Honda CBR 250R

Bilder der Ciao Community

Erfahrungsbericht über "Honda CBR 250R"

veröffentlicht 09.01.2012 | Ciaobock
Mitglied seit : 12.11.2008
Erfahrungsberichte : 28
Vertrauende : 17
Über sich :
Bin ein manchmal netter aber immer ehrlicher Zeitgenosse... - ich bitte auf JEGLICHE Bewertung meiner Berichte ohne sinnvollen Kommentar zu verzichten und es gibt KEINE Gegenlesungen! "Beam me up Scotty... - there is no intelligent life down here..."
Gut
Pro Handlich, ABS, geringe Unterhaltskosten, gute Ergonomie
Kontra Bremse erfordert Kraft, hakelige Schaltung, wenig drehfreudiger Motor, Design
besonders hilfreich
Fahreigenschaften:
Gewicht
Motor:
Bremsleistung bei Trockenheit:
Getriebe:

"Hausmannskost auf zwei Rädern?"

Honda CBR 250R

Honda CBR 250R

Soooo... - nach einem Jahr Pause, das ich anderen Interessen gewidmet habe, folgt jetzt mal wieder ein neuer Bericht auf CIAO.
2011 habe ich wieder viel Zeit auf meinen Zweirädern verbracht und dabei gut 25.000km auf drei Mopeds absolviert. Die dabei gemachten Erfahrungen und Beobachtungen sind in diesen Bericht über meine 2011 neu erworbene Honda CBR 250 RA eingeflossen. Los geht's...

Wer heute ein alltagstaugliches, sparsames und sicheres Motorrad sucht hat eigentlich kaum eine Wahl... - die Motorradhersteller und wohl auch die Masse der Konsumenten bevorzugen nach wie vor wohl eher die Show als die alltägliche und dabei keinesfalls langweilige Praxis.
Wer zum lustvollen Landstraßenräubern bei zivilem Benzinverbrauch und hoher Sicherheit ein Angebot sucht, stellt jedenfalls gähnende Leere in den Katalogen der Motorrad-Industrie fest.

In der 125ccm Kategorie erwacht zwar nach dem fulminanten Start der Yamaha YZF-125R im Umfeld der Dauertiefschläfer jetzt endlich so etwas wie Wettbewerb, in der Klasse der „richtigen“ Motorräder darüber sieht es jedoch nach wie vor absolut düster aus.
Kawasaki hat zwar diese Marktlücke schon vor Jahren erkannt und die Tür zur 250er Klasse aufgestoßen aber leider mit der Ninja 250 nur einen nicht besonders wertig verarbeiteten und ausgestatteten und dann auch noch vergleichsweise versoffenen Möchtegern-Sportler ins Rennen geschickt - laut www.spritmonitor.de mehr als 4,1L/100km im Durchschnitt von 23 gemeldeten Fahrzeugen.

So ist es nun an HONDA hier endlich ein vielleicht akzeptables Angebot in das Marktvakuum zu bringen. Immerhin war zumindest ich im Winter 2010/2011 schon sehr interessiert, als ich die Ankündigung zum Start der CBR 250R in den diversen Fachmagazinen las.
Die Kawasaki Ninja 250 hatte ich mir im Sommer vorher schon angeschaut und war gelinde gesagt entsetzt... - das war kein Motorrad, das war eher ein Bastelladen der späten 90er Jahre. Nein Danke!
Dann bin ich doch lieber eine liebevoll designte und professionell zusammengebaute 125er gefahren... - halt meine geliebte kleine Yamaha YZF-125R Rennsemmel... (siehe mein Bericht vom letzten Jahr).

Jetzt aber klang es zumindest in der Werbung so als ob da jemand wirklich verstanden hätte: sportliches Design, sparsamer Motor, hohe Fahrsicherheit, ABS, gute Zuladung, etc...
Leider gab es dann monatelang keinerlei Informationen mehr von Honda zu diesem Motorrad... - irgendwie schien es weit außerhalb des Fokus von Honda Deutschland zu sein. Dann kam noch die Fukushima-Atomkatastrophe dazu und mein Händler meinte, dass es dann wohl in diesem Jahr nichts mehr werden würde.

Na ja, mir egal! Ich hatte meine dicke BMW R1200RT und meine geile YZF-125R... - bis mich dann innerhalb von 10 Tagen nacheinander drei mittelalte blonde Damen in unterschiedlichen SUVs (X5, Q7 und Cayenne) auf der Landstraße einfach umbringen wollten. Während ich im Überholvorgang war haben die einfach Gas gegeben, während der Gegenverkehr näher kam... - keine Chance mit 15 PS!! Das letzte Mal gegen einen Porsche war es so knapp, dass ich mir ABS gewünscht hätte und mein Entschluss stand fest: meine geliebte kleine Yamaha musste gehen, so sehr mir auch das Herz blutete!

Was nun? Mir fiel die Honda wieder ein! Internet? Fehlanzeige, keinerlei brauchbare, geschweige denn unabhängige Informationen. Endlich wurde ich auf zwei indischen Motorradseiten fündig, aber deren Präferenzen hatten recht wenig mit dem Motorraderlebnis mitteleuropäischer Prägung gemein. In den USA wurde die CBR 250R auch getestet aber auch hier lagen die Testschwerpunkte eher beim Show-Faktor als bei echten Fähigkeiten und dazu kam, dass die Vergleichsmotorräder in der Form in Europa nicht vertrieben werden... - die Kawasaki Ninja 250 hat in den ach so fortschrittlichen USA auch im Jahrgang 2011 noch immer simple Vergaser (!!!) anstelle einer in Europa üblichen digitalen Einspritzung...

Nun denn... - auf zum Händler und - oh Wunder - der hatte sogar eine einzige Honda CBR 250 R bekommen! Zwar „leider nur in Schwarz“ (Originalzitat des Händlers), die aber entsprach sowieso eher meinem Geschmack. Die Weiß-Blau-Rot lackierte Version sieht meiner Meinung nach eher wie ein Spielzeug-Moped aus, nicht wie ein richtiges Motorrad… - aber nun ja, die Geschmäcker sind verschieden.

Okay, auf den zweiten Blick hatte auch die schwarze CBR 250 recht wenig Ansprechendes zu bieten: von sportlicher Optik keine Spur, die Karosserie sehr kompakt und eher zierlich, alles sehr dezent und zurückhaltend... - bloß nicht auffallen!

Andererseits sah das Cockpit halbwegs modern aus und bot auch im Vergleich zur Konkurrenz zumindest die allerwichtigsten Anzeigen: gut ablesbarer analoger Drehzahlmesser, digitale Multifunktionsanzeige mit Geschwindigkeit, Tankanzeige, Uhr, Wassertemperaturanzeige und Kilometerzähler (umschaltbar auf Trip-Kilometer).
Später machte ich dann die Erfahrung, dass das Display zwar im Dunkeln in coolem blauen Licht hinterleuchtet aber leider bei starker Sonneneinstrahlung eher schlecht ablesbar war - ungefähr auf Niveau meiner R1200RT aber bei weitem nicht so gut wie es meine kleine 125er Yamaha konnte.

