Erfahrungsbericht über "Honda CB Seven Fifty"

veröffentlicht 28.04.2003 | sk2001
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Erfahrungsberichte : 2
Vertrauende : 0
Über sich :
Ausgezeichnet
Pro klassisches Aussehen, solide Technik
Kontra Verbrauch bei hoher Geschwindigkeit
sehr hilfreich

"7 Jahre, 90.000 km, 95% zufrieden :-))"

Vor sieben Jahren (1996) habe ich eine '92er SevenFifty gekauft, die damals knapp 8000 km auf dem Tacho hatte. Seitdem habe ich sie mehr als 80000 km weitergebracht -- in allen Jahreszeiten, zur Arbeit, auf der Hausstrecke, auf Wochenendtouren und auf größeren Reisen (Alpen, Toskana, Schottland).

Erstes Kriterium bei der Auswahl war die Optik: ich wollte nichts Verkleidetes, sondern ein Motorrad in klassischer (allerdings nicht Oldtimer-) Optik. Neben Kawasakis Zephyr-Modellen (die mir beinahe noch besser gefallen haben) kam daher die SevenFifty in die engere Wahl. Der Rest war eine Frage des aktuellen Gebraucht-Angebots. Ich hatte dann erwogen, die Maschine erstmal freiwillig auf 34 PS drosseln zu lassen (ich hatte den Führerschein ein paar Jahre vorher gemacht, seitdem aber kein eigenes Motorrad). Nach den ersten Kilometern hatte ich aber keinerlei Probleme mit den 74 PS, so dass es dann dabei geblieben ist. Das Fahrverhalten ist wirklich gutmütig und anfängertauglich. Die SevenFifty ist ein klassisches Brot-und-Butter-Motorrad, für alle Lebenslagen brauchbar: Ob mit viel oder wenig Gepäck, ob in der Stadt, auf der Landstraße oder der Autobahn. Selbst auf schlechten Feldwegen ;-)

Seitdem ich das Motorrad besitze, habe ich nun diverse Male Reifen, Bremsbeläge, Kettenkit, Zündkerzen, Batterie, Öl und Bremsflüssigkeit erneuert, einmal die Radlager vorn und hinten ersetzt, einmal den Handbremszylinder reparieren lassen und einmal die Auspuffanlage durch eine neuere (originale) ersetzt. Reifen usw. war normaler Verschleiß, auch die Radlager. Der neue Handbremszylinder war notwendig, weil die Bremse beim Betätigen ruckelte. Die Auspuffanlage war in den Jahren (und Kilometern) etwas laut geworden (innerlich korrodiert und auch auf der Unterseite angerostet), und da ich für die anstehende HU kein Risiko eingehen wollte, habe ich sie ersetzt. Leider war der Ausbau nicht zerstörungsfrei möglich, da das Mittelstück doch schon sehr verrostet war -- sonst hätte ich sie vielleicht wieder zurückgetauscht ;-)

Ach ja, und einmal war eine Gabelreparatur fällig, weil mich ein freundlicher Dosenfahrer vom Mopped geschubst hat :-(

In all den Jahren hat mich das Motorrad nur in der richtig kalten Jahreszeit morgens im Stich gelassen, als die Batterie fällig war. Mit einem Überspielkabel und dem Auto war auch das keine Schwierigkeit. Und vielleicht hätte ich mit gewissenhafterer Batteriewartung auch dieses Problem vermieden...

Die anstehenden Wartungsarbeiten (wie auch die genannten Reparaturen, vom Bremszylinder vielleicht mal abgesehen) kann man problemlos selbst erledigen, da ist nix Kompliziertes dabei. Dank der Hydrostößel hat man auch keine Last mit dem Einstellen des Ventilspiels. Auch das Aus- und Einbauen der Räder sowie das Wechseln von Bremsbelägen, Kettenkit etc. ist Routine. Hilfreich ist da übrigens das einschlägige Selbsthilfe-Buch.

