Vergleich Honda CB 1300 - X-Eleven
29.08.2003
Pro:
Sitzposition, Handling, Fahrverhalten, Schaltbarkeit, Verarbeitung, digitale Tankanzeige, 2 Tageszähler
Kontra:
Motor relativ zahm, kein Dual - CBS, kein geregelter Kat, relativ hoher Preis
Empfehlenswert:
Ja
 Tommi69
Über sich:
Mitglied seit:28.08.2003
Erfahrungsberichte:4
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 34 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Die neue Honda CB 1300 - Die bessere X-Eleven?
Am 4. August 2003 ist es soweit, meine Honda X-Eleven hat die 18000 km nach gut 2½ Jahren erreicht, der zweite neue Reifensatz und die große Inspektion sind fällig. Schon vor der Abgabe meiner Maschine bekomme ich das Angebot meines Honda-Händlers, die Wartezeit doch einfach mit einer Probefahrt zu verkürzen. Er bietet mir kurzerhand die brandneu eingetroffene CB 1300 an, die ich für mehrere Stunden bis nachmittags fahren kann. Da ich mich nicht nein sagen höre, starte ich begeistert zur ganz persönlichen ausgiebigen Testfahrt über gut 250 Kilometer.
Der Motor der CB 1300 startet wie von meiner Eleven gewohnt ohne Murren spontan und dreht sofort ruhig bei 1000 Touren, die moderne elektronisch geregelte Saug-Einspritzung PGM-F1 haben beide Maschinen genauso gemeinsam wie den leider unpraktisch weit unten am Motorblock sitzenden Chokehebel, der wohl ohnehin nur bei winterlichen Temperaturen benötigt wird. Schon auf den ersten Metern wird deutlich, das Motorrad passt wie angegossen, auch bei meiner 188cm Körperlänge finden die Knie bequemen Seitenhalt am Tank, ganz im Gegensatz zur X-11, bei der der Knieschluss bei Fahrern über 1,75m Größe eben nie ganz passt. Auch der Kniewinkel ist nicht zu eng, der Sitz ausladend bequem. Der Lenker der CB 1300 lässt eine angenehme entspannte, fast aufrechte Sitzposition zu, nicht wie der serienmäßige Lenkerstummel bei der Eleven, die erst durch einen Superbike-Lenkerumbau von Spiegler/Stauch sehr viel handlicher wurde. Es fällt auf, dass die Sitzposition auf der CB 1300 weiter vorne zum Lenker hin orientiert ist, ich habe den subjektiven Eindruck, das Motorrad sei vorne zu kurz, was sich aber nach kurzer Eingewöhnungszeit gibt. Auffallend ist der fehlende Schalter für Stand- und Abblendlicht, mein gewohnter Griff danach endet an einer Plastikblende. Die CB1300 hat ihr Abblendlicht automatisch immer an, sowie die Zündung gedreht wird. Ansonsten sind die Armaturen wie gehabt, zwei große Rundinstrumente, nur nicht im Silberplastiklook Weiß auf rotem Grund wie bei der X-11, sondern elegant klassisch in Chrom gefasst Weiß auf Schwarz, wobei der Tacho bei 260 km/h endet und der rote Bereich des Tourenzählers schon bei 8500 Touren beginnt. Bei der X-11 sind übertriebene 280 km/h und der kritische Bereich erst ab 10500 Touren abzulesen. In Wahrheit läuft die CB 1300 die eingetragenen 230 km/h, bei der X-Eleven sind gute 250 km/h realistisch machbar. Zusätzliche Schmankerl bietet die CB 1300 allerdings in einer digitalen Tankanzeige, gleich zwei Tageszählern und einer digitalen Motortemperaturanzeige, die sich aber nur durch Umschalten zwischen Kilometer- und Tageszählern einstellen lässt und somit nicht unbedingt permanent sichtbar ist. Eine digitale Uhrzeit komplettiert die Instrumententafel. Die beim Anlassen kurz hochschnellenden Zeiger der beiden Rundinstrumente darf man als witziges Gimmick werten. Bei genauem Hinsehen fallen dann die vielen gemeinsamen Bauteile zwischen CB 1300 und X-11 auf, beispielsweise sind die Fußrasten überall dieselben, das vordere Schutzblech, Teile der Gabel oder die äußeren Bedienelemente des Lenkers sind baugleich. Hier scheint Honda ähnlich wie Kawasaki im Baukastensystem zu arbeiten und gleiche Teile für ähnliche Maschinen zu verwenden.