Eine erste Sitzprobe machte dann aber Appetit auf mehr: trotz der eher kompakten Abmessungen und der niedrigen Sitzhöhe saß es sich recht kommod, eigentlich sogar recht angenehm... - nix drückte oder zwickte, der Abstand zum Lenker war nahezu ideal und auch die eher fragil wirkenden Lenkerarmaturen ließen sich definiert und mit angenehmem Gefühl bedienen... - bis auf die Taste der Hupe... - die liegt ein wenig im Weg am Blinkerschalter, vielleicht bin ich aber auch nur inzwischen ein wenig grobmotorisch dank der grobschlächtigen Bedienungselemente meiner BMW R1200RT... - egal, wenn man erstmal drauf sitzt auf der CBR 250 fühlt sich das Motorrad zwar immer noch sehr leicht an (was es mit 165kg eigentlich ja gar nicht ist!) aber trotzdem hat man schon den Eindruck auf einem richtigen Motorrad zu sitzen. Die Haptik ist hochwertig und auch den suchenden Blicken des Dauernörglers bietet sich wenig Grund zur Kritik.

Technische Daten:

Motor
• Bauart: Flüssigkeitsgekühlter Einzylinder-Viertaktmotor mit geregeltem Katalysator
• Bohrung x Hub in mm: 76 x 55
• Hubraum in cm³: 250
• Verdichtung: 10,7 : 1
• Gemischaufbereitung: PGM-FI Einspritzung
• Max. Leistung, kW (PS) bei 1/min: 19,4 (26,4) / 8.500
• Max. Drehmoment, Nm bei 1/min: 23,8 / 7.000
• Zündung: Transistorzündung
• Starter: Elektrostarter

Fahrleistungen
• Höchstgeschwindigkeit: 140 km/h (Werksangabe lt. KFZ-Schein)

Kraftübertragung
• Getriebe: 6 Gang
• Endantrieb: Kette

Abmessungen
• Länge in mm: 2.035
• Breite in mm: 720
• Höhe in mm: 1.125
• Radstand in mm: 1.370
• Sitzhöhe in mm: 784
• Bodenfreiheit in mm: 148
• Tankinhalt in Liter: 13
• Sitzplätze: 2

Fahrwerk
• Felgen
• Felge vorne: 17M/C x MT2.75
• Felge hinten: 17M/C x MT4.00

• Bereifung
• Bereifung vorne: 110/70-17M/C 54S
• Bereifung hinten: 140/70-17M/C 66S

• Radaufhängung
• Radaufhängung vorne: 37 mmTeleskopgabel
• Radaufhängung hinten: Pro-Link-Schwinge, Zentralfederbein
• Federweg in mm vorne/hinten: 130 / 104

Bremsen
• Bremse vorne: Combined ABS, 296-mm-Einscheibenbremse mit Dreikolbenbremszange
• Bremse hinten: Combined ABS, 220-mm-Einscheibenbremse mit Einkolbenbremszange

Gewichte
• Gewicht vollgetankt: 165 kg
• Zul. Gesamtgewicht: 347 kg
• Max. Zuladung: 182 kg

(Quelle: Honda Deuschland)
Erfahrungen:

Inzwischen habe ich seit dem 10.05.2011 genau 7.200 km auf dem kleinen, in Thailand bei Honda Thai zusammengebauten Motorrad ohne Zwischenfälle abgespult, Tagestouren von bis zu 620km gut überstanden, Tschechien und die Alpen in Deutschland und Österreich bereist und mein eigenes Testprogramm schon lange komplett abgespult.

Erfreulicherweise ist die Honda CBR 250 wohl als echter Dauerläufer entworfen und gebaut. Meinem Wissen nach ist die CBR 250 RA das erste Motorrad von Honda welches 12.000km Wartungsintervalle bietet, abgesehen von der üblichen Erstinspektion nach 1.000km.

Ausreichend Erfahrungen wie ich hoffe, um mit meinem Erfahrungsbericht über die CBR 250 RA zu beginnen, den ich im Laufe der nächsten Zeit wie bei mir üblich noch weiterführen, verbessern und ergänzen werde.
Meine bisherigen Erfahrungen werde ich in die Kapitel Fahrwerk, Bremsen, Motor, Komfort, Kosten und Alltagstauglichkeit/Sonstiges aufteilen und den Bericht mit einem Fazit beschließen. In Zukunft werden dann sicher noch Updates dazukommen, für heute aber werde ich es damit belassen.
Fahrwerk/Karosserie:

Die Honda CBR 250 RA wird von Honda zwar als „Supersportler“ vermarktet, wer jetzt aber im nächsten Honda-Geschäft nach einer optischen Entsprechung einer Fireblade oder CBR 600 RR sucht, wird die kleine CBR 250 RA sicher übersehen.
Das Design ist deutlich zurückhaltender und viel eher mit einer CBF 600 F als mit einer CBR 600 RR zu vergleichen, noch eher aber mit der neuen CBR 125 R, also einem Kleinkraftrad. So viel „Understatement“ erfordert vom Fahrer dann schon einiges an Charakterfestigkeit! An den üblichen Motorradtreffpunkten erntet man mit der CBR 250 eher spöttisches Grinsen als anerkennende Blicke und auch auf der Straße wird man nur selten mit erhobener Hand gegrüßt - aber sei’s drum.

Trotzdem sei mir ein Seitenblick auf meine letztjährige Yamaha YZF-R125 erlaubt: mit diesem Kleinkraftrad wurde ich gefühlt zwei- bis dreimal so häufig von anderen Motorradfahrern gegrüßt wie jetzt mit der Honda CBR 250 – ein klares Indiz dass die Honda CBR 250 wirklich eher als Kleinkraftrad denn als „echtes“ Motorrad gesehen wird.

Insgesamt sind alle Verkleidungsteile passgenau verarbeitet, stabil und solide mit dem Chassis verbunden. Der schlichte Stahlrohrrahmen wird weitgehend von der Verkleidung verdeckt, nur die einfache Stahl-Hinterrad-Schwinge und die einzelne Bremsscheibe vorn zeugen dann doch von den großen Sparbemühungen des Herstellers.

Das Cockpit ist übersichtlich gestaltet, bei fast jeder Lichtsituation gut ablesbar und auch die Bedienung ist akzeptabel gelöst, auch wenn einige Taster etwas winzig erscheinen, vor allem wenn man mit dicken Handschuhen unterwegs ist.

