und der Stiefmutter dorthin zieht... auf der Siebzehnjährigen lastet immer noch die Last der Vergangenheit: der Tod ihrer Mutter am Tage ihrer Geburt, den sie nie verwinden konnte... und die damit zusammenhängenden mehrfachen Selbstmordversuche.

Schon von vornherein zur Außenseiterin verdammt, fühlt sich Sarah an der High School gleich wieder allein... wäre da nicht Möchtegern-Schul-Casanova Chris, der gleich mal ein Auge auf das „Frischfleisch“ wirft und die Neue angräbt...

Nun, diesmal soll es für Sarah ein wenig anders verlaufen, denn irgendwie scheint sie nicht die Einzige zu sein, die an dieser Schule etwas „anders“ ist. Da gibt es nämlich noch die drei skurilen, von allen anderen ebenfalls aus den unterschiedlichsten Gründen abgelehnten Ladies, auch als "Bitches Of Eastwick" verschrien.
Zum einen zählt zu ihnen Bonnie, die graue Maus der Truppe, als Kind schon am ganzen Körper mit Brandnarben entstellt; zum zweiten Rochelle, die als Afro-Amerikanerin von der Snobs der Gesellschaft ausgeschlossen wird, und zum dritten Nancy, ein dem proletarischen Milieu entstammendes, von zerrüttetem Elternhaus gezeichnetes Mädchen im freakigen Goth-Punk-Style... so ganz das Image der ungehalten-dreisten Göre ohne Bedenken erfüllend.

Und in der Tat, das Einzelgänger-Trio war bereits unermüdlich nach genau so jemandem wie Sarah auf der Suche. Denn man braucht unbedingt eine Vierte im Bunde - um den Hexenzirkel zu komplettieren.
Nach anfänglicher Unschlüssigkeit kann sich schließlich Sarah dem Bann der Magie nicht mehr entziehen, tritt dem „Club“ bei und nimmt so Teil an jenen heidnischen Riten der Beschwörung der Naturgottheit „Manon“... und tatsächlich gelingt es, dank Sarahs übernatürlicher Begabung. Die jungen Hexen lernen schnell, entfalten Hypnose -und Konzentrationstechniken, um Dinge in Bewegung zu setzen, werden zu erstklassigen Verwandlungskünstlerinnen... und auch der alltäglichen Probleme entledigen sie sich: so verschwinden Bonnies Narben, Liebeszauber zum Einwickeln der Herren der Schöpfung werden gebraucht oder der niederträchtigen Schulschönheit Laura, die alle tyrannisiert, fallen die Haare aus.
Nicht ahnend, dass vielleicht Kräfte erweckt werden könnten, die immenser und bedrohlicher sind, als vorstellbar, spinnen die Damen ihr Spiel weiter. Was aus bloßer Neugierde als konspiratives, unbekümmertes Unterfangen begann, soll, nach einigen vermeintlich einfachem Hokuspokus und ein paar Bannsprüchen hier und da, seinen verhängnisvollen Lauf nehmen...
Denn bei Nancy kostet die Erfüllung ihrer Sehnsüchte ein Menschenleben. Ihr schäbiger, tobsüchtiger Stiefvater muss dran glauben. Bloß gut, dass er eine hochdotierte Lebensversicherung besaß, die Mutter und Töchterlein unversehens eine nette Lebensgrundlage in Bevery Hills verschafft...
Nancy verfällt mehr und mehr dem Wahn der beschworenen Gottheit der Rachsucht, blinden Wut und Anarchie und avanciert zur teuflisch-verführerischen Hexenmeisterin. An den Küsten setzt ein schreckliches Sterben der Delphine ein. Und auch Chris‘, der durch einen magischen Zauber Sarah aufs Höchste anhimmelt, kommt durch die Eifersucht Nancys, die bei ihm einfach nicht landen kann, um.

Während Sarah sich fassungslos vom Zirkel abwendet, werden Rochelle und Bonnie immer mehr vom den Sog des Unheils verschlungen und von der teuflischen Einwirkung Nancys beeinflusst, die schwört tödliche Rache an Sarah zu üben für deren Verrat an den „Schwestern“ und ihre Abtrünnigkeit...

