Erfahrungsbericht über

Sherlock Holmes Criminal Bibliothek Bd. 05: Holmes und die Freimaurer / J. J. Preyer

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Wiederaufstehung en gros: Schatten der Vergangenheit

4  05.03.2010

Pro:
spannend, unterhaltsam, ironisch, illustriert

Kontra:
wenig Romantik, ein paar Druckfehler, erst ab 16 J .  zu empfehlen

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Unterhaltungswert

Spannung

Wie ergreifend ist die Story?

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mima17

Über sich: Ich wünsche allen meinen Lesern ein gesundes, erfolgreiches Jahr 2013! +++ Bitte keine Leserunden-An...

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Erfahrungsberichte:4186

Vertrauende:330

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Sherlock Holmes und Dr. John Watson kommen bei der Erforschung eines geheimnisvollen Kornfeldes einer gigantischen Verschwörung auf die Spur. Jack the Ripper, die Freimaurer, die Bundeslade des Alten Testaments, die Schriftstellerin Virginia Woolf und natürlich Prof. Moriarty mischen in dem turbulenten Geschehen mit, an dessen Ende das größte Geheimnis Englands gelüftet wird… (abgewandelte Verlagsinfo)

Der Autor
°°°°°°°°°°°°°

J.J. Preyer wurde 1948 in Steyr, Österreich, geboren. Nach einem Studium der Germanistik und Anglistik übte er eine Lehrtätigkeit in der Jugend- und Erwachsenenbildung aus. Ab 1976 arbeitete er als Lektor in Großbritannien, gründete 20 Jahre später den Oerindur Verlag und gab unter anderem Romane von C.H. Guenter heraus.

Weitere Werke:

- Sherlock Holmes und die Shakespeare-Verschwörung (Blitz-Verlag)
- Das Kennedy-Rätsel (mit Cisa Cavka; Blitz-Verlag)

Handlung
°°°°°°°°°°°°°

Rahmenhandlung: Stephen Moriarty, der Sohn des „Napoleon des Verbrechens“, schreibt 1948 im Fairmount Hotel in Sussex an seinen Memoiren. Da fällt ihm jener seltsame Fall mit den „silbernen Gräsern“ ein, in den Holmes vor rund 30 Jahren verwickelt war, im Frühjahr 1921…

Haupthandlung

Holmes, mittlerweile 67 Jahre alt, hat sich aufs Land zurückgezogen und logiert im Fairmount Hotel in Sussex, besitzt aber immer noch seiner Wohnung in der Baker Street 221B. An einem Morgen zeigt ihm das Serviermädchen Mona Hatfield, die Tochter eines Bauern aus der Nähe, merkwürdig silberfarbige Weizenähren. Er möge sie doch bitte untersuchen, bittet sie ihn, denn ihr Vater wolle partout nicht darüber reden. Es gebe ein ganzes Feld davon am Devil’s Dyke. Neugierig geworden, findet Holmes heraus, dass die Ähren von dem giftigen Pilz Fusarium oxysporum befallen sind – und wenn sich die Sporen ausbreiten, könnte die gesamte britische Ernte in Gefahr sein!

Nach einer Besichtigung des Feldes verschwindet Mona Hatfield ebenso spurlos wie ihr Vater. Der beunruhigte Holmes zieht die Polizei hinzu und erbittet die Hilfe des Journalisten James Holding, der ebenfalls im Hotel wohnt. Holding engagiert einen Flugzeugpiloten. Dessen Bericht ist alarmierend: Es gibt drei weitere solche infizierten Kornfelder in der Gegend! Als Holdings Fotos in der „Times“ erscheinen, erweist sich auch
Bilder
Sherlock Holmes Criminal Bibliothek Bd. 05: Holmes und die Freimaurer / J. J. Preyer Das Titelbild sagt alles
Sherlock Holmes Criminal Bibliothek Bd. 05: Holmes und die Freimaurer / Preyer, J. J.
das Landwirtschaftsministerium als zugänglich: Momentan findet ein Umbruch in der Landwirtschaft statt, denn die Amerikaner wollen mit billigem und besserem Saatgut den britischen Markt übernehmen. Dummerweise lassen sich deren hybride Saaten nicht zur Wiederverwendung nutzen – wer den Amis auf den Leim geht, ist auf sie angewiesen.