Das Cockpit beinhaltet einen großen, klar ablesbaren analogen Drehzahlmesser und ein digitales, überwiegend gut ablesbares Multifunktions-Display mit Informationen zur aktuellen Geschwindigkeit, einer etwas pessimistisch kalibrierten Tankanzeige mit 6 Anzeigeelementen, einer Temperaturanzeige für die Kühlflüssigkeit, einem Gesamtkilometerzähler, einem Trip-Kilometerzähler und praktischerweise auch einer Uhr! Dazu Kontrollleuchten für Motorelektronik, Kühlflüssigkeitstemperatur, Fernlicht, Blinker und Leerlauf.
Der Handbrems- und Kupplungshebel sind in dieser Preisklasse natürlich nicht einstellbar aber letztlich doch recht ergonomisch bedienbar. Jedenfalls liegen sie recht gut in der Hand und die Bedienkraft der Kupplung ist erfreulich gering.

Der Wind- und Wetterschutz der CBR 250 RA ist für mich befriedigend und damit für die Bauweise eigentlich nicht schlecht. Natürlich ist das eine sehr subjektive Einschätzung und stark abhängig von Größe und Statur des Fahrers aber für mich mit gut 90kg Lebendgewicht bei 178cm Körpergröße passt die Honda CBR 250 RA ohne zu kneifen und auch die Verkleidung schützt wenigstens einigermaßen vor Wind und Regen. Wer größer ist als 190cm sollte sicherheitshalber eine Probefahrt unternehmen oder zumindest einmal ausgiebig probesitzen.

Das Fahrwerk ist im normalen Betrieb weitgehend stabil, komfortabel und sehr handlich, auch das Rangieren ist auf Grund des großzügigen Lenkereinschlags und des moderaten Gewichts angenehm simpel zu bewerkstelligen.
Die vergleichsweise geringen Reifenbreiten unterstreichen noch die gute Handlichkeit der Honda CBR 250 RA und ermöglichen überraschend hohe Kurvengeschwindigkeiten – zumindest bei warmen Temperaturen und trockener Fahrbahn.
Der Federweg vorne ist mit 130mm vorne standardgemäß, hinten aber mit 104mm zumindest auf dem Papier knapp bemessen. In der Praxis ist das Fahrwerk aber überraschend komfortabel abgestimmt und lässt einen auch miese Strecken problemlos überstehen. Das hintere Federbein ist sogar in 5 Stufen in der Federvorspannung verstellbar, um das Fahrwerk auf verschiedene Beladungszustände anzupassen, zum Beispiel auf den Betrieb mit Sozius oder schwerem Urlaubsgepäck.

Leider hat das Fahrwerk bei sportlicher Fahrweise fahrtechnisch kaum Reserven. Bei scharfer Fahrweise geht die Gabel beim anbremsen schon mal auf Block und wird in langen schnellen Kurven mit Unebenheiten etwas unruhig, genauso wie in der Nähe der Höchstgeschwindigkeit (ca. 160 km/h nach Tacho) wo das Fahrwerk dann doch minimal unruhig wird, beim überholen bei Seitenwind sogar etwas zu pendeln beginnt und dann nicht mehr sehr viel Vertrauen einflößt. Hier machen sich wohl die doch recht dünnen 37mm Federbeine, vielleicht auch die serienmäßigen Reifen und der nicht sehr steife Rahmen negativ bemerkbar…

Richtig übel nehmen mag ich das der kleinen Honda aber nicht: als Racer wird sie wohl kaum jemand bevorzugt einsetzen wollen und bei „normaler“ Fahrweise überzeugt die kleine Honda dafür mit großer Handlichkeit, Agilität und gutem Federungskomfort.

Die montierten Reifen „Road Winner“ des japanischen Herstellers IRC sind bei gutem Wetter eigentlich keine schlechte Wahl, sind gut berechenbar, rollen noch geschmeidig ab, sind spurstabil und folgen auch den Lenkimpulsen recht präzise. Bei Kälte und nasser Fahrbahn machen sie aber deutlich weniger Spaß… - dann werden sie etwas rutschig und indifferent, bleiben dabei aber noch einigermaßen gutmütig und werden nicht giftig, so dass nachlassender Grip frühzeitig und eindringlich spürbar wird.
Insgesamt würde ich die Reifen noch als befriedigend bewerten – zumal auch die Haltbarkeit gut ist (nach 7.200km ist noch fast die Hälfte des anfänglichen Profils vorhanden), trotzdem werde ich beim ersten Wechsel höherwertige Reifen eines anderen Herstellers aufziehen… - bin da allerdings noch sehr unentschlossen…
Bremsen:

Wie schon erwähnt machen die Bremsen auf den ersten Blick erstmal einen mageren Eindruck… - als Motorradgourmet und BMW Fahrer ist man doppelte Scheibenbremsen vorne mit je vielen Bremskolben und Stahlflexleitungen gewöhnt, genauso wie ABS und teilintegrale Bremssysteme…. – die CBR 250 RA bietet dagegen nur je eine einzelne Bremsscheibe vorne und hinten mit ordinären Gummileitungen – aber glücklicherweise auch ein ABS, wenn auch nur das „merkwürdige“ Combined-ABS wie es bei Honda bei den „Standardmotorrädern“ üblich ist.

…und wie funktionieren die Bremsen der CBR250 nun?
Um die Sache kurz zu machen: Hausmannskost!

Solide, sicher und auf jedem Untergrund für jeden beherrschbar sofern man sich ansatzweise an die StVO hält aber ohne rechten Biss und energisches Zupacken fordernd…

Ein Bekannter nannte das Honda Combined-ABS mal verächtlich „Autofahrerbremse“ und ich muss leider gestehen, dass er damit nicht einmal unrecht hat…
Beim Honda Combined ABS wird beim Tritt auf die Fußbremse auch ein Bremszylinder der Vorderradbremse betätigt, was sich in der Theorie ja gar nicht mal sooo falsch anhört, in der Praxis aber – vor allem wenn man gerne mal etwas sportlicher in Kurven herumturnt – ein echter Klotz am Bein ist.
Kein echter Motorradfahrer bremst primär mit der Hinterradbremse, sondern setzt diese gezielt zu speziellen Zwecken ein – zum Beispiel um das Motorrad stärker in eine Kurve hineinzubremsen und hineinzulegen. Das Honda Combined-ABS versaut dies jedoch gehörig, weil die automatisch mitbremsende Vorderradbremse dann erstens Unruhe in die Vorderradgabel bringt und zweitens das Motorrad tendenziell eher aufrichtet als es weiter in die Schräglage zu ziehen, wie das bei ausschließlicher Betätigung der Hinterradbremse geschieht.