Fast unhörbar setzt sich die Fuhre in Bewegung, allenfalls im Tourenbereich zwischen 2 und 3000 Umdrehungen lässt sich ein tiefes schnorchelndes Grummeln vernehmen, ansonsten verbleibt das Motorengeräusch der CB stark gedämpft. Sicherlich lässt sich der Maschine statt dem dicken Endrohr der 4 in 1-Anlage mit einem schmalen Zubehörschalldämpfer zu mehr Sound verhelfen, dies ließ sich auch durch zwei Carbondämpfer von BOS an der X-11 erreichen. Das ganze Fahrverhalten der CB 1300 lässt sich als recht handlich, bequem und sehr souverän beschreiben, die Kurvenlage ist ähnlich gut wie bei der X-11, beide Motorräder verfügen über ausreichend große Schräglagenfreiheit. Auch Lastwechselreaktionen treten bei beiden Maschinen kaum auf. Was die Frage nach dem Sinn der beiden seitlichen Showa-Stoßdämpfern aufkommen lässt, besitzt die X-11 doch nur ein mittig angebrachtes Mono-Federbein. Ist dies nun technischer Fortschritt, oder finden sich die Gründe vielleicht in einer klassischeren Optik der CB 1300 oder einer wartungsfreundlicheren Hinterradaufhängung? Optisch wirkt die CB 1300 insgesamt deutlich filigraner, die massig wirkenden Seitenverkleidungen des Kühlers der X-11 lassen diese wesentlich wuchtiger erscheinen. Stattdessen wartet die CB 1300 mit einem gänzlich nackten Kühlerelement auf. Beide Maschinen fühlen sich auf weit ausladenden leicht kurvigen Landstraßen am wohlsten und sind aufgrund ihres relativ hohen Gewichts von rund 250 kg eher weniger zum gnadenlosen Kurvenräubern geeignet. Dies ist nun ja auch typisch für Maschinen der Gattungen "Sporttourer" bzw. sportlich orientiertes Naked-Bike. Auf schnellen Autobahnetappen vermisst man bei beiden Maschinen einen kleinen Windschutz, der sich aber beipielsweise durch Verkleidungsmasken aus dem Zubehörhandel nachträglich anbringen lässt. Seit dem Umrüsten der X-11 auf die Bike-Side-Halbschalenverkleidung sind Winddruck und Luftwiderstand deutlich geringer geworden, vom optisch aggressiveren und moderneren Aussehen der katzenähnlichen Augen statt des klassischen Rundscheinwerfers einmal abgesehen.