...und so darf man andächtig verfolgen ein effektvoll-packendes Showdown mit allerlei imaginativer Zauberkunst, offen klaffenden Unterarmen, stürzendem Mobiliar, krauchendem Getier in extremsten Beständen & Co. zwischen einer boshaft-dämonischen Nancy und den „Kräfte des Guten“, vertreten durch die unschuldig-edele (?) Sarah, als Tochter einer wirklichen Hexe geboren...

...ein Endkampf, der für eine der Parteien im Fiasko enden soll. Denn wie heißt es so schön, „wahre Magie ist weder gut noch böse“ – sondern lediglich das, was man daraus macht.

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» Hintergründe & Gehalt der Story...

Das Leben kann unfair, hart und trist sein. Sind da die Mächte von Magie und Hexerei wirklich so abwägig? Ein geheimnisvoller Blick, eine konzentrierte Beschwörung, im Handumdrehen schweben Dinge... Wer würde nicht gern mal just for fun durch bloße Willenskraft Teller verrücken oder eintauchen in die Welt des Fantastischen?
Doch jede Faszination birgt natürlich Gefahren, denn wo liegen die Grenzen? Sind es gerade in unserer schnelllebigen Ära mitunter Leute mit sozialen Problemen, die in ihrer Perspektivlosigkeit dazu neigen, für Okkultes und Aberglauben Interesse zu zeigen?
Genau diese fragliche Thematik wirft (man glaubt es kaum?) Hollywood in diesem 93 minütigen Fantasythriller aus dem Jahre 1996 auf.

Setzt das Ganze zwar gleich in recht düsterer Atmosphäre ein, mag mancher sich dann vielleicht doch gleich wieder bei den ersten High-School-Szenen sagen „Nicht noch ein Teenie-Film!“ – Teenie ja, denn immerhin sind es die Hauptcharaktere, die dieser Altergruppe angehören... wobei das Ganze übrigens im Umfeld der Saint Benediet's Academy spielt. Jedoch mit Sicherheit ein bis dato noch nicht dagewesener Streifen, bei dem sich eine mystisch anmutende Handlung ein Stelldichein gibt mit interessanten Special-Effects.

Wem aber verdankt die Fernsehwelt diese märchenhafte Reise in die Tiefen der Magie, jenseits von Gut und Böse?
Nun, da das Übernatürliche Produzent Douglas Wick von je her reizte, spielte er mit dem Gedanken, einen modernen Film über Hexen zu verwirklichen. So traf er sich innerhalb eines Jahres mit ca. 50 Autoren, bis er Peter Filardi („Flatliners“) entdeckte, der detaillierte Ideen hatte, wie sich die vier Mädchen „in die dunklen Ecken ihrer Seelen vorwagen“ würden.
Daraufhin stieß Regisseur Andrew Fleming zum Team, der kurz zuvor mit der romantischen Generation-X-Komödie „Einsam, Zweisam, Dreisam“ (1994) mit Lara Flynn Boyle, Stephen Baldwin und Josh Charles in den Hauptrollen Erfolge erzielte. Fleming, der schon mit seinem Regiedebüt „Vision der Dunkelheit“ (1988) den übersinnlichen Thriller in Angriff genommen hatte, begeistert: "Die Geschichte strahlt eine merkwürdige, beinahe surreale Atmosphäre aus, die mich an meine Zeit in der High-School erinnert. Ich weiß noch genau, daß das Leben in diesem Alter ganz schön merkwürdig war. Wenn man so jung ist, glaubt man wirklich, man könne Magisches leisten [...]“.

Und so baut sich im Streifen denn ein ganz eigenes Ambiente auf, dank gelungener Kameraführung und mühsamer Detailversessenheit positive Balance zu besagtem „Soap“-Image. So setzte man beispielsweise im Film für wirkungsvolle Massentierszenen 3.000 Schlangen (darunter u.a. Boas, Pythons oder seltene Albino-Reptilien), 500 Schmetterlinge, 2.000 Marienkäfer, 3.000 Maden, 10.000 Kakerlaken, 15.000 Mehlwürmer und 20.000 Fliegen ein... ein wirklich abwechslungsreicher Gruselspaß, den man sich jedoch nur hingeben sollte, wenn man nicht gerade Heißhunger auf Chips, Popcorn oder andere Leckerlis verspürt, zu der weniger kriechtierbegeisterten Zuschauerschaft zählt und dazu neigt, leicht dem Greuel zu verfallen.

