Ist Spitzenklasse wirklich langweilig?
06.12.2004 (07.12.2004)
Pro:
zuverlässig, wartungsarm
Kontra:
fast etwas langweilig
Empfehlenswert:
Ja
 uwbiker
Über sich:
Hallo an alle meine Freunde. Ich bin ja nur noch selten hier zu finden. Job und Familie sind eben do...
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Nachdem der Bericht zunächst in der falschen Kategorie eingestellt war, wird er hier bei der richtigen, der modernen CB seven fifty plaziert. Schon als Jugendlicher habe ich immer von einer Honda CB 750 geträumt. Damals waren die 67 PS der Honda ein absoluter Wahnsinn und so eine Traummaschine war schon deswegen nur ein Traum, weil man das Teil als Schüler nicht finanzieren konnte. Die Moderne CB SEVEN FIFTY hat aber mit der alten CB 750 wenig gemein.
Der eigentliche Vorgänger der CB SEVEN FIFTY heißt nämlich nicht, wie man eigentlich erwarten könnte, CB 750 K0 aus dem Jahre 1967, sondern genaugenommen CBX 650 aus dem Jahre 1983. Wie diese hat der Motor der CB SEVEN FIFTY DOHC, also 2 obenliegende Nockenwellen, diese betätigen über Hydrostößel jeweils 4 Ventile pro Zylinder. Heute hat der Reihenvierzylinder aber 750 ccm und 73 bei 8500 U/min. Dazu gibt’s eine kontaktlose Transistorzündung, E-Starter, 5-Gänge, Kettenantrieb und ein stabiles Fahrwerk mit zwei Federbeinen an der Alu-Doppelarmschwinge hinten, solider Telegabel vorn mit Doppelscheibenbremse ergeben zusammen ein nach heutigen Maßstäben völlig unspektakuläres aber höchst wartungsfreundliches Motorrad. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass es gebrauchte CB SEVEN FIFTY oft ganz günstig zu kaufen gibt. Die Solidität des gesamten Motorrades ist der Grund dafür, dass man beim Kauf auch kaum einen Fehler machen kann. Eine Honda CB SEVEN FIFTY, 5 - 6 Jahre alt mit weniger als 30000 km kann man, mit etwas Zubehör, durchaus schon für unter 2500 EUR mit Heim nehmen.
1992 war die Markteinführung zum Preis von rund 12000 DM. Als Nachfolgerin der viel zu schwammigen CBX 650, deren einziges Plus gegenüber der CB 750 der Kardanantrieb war, konnte sie auch ohne weiteres als technische Fortentwicklung gelten. Bezüglich der Fahrstabilität war sie in jeder Hinsicht besser. Das Fahrwerk ist serienmäßig immer noch sehr weich abgestimmt, was aber zum komfortablen Cruisen passt und für ein paar schnelle Kurven am Abend ist die Kiste mit den 5-fach verstellbaren Federbeinen allemal brauchbar abzustimmen. Für sehr sportliche Fahrer wäre sie ohnehin nicht die richtige Wahl, aber dazu gäbe es ja im Notfall Federbeine aus dem Zubehörregal. Der Kettenverschleiß erschien mir etwas zu hoch, denn schon nach knapp 20000 km war ein neuer Kettensatz fällig. Na gut, es kann ja sein, dass mein Vorgänger nicht besonders viel in die Pflege des Sekundärantriebes investiert hat, denn der nachträglich montierte Scottoiler scheint das Leben der Kette erheblich zu verlängern. Immer im Frühjahr ärgerten mich die Startprobleme. Die Fachliteratur bestätigt, dass die Vergaser sehr sensibel auf Verschmutzung reagieren. Deswegen sollten die Schwimmerkammern vor dem Überwintern entleert werden - aber wer macht das schon? Das kommt gerade mal vor, wenn das Einmotten mit einem der viel zu kurzen Servicintervalle zusammenfällt. Alle 6000 km sollte die CB SEVEN FIFTY nämlich in einer Fachwerkstatt gewartet werden, wenn man nach dem Serviceheft geht. Ich habe diese Intervalle auf 10000 km ausgedehnt und bin so immer ungefähr eine Saison durchgekommen.