Auch die eigentliche Bremse ist nur guter Durchschnitt: erstens ist die erforderliche Handkraft für eine Vollbremsung vergleichsweise hoch, zweitens lässt sich die dabei doch eher teigige Bremse nur befriedigend dosieren und drittens ist auch dann die Bremswirkung nur mit 2-3 zu bewerten. Kein Vergleich jedenfalls zu den vergleichweise brutalen Bremsen meiner R1200RT und auch nicht zu den genialen Brembo-Bremsen meiner kleinen Yamaha YZF-R125 – die waren im Vergleich zu den Nissin-Bremsen der CBR 250 RA wie ein Laserschwert gegen ein Buttermesser…

Trotzdem und auch wenn es dem Sportfahrer vielleicht grausen mag: die ABS-Bremsanlage der CBR 250 ist ein richtiger und wichtiger Schritt und bekommt von mir wegen des ABS dann noch eine gute Bewertung. Mir hat das ABS schon mehr als einmal den Allerwertesten gerettet – sei es wegen plötzlich einbrechendem Sauwetter, sei es wegen Ölspur auf der Fahrbahn, sei es wegen rutschigen Straßenbahnschienen oder Sand und Split auf der Fahrbahn - und wer die CBR 250 zum „normalen“ Fahren und Touren hernimmt, wird die von mir beschriebenen Mängel vielleicht sogar nicht einmal mitbekommen.
Motor:

Hmmm… - auch hier ist wieder die Kunst der Diplomatie gefragt…
Der neu entwickelte 250ccm Eintopf (Einzylinder) wurde von Honda zwar laut Werbung speziell auf geringstmöglichen Verbrauch und beste Fahrbarkeit entwickelt und ist auch vollgestopft mit moderner Einspritz- und Regeltechnik, trotzdem ist der kleine 4-Takt-Einzylinder mit je zwei Ein- und Auslassventilen, die über eine obenliegende Nockenwelle angesteuert werden, nicht mehr als ein guter Kumpel mit dem man Ponys stehlen kann (Pferde wären vielleicht doch ein wenig groß für diesen kleinen Gesellen…).

Zwar ist der Motor sehr zuverlässig, egal ob das Wetter warm oder kalt war, feucht oder trocken – der Motor sprang stets sofort an, läuft ein paar Sekunden mit leicht erhöhter Drehzahl bei etwas über 2.000 U/min um dann stabil auf die Leerlaufdrehzahl von 1.500 U/min zurückzufallen und auch die in der Tat sehr alltagstaugliche Auslegung des kleinen Motors fällt positiv auf. Ab 4.000 U/min legt sich der kleine Motor überraschend kräftig ins Zeug und begeistert auch durch spontane Reaktionen auf Gasbewegungen und seinen sehr sanften Motorlauf – Vibrationen sind auch bei höheren Drehzahlen kein Thema. Erst wenn der Motor jenseits der 9.000 U/min an seine Leistungsgrenze kommt wird er körperlich spürbarer…

Damit sind wir leider auch schon wieder bei den Schwächen angelangt… - in höheren Gängen „hackt“ der Einzylinder-Motor bei Drehzahlen unter 3.500 U/min manchmal ungehörig in die Kette – hier ist also runterschalten nicht nur angesagt sondern notwendig – und jenseits der maximalen Leistung bei ca. 9.500 U/min wirkt der Motor plötzlich wie zugeschnürt. Ein Ausdrehen bis zum Drehzahlbegrenzer bei ca. 10.700 U/min macht also auch in den unteren Gängen kaum Sinn, zumal das Getriebe gut abgestuft wurde und auch bei einer Schaltdrehzahl von 9.000 U/min jederzeit ein kräftiger Anschluss im nächsthöheren Gang zu finden ist. Auch wenn der Motor in der Tat schon bei sehr niedrigen 8.500 U/min seine maximale Leistung von 26 PS abgibt, bleibt das Niveau bis immerhin ca. 9.500 U/min nahezu konstant, bevor es dann doch recht steil abwärts geht.

Die gute Getriebabstufung sieht man auch daran, dass der Motor bei 9.500 U/min für die Höchstgeschwindigkeit von ca. 154 km/h auf dem Tacho (reale 140 m/h)sorgt, wofür man allerdings schon viel Anlauf braucht und kurz danach geht dem kleinen Motor dann auch komplett die Puste aus, so dass nur bergab und mit Rückenwind dann doch beachtliche 169 km/h (real ca. 154 km/h) bei etwa 10.300 U/min auf den Tacho zu zaubern sind - schneller war ich jedenfalls auf meiner CBR 250 RA noch nicht unterwegs...
Fast möchte ich sagen "glücklicherweise", weil bei diesen Geschwindigkeiten dann auch schon etwas Unruhe ins Fahrwerk kommt.

Auch den Motor muss ich leider eher als „Hausmannskost“ denn als kulinarische Delikatesse bewerten. Im Rahmen der StVO ist man auf Land- und Bundesstraßen sicher in jeder Beziehung ausreichend motorisiert – sogar für Bergetappen steht ausreichend Leistung und Drehmoment parat – sportliche Ambitionen werden dabei aber trotzdem nicht aufkommen, die ganze Charakteristik des Motors ist halt eher auf touristisches Reisen und problemlose Großstadt-Tauglichkeit gebügelt denn auf sportliches Engagement.
Angesichts dieser Charakteristik, dem geringen Hubraum und der dafür auch noch eher defensiven Höchstleistung von 26 PS war ich dann doch überrascht, dass man es auf der CBR 250 RA nur mit sehr viel Zurückhaltung schafft den Verbrauch unter die 3 Liter Marke zu drücken! Das, was den Autobauern bei einem gleichschnellen aber viermal so schweren Auto gelingt scheint für Motorradentwickler noch immer eine Unmöglichkeit zu sein… - Ausnahmen kenne ich da bis auf BMW kaum!
Wenn ich aber diese nagelneue Honda mit meinem alten Suzuki Burgman 400 Roller vergleiche, tritt die Motortechnik bei den Zweirädern böse auf der Stelle! Mein alter Roller brauchte mit seinem 400ccm Motor mit 34 PS trotz 200kg Lebendgewicht, kleinen Rädern und vor allem seiner spritfressenden Automatik auch nur 3,5 L/100km, bei sparsamer Fahrt sogar nur 3,2 L/100km!
Da haben sich die Honda Motor-Ingenieure bei dieser Neuentwicklung wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert!

Vielleicht hängt das damit zusammen, dass der Motor anscheinend als "Allesfresser" entworfen wurde. Auch mit Normalbenzin ab 91 ROZ kommt der Motor klaglos zurecht, ein in Asien und Indien sicher wichtiger Aspekt, der in Europa allerdings eher zum Boomerang wird. Ich habe einmal versuchsweise Normalbenzin mit 91 ROZ getankt und bin damit knapp 400km gefahren.
Der Verbrauch blieb damit auf dem Niveau mit Super-Benzin (3,09L/100km) allerdings wirkte der Motor doch nochmal deutlich weniger temperamentvoll als mit dem quasi gleichteuren Super-Benzin E5 und verlor im Durchzug und in der Höchstgeschwindigkeit doch einige Prozente... Da hätte Honda für Europa doch besser eine andere Abstimmung für das Motormanagement finden sollen - alles über einen Kamm zu scheren wird den Märkten sicher nicht gerecht!

