Die CBR 1000 SC 21, Albtraum für Oldiefahrer?
06.12.2003 (13.04.2004)
Pro:
Sport - Tourer mit guten Allroundeigenschaften, durch nur einjährige Bauzeit ein kommender Klassiker .
Kontra:
Nicht mehr im Angebot, nur noch gebraucht erhältlich
Empfehlenswert:
Ja
 DerFetteZwerg
Über sich:
Mitglied seit:14.02.2002
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Vertrauende:3
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 22 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Die Honda CBR 1000 Sicherlich ist schon jede Menge über dieses Motorrad geschrieben worden, - es handelt sich dabei schließlich um einen Meilenstein in der Klasse der Big-Bikes aus Japan... Dennoch möchte ich – aus der ganz speziellen Sicht eines Fahrers, der bisher nur Oldtimer-Motorräder bewegt hat – meine Erfahrungen mit dieser Maschine zu Papier bringen
Zur CBR 100F kam ich quasi wie die Jungfrau zum Kind, - ein vollverkleideter „Joghurtbecher“ war wirklich das Allerletzte, was ich mir in meiner Garage stehend vorstellen konnte... Aber wie das Leben so spielt... Ein Arbeitskollege fährt die CBR seit 13 Jahren, - es handelt sich dabei um die erste Serie Typ SC21,- und er hat sich dieses Motorrad damals 1990 neu gekauft, - günstig als Auslaufmodell, denn zu dieser Zeit war bereits längst der Nachfolger Typ SC24 auf den Straßen unterwegs. Jetzt hat seine Maschine ca. 33000km auf dem Tacho, war immer werkstattgepflegt worden und befindet sich in einem guten, voll einsatzfähigen Zustand. Vor kurzem ist er auf eine Yamaha 600 Fazer umgestiegen und seine CBR stand daher zum Verkauf...ich hab’ das eher beiläufig zur Kenntnis genommen.
Mich hat so ein Motorrad eigentlich nie interessiert, in der Tat wusste ich bis dahin noch nicht einmal genau, wie die CBR überhaupt aussieht. Mein Kollege hatte es mit dem Verkaufen nicht eilig, - keine Annoncen oder so...und irgendwann kamen wir während eines Arbeitstages darauf zu sprechen.
Die Beschreibung der Fahreigenschaften seiner CBR ließen mich ein wenig neugierig werden und wir verabredeten einen Probefahrtstermin. Natürlich war ich als eingefleischter BMW-Boxer-Fahrer ziemlich sicher, dass ich jede Menge Nahrung für mein Vorurteilspaket gegen vollverkleidete Boden-Boden Raketen japanischer Fertigung bekommen würde...
100 PS ! Du liebe Zeit !! Wer braucht schon so was !! 3 Stunden Fahrt über wunderschöne , gewundene Schwarzwaldstraßen hatten jedoch das genaue Gegenteil zur Folge, - ich war total positiv überrascht ! Kurz und gut, - für den unwiderstehlichen Freundschaftspreis von gerade mal 500 Euro wechselte die Honda einige Wochen später den Besitzer... nämlich zu mir ! :-) So, - und nun zu meinen Erfahrungen damit:
Aussehen/ Sitzposition Die Kiste ist – für meine Augen – nach wie vor hässlich wie die Nacht !! :-) Ich bin freizügige Demonstration der Technik gewohnt, eine Boxer-BMW hat nichts zu verstecken ! Bei der Honda verschwindet die gesamte Technik hinter einer mehrteiligen Vollverkleidung, die – das muß man allerdings sagen – gekonnt konstruiert
Bilder von Honda CBR 1000 F
ist und mit wenigen Handgriffen demontiert werden kann.Nachteil jedoch: extrem bruchgefährdet und geradezu lächerlich teuer in der Wiederbeschaffung, sollte man ein Neuteil brauchen. Reparaturen gestalten sich schwierig, - kaum einer der üblichen Reparaturklebstoffe bietet die nötige Festigkeit. Also: man sollte das Riesenbaby tunlichst nicht hinfallen lassen !!
Schaut man unter die Verkleidung,, so kommt man zwangsläufig zu dem Schluss, dass ihr Vorhandensein das weitaus kleinere Übel darstellt - die geballte Technik des wassergekühlten Reihen-Vierzylinders ist alles Andere als ästhetisch anzusehen ! Zerklüftete Zwischenräume, Schläuche, Kabel, alles sieht ein wenig so aus wie ein unaufgeräumtes Kinderzimmer !! Also Verkleidung wieder drangeschraubt und Sitzprobe gemacht. Nun bin ich mit meinen 192 cm größenmäßig nicht gerade ein Durchschnittsfahrer, umso überraschender ist die auf Anhieb bequeme Sitzposition, die ich finde. Alles passt und ist dort, wo man es auch im Dunkeln suchen würde. Daß dieser Eindruck nicht täuscht, hatte ich ja bereits auf der mehrstündigen Probefahrt festgestellt, - selbst diese kurvenreiche Strecke war ermüdungsfrei zu fahren. Ein Umstand, den zuzugeben mir nicht gerade leicht fällt, habe ich doch bisher die Sitzposition auf meinen alten BMWs über den grünen Klee gelobt !! Kurz gesagt: auf der Honda sitze ich besser !! Das war jedoch erst der Anfang meiner Lektion in Demut ! >smile<
Handling BMW Motorräder sind leicht – im Vergleich zu Fahrzeugen ihrer Hubraumklasse gehören sie traditionell zu den leichtesten – und damit automatisch auch zu den handlichsten Maschinen... Dachte ich ! Die Honda wiegt vollgetankt und mit Betriebsstoffen um die 260 kg, -und damit einen satten Zentner mehr als meine R90S, - und davon merkt man....nichts !!