Da fällt Holmes der Amerikaner Ratcliffe ein, der mit seiner Yacht vor der Küste vor Anker liegt. Kaum ist er verschwunden, findet Holmes Mr. Hatfields Leiche auf dem Strand: Genickbruch. Fiel er über die Klippenkante oder wurde er gestoßen? Durch einen Anruf bei Scotland Yard findet er heraus, dass Ratcliffes Yacht jetzt im Londoner Hafen liegt. Er gibt den Cops einen Tipp, dass sich möglicherweise eine entführte Frau an Bord befinde – und möglicherweise Biokampfstoffe…

Echos der Vergangenheit

Als er einen Brief von Stephen Moriarty erhält, dem Sohn seines Erzfeindes, trifft er sämtliche Vorsichtsmaßnahmen – man weiß ja nie. Moriarty jr. scheint Watson, seinem alten Freund und Biographen, jedoch die Unschuld in Person zu sein. Allerdings hat der junge Mann ein schwarzes Buch in seinem Besitz, das er von seinem Daddy erbte und das in einer geheimnisvollen, vergoldeten Lade steckte. Deren Beschreibung lässt Holmes aufhorchen. Er leiht sich das schwarze Buch aus, um es zu studieren.

Zum Glück hat er es gleich in Sicherheit bringen lassen, denn er wird deswegen überfallen. Nachdem er die Räuber außer Gefecht gesetzt hat, kann er sich dem Inhalt des Buches widmen. Fast ganz am Ende stößt er auf einen schockierenden Satz: „Die Juwes sind nicht die Männer, denen man die Schuld nicht anlasten kann.“ Wie Holmes weiß, stand genau dieser Satz im September 1888 an der Wand eines Tatortes im Londoner East End – dort, wo Jack the Ripper eine seiner blutigsten Taten vollbracht hatte. Der Polizeipräsident Charles Warren ließ den Satz abwischen, bevor noch einer seiner Beamten ihn fotografieren konnte. Mit den Juwes sind die Mörder des ersten aller Freimaurer gemeint, des Baumeister von König Salomons tempel.

Beunruhigend findet deshalb Holmes zwei Entdeckungen: Erstens fangen die Morde wieder an – und zweitens, ein Mitbewohner in seinem Hotel, der deutsche Maler Walter Sickert, war 1888 einer der Pressezeichner bei den Morden und malt jetzt wieder Gemälde mit solchen Motiven. Und keine andere als Mona Hatfield stand ihm Modell. Holmes befürchtet das Schlimmste.

Aber wie hängt all dies zusammen? Darüber muss er sich mit seinem Freund Watson noch beraten. Und natürlich braucht er Fakten. Viel mehr Fakten, Watson!

Mein Eindruck
°°°°°°°°°°°°°°°°°

Wie schon in seinem Roman „Holmes und die Shakespeare-Verschwörung“ benutzt J.J. Preyer eine ganz Reihe bekannter Versatzstücke, um sein eigenes Garn zu spinnen. Das hat natürlich weder in der Sprache noch in der Methodik wenig mit den Erzählungen von Arthur Conan Doyle zu tun. Aber es sorgt für jede Menge bekannter und neuer Elemente, zumal das Jahr 1921 weitere technische Möglichkeiten bietet. Holmes benutzt ein Automobil, ein Telefon und würde sogar in einem Flugzeug mitfliegen können, wäre er nur willens, sich diesem klapprigen Ding anzuvertrauen. Die Kommunikation und Fortbewegung sind schneller geworden, deshalb muss auch Holmes schneller handeln.

Der Gegner ist ihm, so scheint es, stets einen Schritt voraus. Doch wer ist der Gegner? Sind es Nachfahren Jack the Rippers, Professor Moriartys oder gar Vertreter der Freimaurer? Die Verdachtsmomente reichen in viele Richtungen, lässt der Autor den Leser (und den armen Watson) glauben, doch Holmes scheint seinerseits uns weit voraus zu sein. Er kombiniert schon wieder aufs heftigste, besonders wenn er seine Stradivari quälen kann.

Der Meisterdetektiv genießt selbst im Ruhestand hohes Ansehen und scheut nicht davor zurück, Scotland Yard, die Metropolitan Police, das Landwirtschafts- und Innenministerium sowie nicht zuletzt den Geheimdienst des House of Lords für seine Zwecke einzuspannen. Denn er weiß: Die Zeit, Mona Hatfield zu retten, wird knapp. Am Schluss bleiben drei Schurken übrig, die es auszuschalten gilt, und so gibt es praktisch drei Showdowns – jede Menge spannende Unterhaltung also.

