EINE MISCHUNG AUS AUTODROM UND SKATEBOARD
1. Dez 2001
Pro:
spritzig, sparsam, sportlich
Kontra:
liegt leicht auf
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Zuverlässigkeit:
Fahreigenschaften:
Bedienung:
Platzangebot:
mehr
 Sarkania
Über sich:
GUTEN ABEND DIE DAMEN, GUTEN ABEND DIE HERREN, SERVUS DIE MADLN, SERVUS DIE BUAM...
Mitglied seit:23.01.2001
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Vertrauende:139
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Heute geht's endlich mal wieder um ein Auto - meine Passion! Seit Beginn 2001 fährt mein Freund einen alten Honda Civic, den ich mittlerweile auch schon des öfteren testen konnte und euch heute beschreiben möchte. Ich habe in einem Testbericht meine Erfahrungen einiger Fahrten zusammengefasst. Ganz am Ende gibt's wieder die von mir gewohnte kurze Zusammenfassung. MEIN TESTBERICHT *****************
Es handelt sich um ein Baujahr 89 mit etwas mehr als 100 PS. Rot ist er, dreitürig, von der Grösse liegt er irgendwo zwischen Kleinwagen und Kompaktklasse. Doppelauspuff. Mein erster Gedanke ist, "Ein bisschen proletenhaft schaut er schon aus..." Von den Kilometern ist er noch weit von den sechstelligen Zahlen entfernt. Er hat übrigens keinerlei Ähnlichkeit mit dem Symbolphoto auf dieser Seite - ist älter, aber auch ein Honda Civic vor 2001 mit 1,6 Liter Hubraum. Und er hat einen geraden Kofferraumabschluss. Das, was beim ersten Ansehen auffällt, ist, dass er sehr niedrig ist. Das Dach ist sehr niedrig (1,3 m Höhe), was ich in dem Vanallerlei, der sich momentan auf Österreichs Strassen tut, erfrischend finde. Sonderausstattung elektrisches Schiebedach, dass nur von der Fahrerposition aus bedient werden kann. Airbag, ABS, Zentralverriegelung usw. sucht man hier wie meistens in dieser Altersklasse vergeblich.
Ich setze mich also rein. Besser gesagt ich "wurschtle" mich ins Auto und lasse mich auf den Sitz plumpsen, der gute 10 Zentimeter tiefer liegt, als ich dachte. Ich bekomme so ein Liegestuhlgefühl, als ich mich richtig setze und zurücklehne. Links und rechts drücken die seitlichen Sitzwulste auf meine Rippen. Aha - Sportsitze für extraschlanke Menschen, stelle ich fest. Wer beleibter ist, wird hier sicher nicht sehr bequem sitzen. Ich richte mir den Sitz und die elektrisch verstellbaren Seitenspiegel - jetzt bin ich wirklich beeindruckt, denn das hätte ich bei einem Auto aus einer
Zeit, als der KAT noch eine kleine Sensation war, nicht erwartet. Ich verrenke mich nach dem Sicherheitsgurt und denke mir, dass man hier hinten sicher leicht einsteigen kann. Starten. Der Motor hustet und röchelt - aber springt nicht an. Ich bekomme Weisungen von meinem Beifahrer. Zündung ein und warten, bis ein oranges Licht am Armaturenbrett erlischt. Erstaund warte ich die drei Sekunden und kann dann problemlos anstarten. Rückwärtsgang hackelt ein bisschen, geht aber nach einem konsequenten Ziehen des Schalthebels mit leisem Protest rein.
