Honda CB750 four - Das Jahrhundertmotorrad
07.10.2009
Pro:
Das Millenium Bike ! ! Noch Fragen? : )
Kontra:
Nicht mehr billig, oft ruinös verbastelt oder verbraucht .
Empfehlenswert:
Ja
 DerFetteZwerg
Über sich:
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Manchmal ist es wie verhext - oder sollte ich lieber sagen: wie im Traum... :) Erst kürzlich hatte ich zufällig eine geradezu beschämend günstige Kawasaki Z900 in absoluten Originalzustand erwerben können, und mir damit einen lange gehegten Traum erfüllt, da kommt schon das nächste Schnäppchen... Diesmal hatte meine Freundin einen ihrer früheren Bekannten nach längerer Zeit wiedergetroffen....... Der war inzwischen verheiratet, hatte gebaut, und sich endgültig von seinen wilden Motorrad-Jahren verabschiedet. (Bedauernswerter Fehler, wenn man mich fragt!!! :) ). Ein Überbleibsel dieser wilden Tage war eine Honda CB 750 Four, die sich in seiner Garage die Reifen platt stand, und von einer Ecke in die andere geschoben wurde. Ob meine Freundin denn niemanden kennen würde, der Interesse daran hätte... Natürlich kannte sie Jemanden!! Wir kamen am folgenden Samstag zum Ortstermin - und da stand sie...eine blaue '76er Four, in Ehren ergraut, verstaubt, mit - natürlich - toter Batterie und war ganz offensichtlich seit geraumer Zeit nicht bewegt worden.
Aber sie zeigte sich in gutem Zustand, komplett, und immernoch zugelassen, wobei der TÜV allerdings seit über einem Jahr abgelaufen war. In weiser Voraussicht hatte ich eine passende Batterie mitgebracht, und die Honda wurde vorsichtig wieder zum Leben erweckt. Das ging deutlich schneller als erwartet, die ersten zaghaften Lebensäußerungen kamen schon nach dem dritten Tritt auf den Kickstarter. Kurz darauf lief sie ruhig und mit gesunder Geräuschkulisse im Leerlauf vor sich hin. Alleine der Sound aus den vier Endrohren ist schon ein Highlight für die Ohren!! Die nun folgende Probefahrt verlief ebenfalls zur Zufriedenheit, und für einen absolut sozialverträglichen Betrag wechselte die Honda ihren Besitzer. (Hätte der Mann einmal kurz im Internet die Preise gesehen, die momentan für sein Schätzchen aufgerufen werden, wäre der Betrag ganz bestimmt mindestens doppelt so hoch gewesen!!)
Nun gut, - Die folgenden Tage widmete ich der längst fälligen Fahrzeugpflege. Nach einer genauen Durchsicht, einem Motor- und Fahrwerkservice kam die alte Dame problemlos durch die TÜV-Abnahme und die H-Prüfung.
Historie Es ist schon viel geschrieben worden über den Impact, den dieses Motorrad in der Motorradszene hatte, als sie auf der Tokyo Motor Show gezeigt wurde - 1968 war das. Es gab nichts Vergleichbares, weder in Deutschland, noch in anderen Ländern - wenn man von ein paar sündhaft teuren Exoten einmal absah. BMW in Deutschland baute zwar gute Motorräder, aber die waren mit 42 PS ausgereizt. Selbst Großbritannien - bis dahin quasi das Referenzland für große Motorräder, - hatte nichts auch nur annähernd Vergleichbares zu bieten. Man konnte sich zwar - falls Geld keine Rolle spielte - ein Serienmotorrad aufwändig tunen lassen, aber das überstieg die finanziellen Möglichkeiten der Meisten bei Weitem! Zudem hatten dieseTuning-Objekte keinen besonders guten Ruf, was die Haltbarkeit der solcherart mutierten Motoren betraf. Die Honda CB750 Four jedoch bot absolut traumhafte Leistungswerte zu einem Preis, den sich auch ein Normalbürger leisten konnte!
Die Eckdaten waren tatsächlich beeindruckend: 750 ccm, 4 Zyliner Reihenviertaktmotor, 4 Vergaser 67 PS bei 8000 U/min 5-Gang-Getriebe Hydraulisch betätigte Scheibenbremse im Vorderrad 200 km/h schnell Natürlich hatten die alten Lederärsche anfangs jede Menge Spott für die japanische Revolutionsansage parat, - ein solcher Motor wäre auf normalen Straßen nicht fahrbar,der gehöre auf die Rennstrecke, solche Drehzahlen könne eine Maschine nur ein paar tausen km aushalten, - und überhaupt, - das Ding würde ganz bestimmt keine längere Tour durchhalten.
(Die gleichen Sprüche hatten diese sogenannten Experten ein paar Jahre später wieder drauf - als Kawasaki mit der legendären Z900 auf den Markt kam!) Tja, - wie die Zeit vergeht...heute ist die Haltbarkeit der CB-Motoren legendär, die Maschine selbst ein gesuchtes Sammlerstück, und ihre Leistungswerte werden von beinahe jeder 250er erreicht, oder übertroffen! Immerhin, - sie hat ihren verdienten Platz in der Motorradgeschichte, und wurde unlängst zum "Motorbike of the Millenium" - zum Jahrhundertmotorrad gewählt.