Bisher habe ich jedenfalls trotz entspannter Fahrweise im Schnitt 3,13 L/100km über insgesamt 7.200km verbraucht. Minimal waren es 2,91 L/100km auf einer Strecke von 255km und maximal habe ich 3,45 L/100km über eine Distanz von 311km gemessen.
Die Reichweite beträgt in der Praxis auf Grund des recht kleinen 13L-Tanks zwischen 350 und 400 km, wobei die Reserveanzeige meist schon bei 270-300km hektisch ans Nachtanken erinnert. Statt der von Honda angegebenen Reservemenge von 1,4L befinden sich dann noch gut 2,8L Benzin im Tank...
Mein längster Trip zwischen zwei Tankvorgängen waren bisher 412 km und das hat schon einiges an Nerven gekostet. Richtig leer gefahren habe ich den Tank bisher aber noch nie, mehr als 12,41 Liter habe ich noch nie hinein bekommen, dafür war mir auf Grund der nicht besonders genauen Tankanzeige und der fehlenden Restreichweitenanzeige das Risiko bisher zu groß.

Natürlich klingt ein kleiner Einzylinder nicht einmal ansatzweise so brachial wie ein großer Tourensportler aber das ist mir herzlich egal. Soundtechnisch folgt die CBR 250 RA konsequent der Philosophie der Unauffälligkeit – recht leise, unaufgeregt und dezent… - war da was??? Mechanische Laufgeräusche sind zwar wahrnehmbar, werden aber ebenfalls nicht penetrant oder gar störend… - typisch CBR 250 also.

Komfort / Ergonomie / Licht:

Wie schon im Kapitel Fahrwerk beschrieben ist der Komfort der Honda CBR 250 RA überraschend erwachsen ausgefallen, auch wenn die kleine Honda optisch einem Fahrrad näher erscheint als einem großen Motorrad ist man auch als Erwachsener überraschend ergonomisch untergebracht, der Kniewinkel ist noch entspannt und sabotiert auch längere Etappen nicht. Auch die Federung ist eher auf der komfortablen Seite und schluckt sogar miese Straßen erstaunlich souverän… - kein Vergleich zur bockbeinigen YZF-R125, die mir bei gleicher Fahrweise sicher einige Bandscheiben lädiert hätte.
Die Ergonomie ist insgesamt ausgezeichnet, alle Schalter und Hebel sind gut erreich- und mit geringem Kraftaufwand dosierbar und auch die Fahrer-Fußrasten sind genau dort angebracht wo sie hingehören. Das breite, eher dünne und harte Sitzkissen ist trotzdem kommod und ermöglicht problemlos längere Etappen ohne Pausen... – eine Erkenntnis die ich auch auf der YZF-R125 schon machte. Anders als bei der YZF-R125 ist aber auch der Sozius-Platz durchaus benutzbar und keineswegs als Strafe anzusehen. Klar, meine Freundin zieht immer noch den „Thron“ der R1200RT vor aber immerhin weigert sie sich nicht, auch mal auf der CBR 250 eine Runde mitzufahren…
Etwas kritikwürdig ist leider auch bei der CBR 250 die teils arg zierliche Ausführung einiger Schalter (Kilometerzähler-Umschaltung), Blinkerschalter, etc., die sich mit dicken Handschuhen nicht immer im ersten Versuch bedienen lassen.
Gut gefallen haben mir die Rückspiegel, die auch in dicker Montur noch eine gute und weitgehend vibrationsfreie Rücksicht ermöglichen. Ein klares Sicherheitsplus für die CBR 250.

Beleuchtung:
Das Abblendlicht der CBR 250 leuchtet die Straße noch einigermaßen gut aus und auch das Fernlicht sorgt nicht gerade für Begeisterung, auch hier fällt spontan wieder der Begriff „Hausmannskost“ als Bewertung ein. Wenn man erst eine halbe Stunde Nachtfahrt auf der CBR 250 absolviert hat und dann auf die R1200RT umsteigt ist man versucht sich auch nachts eine Sonnenbrille aufzusetzen… - die BMW hat im Vergleich ein unglaubliches Flutlicht an Bord!
Kritisch anzumerken ist auch bei der CBR 250, dass nur je ein Abblend- und Rücklicht verwendet werden. Wenn hier eine Birne durchbrennt, ist bei Nachtfahrten Schluss mit lustig.
Glücklicherweise sind das Rücklicht und auch die Blinker als normale und helle Glühbirnen und nicht als nahezu unsichtbare modische LED-Blinker ausgeführt. Dies erhöht die Sichtbarkeit bei hellem Licht drastisch und reduziert dadurch die Gefahr, dass ein Abbiegesignal übersehen wird, dramatisch.
Ich habe schon ein paar Mal um Haaresbreite Motorradfahrer plattgefahren weil deren LED-Blinker bei direktem Licht von hinten absolut unsichtbar waren. Wer das als Fahrer solch einen Gefährts nicht weiß und auch sonst ein unklares Fahrverhalten an den Tag legt, braucht sich wirklich nicht zu wundern, wenn er plötzlich im Krankenhaus aufwacht – oder auf Wolke 9…
Ich habe immer noch keine Ahnung, wie solche Blinker überhaupt eine ABE-Freigabe erhalten können!
Kosten:

Die Kosten sind wohl das Hauptargument für eine Honda CBR 250 RA – nicht nur für Fahranfänger mit Stufenführerschein.
Die Anschaffungskosten von ca. 4.490€ (UVP Honda ohne Überführung) für eine neue Maschine mit ABS sind meiner Meinung nach wirklich günstig, vor allem im Vergleich mit einer neuen gedrosselten 600er.

Auch bei den Unterhaltskosten ist Freude am Sparen angesagt:

KFZ-Steuer: 10€ bei Anmeldung von Anfang April bis Ende Oktober
Haftpflicht: 67,61€ (ERGO Versicherung bei 100% und Saisonkennzeichen 04-10)
Teilkasko mit 150€ Selbstbehalt: 24,70€ (ERGO Versicherung bei 100%)

Inspektionskosten:
1.000km Inspektion: 201,57€ (179,07 Arbeitskosten, 22,50€ für Ölfilter, Öl und Material)
Danach Inspektionen nur noch alle 12.000km!!! Das ist für alle, die ihr Motorrad intensiv nutzen in der Tat eine echte Kostenbremse im Vergleich zu den sonst üblichen 6.000km der allermeisten Motorräder.