Hat keine Servo? Kein Problem, bin ich von meinem Mazda gewohnt. Doch entsetzt stelle ich fest, dass die Reifen wie am Boden festgeschraubt ist. Während ich schwitzend ausparke, beschlagen sich die Scheiben stärker. Kein Problem, Gebläse macht das schnell wieder weg. Irgendwann bin ich dann aus der Lücke draussen und es geht ans richtige Fahren. Wow, der geht aber ganz schön ab. Und jetzt rauf den wunderschönen Kahlenberg. Schaltung geht butterweich. Geschwindigkeit schätzen, ohne auf den Tacho zu sehen, bringt anfangs sehr lustige Erlebnisse. Ich fahre mit 30 und hab das Gefühl, sämtliche Schallmauern zu durchbrechen. Denn die Strasse hier oben ist noch aus Kopfsteinpflaster - es rumpelt an allen Ecken und Enden. Ich provoziere den Motor und die Karrosserie ein wenig und beschleunige auf die erlaubten 60 km/h. Und gehe bergauf knallhart in den fünften Gang - und staune. Er wird kurz untertourig und langsamer, aber mit mittelstarkem Gaszug geht das sofort (!) vorbei. Mein Auto wäre hier gehoppelt wie ein Känguruh. Um meinen Beifahrer nicht allzu sehr zu entsetzen - der wie viele glaubt, niedertouriges Fahren macht den Motor sofort kaputt - schalte ich in die vierte. Technisch gesehen wäre ich locker den ganzen Berg im fünften Gang hinaufgekommen. Wahnsinn, was die 108 PS so können.
Die Fahrt war eine einzige Rückenmassage, stellenweise dachte ich schon, das Auto fällt auseinander und mir sämtliche Plomben aus den Zähnen. Sinnlose Ängste - dennoch möchte ich das Auto kein zweites Mal auf den Kahlenberg quälen. Ich hab das Gefühl, ich sitze in einem Autodrom. Um die Fahrgeräusche zu übertönen, braucht man bei Kopfsteinpflaster schon ein lautes Radio. Gottseidank sind viele von Österreichs Strassen doch etwas besser. Die straffe Karosserie und Federung bringen eine fantastische Strassenlage, wie ich beim Runterfahren in der ersten Kurve merke. Wie ein Skateboard liegt der Wagen in der Kurve. Kein Wunder, bei der Tieflage - die übrigens serienmässig ist, genau wie die Sportsitze. Meine grösste Angst in der Kurve ist, dass wir irgendwie mit dem Unterboden auf den Asphalt streifen.
Apropos am Asphalt streifen: das kann durchaus passieren! 30er Zone mit "Beruhigungszone" (auch "Autofahrerschikaniererei" und "Stossdämpferkiller" genannt). Am besten wartet man, bis kein Gegenverkehr kommt, und nimmt diese Hürden schräg und sehr langsam. Sonst kann's tatsächlich passieren, dass man sich den Unterboden ruiniert. (Was davon zu halten ist, dass man mit vorgeschriebener Geschwindigkeit und einem serienmässig nicht veränderten Auto eine öffentliche Strasse nur schwer ohne Schäden passieren kann, lasse ich mal dahingestellt.) Lustiges Erlebnis an der Ampel. Ohne zu überlegen halte ich das Auto neben mir für die Kanzel eines kleinen Lastwagens. Dann sehe ich genauer hin - wir stehen nur neben einem Kleinwagen, der von unserer Dackelperspektive riesig wirkt.
Letzendlich will ich den Wagen noch einparken. Ich liebe es, einzuparken. Ich mag solche Herausforderungen. Nunja, die Lenkung wird schon sehr schwergängig. Nach hinten kann ich das Ende des Autos wunderbar abschätzen, nach vorne tue ich mir viel schwerer, da die Motorhaube wie ein langer Keil nach vorne gezogen ist. Jawoll, mit Anstrengung bin ich bald drin in der Lücke. Das Aussteigen muss ich noch üben, stellt mein Freund amüsiert fest. Mit der Eleganz eines Maikäfers, der auf dem Rücken liegt, krabble ich aus dem Auto. Kein Wunder, bei dem hohen Gehsteig ist die Sitzfläche des Sportsitzes fast auf Gehsteigniveau. Viel lustiger war die Sache einmal im Sommer. Ich hab vorsichtshalber gewartet, bis kein männlicher Passant in der Nähe war, bevor ich mit meinem Minirock aus dem Auto geklettert bin. Vom Rücksitz wird die Aufgabe, züchtig aus dem Auto zu steigen, noch schwieriger. Mit Sicherheit also kein Auto für Omis und beleibte Onkel.
