Die Motive von Historikern sind bekanntermaßen so vielfältig, wie die Anzahl ihrer Schriften. Während es dem einen um Daten und Fakten, dem anderen um den Transport seiner Ideologie und wiederum anderen um kritisches Hinterfragen und das Verständnis von historischen Prozessen geht, kann man ... Bericht lesen
* Alle Preise inkl. gesetzlicher MwSt und ggf. zzgl. Versandkosten. Preise, Verfügbarkeit und Versandkosten können im jeweiligen Shop zwischenzeitlich geändert worden sein, da eine Echtzeit-Aktualisierung technisch nicht möglich ist. Maßgeblich sind immer die Preise und Angaben auf der Händlerseite. Alle Angaben ohne Gewähr.
Erfahrungsbericht von virtus über Historien Buch 2 / Herodot 14.11.2002
Produktbewertung des Autors:
Niveau
anspruchsvoll
Unterhaltungswert
hoch
Spannung
ziemlich spannend
Wie ergreifend ist die Story?
berührt ein wenig
Pro:
Weltliteratur, Ägypten
Kontra:
- - - - - - - - - -
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Die Motive von Historikern sind bekanntermaßen so vielfältig, wie die Anzahl ihrer Schriften. Während es dem einen um Daten und Fakten, dem anderen um den Transport seiner Ideologie und wiederum anderen um kritisches Hinterfragen und das Verständnis von historischen Prozessen geht, kann man die Motive Herodots, des Vaters der Geschichtsschreibung, nicht so eng fassen. Die treffenste Bezeichnung ist wohl, dass er den Menschen in Raum und Zeit darstellen möchte und dabei sehr detailliert auf die Lebensumstände der Menschen eingeht, um so einer höheres Maß an Verständnis beim Leser oder besser beim Zuhörer, denn sein Werk wurde vorgetragen, zu erreichen. Im ersten Buch hatte Herodot die Grundrisse seiner Geschichtsschreibung aufgezeigt, die sich von der mythischen Zeit in die reale Zeit bis zum ersten persischen König Kyros erstreckte. Dieser Kyros fällt auf Grund von Selbstüberschätzung am Ende des ersten Buches im Krieg gegen die Massageten. Im folgt nun sein Sohn Kambyses auf dem Thron nach. Dieser Kambyses plant nun gegen Ägypten in den Krieg zu ziehen. Nun passiert in Herodots Werk etwas, was für sein Werk charakteristisch ist, nämlich der Exkurs. Bereits im ersten Buch hatte Herodot die Sitten der Babylonier und der Massageten geschildert, wobei er diese Beschreibungen sehr kurz hielt. Das zweite Buch widmet er jedoch ganz dem Land der Ägypter, das er selbst bereist hat. Als nächstes werde ich euch kurz den Inhalt zusammenfassen, wobei dies sehr schwer ist, da Herodot viele Details im Bereich der Geschichte des Volks und der Religion nennt, weshalb ich mich auf grobe Umrisse beschränken muss. Wen dies alle mehr interessiert, dem empfehle ich wie immer dieses Buch zur Lektüre.
Der Inhalt Die Beschreibungen des Herodots beginnen bei der Geschichte der Ägypter, die sich selbst als das jüngste aller Völker bezeichnen. So forschten sie nach, wer das älteste Volk auf der Welt sei und entzogen so zwei Kindern ihren Eltern, um so zu sehen, was sie als erstes sagen und vor allem in welcher Sprache sie dies tun. Bei diesem Test kam nun heraus, dass die Ägypter nicht das älteste Volk der Erde seien. Bei weiteren Forschungen mussten nun die Ägypter feststellen, dass die anderen Völker, die ihren bekannt waren noch älter als sie waren. Im folgenden geht Herodot auf die Reihe der Pharaonen ein, die jedoch nicht so übernommen werden kann, da Herodot zwar in Ägypten war, aber keine der priesterlichen Königslisten gesehen haben kann. Ferner kann man die Bewertungen über die einzelnen Pharaonen nicht übernehmen, da hier das Problem der „einen Quelle“ besteht, das heißt, dass man zu einem bestimmten Vorgang nur eine Quelle hat, was die Erforschung eines Sachverhalt erleichtert gleichzeitig erschwert, da man ebenso einem Schwindel aufsitzen kann. So auch im diesem Fall. Als Beispiel kann man hier den berühmten Cheops nennen, der als Religionsfrevler in die Geschichte der Priester einging, da er ihnen die Gehälter kürzte. Neben dieser vielen ethnographischen Schilderungen