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» Hauptbesetzung...

Fairuza Balk ... Nancy Downs
Robin Tunney ... Sarah Bailey
Neve Campbell ... Bonnie
Rachel True ... Rochelle
Christine Taylor ... Laura Lizzie
Skeet Ulrich ... Chris Hooker
Assumpta Serna ... Lirio
Cliff de Young ... Sarahs Vater
Janet Eilber ... Sarahs Mutter
John Kapelos ... Nancys Stiefvater usw.

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» Die Hauptdarstellerinnen und -charaktere...

Der Film lebt neben guter Regiearbeit, gekonnten Effekten und interessant-imaginativer Story von seinen Hauptdarstellerinnen, die die Aussage der durch sie verkörperten Figuren mit großer Intensität repräsentieren.

• Der 1974 in Point Reyes/Kalifornien geborene Jungstar Fairuza Balk überzeugend als ebenso attraktive wie aufrührerisch-heimtückische Anführerin Nancy Downs, die in ihrer Gier nach Prestige ihre Grenzen überschreitet.
Ihr Schauspieldebüt gab Balk mit neun Jahren, in Disneys „Return to Oz“ als Dorothy. Danach dann der Part eines Vergewaltigungsopfers im Fernsehfilm „Shame“, für den man sie als beste Darstellerin bei den „Cable Ace Awards“ nominierte. Es folgten das Mörder-Drama „Starkweather: Murder in the Heartland“, Milos Formans „Valmont“ (1989) und Allison Anders‘ Teenagerstudie „Gas, Food, Lodging“ (1992), bei dem sie den „Independent Spirit Award“ als beste Darstellerin erhielt.
Letzte Rollen waren in „Das Leben nach dem Tod in Denver“ (1995), „Unsere Welt war eine schöne Lüge“ (1995) an der Seite von Harvey Keitel und Louise Fletcher, „Tollbooth“ (1995) oder ein Remake des Klassikers „Die Insel des Dr. Moreau“ mit Val Kilmer und Marlon Brando.

• Als verletzlicher Neuling Sarah Bailey im Zirkel der Junghexen zusehen die verheiratete Katholikin Robin Tunney, aus Chicago stammend. Im Alter von 18 Jahren ergatterte sie bereits Rollen in TV-Shows wie „Life Goes On“, „Class of '96“, „Law and Order“, „HBOs Dream On“ und der ABC-Miniserie „J.F.K: Reckless Youth“. „Der Hexenclub“ stellte Tunneys erste Hauptrolle dar, hatte sie doch zuvor Nebenparts in jugendorientierten Produktionen wie „Steinzeit Junior“ (1992) und „Das Empire-Team“ (1995). Außerdem agierte sie u.a. in Gregg Arakis‘ Streifen „Nowhere“ neben James Duvall, Christina Applegate und Kathaleen Robertson oder an der Seite Arnold Schwarzeneggers in „End of Days“.

• Das vielleicht bekannteste Gesicht der vierer Bande das Neve Campbells. Ihr Schauspieldebüt gab die 1973 geborene Kanadierin in einer Inszenierung von "Das Phantom der Oper" in Toronto, die von Hal Prince in Szene gesetzt wurde. Im TV trat sie neben Patrick Stewart ("Maximum Warp, Mr. Data...") in "Das Gespenst von Canterville" und dem NBC-Film-Der-Woche "I Know My Son Is Alive" mit Corbin Bernsen, hatte eine Rolle in der Serie "Catwalk" und zahlreiche Gastauftritte in weiteren Sendungen.
In den letzten Jahren hat sich Neve Adrianne Campbell zur beliebten Film- und Fernsehdarstellerin entwickelt. Nach dem Part als Bonnie in „The Craft“ gelang ihr der Einstieg bei „Scream“ und der Serie „Party of Five“. Bedarf es weiterer Worte...?