Bei beiden Maschinen ist die Bremswirkung überdurchschnittlich gut, die Nissin-Bremsen packen schon bei wenig Handdruck kräftigst zu, bei der CB 1300 vielleicht mit einem etwas deutlicherem Druckpunkt, jedoch unverständlicherweise ohne das bewährte Dual-CBS, das sowohl aus der XX 1100 Blackbird als auch aus der X-Eleven bekannt ist und für ein gleichmäßiges gleichzeitiges Verzögern von Vorder- und Hinterrad sorgt, egal welche der beiden Bremsen betätigt wird. Bei beiden Motorrädern funktioniert die Schaltbarkeit der Gänge tadellos und knackig exakt, bei der X-Eleven aber nicht ganz so geräuscharm wie bei der CB 1300. Entspannt fahre ich also mit dem Wissen um satte 200 Kubik mehr Hubraum den Feldberg hinauf, um beim ersten Überholmanöver überrascht zu werden: Wo bleibt der Druck, die schiere unbändige Kraft des Motors, wie ich es von der X-11 gewöhnt bin? Nur verhältnismäßig zögerlich gehen die 116 Pferde (85 KW) der CB selbst im dritten Gang zu Werke, deutlich wird nun die Differenz von 20 PS Mehrleistung (100 KW) der X-Eleven. Auch der Durchzug aus dem Tourenkeller fällt der CB 1300 schwerer, zu behäbig und drucklos beschleunigt der Reihenvierer von unten heraus, um nach relativ kurzem Leistungsspielraum bereits wieder bei 8500 Touren in den Begrenzer zu laufen. Etwas ernüchtert versuche ich, in den unteren Gängen zu bleiben, um so für mehr Drehmoment und Drehzahlen zu sorgen, jedoch bleibt der Unterschied zur X-Eleven einfach mehr als spürbar.
Auch beim Start aus dem Stand weg zeichnet sich dieses Bild ab, die CB1300 kommt mit dem brachial zupackenden Motor der X-Eleven nicht mit. Dies ist umso erstaunlicher, als dass beide Motoren auf dem Papier dasselbe Drehmoment von 113 Nm aufweisen. Nun soll nicht der Eindruck entstehen, die CB 1300 habe ein hoffnungslos lahmes Triebwerk, nein, nur im direkten Vergleich fehlt eben der gewisse Punch im oberen und unteren Drehzahlbereich, fehlen ein gutes Stück die Agilität und Drehfreude, die man vom X-Eleven-Motor her kennt. Vielmehr animiert die CB 1300 zum sanften Dahingleiten und richtet sich somit mehr an den Tourenfahrer als an den sportlich ambitionierten Biker. Auch die seitlich am Heck vorhandenen Kofferhalter für ein nachzurüstendes Koffersystem machen dies deutlich. So eine Halterung kennt die Eleven nicht.
In Sachen Umwelt verwundert es, dass die CB 1300 trotz der neueren Entwicklung nur über einen ungeregelten Kat verfügt, die Eleven aber über zwei geregelte Katalysatoren. Summa summarum bin ich schließlich dann doch froh, gegen Nachmittag meine dicke 11 wieder in Empfang zu nehmen, zumindest der Wunsch nach der neueren Maschine und diese nun unbedingt besitzen zu müssen, ist nicht aufgekeimt. Dies liegt gar nicht mal nur so sehr an den eben beschriebenen subjektiven Erfahrungs- und Vergleichswerten, sondern vielleicht auch ein kleines Stückchen an dem Umstand, mit der X-Eleven ein sehr ausgefallenes und mit in Deutschland nur knapp über 2000 Zulassungen in dreieinhalb Jahren auch relativ seltenes Fahrzeug zu haben, das technisch noch immer auf der Höhe der Zeit ist. Bleibt nun abzuwarten, inwieweit die Käufer sich für die eher klassisch orientierte CB 1300 erwärmen werden...
PS: Die letzten X-11 liefen Anfang 2003 vom Band, nach der offiziellen Honda-Preisliste vom Stand 1.Januar 2003 kostete die X-11 neu 10.290 Euro, die CB 1300 9.990 Euro. Gute gebrauchte X-11 sind bereits ab 6000 Euro zu haben und vielleicht eine echte Alternative...
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29.08.2003 15:36
Super Erstbericht, alles drin was rein gehört. Liebe Grüße Rombozombo
29.08.2003 15:26
ich hab echt keine ahnung von motorrädern. aber eins weiss ich: dein bericht ist klasse! willkommen bei ciao! liebe grüße, diva
29.08.2003 12:57
Herzlichen Glückwunsch zu einem tollen ersten Bericht Gruß Hemasch