Noch ein Blick in den Motor: ja, der schaut und klingt immer noch top, obwohl er schon 12 Jahre auf dem Buckel hat. Durchzugsstark ist er zweifelsohne, aber sparsam? Nach Angaben meines Freundes kommt er auf zirka 8 Liter Normalbenzin pro 100 Kilometer bei zügiger Fahrweise. Wie bei den meisten Japanern, kriegt man den Tankdeckel und den Kofferraum auf, indem man einen Knopf beim Fahrersitz hochzieht. Praktisch, damit entfällt das Schlüssel-abziehen. Der Kofferraum ist mit dem erste Hilfe-Koffer schon viertelvoll - sehr winzig also. Dafür hat man auf der Rückbank sensationell viel Beinfreiheit.
Was Reparaturen betrifft, da war heuer leider einiges fällig. Neue Stossdämpfer hinten, an der Lenkung musste etwas geschmiert werden und am Auspuff wurde repariert. Alterserscheinungen eben. Man kann noch mit ihm sicher einige Zeit fahren, ohne Angst haben zu müssen, dass man irgendwo liegenbleibt. Der Wertverfall ist bei Honda nicht so schlimm wie bei vielen anderen Japanern. Aber er ist ein Japaner, das merkt man an den ungerechtfertigt niedrigen Listenpreisen seiner jüngeren Markengenossen. Was aber nicht schlecht ist, wenn man vor hat, sich so einen Wagen zu kaufen.
DATEN UND FAKTEN ****************** (Quelle: Typenschein und http://www.oeamtc.at)
Leistung: 79 kw/108 PS Länge: 3,9 m Breite: 1,6 m Höhe: 1,3 m Kofferraum: 250 Liter Höchstgeschwindigkeit: 188 km/h 0-100 km/h in 8,9 sec Vb 90/120/Stadt: 5,5/7,6/8,5 Tankinhalt: 43 Liter Eigengewicht: 925 kg MEINE MEINUNG/FAZIT ********************
Vieles hat mich beeindruckt. Eine sensationelle Strassenlage, wie ich sie noch nie zuvor erlebt habe, massig Platz auf der Rückbank, viel tadellos funktionierende Elektrik, eine fantastische Beschleunigung bei einem für diese Leistung und dieses Alter sehr moderaten Verbrauch (ca. 8 Liter Benzin ROZ 91). Ein kleiner Möchtegern-Sportwagen für normale Leute. Aber: aufgrund der unkomfortablen Federung und des kleinen Kofferraumes würde ich das Spassmobil nicht als Urlaubs- und Langstreckentiger einstufen, obwohl die Sportsitze anfangs sehr bequem sind. Bei Bodenunebenheiten ist ebenfalls Vorsicht geboten, der Wagen liegt leicht auf!
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17.02.2002 15:41
Ich weiss zwar nicht ob das ein Auto für mich wäre (hab gerade nen Scorpio) aber hübsch sehen die kleinen Flitzer aus ;o) gruß roadhawk
15.12.2001 13:09
Ich habe bisher 3. Civic`s älteren Modell`s gefahren und kann Dir in einigen Punkten nur zustimmen. Die straffe Karosserie und Federung bringen zwar eine fantastische Strassenlage - in der Tat - aber das eben auf Kopfsteinpflaster eine Qual werden kann! Der Kofferraum war auch mir auch zu klein und der Rückwärtsgang hakelte bei allen 3. Civic`s. Aber im Grossen und Ganzen war ich mit diese japanischen Asphaltblasen sehr zufrieden! Gruss Gerd
12.12.2001 19:25
na immerhun sicherer als der elch(smart)gruss ldorado