Den mangelnden Wind- und Wetterschutz mögen manche kritisieren, aber ich vermisse ihn nicht. Zum einen hatte ich mich ja ausdrücklich für eine "Nackte" entschieden, zum anderen macht es mir nichts aus. Auch mehrere Stunden Autobahn bei maximaler Geschwindigkeit lassen sich ohne Nachwirkungen aushalten. Wenn ich mal ein verkleidetes Mopped gefahren habe, hatte ich fast immer Probleme mit Luftverwirbelungen am Helm, die von der Scheibe herrührten. Ich hatte auch mal eine Mini-Scheibe bei Louis gekauft, mit der ich den gleichen Effekt hatte. Ich bin 1,86 m groß und würde mich nicht als durchtrainierten Sportler bezeichnen ;-) Das Motorrad passt mir von der Sitzhaltung eigentlich ideal, lediglich der Original-Lenker war mir zu schmal, so dass ich auf einen breiteren von Spiegler gewechselt habe.

Ein Kritikpunkt ist der Spritverbrauch (sie nimmt übrigens Normalbenzin) bei hohen Geschwindigkeiten: Das geht dann auch schonmal bis deutlich über 10 Liter auf 100 km, wenn volles Gepäck dran hängt. Auch mit dem 20-Liter-Tank (17 + 3 Reserve) ist dann bei rund 160 km die Reserve dran... Beim gemächlichen Fahren in der Gruppe kann sie sich aber auch mit deutlich unter 5 Litern begnügen. Mein Schnitt ist bei gemischter Fahrweise irgendwas von 5,5 bis 6,5 Litern.

Anderes nützliches Zubehör: Gabelprotektoren (ca. 10 Euro) sind eine außerordentlich sinnvolle Investition. Da ich die Maschine das ganze Jahr über fahre, waren irgendwann Heizgriffe fällig. Und natürlich ein Koffersystem, in meinem Fall Hepco-Becker Junior. Anbau war OK, die Koffer sind 100% wasserdicht, gut zu beladen, und es geht eine Menge rein. Nur leider nicht mein Klapphelm: Wenn ich mal in die Innenstadt fahren muss, nehme ich im Zweifelsfall das Topcase, da passt er rein, auch wenn das Teil wirklich nicht gerade gut aussieht. Auf verschiedenen Touren hatte ich auch schon die maximal mögliche Beladung: Tankrucksack, Seitenkoffer und zwei Gepäckrollen (als Solo-Fahrer, versteht sich. Das Gepäck war aber natürlich nicht alles mein eigenes ;-) Das Fahrverhalten der Maschine ist dann auch mit vermutlich viel zu hohem Gewicht noch gutmütig und beherrschbar.

Kleinere Spielereien: Fahrradtacho (in erster Linie für die Uhrzeit; der Honda-Tacho zeigt genau genug an), Funkgerät, GPS. Lässt sich alles gut unterbringen, auch ohne großes Cockpit.

Abschließend kann ich sagen: Solange sie mir nicht unter dem Hintern wegrostet (was unwahrscheinlich ist) oder Schlimmeres passiert (was ich nicht hoffen will), habe ich eigentlich keinen Anlass, auf ein anderes Motorrad umzusteigen.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • kasikrul veröffentlicht 06.06.2003
    super Bericht - könnte von mir sein ;-)) - weil: habe die gleiche maschine, gleiches bj, auch hb-koffer, fahhradtacho uw., gleiche motivation, bin genauso zufrieden (bis auf Verbrauch) - übrigens auf den cm genauso groß... grüße-kasikrul
  • icesugar veröffentlicht 29.04.2003
    ich liebe motorräder, könnte eigentlich auch mal über meine suzuki schreiben....! LG dani
  • Veterano veröffentlicht 28.04.2003
    Respekt, das nennt man Erfahrungsbericht. Gruß von Albert und seiner 1200er Bandit (fast nackt)
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