Ist die Maschine erst einmal in Bewegung, folgt sie derart willig jeder kleinsten Lenkerkorrektur, dass man das Gewicht der CBR kaum glauben mag. Sie zieht unbeirrbar ihre Linie durch jede Kurve, folgt zuverlässig jedem Körperbefehl und lässt sich dabei auch durch wechselnden Straßenbelag nicht aus der Ruhe bringen. Nach einer kurzen Zeit der Gewöhnung – die man mir als BMW-gewohnten Fahrer zubilligen möge – fuhr ich mit der Honda derart zügig um die Ecken, wie ich es bisher nicht für möglich gehalten hatte.
Beim Rangieren jedoch kann die 1000er ihr wahres Gewicht nicht verleugnen, - in Verbindung mit dem sehr begrenzten Lenkereinschlag ist sie nicht gerade leicht zu schieben, - ich danke Gott für meine langen Beine !! Natürlich ist der Fahrwerksbau in den letzten Jahren nicht stehen geblieben, und man darf die Fahreigenschaften einer BMW aus den 70ern nicht ungestraft mit einer Maschine vergleichen, die Ende der 80er entworfen und konstruiert wurde, - dennoch ist der Unterschied verblüffend !!
Ich fühlte mich bereits nach wenigen Minuten völlig sicher und aufgehoben auf diesem „Reiskocher“ – wiederum ein Gefühl, welches ich nur widerwillig zur Kenntnis nahm !! Die Armaturen sind ergonomisch geformt und liegen perfekt in der Hand, Schalter sind logisch aufgebaut und leicht bedienbar. Die Anzeigeinstrumente sind übersichtlich und geben ihre Informationen ruhig und genau. Und die Bremsen !! Was war ich stolz auf die doppelte vordere Scheibenbremse meiner 90S ! Haha !! Im Vergleich mit der Bremse der Honda kann man die Verzögerung der BMW bestenfalls als „Ausrollen“ bezeichnen ! Auch hier ist der in den letzten Jahren gemachte Fortschritt beinahe wie ein Schock ! Die Bremse greift sehr sensibel, mit deutlich spürbarem Druckpunkt, und liefert bei vergleichsweise geringen Betätigungskräften Verzögerungswerte, die Hart an der Grenze des physisch Übertragbaren rangieren !
Natürlich liegt das auch an den Reifen, die durch ihre Breite wesentlich mehr Bremskräfte auf den Boden übertragen können als die – aus heutiger Sicht geradezu lächerliche- Bereifungsdimension meiner R90S. Lediglich die hintere Bremse fällt ein wenig ab...wohl um ein Überbremsen zu verhindern, wurde die nötige Pedalkraft dort ein wenig zu hoch angesetzt. Soll das Hinterrad deutlich verzögern, muß man schon recht starken Druck auf den Bremshebel geben. Doch dann verzögert auch die hintere Einscheiben-Bremsanlage ordentlich, - man gewöhnt sich an diese Eigenart schnell.
Das Getriebe ist Honda-typisch einwandfrei und leise schaltbar, die 6 Gänge rasten sicher ein und die Abstufung in Verbindung mit dem überraschen drehmomentstarken Triebwerk erscheint mir sehr gelungen zu sein. In jedem Drehzahlbereich steht enormer Dampf zur Verfügung, - selbst bei 50 km/h im letzten Gang genügt einfaches Gasgeben, um durchaus beeindruckend zu beschleunigen.
Nützt man jedoch die Drehzahlreserven aus, so stürmt die 1000er in einer Weise vorwärts, dass man das Gefühl hat, als würden einem die Arme aus dem Gelenk gezogen ! Das ist natürlich eine höchst subjektive Beurteilung, und die Fahrer einer Hayabusa oder ähnlicher Granaten werden vermutlich müde darüber lächeln, - für mich war die Demonstration von 100 PS-Leistung sehr neu und sehr beeindruckend !! Anmerkung: es gibt dieses Motorrad auch noch in einer offenen Version, die ca. 134 PS zur Verfügung stellt, - laut meinem Arbeitskollegen, der das Motorrad ursprünglich offen gekauft, dann jedoch aus versicherungstechnischen Gründen leistungsreduziert hatte, ist der Unterschied nur jenseits der 8000 U/min-Grenze spürbar.
