Wer einen zuverlässigen Alltagsbegleiter sucht, die Entscheidung zum Zweirad für sich getroffen hat, und nicht auf den Pfennig achten muss und die Sitzbank härter polstern läßt, kann Ihn bedenkenlos kaufen. Es ist ein sehr angenehm und problemlos zu fahrender Roller mit gutem Licht und guten Bremsen (CBS-Kombibremse).
Insgesamt bin ich mit 3 Foresights 80.000km gefahren ohne eine einzige Panne. Hohe Laufleistungen sind bei regelmäßiger fachmännischer Pflege überhaupt kein Problem. Ich habe alle Foresights gebraucht gekauft und mein höchster km-Stand bei Verkauf war 70.000 und auch dieser Roller lief wie am ersten Tag.
Bei Langstrecken- und Ganzjahresfahrern (bei mir z. B. jeden Tag 80 km) ist nur der Reifenverschleiss normal, alles andere wie Bremsbeläge, Keilriemen, Variorollen, Kupplung, Auspuff etc. wird viel viel weniger beansprucht, wie bei einem Kurzstrecken/Stadtfahrzeug.
Mich hat es immer wieder nach was Schnellerem, gedrängt und ich bin zwischendurch jeweils mit Motorrädern und auch einmal mit einem Nexus 500 "Fremdgegangen". Spätestens im Winter und bei schlechtem Wetter, habe ich mir jedes mal wieder einen Roller, bzw. einen Foresight gewünscht.
Jetzt fahre ich zur Zeit meinen 4. Foresight und bin auch damit in den letzten 4 Monaten schon wieder 5000 km gefahren.
Fast alle bekannten Roller zwischen 250 und 650 ccm bin ich zumindest mal 1 Tag Probe gefahren. Die Meisten haben ein zu kleines Gepäckfach und einen zu kleinen Tank. Viele wiegen einfach zu viel, weit über 200 kg, sind sehr ausladend und haben teilweise einen sehr großen Wendekreis, so daß rangieren und den Roller neben ein Auto in eine Garage bugsieren jedesmal zu einem Kraftakt wird oder einfach nicht geht.
Als Tourenfahrer, der in seiner Freizeit auf große Fahrt geht, zählen ganz andere Werte. Da gibts reichlich Auswahl an Großrollern, die auch alle super sind. Da fährt man mit viel Gepäck, teils mit Seitenkoffern und da ist eine niedrige Sitzposition wie auf dem Sofa klasse. Das die Meisten dann natürlich etwas schwerfällig und ausladender sind (Aprillia Atlantic/ Suzuki Burgmann etc) stellt kein Problem dar, denn da gilt wie beim Auto "Länge läuft" und breit ist gleich guter Windschutz. Höherer Windwiederstand, höherer Verbrauch und Wartungskosten wie beim Auto nimmt man dann in Kauf.
Bei 185 Körpergröße und für meine Zwecke, täglich 40 km Autobahn 35 km Landstrasse und 5 km Stadtverkehr, paßte mir auf Dauer nur der sehr handliche Foresight.
Der Foresight hat natürlich auch Schattenseiten, z.B. die kleinen Rädern. Dadurch kippeliges, windempfindliches und durch die am Lenker fest montierte Scheibe, gewöhnungsbedürftiges und für heutige Roller untypisches Fahrverhalten ähnlich den alten Vespas. Bedeutet gleichzeitig natürlich auch ein wieselflinkes Fahrverhalten ähnlich einem 50er Roller mit sehr kleinem Wendekreis.
Für größere Fahrer (ab ca. 180-185) zu enger Kniewinkel und vorderer Trittbrettbereich wegen zu steilem Anstellwinkel nur eingeschränkt nutzbar.
Die Seriensitzbank hat eigentlich die richtige Höhe, sowohl für kleine, wie auch für große Fahrer. Sie ist jedoch zu weich. Ich mit 90 kg, sinke direkt 5 cm ein und durch die starke Stufe, kann man nicht weiter nach hinten rutschen.
Die Schweissnähte der Sitzbank hinter dem Popo, reißen bei jedem Foresight und dem karosserimäßig baugleichen Honda Pantheon FES 125 und 150. Die meisten Leute kleben dann Flicken drauf, ich hab Sie jeweils härter polstern und wenn die Schweissnähte schon gerissen waren, auch neu beziehen lassen, dann hat man ein völlig neues Fahrgefühl.
