High Fidelity

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Musik und Frauen!

5  25.05.2001

Pro:
Guter Film, interessante Story

Kontra:
-

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Humor

Spannung

Anspruch

Action:

Romantik:

mehr


aths

Über sich:      Hi, das ist also meine Visiten-Karte bei ciao ...

Mitglied seit:11.08.2000

Erfahrungsberichte:36

Vertrauende:2

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 14 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

In der Schlüsselszene - jedenfalls ist sie für mich das - sieht der Besitzer des Plattenladens, wie einer seiner Angestellten ein Mädchen an der Bushaltestelle drückt...

Dieser Plattenladenbesitzer führt durch den Film und ist auch die Hauptfigur. Er spricht direkt zum Zuschauer. So, als müsse er etwas loswerden. Zum Beispiel, was seine Top-5-Schlussmachliste ist. Denn gerade wurde er von seiner letzten Freundin verlassen...

Muss man jemandem zuhören, wenn er von seiner Top-5-Schlussmachliste erzählt? Wird das nicht langweilig? Kein bisschen! John Cusack spielt seine Rolle überzeugend und mit viel hintergründigem Witz. Der Film ist zweischneidig: Schaut man nur oberflächlich hin, sieht man halt diese Geschichte und das war's. Doch hintergründig werden alle möglichen Gedanken reflektiert, die wohl jeder Mann bereits hatte. Es geht z.B. darum, was das Geheimnis des Erfolges bei Frauen ist.

So hat er seine letzte Freundin gerade an einen gewissen Ian verloren. Glaubt er jedenfalls. Nun steht dieser Ian in seinem Plattenladen. Und erzählt, er solle gefälligst diese Anrufe und das herumhängen vor seiner Wohnung lassen - die Angestellten hören alles... wie kommt unser Held damit zurecht? In seinem Kopf spielen sich drei Möglichkeiten ab: Erstens, er brüllt den Ian aus seinem Laden. Zweitens will er handgreiflich werden und muss von seinen beiden Angestellten zurückgehalten werden. Drittens lässt er seiner Fantasie richtig freien Lauf: Zusammen mit seinem Personal verprügelt er diesen Ian - und zwar schonungslos...

In Wahrheit steht er da wie Pik Sieben und macht nichts. Das heisst nicht, dass er generell ein Weichei ist. Aber das Gegenteil auch wieder nicht. Halt ein Durchschnittsmensch mit Collage-Abschluss und eben Eigner seines Plattenladens. Natürlich Musik-Fanatiker.

Der Film läuft darauf hinaus, dass er mit seiner letzten Freudin wieder zusammen findet. Zwischendurch kommen alle möglichen klischeehaften Frauentypen zum Zuge. Cathryn Zeta Jones spielt in einer Nebenrolle mit, sie stellt diesen Typ da, in den man sich wegen des Aussehens zwar verliebt. Aber die Frau als Mensch taugt nichts. Dann gibt z.B. es noch die "wir sprechen über alles" Frau, die "tratsch, tratsch, tratsch"-Tante oder halt die kluge, charmante, mit der er wieder zusammenfindet. Bis das soweit ist, lernt er aber noch eine Menge.

Der Zuschauer ebenfalls. Zum Beispiel, dass die Skater (die ihn mal beklauten wollten) richtig gute Musik machen können. Er will eine CD produzieren - und das dicke Monster, was bei ihm arbeitet, will auf einmal Sänger einer Gruppe werden... Alle entwickeln sich weiter, und ausgerechnet der Filmheld forscht in seiner Vergangenheit. Warum machten die Frauen seiner Top-5-Schlussmachliste mit ihm Schluss? Er fragt sie einfach... und stellt einiges erstaunt fest. Dabei bleibt er selbstgerecht und behält seine Fehler. Es ist am Zuschauer, das zu erkennen. Immerhin gibt er zu, dass seine Ex cleverer ist als er selbst.

Hat sie schon mit Ian geschlafen? Das beschäftigt ihn. Dadurch, dass er öfter direkt in die Kamera sieht und zum Zuschauer spricht - und zwar vertraulich, als wäre man alleine im Kinosaal - wird eine gewisse "Doku"-Stimmung erzeugt. Wann hat schonmal ein Charakter die Möglichkeit, seine Handlungen gegenüber dem Betracher zu rechtfertigen? Diese Zweischichtigkeit - was sehen wir, was erzählt er uns - macht den Film zusätzlich interessant.

Also da drückt der schmächtige Junge ein etwas molliges Mädchen - und beide sind glücklich. Sie fanden sich im Plattenladen ohne sich zu suchen. Anders die Hauptfigur, der als Erzähler seiner Person besonderes Gewicht gibt, welcher schon immer auf "Jagd" nach Frauen war...

Fazit: High Fidelity - wer wie ich das Buch nicht kennt, wird vom Titel her nur unklare Vorstellungen haben. Wozu auch viel erzählen: Es handelt sich um einen sehenswerten Film, der auch beim wiederholten sehen noch Spass macht. Jeder, der a) Musik hört und b) schonmal verlassen wurde wird hier nicht enttäuscht.
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