Benzinkosten: lächerliche 4,6 Eurocent pro Kilometer (3,13 L/100km bei Durchschnittskosten von 1,460€ pro Liter Super-Benzin in 2011).

Der Verbrauch meiner Honda CBR 250 RA betrug über 7.200km nach Tankrechnungen und Kilometer berechnet exakt 3,13 L/100km.
Der Minimalverbrauch betrug bisher 2,91 L/100km beim entspannten Cruisen, maximal flossen bisher bei forscher Fahrweise (ohne Dauervollgas) 3,45 L/100km durch die Einspritzdüsen der kleinen Honda.

Das ist zwar für Motorräder immer noch vergleichsweise genügsam, trotzdem aber angesichts moderner Motoren-Entwicklung nicht wirklich begeisternd – ich hatte bei so einem Motorrad einen Verbrauch von klar unter 3 L/100km erwartet.
Alltagstauglichkeit/Sonstiges:
Abgesehen von der guten Ergonomie, der Zuverlässigkeit, den sehr langen Wartungsintervallen, dem Spaß und den noch niedrigen Betriebskosten und der guten Alltagstauglichkeit der Honda CBR 250 RA gibt es also doch einige Schwachpunkte die ich hier noch einmal in Reihenfolge der Wichtigkeit für mich aufführen möchte:
  1. Benzinverbrauch und Tank:
    Ein relativ leichtes modernes Motorrad mit 250ccm Einzylinder, 26PS und 6-Gang-Schaltung verbraucht 3,1L/100km bei überwiegend vernünftiger Fahrweise? Sparsam ist was anderes! Meine fette RT verbraucht mit ihren 110PS und 285kg Lebendgewicht bei ähnlicher Fahrweise auch nur knapp über 4 L/100km – trotz des fossilen Boxer-Motors. Mein alter Burgman 400 Scooter verbrauchte trotz 200kg Leergewicht und Automatik gerade einmal 3,5 L/100km. Also, bezüglich der Effizienz hat sich Honda mit diesem Motor nicht sonderlich mit Ruhm bekleckert.
    Dazu kommt der mit 13 Litern Volumen doch vergleichsweise kleine Tank, so dass die Honda nur bei ausgeprägt sanftem Umgang auf Reichweiten knapp jenseits der 400km kommt, aber auch nur wenn man die ungenaue Tankanzeige ignoriert und sich auf seine Kopfrechnung verlässt.
  2. Bremse:
    Das ABS ist ja glücklicherweise in Deutschland serienmäßig verbaut und so ist die kleine Honda zumindest bei widrigen Wetterbedingungen und rutschigem Untergrund eine sichere Sache. Ansonsten kann die CBR 250 RA bremstechnisch nicht punkten: zu stumpf ist die Bremse und erfordert für maximale Bremsleistung zu hohe Handkräfte, außerdem versaut einem das Combined-Brake-System gerne die Ideallinie in Kurven. Die nur befriedigende Dosierbarkeit wird zumindest teilweise durch das fein ansprechende ABS kompensiert.
  3. Vorderradgabel:
    Auch wenn das Fahrwerk der CBR 250 RA sehr agil abgestimmt, sehr handlich und auch sehr spurtreu und präzise zu fahren ist - solange man es nicht übertreibt - wenn man die kleine CBR 250 hart anpackt, dann geht leider beim scharfen Anbremsen die Gabel auf Block und es kommt eine spürbare Unruhe ins Fahrwerk. Genauso sieht es aus, wenn man die 140km/h (nach Tacho) überschreitet, da werden dann die Grenzen der dünnen 37mm Gabelrohre erkennbar… - auch wenn die Fahrsicherheit nach meiner Erfahrung bisher nicht beeinträchtigt ist, leidet das Wohlbefinden doch darunter…
  4. Cockpit:
    Das Cockpit ist eigentlich gar nicht so schlecht, nur die schwergängigen Bedienknöpfe und die Spiegelungen im hellen Sonnenlicht vermiesen eine gute Gesamtwertung. Allerdings verstehe ich heutzutage auch nicht mehr, warum man die Anzeigen im Cockpit künstlich reduzieren muss – der elektronische Mehraufwand für einen zweiten Trip-Kilometerzähler, eine Temperatur- und Restreichweitenanzeige, etc. dürften nur im Cent-Bereich liegen.
    Dazu kommt, dass die Anzeigen für heutige Zeiten ausgesprochen ungenau arbeiten... - dass die Tankanzeigen auch nach 100 Jahren "technischem Fortschritt" bei den meisten Herstellern immer noch eher "Schätzeisen" als brauchbare Instrumente darstellen, daran hat man sich ja mittlerweile resignierend gewöhnt. Das es Hersteller aber immer noch für nötig halten, mangelndes Selbstbewußtsein durch ungenaue Tachometer zu kompensieren ist heutzutage nur noch ärgerlich.
    Wenn ich mich mit meiner CBR250 an die Landstraßen-Höchstgeschwindigkeit halte, mutiere ich mit dann realen 91 km/h zum Hindernis für andere Verkehrsteilnehmer. Erst wenn der Tacho 110 km/h anzeigt, dann bin ich mit Landstraßengeschschwindigkeit unterwegs. Die im KFZ-Schein dokumentierten 140 km/h Höchstgeschwindigkeit werden bei verdächtig niedriger Drehzahl auf dem Tacho erreicht. Ein Blick aufs GPS zeigt dann auch schnell, dass ich keineswegs mit 140 km/h sondern nur mit geruhsamen 127 kmh unterwegs bin... Erst bei 154 km/h auf dem Tacho werden die beworbenen 140 km/h erreicht.
  5. Schaltung:
    Honda ist zwar eigentlich für seine leichtgängigen und präzisen Getriebe vielgelobt, leider scheint die CBR 250 ein Ausreißer zu sein. Zumindest meine CBR verhält sich beim schnellen Herunterschalten manchmal etwas widerspenstig, wenn man nicht den Druck auf den Schalthebel komplett weg nimmt. Das Hochschalten hingegen ist immer und bei jeder Temperatur problemlos.
    Das Einlegen des Leerlaufs im Stand ist bei warmem Getriebe fast unmöglich - man springt nur zwischen dem ersten und zweiten Gang hin und her.
    Wer vergißt im anrollen an die Ampel noch den Leerlauf einzulegen, steht zwangsweise mit gezogener Kupplung bei Rot an der Ampel. Das ist im Stadtbetrieb wirklich lästig.
    Mein Händler hat zwar schon zweimal die Schaltung nachgestellt, eine wirkliche Verbesserung hat das aber leider noch nicht gebracht.
  6. Öl-Kontroll-Schauglas:
    Vollkommen unbrauchbar... - die CBR250 hat nun einmal keinen Hauptständer und das Schauglas zur Ölstandskontrolle ist so sensibel, dass selbst Schräglageänderungen von wenigen cm auf Sitzhöhe ausreichen um die angezeigte Ölmenge von Minimum auf Maximum zu befördern. Selbst wenn zwei Mann kontrollieren (einer hält das Motorrad annähernd senkrecht und der andere schaut) sind die Ergebnisse eher zufällig und keineswegs reproduzierbar. Selbiges gilt, wenn ich den Montageständer am Hinterrad benutze.
    Dummerweise hat dann Honda auch noch die Öldruck-Warnlampe eingespart so dass man einen Ölverlust wohl erst dann mitbekommt, wenn der Motor unter einem festgegangen ist.
    Da Honda aber trotzdem 12.000km Wartungsintervalle für die CBR250 vorsieht vertraue ich Honda einfach mal, dass der Motor wirklich wenig Öl verbrät... - zumal die gesamte Ölmenge für den Motor ja auch nur 1,5 Liter beträgt!!!