Und nun habe ich auch eine! :) Fahren mit der CB 750 Four Die CB ist ein guter Starter. Korrekte Vergasereinstellung und Zündzeitpunkt vorausgesetzt, springt die Four auf den ersten Tritt an. Man kann auch den vorhandenen Elektrostarter, benutzen, - ich tu's allerdings bei einer klassischen Maschine nicht gerne....ist Geschmackssache. Der Motor hat nach dem Anspringen einen leicht erhöhten Leerlauf und nimmt sofort gut Gas an. Der Chokehebel an der Vergaserbank kann nach wenigen Metern zurückgestellt werden, es sei denn, draussen ist es nasskalt oder winterlich.
Der erste Gang rückt mit dem für Ölbadkupplungen typischen Klacken ein, die Maschine zieht auch bei niedrigen Drehzahlen gut an. Richtig lebendig wird der Vierzylinder ab 5000 U/min, aber auch darunter hat man nie das Gefühl, dem Motor würde es an Leistung fehlen. Das Arbeitsgeräusch ist geprägt von den vier Endrohren, die das typische , heisere Röhren produzieren, für das dieses Motorrad berühmt ist. Lässt man das Vierzylinderaggregat richtig toben, dann kommt akustisch geradezu Rennathmosphäre auf, - solche Töne sind heutzutage längst den Lärmbestimmungen zum Opfer gefallen und dementsprechend selten . (Allerdings: meine Kawa Z900 legt da noch eins drauf!!)
Alle Gänge sind harmonisch abgestuft, das Beschleunigungsband reisst nie ab und der Motor leistet sich in keinem Drehzahlbereich irgendwelche Schwächen. Rein subjektiv ist die 900er Kawa nur unwesentlich stärker, obwohl sie nominell immerhin 15 PS mehr Leistung zur Verfügung stellt. Das Kurvenverhalten ist stabil, die für heutige Verhältnisse schmale Bereifung (3.25x19 vorne, 4.00x18 hinten) macht die Maschine recht wendig. Allerdings kommt dadurch auch schnell Unruhe in's Fahrwerk, vor Allem bei Längsrillen oder Bodenunebenheiten.
Die Vordergabel ist gut gedämpft, bei kurz aufeinanderfolgenden Unebenheiten allerdings etwas überfordert, die Hinterhand erscheint ein wenig zu schwach gedämpft zu sein. Immerhin sind die Seriendämpfer fünffach verstellbar. Die Bremsanlage mit je einer Scheibe vorne und hinten genügt im heutigen Verkehr nur noch bedingt - zudem übertragen die schmalen Räder natürlich nicht die Bremswerte heutiger Breitreifen - vorausschauendes Fahren ist also empfehlenswert.
Insgesamt ist das Fahrwerk typisch für den japanischen Standard der 70er Jahre, der bekanntlich sowieso nicht der Beste war. Die aufrechte Sitzposition erlaubt ermüdungsfreies Fahren, - alle Bedienelemente liegen gut zur Hand. Die Instrumente bieten feinsten japanischen Standard, - sie sind groß, zeigen genau und ruhig an, sind nachts gut beleuchtet und hervorragend abzulesen. Der Tank hat ein Fassungsvermögen von ca. 18 Liter. Bei zügiger Fahrt mit hohen Drehzahlen ist nach ungefähr 250 km eine Tankpause vonnöten, - lässt man es ruhiger angehen, so kommt der Motor aber auch mit 5 bis 6 Litern aus. Die Ölversorgung des Motors ist - ganz gegen den üblichen Standard - durch eine sogenannte"Trockensumpf - Schmierung " gewährleistet. Dabei wird das Motorenöl nicht in einer Ölwanne unter dem Motor gelagert, sondern in einen separaten Öltank gepumpt, der sich in Fahrtrichtung rechts unter dem Seitendeckel befindet. Vorteil: das Öl wird besser gekühlt, da es sich nicht unten im heissen Motorgehäuse befindet. Nachteil: diese Art der Kühlung ist technisch sehr viel aufwändiger, da u. A. zwei unabhängig arbeitende Ölpumpen nötig sind.
Die Honda begnügt sich mit Normalbenzin. Auch im heutigen Verkehr ist man mit einer 750 Four gut motorisiert, man trifft auf den bekannten Motorradstrecken auch noch erstaunlich viele dieser Maschinen an. Preislich hat sich eine gute Four längst über ihrem damaligen Neupreis etabliert, die Datierungen sind seit ihrer Ernennung zum Jahrhundert-Motorrad nocheinmal deutlich gestiegen!
Abgesehen davon, daß es nicht verkehrt sein kann, solch einen Meilenstein der Motorradgeschichte zu besitzen, (selbst als profane Geldanlage würde das Sinn machen!!) ist es noch immer eine reine Freude, dieses Motorrad zu fahren. Da ich mittlerweile eine ganze Anzahl solcher Ikonen der 70er Motorradszene zur Auswahl habe, fällt es mir immer schwerer, vor einer Ausfahrt eine Entscheidung zu treffen, - aber ich will mich nicht beschweren, - mit derartigen Problemen kann ich inzwischen ganz gut leben!! >lacht< Gute Fahrt.
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07.10.2009 14:27
Glückwunsch zu Deinem Motorrad. Ich persönlich ziehe aber neuere und verkleidete Maschinen vor. LG
07.10.2009 10:58
Greatuliere zu dem schnäppchen... wer in der mitte der 70er der sich auch nur ansatzweise für motorräder interessierte träumte nicht davon!
07.10.2009 07:12
Ich hatte in jungen Jahren auch ein Motorrad, es hat einen heiden Spaß gebracht damit durch die Weltgeschichte zu fahren. Heute ziehe ich das Auto vor :-), sehr gut vorgestellt