Über sich:"Die Tat ist alles, nichts der Ruhm", Goethe "Faust"
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Es wird viel vom Revival des deutschen Films gesprochen: Seit den letzten Jahren kommen aus Deutschland immer mehr viel beachtete und ausgezeichnete Filme, deutsche Schauspieler schaffen es immer öfter in Hollywood-Produktionen mitzuwirken. Der deutsche Film ist wieder wer! Zu den Altmeistern des deutschen Films, die bereits vor einigen Jahrzehnten in der Welt für Furore sorgten, gehört ganz sicher auch Regisseur Wim Wenders - nicht erst seit "Der Himmel über Berlin", von 1987.
Trotzdem ist gerade dieser Film etwas ganz Besonderes. Nicht nur, weil er Wenders die Goldene Palme von Cannes als bester Regisseur einbrachte, erst recht nicht, weil der Film die Vorlage für die schnulzige Liebesgeschichte "Stadt der Engel" mit Nicolas Cage und Meg Ryan ist, sondern weil der Film mit wenigen Worten und umso schöneren Bildern das Leben in Berlin um 1987 darstellt und eine einzige, große Liebeserklärung an unsere Hauptstadt ist.
Eine wirkliche Handlung ist schwer auszumachen. Wim Wenders inszenierte "Der Himmel über Berlin" ähnlich einem Mosaik: Mit vielen kleinen Steinchen, die allein schon schön anzuschauen sind, insgesamt aber ein großartiges Ganzes ergeben. Im Zentrum des Filmes stehen aber ganz deutlich die beiden Engel Damiel (Bruno Ganz) und Cassiel (Otto Sander), die in Berlin umher streifen ohne von den Menschen gesehen zu werden, diesen aber helfen, sie unterstützen und zur Seite stehen. Eines Tages trifft Damiel die französische Trapezkünstlerin Marion (Solveig Dommartin), verliebt sich in sie und beschließt seinem Dasein als Engel ein Ende zu setzen und fortan als Mensch zu leben, um mit Marion glücklich zu werden.
Um diese Liebesgeschichte, die nur einen kleinen Teil des Filmes ausmacht, strickt Wenders verschiedene andere Szenen und Geschichten, die das Leben in Berlin und die Stadt selbst charakterisieren sollen. Da wäre ein US-Filmstar (Peter Falk), der in Berlin einen Nazi-Film dreht, die Zirkustruppe um Marion, der damalige Berliner Underground-Sänger Nick Cave, der einen Auftritt hat und der alte Poet Homer (Curt Bois), der über die Poesie, über Krieg und Frieden und über Berlin nach dem Mauerbau philosophiert.
Es wird wenig im Film gesprochen, dafür hören die Engel aber die Gedanken der Menschen: Kinder, Schwangere, Selbstmörder... Wim Wenders schreckte auch nicht davor zurück, die Gedanken der Französin Marion und des Amerikaners Peter Falk minutenlang auf Französisch bzw. Englisch im Film darzustellen. Dafür wird man dann immer wieder mit den wunderbaren Worten Peter Handkes entschädigt.
Der Lyriker und Schriftsteller steuerte einige Texte zu dem Film bei, die Wim Wenders immer wieder einbaut, sich an ihnen entlang hangelt und die insbesondere der Sprache der Engel und Homers eine unglaubliche Würde und einen ganz besonderen Tiefgang verleihen. Könnte man so Curt Bois als Homer stundenlang beim Philosophieren zuhören, so wirken die Handlungsteile mit Peter Falk und Marion doch fast banal und sind stellenweise sogar langatmig. Das ist aber auch der einzige Kritikpunkt, den man "Stadt der Engel" machen kann. Ansonsten ist der Film sicher nicht der unterhaltsamste - dafür ist er eben stellenweise zu langatmig und zu ruhig - aber so doch gewiss einer der anspruchsvollsten, poetischsten und künstlerischsten, die es in Deutschland je gab.
Wim Wenders selbst sagt, dass sein Film wie ein Gedicht oder wie Musik mit Bildern ist. Damit hat er recht. Handkes Worte geben dem Film die Poesie, die Bilder sind wunderschön und künstlerisch, die vielen Stimmen und Sprachen wirken wie Musik.
ZAHLEN, DATEN, FAKTEN: Titel: Der Himmel über Berlin Jahr: 1987 Land: Deutschland, Frankreich Regie: Wim Wenders Darsteller: Bruno Ganz, Otto Sander, Solveig Dommartin, Peter Falk, Curt Bois u.v.a. Lange: 127 Minuten FSK: ab 6 Jahren
FAZIT: Einige Handlungsstränge sind zu langatmig und fallen qualitativ gegenüber denen mit Handkes Texten deutlich ab. Das ist das Einzige, was Wim Wenders sich vorwerfen lassen muss. Ansonsten ist "Der Himmel über Berlin" große Filmkunst: Tolle Bilder, Handkes anspruchsvolle und kluge Worte, sehr gute Schauspieler...
11.06.2007 15:13
trotz deines kurzen, aber knackigen Überblicks würde mir der Film wohl nicht zusagen, weckt jetzt nicht mein Interesse. *mfg*
29.05.2007 23:03
ein etwas anderer Filmbericht -aber nicht minder hilfreich! LG Reggie
29.05.2007 17:49
toller bericht....lg jackie