Nützliches und weniger nützliches für die Honda CBR 250 RA:

Glücklicherweise hatte ich mir schon für die kleine Yamaha einen Motorrad-Heber für das Hinterrad zugelegt, der die Kettenpflege und Reinigung des Motorrades doch um einiges erleichtert. Natürlich hat die CBR 250 wie jedes Sport-Motorrad KEINEN Hauptständer und ohne diesen - oder ersatzweise halt einen Hinterrad-Heber - ist die Wartung und Pflege von Kette und Hinterrad doch sehr mühselig.

Des Weiteren habe ich wie vorher schon bei meiner Yamaha YZF gute Erfahrungen mit dem „Weißen Kettenspray“ von S100 gemacht. Hier sieht man sehr gut, was man schon geölt hat und was nicht und auch die Haftfähigkeit des Öls ist in der Tat deutlich besser als bei einem NoName-Kettenöl, das ich zuerst benutzt habe. Erstens wird das Hinterrad nicht so durch abfliegendes Kettenöl eingesaut und zweitens kann man bei gutem Wetter wirklich fast 2.000km fahren, bevor nachgeölt werden muss.

Fazit:

Eine finale Wertung fällt mir schwer… - emotionell kann die Honda CBR 250 RA die geniale kleine Yamaha YZF-R125 nicht einmal ansatzweise ersetzen. Andererseits bietet sie fahrtechnisch ein anderes aber keineswegs schlechteres Programm.
Der kräftigere Motor, die ebenfalls gute Ergonomie bei höherem Komfort und die auf Grund des doppelten Hubraums entsprechend besseren und für Landstraßenbetrieb absolut ausreichenden Fahrleistungen zusammen mit dem in kritischen Situationen willkommenen ABS sind deutliche Verbesserungen.

Die etwas stumpfen Bremsen zusammen mit dem etwas merkwürdig agierenden Combined-Braking-System, das nach wie vor etwas hakelige Getriebe und das bei Vollgas schon im Grenzbereich arbeitende Fahrwerk sowie die etwas fummeligen Knöpfe im Cockpit dämpfen die Zufriedenheit jedoch wieder.
Ein klarer Indikator für das Preis-Leistungs-Verhältnis ist, dass ich meiner Yamaha eigentlich immer noch nachtrauere und immer noch auf eine YZF-R250 warte…
Meine BMW R1200RT werde ich wegen diesem kleinen „Spaßhobel“ sicher auch nicht verkaufen und so bleibt die Honda CBR 250 RA bei mir zumindest so lange das angesagte Feierabend-Spaßprogramm wie nicht jemand ernsthaft eine sportliche 250er auf die Räder stellt.
Insgesamt würde ich die Honda CBR 250 RA gerne mit 3,5 Sternen bewerten, weil sie eigentlich für 3 Sterne zu gut und für 4 Sterne nicht gut genug ist. Da ich meiner vorherigen Spaßmaschine von Yamaha aber auch nur 4 Sterne gegeben habe und die Honda CBR 250 im Vergleich beider Motorräder deutlich schwächer abschneidet, bleibt es dann leider doch bei etwas ungerechten 3 Sternen für die Honda.
Der leider doch nicht ganz sooo sparsame und auch wenig sportliche Motor, das etwas hakelige Getriebe, das leidenschaftslose Design, das bei sportlicher Fahrweise an der Grenze agierende Fahrwerk, die zwar ABS-unterstützte aber doch eher stumpfe und nicht optimal dosierbare Bremse summieren sich dann auf doch zu viele Minuspunkte auf.
Als Pluspunkte fallen das noch gute Preis-Leistungs-Verhältnis, der Langstreckenkomfort, die Sicherheit des ABS-System (trotz der schwachen Bremse), die Ergonomie und das leichte und sichere Fahrverhalten (zumindest solange man die CBR 250 nicht hart herannimmt) in die Waagschale – was dann leider doch nicht für mehr als eine gute Mittelmäßigkeit ausreicht , womit ich wieder bei der Hausmannskost angekommen wäre...
Was ist eigentlich gegen Hausmannskost zu sagen? Normalerweise steht Hausmannskost für relativ gesunde, sättigende und einfach zu machende Mahlzeiten - kein Rausch für die Sinne aber zweckmäßig, einfach und preiswert und vor allem für alle Tage brauchbar! Wer will denn schon ernsthaft jeden Tag Froschschenkel oder Kaviar essen?


Für wen ist dieses Motorrad geeignet?

Eine gute Frage… - für den Einsteiger in die echte Motorradwelt ist eine offene moderne 250er sicher spaßiger und wegen ABS auch sicherer als eine alte gebrauchte gedrosselte 600er mit 34 PS. Auch der Geldbeutel wird dank niedrigerem Verbrauch und geringerer Versicherungskosten und Steuern vergleichsweise geschont. Gerade kleinere Fahrer, zierliche Damen, Wiedereinsteiger und verbrauchsbewußte Fahrer werden an diesem Motorrad ihren Spaß haben. Aber auch wer viel mit dem Motorrad im Großstadtgetümmel unterwegs ist wird die agile, kleine und leichte Honda zu schätzen wissen.

Andererseits dürfte die CBR 250 RA für größer gewachsene Fahrer doch ein wenig klein geraten sein und auch dem Ego wird diese erkennbar kleine Maschine weniger schmeicheln als ein größeres Motorrad, welches vor allem für junge Fahrer wegen der von außen nicht sichtbaren Drosselung imposanter daherkommen dürfte.

Auch wenn für mich zur Zeit die Honda CBR 250 RA das Spaß-Motorrad der Wahl ist hängt mein Herz nicht an ihr und ich freue mich schon auf die Konkurrenz, die diese „Steilvorlage“ vielleicht endlich dazu nutzt ihrerseits eine Kampfansage auf den Markt zu bringen und die Tür endlich aufzumachen zu einem sparsamen, vernünftigen und sicheren Motorrad, das auch die Emotionen befriedigt.