Bei meiner 94er CB war auch das Metall am Motorblock häßlich grau angelaufen und alle Versuche eine optisch einwandfreie Oberfläche wieder herzustellen sind fehlgeschlagen. Man hört ab und zu von Problemen mit Bremsrubbeln. Mir persönlich ist jedoch nichts davon aufgefallen, weder an meiner Maschine noch an den anderen mit denen ich mal eine Runde drehen konnte. Andere Mängel sind an der CB SEVEN FIFTY nicht bekannt. Der auf Langlebigkeit ausgelegte Motor ist wartungsarm, gibt seine Leistung angenehm komfortabel ab und ist in aller Regel für Laufleistungen von deutlich über 100 000 km gut. Das gilt übrigens auch, wenn man die Wartungsintervalle, wie oben beschrieben, auf 10000 km ausdehnt.
Die Fahrleistungen sind für mich mehr als ausreichend. 200 km/h Höchstgeschwindigkeit und eine Beschleunigung von rund 4 Sekunden von 0 auf 100 km/h sollten auch dann ausreichen wenn es mal pressiert. Man kann die Maschine sowohl flott bewegen als auch schaltfaul und gemütlich über die Landstraßen schwingen. Bei ruhigerer Gangart benötigt man nur etwa 5 - 6 Liter Normalbenzin. Das ergibt eine Reichweite von fast 400 km. Da kann man schon mal durchhalten, bis es den teuren Saft irgendwo ein paar Cent billiger gibt. Die Sitzposition ist für normal gewachsene Mitteleuropäer bis 185 cm auch auf Langstrecken bequem und sogar zu zweit kann man einen schönen Tag erleben ohne dass es die Sozia gleich am Steiß büßen muß. Jedenfalls war die Stimmung abends nie gereizt.
Für Urlaubstouren habe ich mir eine Scheibe von 5-stars montiert. Damit ist der Winddruck weg und wenn es mal regnet, dann peitschte mir das Wasser nicht so direkt in meinen Jethelm. Ein Givi-Koffersatz wurde fürs Gepäck montiert. Das Fahrwerk könnte natürlich etwas härter abgestimmt sein. Ich wollte immer mal Federbeine von Bitubo nachrüsten. Dann waren mir die immer noch intakten Originalfederbeine aber zu schade zum Wegwerfen. So blieb es dabei bis zum Verkauf vor ein paar Jahren. Über die Optik eines Motorrades kann man ebenso wenig streiten wie über das Aussehen von Autos oder Frauen. Mir jedenfalls gefällt die CB SEVEN FIFTY nach wie vor ausgesprochen gut. Die Linienführung ist klassisch harmonisch, die Proportionen stimmen und das nostalgische Cockpit ist sowieso mein Geschmack. Über Speichenräder hätte ich mich gefreut, aber das ist auch wieder Geschmackssache, und was nicht ist - ist nicht.
FAZIT: Die CB SEVEN FIFTY ist ein Motorrad, das für den älteren Genußmotorradfahrer ebenso geeignet ist wie für den Tourer. Echte Schwächen des Modells sind mir nicht bekannt, statt dessen ist es für seine besondere Zuverlässigkeit schon fast legendär. Im Vergleich mit heutigen modernen Geräten ist die CB SEVEN FIFTY weder leistungs- noch fahrwerksmäßig noch ganz up to date. Ihre Stärke ist die Ausgewogenheit. Sie ist in keiner Disziplin spitze, aber sie leistet sich auch nirgends eine echte Schwäche. Für die einen ist das langweilig, die anderen sind von dieser Langweiligkeit fasziniert. Ich finde die CB SEVEN FIFTY ist einzigartig und hin und wieder tut es mir leid ihr untreu geworden zu sein, auch wenn meine alte GL 1000 mit Seitenwagen (siehe Bericht) doch ein ganz anderes Kaliber ist.
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09.10.2005 15:59
super Bericht, es ist einfach ein tolles Motorrad, ist zwar vom Aussehen nicht mehr zeitgemäß, an sonsten aber ein qualitativ hochwertiges Motorrad das auf dem neusten Stand der Technik war. Leider nun nicht mehr neu zu kaufen. Gruß Guido
22.04.2005 03:56
Prima Bericht. Ich vermisse meine Sevefifty auch manchmal. Auf wenigen Motorädern sitzt man mit 2 Personen so lange und so gut. War halt nur zu langsam und soff bei mir ganz nett ( meistens 7,5 Liter )
04.03.2005 23:22
Schöner Bericht,gutes Bike.Gruß Karsten