Der Wind- und Wetterschutz ist gegenüber einem Motorrad bei einem Roller absolut genial. Setzt man sich halb nackig drauf, so wie hier jemand berichtet hat, dann ziehts natürlich auf jedem Zweirad, aber so was ist für einen verantwortungsvollen Biker (fahre seit 30 Jahren Zweiräder) indiskutabel.
Kleiner Abstecher:
Komplette Motoradschutzkleidung war und ist für mich absolut Pflicht, auch auf einem Roller, auch im Sommer und auch auf kurzen Strecken. Wer einmal ohne Schutzkleidung einen Unfall hatte, weiss wie lange es dauert, bis alle Schürfwunden verheilt sind und die Narben bleiben ewig. Auch ich hatte schon 2 mal einen unverschuldeten Unfall.
Einmal wurde ich auf der Landstraße von einem trotz durchgezogener Linie mit ca. 120 km/h an mir vorbeifahrenden Auto abgedrängt, als plötzlich völlig unerwartet (deshalb war ja Überholverbot) Gegenverkehr kam. Nach Überspringen eines kleinen Grabens bin ich dann mit so 100 km/h in einem Acker gelandet.
Einmal hat mir in der Stadt bei erlaubtem und von mir auch gefahrenen Tempo 50 trotz Licht eine handybelastete Dame die Vorfahrt genommen und ich landete unter der Heckschürze. Ausweichen ging wegen Gegenverkehr und einem hohen Bordstein nicht.
Bei der Fahrt in den Acker habe ich mich vom Motorrad in der Luft stark abgestoßen, damit das Ding mir nix tun kann und habe mir nur eine Rippenprellung zugezogen. In der Stadt ist mir gar nichts passiert, auch da habe ich den Roller nach dem ich mich umfallen ließ, weil der Anhalteweg nie gereicht hätte, mit den Füssen weggestoßen. Der Roller wurde dann vom Gegenverkehr überrollt und plattgemacht. Ohne Schutzkleidung wäre das absolut unmöglich gewesen und ich wäre wohl wie bei den meisten Motorradunfällen Hochkant in das Heck des Autos gefahren, mit den entsprechenden Bein- und Kopfverletzungen.
Nach Erneuern der Protektoren und eines Helms, war meine Schutzkleidung wieder hergestellt. Die Oberfläche der Goretexklamotten war zwar an manchen Stellen angeschürft, jedoch nirgends durchgerissen. Die Maschinen waren jeweils Totalschaden!
Erst gestern habe ich wieder diverse "Organspender" auf Ihren Zweirädern in kurzen Hosen und T-Shirt gesehen, die dann dazu auch noch alle Verkehrsregeln missachten, natürlich deutlich schneller fahren wie erlaubt und bei Überholverbot und durchgezogener Linie und Gegenverkehr mit 30 cm Abstand an den Autos vorbeiziehen. Wenn da mal einer einen kleinen Schlenker macht. Aber das ist ein anderes Thema und nun zurück zum Roller.
Ganzjahresfahrer sind mit einer Griffheizung und einem zusätzlichen Handschutz (aufklebbare Gummiformstücke von Honda) am Besten bedient. Mehr braucht man nicht! Seitenwindabweiser sind ganz nett, gibts aus Gummi von JF und Original aus Acryl von Honda, bringen auch was für die Beine und Schuhe, nur wer eine gute Motorradschutzkleidung hat, braucht auch die nicht.
Eine größere Scheibe bringt eigentlich nur Nachteile. Die Belüftung am Integralhelm funktioniert nicht mehr richtig und die Windgeräusche nehmen deutlich zu. Höherer Spritverbrauch und ca. 10 km Endgeschwindigkeit bei Windstille, bei Gegenwind ist es noch deutlich mehr. Bei Tragen eines Jethelmes werden die Windgeräusche durch die hohe Scheibe weniger! Ich habe da auch diverses ausprobiert, aber ein Jethelm ist mir zu unsicher.