Ich muß sagen: mir reichen die vorhandenen 100 PS voll und ganz ! Sowieso ertappt man sich dabei, dass man mit der Honda immer ein wenig illegal schnell unterwegs ist, - die Verkleidung suggeriert dem Fahrer ständig wesentlich niedrigere Geschwindigkeiten. Mehr als einmal brachte mich anfänglich der Blick auf den gut ablesbaren Tacho zu ungläubigem Staunen !! Der Benzinverbrauch der Maschine ist mit ca. 5,5 bis 6,5 ltr. bei zügiger, aber nicht übertrieben forcierter Fahrweise durchaus akzeptabel, - die Honda konsumiert Normalbenzin . Die Spritanzeige sinkt jedoch bedenklich schnell, auch das Umschalten auf Reserve ist zu einem sehr frühen Zeitpunkt nötig und täuscht einen wesentlich höheren Verbrauch vor. Allerdings ist die Reservemenge entsprechend groß, - und man hat das Umstellen auf Reserve beinahe schon vergessen, wenn der Brennstoffvorrat wirklich zur Neige geht! Dies ist eine äußerst ungünstige Einteilung , und für mich einer der wenigen echten Kritikpunkte an der Honda. Der Spritvorrat indessen ist ausreichend dimensioniert, - in den Tank passen immerhin 21 Liter. Ein zweiter Kritikpunkt betrifft die Staumöglichkeit. Ich bin noch verchromte Gepäckträger gewohnt, dazu zwei Seitenkoffer...Stauraum satt! Damit ist natürlich durch die Honda-Vollverkleidung Schluss, - einzig ein Tankrucksack verspricht ein wenig Linderung des Transportproblems. (Ich HASSE diese Dinger) !
Natürlich gibt es auch für die CBR ein Koffersystem, aber ich mag mich nicht mit dem Bild anfreunden, welches die aerodynamisch gestylte Honda mit diesen Dingern dann bietet... Für Fernreisen werde ich also zunächst wohl weiterhin eine meiner alten BMWs bemühen... Fazit Dies ist ein sehr subjektiver, stellenweise auch durchaus emotionaler Bericht über die CBR, wirklich Interessierten sei deshalb die entsprechende Fachliteratur empfohlen, zB der 40 000 km-Dauertest in der Zeitschrift „Das Motorrad“ – in einer Ausgabe des Jahrgangs 1988. (Beiläufig erwähnt sei, dass die Honda diesen Test mit Bravour bestanden hat)
Ich bin durch die CBR nicht direkt vom Saulus zum Paulus geworden., - natürlich liebe ich meine guten alten Boxer immer noch heiss....aber ich muß zugeben, dass der Fortschritt im Motorradbau zu einer deutlichen Zunahme der passiven Sicherheit geführt hat, - in beinahe jedem denkbaren Bereich des Motorradfahrens. Noch immer bin ich kein Freund von übermotorisierten Plastikgeschossen, - aber ich muß auch zugeben: das Fahren auf der CBR macht sehr viel Spaß. Den Kauf hab’ ich nicht bereut, ich betrachte es als eine Art Fortbildungsmassnahme...:-) Und ich bin vorsichtig geworden ,was meine Beurteilung – oder sollte ich sagen: Verurteilung -moderner Motorräder angeht... Mein Kollege liegt mir schon wieder in den Ohren mit Lobeshymnen über seine 600er Fazer ! Die wäre noch mal einen Quantensprung besser als die Honda! Ich soll sie mal fahren, sagt er, - aber eigentlich will ich ja gar nicht...>lach<
Technische Daten Honda CBR 1000 F Motor: 4.Zylinder 4-Takt Reihenmotor, 4 Ventile pro Zylinder, Wasserkühlung Bohrung x Hub: 77,0 x 53,6 mm Abmessungen: Länge 2245 mm Breite 725 mm Höhe 1185 mm Radstand 1505mm Gewicht: Leergewicht 222 kg Benzinfüllung: 21 ltr Motoröl: 4,5ltr Wasser: 3 ltr. Höchstgeschwindigkeit bei 98 PS: Ca. 230 km/h Gebaut von 1987 bis 1988 , danach abgelöst von modellgepflegter Version SC 24.
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03.07.2007 08:19
Einfach klasse dein Bericht. Habe heute die cbr 1000 gebraucht gekauft und kanns kaum abwarten drauf zu steigen. Durch dein Bericht kann ich mir jetzt besser ein Bild der maschine und was mich erwartet machen. Super :-)
06.08.2004 11:59
*BH* ............ Deinen anderen Berichtn nach zu urteilen hatte ich hier noch mehrere Fotos erwartet. Aber warscheinlich ist es in diesem Fall so, da es sich nicht um ein Oldie handelt, habe ich recht? .......... HAHAHAHA! ............ Schönes Wochenende! ......... Gruß Edgar
30.04.2004 20:03
Schöner Bericht. Stimme dem fetten Zwerg zu: Aufmachen lohnt sich, denn die 36 PS mehr machen sich schon bemerkbar... ausserdem, wenn Du eh offen zahlst, isses ja wurscht. Dann kann man auch richtig Dampf haben... ;) Verkleidung is bei Ebay immer gut zu kriegen...