Es hieße allerdings, zuviel zu verraten und die Spannung zu zerstören, würde ich hier haarklein auseinanderklamüsern, wie die Logik des Falles zusammenhängt. Aber eines wird deutlich: Holmes und Watson müssen sich ihrer Vergangenheit stellen. Sie tritt auf in Gestalt von Moriartys Sohn, der seinen Vater und dessen Verbrechen ablehnt. Bei dieser Gelegenheit wird die Relativität von Gut und Böse erörtert. Aber es gibt noch andere Söhne, Väter, Brüder, vor denen man sich in Acht nehmen muss.

Rauschgift, Geheimorden, geistig-moralische Korruption, giftiger Weizen – das Jahrzehnt nach dem Ersten Weltkrieg, den man erst den Großen nannte, hält viele Schrecken bereit. Umso bedrohlicher wird daher die Wiederauferstehung von Jack the Ripper, die den Freimaurern in die Schuhe geschoben wird. Aus Dan Browns Bestseller „Das verlorene Symbol“ sind zum Glück viele Leser bereits mit dem philanthopischen Gedankengut der Logen vertraut und nehmen diesen Verdacht nicht für bare Münze.

Auch der finstere Kopf des Hexenmeisters Aleister Crowley reckt wieder sein Haupt. Sein „Order of the Golden Dawn“ hat in Preyers Roman einen Vorläufer, den „Order of the Ark“, also den Orden von der Bundeslade. Wie ich aus Henrik Eberles informativen Sachbuch „Das verlorene Symbol. Der Schlüssel zu Dan Browns Bestseller“ erfahren habe, war Crowley tatsächlich ein ziemlich wilder Geselle, der sein Unwesen in ganz Europa trieb. Sein Schatten fiel sogar auf Jimmy Page, den Gitarristen von „Led Zeppelin“, nur weil der Neureiche ein ehemaliges Haus des Hexenmeisters gekauft hatte und nun satanistischer Umtriebe verdächtigt wurde.

Der Schluss dieser Pastiche erinnerte mich übrigens fatal an die Pointe in der Neuverfilmung der Holmes-Abenteuer durch Guy Ritchie (2010). Der letzte Showdown findet daher ebenfalls in den Gemäuern des britischen Parlaments statt. Ebenso wie Ritchies Drehbuchschreiber legt Preyer eine genaue Detailkenntnis an den Tag, protzt aber nicht damit. Daher kann man sich ihm anvertrauen. Für Holmesianer ist dieser Roman sicher ein Fest, wenn auch nicht für Doyle-Puristen – siehe oben.

Unterm Strich
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°

Ich habe dieses Buch in nur einem Tag gelesen. Der Autor Preyer ist seiner stilistischen Mittel sicher und setzt sie wirkungsvoll ein. Von ihm können Neulinge wie Irtenkauf („Holmes und das Elfenfoto“) noch eine Menge lernen. Das Tempo ist hoch, und ständig passiert etwas, so dass sich der Leser beeilen muss, dieses hohe Tempo mitzugehen.

Der Thriller lässt daher naturgemäß wenig Platz für romantische Szenen oder sentimentales Gewäsch, so dass man nur am Rande und bei genauem Lesen mitbekommt, was Holmes an Mona Hatfield liegt. Aber wird er sie auch retten können? Eine spannende Frage, die erst ganz am Schluss beantwortet wird. Gut gefiel mir auch, dass die Rahmenhandlung diesmal abgeschlossen wird – anders als Hardwicke in „Holmes und die Spionin“. Auf diese Weise hat alles seine ordnung und beruhigt kann man das Buch schließen. Und sich dem nächsten Holmes-Roman zuwenden.

Fazit: vier von fünf Sternen.

Michael Matzer © 2010ff

Info: Blitz-Verlag, Windeck, 2006; 190 Seiten, Preis: 9,95 EU; ISBN 978-89840-215-0
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
pidimaus

pidimaus

12.04.2010 10:56

Nun das längst fällige Bh . lg pidi

Brandung

Brandung

09.04.2010 10:10

Klasse Bericht, sehr gut beschrieben. lg Jürgen

t.schlumpf

t.schlumpf

17.03.2010 12:28

Du hast einfach zuviel Platz auf meiner Warteliste eingenommen ;o) deshalb musst du dich mit dem sh begnügen ;o)

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