© 2012 Bernd Almstedt

PS: Trotz meiner obigen kritischen Betrachtung freue ich mich schon tierisch auf den Frühling, wenn ich meine CBR 250 wieder aus der Garage holen kann!

PS2: Ich bitte die Formatierungsfehler zu entschuldigen, das liegt leider nicht in meiner Macht sondern in jahrealten Fehlern von CIAO. Anscheinend sind die CIAO-Betreiber auch nach meinem Jahr Abstinenz immer noch unfähig ihr eigenes System zum laufen zu bringen... *seufz*

PS3:Meine CBR 250 RA ist Modelljahr 2011 und nicht 2008 wie in den Eigenschaften auf CIAO dargestellt. Leider erlaubt CIAO aus welchen Gründen auch immer keine neueren Jahrgänge als 2008 einzustellen...
Update vom 20.06.2012

Inzwischen fahre ich die CBR 250 RA seit etwas über einem Jahr, habe jetzt 12.200km abgespult und damit auch die erste 12.000km oder Jahresinspektion hinter mich gebracht. Zeit für ein kleines Update der bisherigen Informationen...

Kosten:
Die 12.000km Inspektion hat mich gerade einmal 174,20€ incl MWSt gekostet, davon waren 132,45€ Arbeitskosten (15 Zeitwerte à 7,42€ netto), das Material hat 41,75€ gekostet.

Der Benzinverbrauch liegt zur Zeit über die gesamte Distanz bei 3,12 L/100km, errechnet aus den Tankquittungen und dem Tachozähler, ist also minimal gesunken seit ich den Bericht erstmals hier eingestellt habe.
Inzwischen kann ich sagen, dass man bei touristischer Fahrweise die CBR 250 RA in der Tat mit knapp unter 3 L/100km bewegen kann, was mir inzwischen 11 mal gelungen ist. Mein Minimalverbrauch sind jetzt 2,84 L/100km auf einer Strecke von 247,1km.
Bei forscher Fahrweise genehmigt sich der Motor allerdings auch mal bis zu knapp 4,0 L/100km... Insgesamt ist der Motor damit nicht so sparsam wie ich erwartet hatte, leider.

Zuverlässigkeit:
Auch weiterhin habe ich keine Probleme mit der kleinen Honda, Reparaturen waren unnötig, auch der Ölverbrauch war bisher nicht messbar, ich brauchte kein Öl auf den 11.000km zwischen den Inspektionen nachzufüllen.
Egal wie das Wetter war, selbst nach der langen Winterpause sprang die CBR 250 RA sofort willig an und lief sofort problemlos rund.

Die bisherigen "Pflegemaßnahmen" beschränken sich auf ein paar Motorradwäschen, alle ca. 1500km die Kette säubern und ölen und einmal die Kupplung nachstellen, nachdem der Leerlauf fast nicht mehr einzulegen war. Der Trick war, das Spiel des Kupplungshebels auf das absolute Minimum zu beschränken, 20mm Kupplungsspiel waren definitiv zu viel, 15mm immer noch grenzwertig. Nachdem ich das Kupplungsspiel auf 10mm (Minimum lt. Handbuch) reduziert hatte, ließ sich die CBR wieder deutlich flüssiger schalten und auch der Leerlauf machte kaum noch Probleme.

So, das war's! Ansonsten hat sich seit den ersten Eindrücken nicht viel geändert. Das Motorrad macht viel Spaß beim fahren und ist sehr praxisgerecht abgestimmt - hat mit Sport allerdings wenig am Hut. Weder der Motor noch die Bremse machen einen sportlichen Eindruck, das Design der CBR 250 sicher auch nicht...
Trotzdem passt das Motorrad einfach und vermittelt viel unaufgeregte Freude am Fahren... - man gewöhnt sich gerne daran und die dadurch entspanntere und unverkrampfte Fahrweise...

Immerhin habe ich in den vergangenen 12 Monaten ungefähr die Hälfte meiner Kilometer auf Zweiradreisen auf der CBR absolviert und nutze meine BMW R1200RT fast nur noch für echte Fernreisen mit entsprechend Gepäck...
Tagesausflüge - auch weitere bis zu 700km(!) - fahre ich jetzt fast nur noch mit der CBR, die kurze abendliche Spritztour sowieso...

Update vom 31.12.2012

Ende Oktober habe ich die Saison 2012 mit der CBR250RA beendet - meine dicke R1200RT bleibt weiter im Einsatz, die bietet aber auch einen ganz anderen Komfort als die kleine Honda.... :-)

2012 habe ich mit der Honda CBA250RA als Zweitmotorrad immerhin gut 10.000km abgespult und die Saison mit nunmehr 17.201km auf dem Tacho beendet...

Seit meinem letzten Update hat sich nicht viel getan. Bei Kilometer 14.107 habe ich hinten einen neuen Reifen aufgezogen, einen Bridgestone Battlaxe BT45 (Profiltiefe neu: 6,4mm), was sich nochmals positiv auf die Fahreigenschaften der CBR250RA ausgewirkt hat, vor allem bei Nässe und kühler Witterung fühlt sich das Hinterteil nun deutlich stabiler an aber auch sonst war der Reifenwechsel eine Aufwertung! Im Frühjahr wird dann auch der Vorderradreifen gewechselt... - da freue ich mich drauf!

Ansonsten gibt es nichts neues zu berichten, die CBR250RA verhält sich weiterhin problemlos, der Durchschnittsverbrauch ist minimal auf 3,11 L/100km zurückgegangen, mein maximaler Verbrauch bei kurzer scharfer Autobahnfahrt auf 3,73 L/100km geklettert...


(C) 2012/2013 Bernd Almstedt
(www.bernd-almstedt.de)

Community Bewertungen

Dieser Erfahrungsbericht wurde 8168 mal gelesen und wie folgt bewertet:
84% :
> Wie bewertet man einen Erfahrungsbericht?
besonders hilfreich

Ihre Bewertung zu diesem Erfahrungsbericht

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • manuelmama veröffentlicht 03.05.2013
    Bh! LG Sabine
  • hubbie veröffentlicht 30.06.2012
    wünsche dir, dass du weiter sicher unterwegs bist.....ich hab nach wie vor keinen A-Schein und werd wohl nimmer aufsteigen
  • straus07 veröffentlicht 31.03.2012
    schönes Gerät
  • Haben Sie Fragen? Loggen Sie sich auf Ihr Ciao-Konto ein, um dem Autor einen Kommentar zu hinterlassen. Sich anmelden

Produktdaten : Honda CBR 250R

Produktbeschreibung des Herstellers

Ciao

Auf Ciao gelistet seit: 02/10/2011