Topcase hatte ich immer nachgerüstet und auch stets drauf. Das ist nur zu 90 % leer und wird eigentlich nur bei Einkäufen für die Motorradjacke und Helm genutzt und nach dem Einkaufen für sperrige leichte Sachen. Schwere Sachen sollte man da nicht reintun, ist laut Aufkleber eh nicht gestattet (meist nur so 5- max.10 kg sind erlaubt) und wenn mans tut, merkt man in der ersten Kurve, dass der Schwerpunkt deutlich höher liegt wie vorher und man förmlich um die Kurve eiert. Aber auch das hat nix mit dem Foresight zu tun, sondern ist bei jedem Zweirad so.
Die Höchstgeschwindigkeit des Rollers ist nicht mehr zeitgemäß, ca. 115 km, das hat auch mal die Zeitung Motorroller, oder Motoretta so nachgemessen. Mein Navi hat mir das so bestätigt, mein Tacho zeigte dabei phantastische 140km an! Wenn man jedoch einen Reisebus nur in Schrittgeschwindigkeit überholen kann, kann da ja was nicht stimmen und man sollte ins grübeln kommen. Jeder andere 250er fährt heute mindestens 10 km schneller, da zwischen 2 und 6 PS mehr vorhanden ist, bei gleichem Gewicht.
Der Tank ist ausreichend groß, da mein Verbrauch stets zwischen 3,3 und 4,3 Litern lag, bei einer Tour mit reiner Landstraße Tempo 80 habe ich auch schon unter 3 Liter gebraucht. Es kommt halt drauf an wie stark man jeweils beschleunigt und an der Gashand dreht. Es gibt Leute, die meinen mit einem Automatikfahrzeug kann man nicht sparsam fahren, man müßte immer Vollgas geben. Das ist Blödsinn, man kann! Einfach weniger Gas, damit weniger Drehzahl, dass jeweilig beste Drehmoment des Motors ausnutzen. Das ist bei jedem Fahrzeug, auch innerhalb meiner Foresights jeweils ein anderer Punkt gewesen und hängt speziell bei der Variomatik auch vom Verschleiß der beweglichen Teile ab.
Das Hauptgepäckfach unter der Sitzbank ist groß, aber ohne Beleuchtung. Ich kann damit leben, da ich fast nur bei Helligkeit fahre. Im Winter, wenns früh dunkel wird, könnte man zwar eine Beleuchtung gebrauchen, aber da nur eine Tasche ins Fach kommt, finde ich die auch ohne, für Notfälle habe ich eine LED-Tachenlampe dabei und wer will kann, sich eine Einbauleuchte mit Schalter ganz leicht nachrüsten, dann kann man auch gleich noch eine Bordsteckdose fürs Handy oder ein Navi einbauen, das wäre nicht schlecht.
Inspektion alle 6.000km ist OK, dazwischen ist alle 3000 zusätzlicher Ölwechsel nötig. Da kein Ölfilter vorhanden ist, ist das Öl auch dann immer kohlrabenschwarz. Nach dem Ölwechsel ist der Motor für meine Gefühle immer leiser und läuft ruhiger. Diesen Zwischenölwechsel habe ich immer selbst gemacht.
Teils sehr teure Ersatzteile (z.B. Auspuff 300 Euro und den brauchen Kurzstreckenfahrer und Lampenparker garantiert! ). Kunststoffkarosserieteile sind fast unbezahlbar, ein kleiner Kunststoffnippel kostet schon 3 Euro!
Reifen sind über eine Distanz von 50.000 km gerechnet doppelt so teuer wie beim Auto, da ein Hinterreifen nur zwischen 6.000 und 10.000km hält und ein Vorderreifen zwischen 12.000 und 15.000km (Restprofil 2mm! und nicht verkehrsunsicher bis zum Slick gefahren!) das summiert sich dann natürlich.
Nach meiner Erfahrung fährt sich der Michelin Pilot am schnellsten ab, bei gleichzeitig besten Fahreigenschaften. Am Längsten hält der Originalreifen Bridgestone Hoop, der bildet jedoch bei viel Geradeausfahrt (Autobahn) schnell eine Kante außen und man kippt in den Kurven an einem Punkt dann plötzlich in die Kurve rein.