kommen natürlich die herodoteischen Novellen auch wieder nicht zu kurz. So berichtet er von einem Baumeister, der für den Pharao eine riesige Schatzkammer baut, aber einen Stein locker lässt, um so seinen beiden Söhnen Eintritt zu verschaffen. Die Söhne bedienen sich nun immer wieder, doch dies bleibt natürlich nicht unbemerkt. Aus diesem Grunde lässt der Pharao Fallen aufstellen, in die sich einer der Brüder verfängt und nicht mehr entkommen kann. Damit sein Bruder nicht auch noch geschnappt wird, bittet er ihn ihm den Kopf abzuschlagen. Auf diese Weise soll eine Verbindung zum anderen Bruder verdeckt bleiben. Der Pharao ist natürlich schockiert, als er den enthaupteten Körper in seiner Schatzkammer findet, doch er möchte auch die anderen Täter finden und lässt deshalb den Leichnam an die Stadtmauer hängen und bewachen. Die Mutter der beiden Brüder möchte jedoch, dass ihr Sohn begraben wird und bittet ihren verbliebenen Sohn den Leichnam zu beschaffen, was dieser, indem er die Wachen betrunken macht, auch schafft. Der Pharao ist darüber sehr verärgert und greift zu einer List, die so merkwürdig ist, dass auch Herodot selbst anmerkt, dass er dies selbst nicht glauben würde. So befiehlt der Pharao seiner schönste Tochter mit jedem Mann zu schlafen, der dies wünscht, dabei musste jeder, der dies wollte, ihr seine schändlichste und gerissenste Tat offenbaren. Auf diese Weise erhoffte sich der Pharao den Räuber seiner Schatzkammer zu finden. Und nach einige Zeit ging der Räuber auch zu der Tochter des Pharaos und gestand ihr, dass er die Schatzkammer ihre Vaters ausgeraubt und die Wachen betrunken gemacht hatte. Nun wollte die Frau ihn festhalten, doch er hatte einen Arm seines toten Bruders mitgenommen und da sich die junge Frau daran festhielt, konnte er verschwinden. Der Pharao war nun von diesem Mann so beeindruckt, dass er ihm Straffreiheit zusicherte und ihm seine Tochter zur Frau gab. So viel also zum Inhalt und zu den herodoteischen Novellen.
Die Wirkung Die Wirkung des zweiten Buches Herodots könnte verschiedener nicht sein. Auf der einen Seite stehen sein Kritiker, die ihm anhand einiger Fehler seinen Rang als Geschichtsschreiber absprechen wollen, was ich aber zurückweisen will, da man als Geschichtsschreiber eben auch hin und wieder auf Geschichten von anderen angewiesen ist und so auch darauf reinfallen kann. Auf der anderen Seite stehen jedoch eine Reihe anderer Dinge, die die Wirkung insgesamt weit ins Positive bringen und heute ebenfalls noch stark nachwirken. So ist das zweite Buch Herodots die Grundlage und der Beginn der Ägyptologie gewesen, da in detaillierter und treffender Weise die riesige Kultur der Ägypter beschreibt. Außerdem führten seine Schriften zu den regelmäßigen Moden, dass es als unheimlich schick empfunden nach in Ägypten zu reisen und manchmal auch Ausgrabungen anzustrengen. Daher kann man ohne weiteres sagen, dass ohne sein zweites Buch die Forschungen im Bereich der Ägyptologie noch weit zurück wären oder vielleicht nie ein so großes Interesse erwachsen wäre. So waren die Forschungen des 18.,19. und frühen 20.Jahrhundert durch ihn motiviert. Hier kann man zum Beispiel Napoleon nennen, der durch die Herodot Lektüre begann sich für Ägypten zu interessieren. Mir ist klar, dass mir hier viele widersprechen werden, aber ich denke an viele andere Hochkulturen, von denen wir nun wenig wissen, weil einfach zu spät mit der Forschung begonnen wurde, wie zum Beispiel die Hethiter. Man sollte also auf keinen Fall Herodots Werk unterschätzen.
Fazit Nicht nur in anderen Menschen, sondern auch in mir hat Herodots zweites Buch ein gesteigertes Interesse an Ägypten geweckt. Neben den ethnographischen Beschreibungen finden sich noch viele Novellen in seinem Werk, weshalb wie im Falle des ersten Buches wieder sagen kann, dass für jeden etwas dabei ist. So kann ich euch insgesamt das zweite Buch mehr als empfehlen. Vielen Dank fürs Lesen und ich freue mich schon auf zahlreiche Kommentare.