• Rachel True als Rochelle, ein weiteres Mitglied des Quartetts - eine Rolle, ursprünglich bestimmt für eine weiße Schauspielerin. Die Darstellerin zog es 1993 nach L.A. um dort, wie so viele andere auch, ins Filmbusiness einzusteigen. Anfangs ergaben sich kleine Auftritte in Serien und Sitcoms sowie ein Gastspiel in "Interview mit einem Vampir" (1994), bevor man sie 1996 für "Der Hexenclub" engagierte.

Na denn, der Film scheint die konfliktgeladene Handeln der jungen Ladies immerhin so deutlich zu vermitteln, dass Robin Tunney und Fairuza Balk dafür den MTV-Movie-Award für das beste Zusammenspiel erhielten.

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» Die DVD...

Die deutsche DVD, publiziert durch Columbia Tristar, bietet den Film in englischer (Dolby Digital 5.1), deutscher (Dolby Digital 5.1) und französischer Sprache (Dolby Digital 5.1), im Bildformat 16:9 Widescreen, 1.85:1. Als Bonus enthält das Material den Trailer zum Streifen, eine Film-Doku, weggefallene Ausschnitte, einen Regie-Comment, Filmografien der DartsellerInnen und des Regisseurs sowie den Soundtrack.

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» Der Soundtrack...

...womit wir gleich beim Thema wären.

01. OUR LADY PEACE - Tomorrow never knows
02. SPONGE - All this and nothing
03. LOVE SPIT LOVE - How soon is now?
04. GRAEME REVELL - Bells, Books and Candles
05. JEWEL - Under the Water
06. JULIANA HATFIELD - Witches Song
06. TRIPPING DAISY - Jump into the Fire
07. LETTERS TO CLEO - Dangerous type
07. SIOUXSIE & THE BANSHEES - Sick Child (vom Siouxsie Album "Rapture")
08. CONNIE FRANCIS - Fallin' (vom Album "Goldcollection")
09. MATTHEW SWEET - Dark Secret
10. ALL TO MUCH - Warning
11. PORTIHEAD – Scorn (vom Album "GloriBox")
12. SPACEHOG - The Horror
13. ELASTICA - Spastica
14. HEATHER NOVA - I have the Touch

Hinsichtlich des Soundtracks zu erwähnen, dass zwei unterschiedliche Varianten publiziert wurden. Um die auf der Abspannliste aufgeführten Originalsongs zu erhalten, ist es zu empfehlen, die mit „The Craft“ betitelte CD zu ordern. Denn im Kontrast zu dieser enthält die Scheibe „Der Hexenclub“ lediglich die Instrumentalversionen.

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» Fazit...

Alles in allem ein Filmchen, das sich blicken lassen kann: herrlich kitschige Teenie-Mache verwoben in einem Netz um gute und böse Magie. Spannend übernatürlich in der Tradition von Genreklassikern wie „Der Exorzist“ oder „Shining“... bewegend und möglicherweise nicht ganz geeignet als „Gute Nacht“-Geschichte für „schwache Nerven“, obwohl einem da schon weitaus krasseres unterkommen könnte...
Nun, wer wagt es, mit den Weg der vier zaubernden Ladies „von der völligen Ohnmacht zum Rausch der Macht zu beschreiten" ?! [Douglas Wick]
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Angelito24

Angelito24

30.07.2002 16:59

Angesichts der Tatsache, dass Du so gute Berichte verfasst, frage ich mich, warum Du immer noch grün bist!?!

LittleBigMac

LittleBigMac

07.07.2002 12:43

Die DVD kommt etwas kurz, aber der Rest ist so ausführlich, dass es trotzdem noch ganz knapp zum "sehr hilfreich" reicht! Den Film selbst fand ich übrigens nicht so dolle! ;-)

Sanee

Sanee

07.07.2002 00:46

Den kenn ich noch garnicht, muß ich direkt mal verfolgen, wenn der übern Bildschirm flimmert. Scheint spannend zu sein und auch schön gruslig. Tschüß

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