Bei diversen Reifentest für Großroller wurde mir dies auch bestätigt. Den viel gelobten Heidenau hatte ich noch nicht, dass werde ich aber als Nächstes mal ausprobieren, denn die Testberichte sind vielversprechend. Bzgl. der Haltbarkeit wird jedoch immer von theoretischer Laufleistung gesprochen, denn die Tester schließen immer von den Ergebnissen der Teststrecken darauf. Die Reifen mal wirklich auf 2mm runterfahren wird höchstens in den sehr seltenen 50.000km Tests gemacht und das auch meist nur bei Motorrädern.
Der Reifenverschleiß bei Zweirädern, manchmal sogar am Vorderrad schneller als am Hinterrad (Honda Deauville) ist nichts Typisches für den Honda Foresight, sondern eigentlich bei allen Zweirädern mal mehr, mal weniger so.
Die Entscheidung Zweirad ja oder nein, muß sowieso jeder für sich ausmachen. Nimmt man alle Kosten zusammen, incl. komplett neuer Schutzkleidung so alle 5 Jahre, ist ein kleines Auto nicht teurer wie ein Zweirad, dennoch habe ich mich für das Zweirad entschieden.
Der Foresight ist alles in allem empfehlenswert und in der Klasse konkurenzlos.
Einen Nachfolger ist Honda uns in Deutschland bis heute schuldig. Der seinerzeit als Solcher auf einer Messe vorgestellte Honda Jazz 250 gab es nur in Italien und auch den habe ich Probe gefahren. Der Motor ist derselbe, jedoch gibts sogar eine Start-/stop automatik. Die Verkleidung ist wesentlich ausladender und das Windschild ist fest an der Karosserie, ähnlich dem Yamaha Majesty. Also ein ganz anderer Roller und der war auch wesentlich teurer und ist als Gebrauchter in Deutschland gar nicht, in Österreich selten und Italien etwas besser zu bekommen. Die Leute wollen jedoch dann für einen BJ. 2004 noch immer 4000 Euro und das ist absolut induskutabel für einen gebrauchten 250 ccbm Roller mit 20.000 bis 40.000 km auf dem Tacho.
Neuer Bearbeitungsstand 17.07.2008. Ich hatte bei der letzten Inspektion einen Honda SH 300 i als Leihfahrzeug. Auch das ist keine Alternative zum Foresight.
Vorteile: Motor ist bärig stark (27!!! PS), Fahrwerk sehr komfortabel gleichzeitig ausreichend straff. Bei schneller Fahrt Super Geradeauslauf und kaum aus der Ruhe zu bringen. Top Bremsen mit ABS!!!
Nachteile: Sehr hohe Sitzpostion, für Leute unter 180 fast nicht zu gebrauchen, da man an der Ampel nur noch mit den Zehen auf den Boden kommt. Sehr hoher Schwerpunkt, daher bei langsamer Fahrt kippelig. Völlig unzulänglicher Windschutz; das als Zubehör lieferbare hohe Windschild ist optisch das Letzte und ist viel zu dicht am Kopf, beim Absteigen stößt man garantiert dagegen. Der Tank ist zu klein! Nur minimaler Stauraum, das lieferbare Originalcase ist äußerlich groß, hat aber dennoch kaum Stauraum. Da geht kein Integralhelm und gleichzietig eine Motorradjacke rein, also irgendwas schleppt man immer mit.
Mein Fazit: Die Vorzüge, die der Roller hat, sind bedeutungslos, da das Einsatzgebiet sich mit den genannten Nachteilen auf reine Stadtgebiet beschränkt. Klar kann man auch mal auf die Autobahn oder Schnellstraßen, macht aber auf Grund des hohen Winddrucks auf dem Oberkörper keinen Spaß. In der Stadt braucht man keine 27 PS, da langt auch ein 125 er. Alles in Allem ist der Roller dann dafür viel zu teuer.
Mal sehen, in welche Karrossen der Motor noch eingebaut wird. Vielleicht gibt´s ja dann doch noch mal einen Lichtblick. Der Motor und die Bremsen im Foresight und ich wäre absolut Happy!!!!!
09.12.2009 11:40
guter Einstand! LG Michael
09.06.2008 11:55
well done, Gruß!
20.05.2008 18:26
Interessant! Von mir ein SH. Ein paar Absätze hätten noch gut getan... Bye - Flo